• Klaus Meitinger

private-wealth-Börsenindikator erhöht Aktienquote.

ifo index jul2020Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

so etwas gab es noch nie. In nur fünf Monaten ist Deutschlands Konjunktur von Fast-Noch-Boom durch den Abschwung und die Rezession zurück in den Aufschwungsquadranten der ifo-Konjunkturuhr gegangen (Grafik unten). Ein Zyklus im Zeitraffer. Damit ist die Rezession nach der Diktion der Münchner Konjunkturforscher beendet, ein neuer Aufschwung ist etabliert.

Dies hat Konsequenzen für die Positionierung des private-wealth-Börsenindikators.

Wie Anfang April skizziert, nutzt das Modell zwei Indikatoren. Erstens sind Aktienkäufe interessant, wenn der Gesamtmarkt günstig bewertet ist. Und sie sind riskant, wenn der Markt hoch bewertet ist. Zweitens sind Aktienengagements aussichtsreich, wenn zu erwarten ist, dass sich die Konjunktur und damit die Firmengewinne verbessern. Und sie sind weniger lukrativ, wenn zu erwarten ist, dass sich Konjunktur und Erträge verschlechtern.

Die Antwort auf die zweite Frage – wie entwickelt sich die Wirtschaft? – liefert die monatliche Umfrage des Münchner ifo-Instituts zum Geschäftsklima. Stiegen die Geschäftserwartungen in der Industrie nach einem vorherigen Abschwung dreimal hintereinander an, wertet das ifo-Institut dies als Beginn eines neuen langfristigen Trends. Genau das ist jetzt passiert. Die Konjunkturkomponente des Börsenindikators gibt also nun wieder grünes Licht für Aktienanlagen.

Die Bewertung ist allerdings nicht so günstig, wie dies in der Vergangenheit zu Beginn eines Aufschwungs üblich war. Die Geldschwemme der Notenbanken und die Alternativlosigkeit angesichts der Perspektive jahrzehntelanger Nullzinsen haben dafür gesorgt, dass der DAX heute über seinem fairen Wert notiert. Dieser wird von der Redaktion aus volkswirtschaftlichen Daten abgeleitet und spiegelt in etwa den erwarteten langfristigen Pfad am Aktienmarkt wider. Derzeit liegt dieser faire Wert zwischen 11000 und 12000 DAX-Punkten.

In einer derartigen Konstellation – Konjunkturwende nach oben bei etwas zu teurem Aktienmarkt – legt der Börsenindikator nahe, die Aktienquote weiter aufzubauen, ohne allerdings Vollgas zu geben. Konkret schlägt das Modell für die Aktiengewichtung nun einen Korridor zwischen 60 und 90 Prozent der individuell als passend erachteten Aktienquote vor.

Für die genauere, kurzfristige Aktienpositionierung innerhalb dieser Bandbreite nutzen wir die Ergebnisse des Kapitalmarktseismografen. Anhand eines komplexen mathematischen Models, in das sowohl ökonomische Variablen als auch direkte Marktindikatoren eingehen, schätzt der Seismograf die Wahrscheinlichkeit dreier Marktzustände im kommenden Monat. Dabei bedeutet "grün", dass ein ruhiger Markt mit positivem Trend erwartet wird. Anleger können beruhigt investieren. "Gelb" weist auf einen turbulenten Markt mit positiver Erwartung hin – Investieren ist in Ordnung, eine Absicherung aber angezeigt. Und "Rot" signalisiert einen turbulenten Markt mit negativer Erwartung. Der Ratschlag lautet dann: Nicht Investieren.

Schon seit Anfang April signalisierte der Seismograf eine Verbesserung der Situation an den Aktienmärkten. Dominierte bis dahin die „rote“ Wahrscheinlichkeit, so übernahm seither sukzessive „gelb“ das Regime. Seit Ende April dominiert die Wahrscheinlichkeit für einen positiv turbulenten Markt (Gelb) ganz klar das Geschehen. „Die Wahrscheinlichkeit für negative Turbulenzen liegt mittlerweile auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit. Dies rechtfertigt nach wie vor eine deutliche Übergewichtung von Aktien“, erklärt Oliver Schlick, der die Daten des Seismografen regelmäßig berechnet.

Fazit:

Die empfohlene Aktiengewichtung des private wealth-Börsenindikators lag seit geraumer Zeit im Korridor zwischen 30 und 70 Prozent. Da beim Kapitalmarktseismografen die Wahrscheinlichkeit für einen positiv turbulenten Markt dominiert, sollten seit Mitte April 60 Prozent des für Aktienanlagen vorgesehenen Kapitals investiert werden.

In den letzten Wochen wiesen wir darauf hin, dass eine Erhöhung des Korridors Ende Juli angezeigt wäre, falls sich die Geschäftserwartungen weiter verbessern.

Dies ist nun der Fall. Die empfohlene Aktiengewichtung des private wealth-Börsenindikators liegt nun im Korridor zwischen 60 und 90 Prozent. Da der Kapitalmarktseismograf weiter zur Übergewichtung rät, aber gleichzeitig die Bewertungssituation berücksichtigt werden muss, sollten aktuell 80 Prozent des für Aktienanlagen vorgesehenen Kapitals investiert werden.

Ihr

Klaus Meitinger

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