• Sonderveröffentlichung: Dr. Christian Jasperneite CIO, M.M.Warburg & CO

Aus Fantasie Rendite machen.

Technologie. Die Corona-Krise ist eine gewaltige Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Und eine Disruption von historischem Ausmaß. Für Aktienanleger wird es jetzt noch wichtiger als bisher sein, auf Firmen mit disruptiven Geschäftsmodellen zu setzen.

Wer Anleger fragt, wo sie am liebsten investieren möchten, erhält oft eine einfache Antwort: „In das nächste Amazon, Alphabet, Facebook. Denn durch die Corona-Krise werden disruptive Prozesse in der Wirtschaft weiter beschleunigt.“

Die Idee ist natürlich richtig. Schwierig ist nur, Firmen zu identifizieren, die von disruptiven Prozessen profitieren können. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich A. von Hayek sagte in ähnlichen Fällen sogar, dass es einer Anmaßung von Wissen gleichkäme, würden einzelne Personen versuchen, derart komplexe Entwicklungen zu antizipieren.

Das ist auch der Grund, warum wir kleinen Expertengremien kritisch gegenüberstehen. Sie mögen vielleicht in der Lage sein, disruptive Potenziale von Geschäftsmodellen zu erkennen. Wenn es aber darum geht, abzuschätzen, wann diese Potenziale für den Kurs einer Aktie bewertungsrelevant werden, liegen diese Personen erfahrungsgemäß oft falsch.

Bei Warburg gehen wir einen anderen Weg. Wir haben zwei Arbeitshypothesen aufgestellt. Erstens: Es ist in diesem speziellen Fall sinnvoller, auf die Intelligenz und Intuition einer großen Zahl von Personen zu setzten als auf einzelne Empfehlungen. Zweitens: Es ist wenig zielführend, Disruptionen antizipieren zu wollen, bevor sie tatsächlich unternehmerisch relevant und visibel werden.

Aus beiden Prämissen entwickelten wir eine be­sondere Selektionsmethode. Weltweit pflegen Tausende von Analys­ten Datenbanken mit Schätzungen für eine große Anzahl von Unternehmenskennzahlen. Diesen Datensatz nutzen wir im Sinne von Big Data, um mit statistischen Verfahren nach Mustern im Verlauf dieser Schätzungen zu fahnden, wie sie für erfolgreiche Unternehmen in der Frühphase disruptiver Prozesse in der Vergangenheit typisch waren. Zu den vielen Kennzahlen, die wir untersuchen, gehören Schätzungen des Cashflows, der Umsätze, der Gewinne, aber beispielsweise auch des Buchwerts.

Dabei geht es nicht wie in klassischen Selektionsprozessen um das Niveau der Kennzahlen. Sondern immer nur um die Dynamik. Unternehmen mit visibel werdenden Disruptionsprozessen zeichnen sich dadurch aus, dass Schätzungen ihrer Bilanzkennzahlen aus einem für das Unternehmen typischen Entwicklungspfad ausbrechen und damit einen Strukturbruch sichtbar machen.

Die Kunst besteht darin, mit relativ wenigen Datenpunkten und damit wenig Zeitverzug mit hinreichender Sicherheit eine Unterscheidung zwischen „statistischem Rauschen“ und einer ökonomisch relevanten Entwicklung treffen zu können. Dabei kann es allerdings vorkommen, dass der Algorithmus auf disruptionsverdächtige Muster stößt, die sich als Sondereffekte wie Veränderungen von Rohstoffpreisen oder Regulierungseingriffe herausstellen. Deshalb ist eine finale Prüfung durch einen erfahrenen Portfoliomanager unerlässlich. Der Faktor Mensch wird also im Prozess nicht ausgeschlossen – er kommt nur an der Stelle zum Einsatz, wo er den größten Mehrwert leisten kann.

Zuweilen kommt an dieser Stelle von Investoren die Frage, wie sie so in Unternehmen investieren können, die noch in der „Garage“ an der nächsten ganz großen Innovation arbeiten. Die ehrliche Antwort lautet, dass dies nicht möglich ist. Es ist aber auch nicht nötig. Die digitale Kamera wurde zum Beispiel von Kodak entwickelt – und Kodak ist trotzdem untergegangen. Oft scheitern gerade die Pioniere disruptiver Geschäftsmodelle und Ideen, bevor sich die Ideen in einem zweiten oder dritten Anlauf erfolgreich entfalten. Das ist dann der Moment, an dem unser Selektionsansatz seine Fähigkeiten zeigen muss. ®

Sonderveröffentlichung:

Dr. Christian Jasperneite

CIO, M.M.Warburg & CO

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