Aktuelles

  • Silke Lauenstein

Euphorie des Sommers ist verflogen.

Die Stimmung in der deutschen Industrie hat sich weiter eingetrübt. Nach dem Höhepunkt im März 2021 sind die Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe nun schon zum fünften Mal in Folge gesunken. Und auch die Exporterwartungen gingen deutlich zurück. Kurzum: Die Sommereuphorie ist gänzlich verflogen. Auf der ifo-Konjunkturuhr ist die deutsche Wirtschaft nun drauf und dran, den Boom-Sektor zu verlassen und in das Abkühlungssegment einzutreten (Grafik). Dies bestätigt das Risiko einer Trendwende in der Konjunktur und untermauert unsere Entscheidung, die Konjunkturkomponente – einen von drei Faktoren des private-wealth-Börsenindikators - auf „Rot“ zu stellen.

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Die Logik hatten wir Ihnen schon vor einem Monat erläutert. Lieferengpässe stören die Produktion weiter massiv. Unsere damals geäußerte Befürchtung, Firmen müssten im schlimmsten Fall bei vollen Auftragsbüchern Kurzarbeit anmelden, scheint sich nun zu bestätigen. Außerdem machen stark gestiegene Inputpreise die Kalkulation schwieriger. Gelingt es nicht, die höheren Inputkosten auf die Verkaufspreise zu überwälzen, leidet die Gewinnmarge.

Neu ist, dass laut Ifo-Institut die Unternehmen nun auch von abgeschwächter Nachfrage berichten.

Für Anleger könnte diese Gemengelage zu einem Problem werden. Die Erwartungen der Investoren an den Aktienmärkten bezüglich des Anstiegs der Unternehmensgewinne im 3. und 4. Quartal 2021 sind sehr hoch. Dies spiegelt sich in den Rekordkursen an der Börse wieder. Würden sie enttäuscht, könnte es zu empfindlichen Korrekturen kommen.

Wie stark diese ausfallen, wird davon abhängen, inwiefern die Anleger bereit sind, „über das Tal“ der Lieferengpässe hinwegzusehen. Schließlich ist eine Beruhigung der Situation im Jahr 2022 durchaus plausibel. Außerdem sind aussichtsreiche Unternehmensbeteiligungen knapp. Das Bedürfnis von Investoren, zu kaufen, ist derzeit jedenfalls offenbar deutlich stärker, als der Wunsch investierter Anleger, zu verkaufen. Das stabilisiert die Kurse (noch).

Nicht zuletzt signalisiert auch der Kapitalmarktseismograf weiter ein positives Umfeld. „Die Wahrscheinlichkeit für eine ruhige positive Marktentwicklung (Grün) und einen positiv-turbulenter Markt (Gelb) liegt kumuliert noch immer bei rund 99 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für einen turbulent negativen Markt (Rot) spielt also keine Rolle“, informiert Oliver Schlick, Geschäftsführer der Secaro GmbH, der den Seismograf regelmäßig berechnet und mit Investitionsempfehlungen verknüpft. Er leitet daraus die Empfehlung „deutliche Übergewichtung“ ab.

Für den private-wealth-Börsenindikator und seine drei Faktoren bedeutet das: Erstens ist Bewertung des deutschen Aktienmarktes zwar ambitioniert, in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld aber nicht überzogen. Das konjunkturelle Verkaufssignal reduziert die Aktienquote dennoch in den Bereich zwischen 45 und 75 Prozent des für Aktien vorgesehenen Kapitals. Die sehr positive Einschätzung des Seismografen hebt die vorgeschlagene Aktienquote des Modells an den oberen Rand des Korridors bei 75 Prozent.

Nach mehr als einem Jahr der Übergewichtung von Aktien hatte der private-wealth-Börsenindikator vor vier Wochen den Fuß vom Gas genommen. Dabei bleibt es auch in diesem Monat. Die wackelige konjunkturelle Situation erhöht die Wahrscheinlichkeit eines turbulenten Herbsts. Für diesen Fall möchten wir ein bisschen Pulver trocken halten.

Bleiben Sie gesund,

Ihr

Klaus Meitinger

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die in private wealth gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

  • Silke Lauenstein

Gewinne mitnehmen.

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Das ifo-Geschäftsklima des Monats Juli hat den Abwärtstrend in der deutschen Industrie bestätigt. Damit schaltet eine von drei Faktoren des private-wealth-Börsenindikators - die Konjunkturkomponente - auf „Rot“. Anleger sollten die Aktienquote reduzieren und zum Teil Gewinne mitnehmen.

Die Details: Nach dem Höhepunkt im Februar 2021 sind die Geschäftserwartungen in der Industrie zum vierten Mal in Folge gesunken. Grundsätzlich galt in der Vergangenheit die Regel: Fallen die Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe drei Mal in Folge, signalisiert dies eine Trendwende in der Konjunktur und gibt für Aktienanleger ein Verkaufssignal. Eigentlich wären deshalb schon vor vier Wochen Gewinnmitnahmen fällig gewesen. Wir hatten dazu im letzten Monat aber bewusst nicht geraten, da die Sorgen der Industrielenker vor allem in Problemen auf der Beschaffungsseite begründet waren –  Lieferengpässe oder in deren Folge stark gestiegene Inputpreise. Wir sahen darin eine Sondersituation und wollten vor einer Veränderung der bislang sehr offensiven Aktienpositionierung abwarten, wie sich die Situation im nächsten Monat weiterentwickelt.

Der aktuelle Rückgang der Erwartungskomponente (siehe Grafik 1) signalisiert nun jedoch, dass sich die Schwierigkeiten offenbar nicht so schnell lösen lassen. Es wäre fahrlässig, dies zu ignorieren. Denn die anhaltenden Lieferengpässe könnten künftig sogar erneut zu einem Herunterfahren der Produktion führen. Firmen müssten dann im schlimmsten Fall bei vollen Auftragsbüchern Kurzarbeit anmelden. Außerdem könnte es schwierig werden, die höheren Inputkosten auf die Verkaufspreise zu überwälzen. Darunter würde dann die Gewinnmarge leiden. Vergessen Sie nicht: Die Erwartungen der Investoren an den Aktienmärkten bezüglich des Anstiegs der Unternehmensgewinne in den kommenden Quartalen sind mittlerweile sehr hoch – würden sie enttäuscht, könnte es zu empfindlichen Rückschlägen an den Börsen kommen. Die aktuellen Ergebnisse des ifo-Instituts lassen dieses Risiko nun deutlich größer erscheinen.

Chart 1

Dazu kommt: Nach einem fulminanten Anstieg seit November 2020 scheinen die Erwartungen der Exporteure bezüglich der Geschäftsentwicklung in den kommenden drei Monaten nun ebenfalls ihren Höhepunkt überschritten zu haben (Grafik 2). Auch vor diesem Hintergrund könnten die Prognosen der Aktienanalysten mit Blick auf die kommenden Monate vielleicht zu optimistisch sein.

Chart 2

Um zu ermitteln, wie sich all‘ dies konkret auf die Allokation des private-wealth-Börsenindikators auswirkt, müssen nun noch die beiden anderen Komponenten des Indikators berücksichtigt werden – die aktuelle Marktbewertung und die Ergebnisse des Kapitalmarktseismografen.

Unsere Berechnung des fairen Wertes des DAX basiert auf Datenmaterial seit dem Jahr 1954 und wurde vor einem Jahr an die Erwartung angepasst, dass die Notenbanken mehr Wachstum und höhere Inflationsraten tolerieren, ohne die Zinsen anzuheben. Unter dieser Annahme – die aus unserer Sicht weiter sehr plausibel ist – liegt der deutsche Aktienindex DAX aktuell knapp unter seinem fairen Wert. Aus Bewertungssicht besteht also kein Grund, pessimistisch zu werden. Das konjunkturelle Verkaufssignal allein reduziert die Aktienquote auch nur in den Bereich zwischen 45 und 75 Prozent des für Aktien vorgesehenen Kapitals (bei grüner Konjunkturampel läge der Korridor zwischen 75 und 110 Prozent).

Für die Festlegung der genauen Positionierung innerhalb dieses Korridors nutzen wir als wichtige dritte Komponente die Daten des Kapitalmarktseismografen, den Oliver Schlick, Geschäftsführer der Secaro GmbH, regelmäßig berechnet und mit Investitionsempfehlungen verknüpft. „Der Seismograf ist weiter positiv, die Wahrscheinlichkeit für eine ruhige positive Marktentwicklung (Grün) und einen positiv-turbulenter Markt (Gelb) liegt kumuliert bei rund 99 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für einen turbulent negativen Markt (Rot) spielt derzeit immer noch keine Rolle“, informiert Schlick und leitet daraus weiter die Empfehlung „deutliche Übergewichtung“ ab.

Für den private-wealth-Börsenindikator bedeutet das: Die sehr positive Einschätzung des Seismografen hebt die vorgeschlagene Aktienquote an den oberen Rand des Korridors bei 75 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat werden dennoch in signifikanter Form Gewinne mitgenommen. Damals lag die Quote schließlich noch bei 110 Prozent.

Der private-wealth-Börsenindikator nimmt also nach einer langen Phase der Übergewichtung in Aktien den Fuß vom Gas. Sollte sich der Abwärtstrend bei den ifo-Geschäftserwartungen in den nächsten Monaten umkehren, würde das Modell allerdings auch schnell wieder offensiver werden. Bis dahin bleiben wir vorsichtig.

Haben sie einen entspannten Sommer,

Ihr

Klaus Meitinger

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die in private wealth gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

  • Klaus Meitinger

Ist die Party vorbei?

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Wenn die Party am schönsten ist, heißt es, sollte man gehen. An den Aktienmärkten läuft es schon seit Monaten rund und der private-wealth-Börsenindikator ist mit einer Übergewichtung in Aktien voll dabei. Doch nun gibt die Konjunkturkomponente des Modells ein Verkaufssignal. Ist es an der Zeit, Gewinne zu realisieren?

Schauen wir uns das aktuelle ifo-Geschäftsklima genauer an. Zwar hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juni insgesamt weiter verbessert. Doch die für den Börsenindikator ausschlaggebenden Erwartungen in der Industrie fielen zum dritten Mal hintereinander. Sie hatten schon im März bei 25,2 Punkten ihren Höhepunkt erreicht.

In der Vergangenheit signalisierte eine solche Entwicklung oft eine Trendwende in der Konjunktur. Häufig erreichten Geschäftserwartungen bei Werten zwischen 20 und 30 Punkten ihren Zenit. Danach trübte sich die Geschäftslage ein, das Wachstum ließ deutlich nach und die Firmenerträge gingen zurück. Weil die optimistischen Prognosen der Analysten nun weit verfehlt wurden, kam es zu Turbulenzen an den Aktienmärkten.

Deshalb sieht der private-wealth-Börsenindikator in einer derartigen Situation eigentlich eine deutliche Reduktion der Aktienquote vor.

Eigentlich. Denn dieses Mal ist der Rückgang bei der Erwartungskomponente in der Industrie nicht – wie in normalen Konjunkturzyklen – auf Einbußen bei der Nachfrage zurückzuführen. Die Industrielenker machen sich vor allem über Probleme auf der Beschaffungsseite Sorgen – seien es Lieferengpässe oder in deren Folge stark gestiegene Inputpreise. Die Ökonomen des ifo-Instituts raten deshalb selbst dazu, die Daten noch nicht zu überbewerten.

Die aktuellen Schwierigkeiten auf der Angebotsseite sind eindeutige Nachwehen der Pandemie. Die Kapazitäten wurden zunächst überall zurückgefahren und können nun nicht schnell genug angepasst werden, um die dynamisch steigende Nachfrage einer Weltwirtschaft im Nachhol-Modus zu befriedigen. In den kommenden Monaten sollten sich Angebot und Lieferketten normalisieren. Dann dürften auch die Unternehmer wieder optimistischer werden. Vergessen wir nicht: Es besteht Konsens unter den Volkswirten, dass die nächsten zwölf Monate sehr starkes, weltweit synchrones Wirtschaftswachstum bringen werden. Sollte dies nur annähernd richtig sein, müssten sich auch die Geschäftserwartungen in der Industrie wieder verbessern.

Wir wissen natürlich: Regel ist Regel. Ein dreimaliger Rückgang der Erwartungen signalisiert zweifellos höhere konjunkturelle Risiken. Und wir wissen auch, dass die teuersten vier Worte an der Börse lauten: „Diesmal ist es anders.“

Trotzdem sehen wir in der aktuellen Schwäche der Geschäftserwartungen eine Sondersituation und warten vor einer Veränderung der bislang sehr offensiven Aktienpositionierung ab, ob sich der Abwärtstrend im kommenden Monat wirklich fortsetzt.

Diese Vorgehensweise deckt sich auch mit den Ergebnissen des Kapitalmarktseismografen. Der kurzfristige Signalgeber für die Aktien-Allokation ist weiter uneingeschränkt positiv. Die Wahrscheinlichkeit für eine ruhige, nach oben gerichtete Marktentwicklung (Grün) changiert mittlerweile zwischen 80 und 90 Prozent. Gelb – ein positiv-turbulenter Markt – spielt noch eine kleine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit für einen turbulent negativen Markt (Rot) liegt aber nahe Null. „Die Empfehlung bleibt: Deutliche Übergewichtung,“ fasst Oliver Schlick zusammen, der als Geschäftsführer der Secaro GmbH die Wahrscheinlichkeiten des Seismografen regelmäßig berechnet und sie mit Investitionsempfehlungen verknüpft.

Fazit:

Weil wir das Verkaufssignal der Konjunkturkomponente im private-wealth-Börsenindikator aufgrund der beschriebenen Sondersituation bewusst aussetzen, bleibt die vorgeschlagene Aktienquote bei 110 Prozent des für die Aktienanlage vorgesehenen Kapital.

Haben sie einen entspannten Sommer,

Ihr

Klaus Meitinger

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die in private wealth gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

  • Klaus Meitinger

Rückblick - Es ist viel passiert...

Rueckblick aufmacherPerfekte Nachfolger.

In Ausgabe 01/18 hatte private wealth über die Investmentidee „Search-Funds“ berichtet. Herausragende Uni-Absolventen versuchen bei diesem Modell, ein etabliertes mittelständisches Unternehmen mit einem Nachfolgeproblem zu finden, das sie kaufen können – um es dann selbst weiterzuführen. Investoren unterstützen diesen Prozess und sichern sich so einen Anteil an interessanten Firmen, falls die Suche erfolgreich ist.

Diese brillante Idee nahm bislang nur deshalb noch nicht so richtig Fahrt auf, weil es an Absolventen mit Mut fehlte. Nun starten zwei Searcher – Alexander Hansen und Christopher King – einen Versuch. „Unternehmerisch tätig zu sein. Ohne starre Strukturen das machen zu können, von dem wir überzeugt sind und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen – so stellen wir uns die Zukunft vor.“ Der Mittelstand sei deshalb so etwas wie das natürliche Ziel: „Die langfristige Orientierung, die besondere Verbundenheit mit den Mitarbeitern, die tiefe Verwurzelung in der Gemeinschaft – all das hat uns schon immer begeistert.“

Potenzielle Zielunternehmen gibt es in Deutschland mehr als genug. Laut einer Studie der KfW sind 62 Prozent der Eigentümer im Mittelstand älter als 50 Jahre. „Wir bieten allen, die selbst keine Kinder haben, eine zweitbeste Möglichkeit zur Weitergabe ihres Unternehmens, weil wir einen ähnlichen Ansatz verfolgen wie ein familieninterner Nachfolger. Wir möchten das Lebenswerk langfristig und nach den Grundsätzen des Gründers fortführen. Wir bieten einen fairen Preis. Und wir sind sehr flexibel. Der Unternehmer kann ausscheiden. Oder noch länger mit uns zusammenarbeiten. Darüber würden wir uns sogar sehr freuen“, zählen Hansen und King die Vorzüge ihres Modells auf.

Die Voraussetzungen, dass sie damit Erfolg haben könnten, sind gut. Die beiden haben digitales Know-how. Sie verfügen über komplementäre Fähigkeiten – Hansen bringt Expertise im Finanz- und Rechnungswesen mit, King hat operative Erfahrung im internationalen Konzernumfeld gesammelt. Und sie konnten als Investoren und Beiräte das „Who‘s who“ der Europäischen Search-Funds-Szene gewinnen. Nun fehlt nur noch das passende Unternehmen.

Großes Comeback.

Seit 2010 beobachtet private wealth, wie Harpreet Singh, Gründer der Biotech-Firma Immatics, sein Ziel verfolgt, den Krebs zu besiegen. Die Methode: Er sucht Strukturen auf der Oberfläche von Krebszellen, an denen körpereigene Immunzellen diesen erkennen, um ihn dann bekämpfen zu können.

Nach einigen Rückschlägen scheint Singh nun zurück in der Erfolgsspur. Im Sommer 2020 gelang über einen SPAC der Börsengang. Mit mehr als 250 Millionen Dollar Cash hat Immatics nun genug Kapital, um seine Entwicklungen  voranzutreiben.

Und die sehen vielversprechend aus. Im Februar 2021 veröffentlichte die Firma sehr gute klinische Daten. Es scheint so, als ob Singh nun Tumorgewebe genauer von normalem Gewebe unterscheiden kann. Wenden sich dann die meisten T-Zellen tatsächlich gegen Tumore, wäre das ein Durchbruch. Investoren sollten die Aktie nicht aus den Augen verlieren.

  • Klaus Meitinger

Volle Pulle.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

trotz steigender Infektionszahlen setzt sich die Konjunkturerholung in der deutschen Wirtschaft mit erhöhter Dynamik fort. Das seit Juli 2020 etablierte Aufschwungs-Szenario hat sich damit weiter gefestigt. Unterstrichen wird dies durch die aktuellen Umfragen des ifo-Instituts zum Geschäftsklima und zu den Exporterwartungen. Diese sind im März sogar auf den höchsten Stand seit Januar 2011 gestiegen!

Besonders beeindruckend ist die Entwicklung in der Industrie, deren Erwartungen ein wichtiger Indikator für den private-wealth-Börsenindikator ist. Dort geht es in rasantem Tempo steil aufwärts. In allen Industriebranchen, berichtet das ifo-Institut, habe die Nachfrage merklich angezogen. Die Erwartungen sind heute so optimistisch wie zuletzt im November 2010.

Das sieht gut aus. Das absolute Highlight des aktuellen Berichts zum ifo-Geschäftsklima ist für uns aber, dass die Münchner Forscher ihre Konjunkturuhr gerade neu kalibriert haben. Wir hatten Ihnen diese Grafik schon häufig an dieser Stelle präsentiert. Sie zeigt auf einen Blick, in welcher Konjunkturphase sich die deutsche Wirtschaft befindet – Erholung, Boom, Abkühlung oder Krise.

In den letzten Monaten war die Aussage der Uhr ein bisschen schwer zu interpretieren. So hatte die Konjunkturuhr schon im September 2020 wieder den Boom-Sektor erreicht, was damals nur schwer mit den tatsächlichen Berichten aus den Unternehmen in Einklang zu bringen war.

Der Grund findet sich in der Berechnungsmethode. Um den Saldo der Firmenmeldungen zu Geschäftslage und Geschäftserwartung zu ermitteln, wird der prozentuale Anteil der negativen Antworten vom prozentualen Anteil der positiven Abgezogen. Halten diese sich die Waage, ist der Saldo Null. Ein Saldo von Null wurde deshalb bislang als rechnerischer Normalzustand der Wirtschaft definiert und entsprach darum dem Fadenkreuz der Ifo-Uhr. 

Analysen des ifo-Instituts zeigen aber, dass die langfristigen Mittelwerte – also der tatsächliche Normalzustand der Wirtschaft – in der Vergangenheit immer bei Salden deutlich oberhalb von Null erreicht wurde. Um die wahre Situation der Wirtschaft auf der Konjunkturuhr darstellen zu können, musste das Fadenkreuz an den faktisch realisierten Normalzustand angepasst und entsprechend verschoben werden. Genau das hat das ifo-Institut nun getan. Den Unterschied können Sie in den Abbildungen unten nachvollziehen – links sehen Sie die „alte“ Konjunkturuhr vom Februar, rechts die „neue“ vom März. De fakto verschiebt sich das Fadenkreuz bei der neuen Konjunkturuhr um die jeweiligen Mittelwerte nach rechts oben.

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Wir finden, die neue Darstellungsform – an den Grunddaten änderte sich ja nichts – zeigt besser, wo sich die Wirtschaft befindet. Danach hat Deutschland eben den Krisenquadranten verlassen und befindet sich nun in der Phase der Erholung. Auch die Idee des private-wealth-Börsenindikators lässt sich so besser nachvollziehen. Wir möchten investiert sein, wenn sich die Konjunktur auf der ifo-Uhr von links unten (Krise) über die Erholung nach rechts oben (Boom) bewegt. Und wir möchten tendenziell an der Seitenlinie stehen, wenn es von rechts oben (Boom) über den Abschwung nach links unten (Krise) geht.

Die aktuelle Botschaft für Anleger lautet: Bis zu einer Überhitzung im Boom-Quadranten ist es noch ein weiter Weg. Die Konjunkturkomponente im private-wealth-Börsenindikator könnte, isoliert betrachtet, noch lange Zeit grünes Licht für Aktienanlagen anzeigen.

Fazit:

Da der Ifo-Konjunkturindikator ist weiter positiv und auch der Seismograf läßt seit Monaten unverändert eine Übergewichtung von Aktien ratsam erscheinen. Aktuell halten sich die „grüne“ Wahrscheinlichkeit, die einen ruhigen Markt mit positivem Trend erwartet lässt und die „gelbe“ Wahrscheinlichkeit eines turbulenten Marktes mit positiver Erwartung in etwa die Waage. „Rot“ – turbulenter Markt mit negativer Erwartung – spielt weiter keine Rolle. „Die grüne Wahrscheinlichkeit hat zuletzt sogar wieder Anteile gewonnen. Das ist positiv und stärkt die seit langem gültige Empfehlung: Deutliche Übergewichtung,“ fasst Oliver Schlick zusammen, der als Geschäftsführer der Secaro GmbH die Wahrscheinlichkeiten berechnet und sie mit Investitionsempfehlungen verknüpft.

Wir hatten vor einem Monat darauf hingewiesen, dass die konkrete Ausprägung der Aktiengewichtung davon abhängt, ob das Narrativ eines Konjunkturbooms und deutlich steigender Firmenerträge bei gleichzeitig anhaltend niedrigen Zinsen weiter Gültigkeit hat. 

Konkret berechnen wir deshalb zwei Szenarien für Sie. Im ersten Fall, dem wir selbst derzeit eine größere Wahrscheinlichkeit beimessen, gilt als Annahme, dass die „Null-Zins-Ära“ der großen Notenbanken noch lange Zeit anhält (bei der Berechnung gehen wir von zehn Jahren aus). Trotzdem steigen aber die Firmenerträge im Trend der letzten Jahre. Dann würde der private-wealth-Börsenindikator zu einer Aktienquote im Korridor zwischen 90 und 120 Prozent des für Aktienanlagen vorgesehenen Kapitals raten. Und da der Seismograf eine Übergewichtung für sinnvoll erachtet, läge die konkrete Aktienquote des Börsenindikators bei 110 Prozent.

Wer an die „alte“ Welt glaubt, in der mit der Konjunktur auch die Zinsen steigen, muss angesichts der hohen Bewertung an den Märkten vorsichtiger sein. In diesem Fall ist derzeit eine Aktienquote von 90 Prozent des für Aktien vorgesehenen Kapitals angezeigt. 

Ihr

Klaus Meitinger

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die in private wealth gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

 

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