• Jennifer Bligh

Der Entwickler.

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PolaroidNur selten gelingt es Unternehmern, ein Produkt zu schaffen, dessen Name dann aufgrund seiner Bekanntheit später als Synonym für alle Variationen steht. Edwin Herbert Land ist so ein Fall – noch heute gilt für ein Foto mit einer Sofortbildkamera: Ich mache ein Polaroid.

Es ist das Comeback des Jahres. Heute werden mehr Sofortbildkameras verkauft als zu Zeiten der Analogfotografie. Foto-Unikate, die nicht replizierbar sind und sofort in der Hand gehalten werden können, setzen einen Kontrapunkt im Digitalzeitalter. Nutzer müssen überlegen, bevor sie abdrücken. Und für den Film bezahlen.

Die Renaissance dieses Slow Food der Fotografie rückt einen ganz besonderen Mann in den Fokus: Edwin Herbert Land, geboren am 7. Mai 1909 in Connecticut.

Land ist fanatischer Forscher, energiegeladener Entwickler und kreativer Kopf. In den 81Jahren seines Lebens wird er 535 Patente anmelden – für nicht reflektierende Sonnenbrillen, 3-D- Brillen, Nachtsichtgeräte, die Sofortbildkamera und viele andere bahnbrechende Erfindungen. Sein Leitspruch ist dabei immer: „Starte niemals ein Projekt, es sei denn, es ist unglaublich wichtig und fast unmöglich.“

Als Edwin Land 1926 in Harvard Physik studiert, interessieren ihn deshalb auch die allgemeinen Lehrinhalte sehr viel weniger als die eigenen Forschungen. Die meiste Zeit investiert er, um das Geheimnis zu ergründen, wie sich Lichtwellen filtern lassen. 1929 reicht der 20-Jährige dann sein erstes Patent ein: polarisierende Fotoblätter, mit denen Bilder ohne störende Lichtreflektionen entwickelt werden können.

Drei Jahre später gründet er mit dem Physik-Dozenten George Wheelwright III die Land-Wheelwright Laboratories in Cambridge, Massachusetts, um diese Fotoblätter zu vermarkten. Doch es ist die Zeit der Großen Depression, Geld ist rar. Erst zwei Jahre später ziehen die beiden den ersten Großkunden an Land: Kodak. 1937 finanzieren dann acht Geldgeber mit 375 000 Dollar Kapital die Umfirmierung zu einer Firma, die ihren Namen vom Produkt ableitet: Polaroid. Präsident, Vorsitzender und Chefentwickler wird Land.

Jetzt kann Land seinen Forscherdrang ausleben. Als er 1939 mit seinen 3-D-Brillen fünf Millionen Zuschauer im Chrysler-Pavillon auf der Weltmesse in New York beeindruckt, bringt ihm das den Titel eines der „wichtigsten Erfinder der vergangenen 25 Jahre“ ein. Auch ökonomisch hat er Erfolg. Der wichtigste Kunde, die US-Armee, kauft Sonnenbrillen, Nachtsichtgeräte, Panzerteleskope. Bis 1941 steigt die Mitarbeiterzahl auf 240, der Umsatz auf eine Million Dollar. Am Ende des Zweiten Weltkriegs liegt er bei 16 Millionen Dollar, fällt dann allerdings wieder auf zwei Millionen zurück.

Land muss sich etwas Neues einfallen lassen. Seine dreijährige Tochter Jennifer bringt ihn auf eine Idee, als sie ihn fragt, warum sie das Foto, das er eben von ihr geschossen hat, nicht sehen könne. Land erzählt später, er habe „innerhalb von einer Stunde die Kamera, den Film und die physikalische Zusammensetzung im Kopf“ gehabt. Alle Vorgänge in der Dunkelkammer sollten sich direkt auf dem eingelegten Film abspielen. Das Foto wäre binnen Sekunden entwickelt.

Am 21. Februar 1947 stellt Land bei einem Treffen der Optical Society of America die „Land-Camera“ vor. Das Model 95 kommt 1948 in den Handel. Es kostet stolze 90 US-Dollar – in heutiger Kaufkraft ausgedrückt sind das an die 900 Dollar. Polaroid wächst nun schnell auf 20000 Mitarbeiter. 1957 folgt der Börsengang. Anfang der 1970er erreicht der Umsatz eine halbe Milliarde Dollar. Land ist ein wohlhabender Mann. Und das Modell SX-70 Inbegriff für die Fotografie der 1970er. Die nächste Innovation ist jedoch ein Fiasko: „Polavision“, Lands 8-mm-Filmsystem, ist nach zehn Jahren Entwicklung von Sonys Videokameras bereits überholt. Land selbst wird ins Präsidium der Firma wegbefördert, 1982 zieht er sich aus dem Geschäftsleben zurück. Lieber forscht er bis zu seinem Tod 1991 im von ihm 1965 gegründeten Rowland Institute for Science. Mit Polaroid geht es nun immer weiter bergab. 2008 beantragt das Unternehmen Insolvenz.

Doch das Polaroid selbst ist nicht totzukriegen. Im Jahr 2010 starten ein paar Enthusiasten „The Impossible Project“. In der ehemaligen Polaroid-Fabrik in Enschede stellen sie Filmmaterial für Sofortbildkameras her. Das ist damals nur für wenige Fotoliebhaber unglaublich wichtig und als Geschäftsidee fast unmöglich. Funktioniert hat es trotzdem. ®

Autorin: Jennifer Bligh

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