• Klaus Meitinger

private-wealth-Börsenindikator vor Aktienquotenerhöhung.

(Geschätzte Lesezeit: 3 - 6 Minuten)

Börsenindikator

Seit mehr als 15 Jahren gibt der Börsenindikator von private wealth Aktienanlegern wertvolle Hinweise zur Allokation des Aktienteils im Depot. Im Grundsatz geht es dabei darum, herauszufinden, wann das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken bei der Aktienanlage positiv ist. Und wann nicht. Wer sich daran orientierte, hätte die langen Aufwärtsphasen an den Märkten mitgemacht und die großen Verlustphasen zumindest zum Teil vermieden.

Wie positioniert sich der Börsenindikator mit Blick auf das neue Jahr?

Der Börsenindikator kombiniert drei Faktoren – Konjunkturindikator, Fair-Value-Berechnung und die Ergebnisse des Kapitalmarktseismografen.

Der langfristige Korridor für die Aktienquote im Depot wird durch einen Konjunkturindikator und die internen Berechnungen der Redaktion zum fairen Wert des DAX definiert. Die Idee: Ein hohes Aktienengagement ist ratsam, wenn der Aktienmarkt günstig bewertet ist und/oder wenn sich die Konjunktur und damit die Firmengewinne verbessern. Vorsicht ist angezeigt, wenn zu erwarten ist, dass sich Konjunktur und Erträge verschlechtern und/oder der Markt sehr hoch bewertet ist.

Innerhalb des so definierten Korridors entscheiden die Ergebnisse des Kapitalmarktseismografen über die exakte Positionierung. Dessen Ergebnisse übersetzt Oliver Schlick, Geschäftsführer der Secaro GmbH, seit dem Jahr 2017 in ein Aktien-Allokationsschema. Signalisiert der Seismograf eine Aktien-Übergewichtung, positioniert sich der private-wealth-Börsenindikator im oberen Bereich des langfristig anvisierten Korridors und umgekehrt.

Schauen wir uns nun die einzelnen Faktoren zum Jahreswechsel an:

Die Frage, ob der Aktienmarkt billig oder teuer ist, beantwortet die Redaktion anhand eines langfristigen Trendmodells, in das ein breiter Querschnitt volkswirtschaftlicher Daten eingeht. Diese Berechnung des fairen Wertes des DAX basiert auf Datenmaterial seit dem Jahr 1954. Vor einem Jahr wurde sie an die Erwartung angepasst, dass die Notenbanken mehr Wachstum und höhere Inflationsraten tolerieren würden, ohne die Zinsen anzuheben. Diese Annahme wurde mittlerweile nachhaltig bestätigt. Trotz hohem nominalen Wachstum (reales Wachstum plus Inflation) blieb die EZB bei ihrer Minus-Zins-Politik.

Unter der Annahme, dass dieses neue Regime anhält – aus unserer Sicht ist dies weiter sehr plausibel – liegt der deutsche Aktienindex DAX derzeit mehr als zehn Prozent unter seinem fairen Wert. Der MDAX ist allerdings selbst dann noch deutlich überbewertet.

Insgesamt bewegt die Bewertung des deutschen Aktienmarktes in der Nähe des fairen Wertes. Konkret bedeutet das: Der Bewertungsindikator ist derzeit neutral.

Was sagt die Konjunkturkomponente?

Die Antwort darauf liefert das Geschäftsklima des Münchner ifo-Instituts. Jeden Monat befragen die Forscher rund 9000 Unternehmer nach der Geschäftslage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

Vor allem die Geschäftserwartungen in der exportorientierten deutschen Industrie haben sich in der Vergangenheit als sehr treffsichere Konjunkturindikatoren erwiesen.

Gingen die Erwartungen nach einem vorherigen Anstieg dreimal hintereinander zurück, stieg die Wahrscheinlichkeit für einen Wirtschaftsabschwung in Deutschland. Und auch in der Weltwirtschaft zogen dann in der Regel dunklere Wolken auf.

Verbesserten sich die Erwartungen dann wieder dreimal hintereinander, war dies meist ein Signal für einen positiven Wendepunkt bei Konjunktur und Unternehmensergebnissen – und damit gleichzeitig ein Kaufsignal am Aktienmarkt.

Die Geschäftserwartungen in der Industrie hatten im Juli 2021 ein Verkaufssignal geliefert und waren in den Monaten danach auch weiter gefallen. Deshalb hatte der private-wealth-Börsenindikator im Sommer die Aktienquote reduziert.

Nun deutet sich – fast schon im Verborgenen – eine positive Trendwende an. Zwar ging das ifo-Geschäftsklima insgesamt in den letzten Monaten weiter zurück. Doch bei den für den Indikator entscheidenden Geschäftserwartungen in der Industrie meldete das ifo-Institut schon Ende November einen ersten, leichten Anstieg. Im Dezember verbesserten sich die Erwartungen nun weiter. Bestätigt sich dieser Trend im Januar mit einem dritten Anstieg, wäre die Voraussetzung für eine positive Wende erfüllt. Die Konjunkturkomponente des Börsenindikators würde dann wieder grünes Licht für Aktien geben.

Wie ist der Kapitalmarktseismograf positioniert:

Der Seismograf kombiniert verschiedene ökonomische Variablen und destilliert daraus die Wahrscheinlichkeiten für drei Marktzuständen im nächsten Monat, die der Verkehrsampel nachempfunden sind. Grün steht für die Erwartung eines ruhigen, positiven Marktes. Gelb bezeichnet die Wahrscheinlichkeit für einen turbulent-positiven Markt. Und Rot zeigt die Wahrscheinlichkeit für einen oder turbulent-negativen Markt. Stiegt sie deutlich an, droht ein Börsengewitter und es ist Zeit, sich zu verabschieden.

Schon das gesamte Jahr 2021 zeichnete der Seismograf ein sehr positives Bild. Oliver Schlick leitete daraus regelmäßig die Empfehlung „deutliche Übergewichtung“ in Aktien ab. Aktuell ist die Wahrscheinlichkeit für positive, ruhige Märkte (Grün) weit über zwei Drittel. Die Wahrscheinlichkeit für negativ turbulente Märkte (Rot) liegt, wie Schlick berichtet, mit weniger als drei Prozent unter der Fühlbarkeitsschwelle. Der Rest entfällt auf die Wahrscheinlichkeit für positiv turbulente Märkte (Gelb). Schlicks Fazit: „Das Bild bleibt weiter unverändert. Der Seismograf empfiehlt auch zum Jahreswechsel eine deutliche Übergewichtung.“

Fazit:

In den ersten sieben Monaten bis Ende Juli war der private-wealth-Börsenindikator zu 110 Prozent im Aktienmarkt investiert. Die Konjunktursignale waren positiv, die Bewertung nicht überzogen und der Seismograf avisierte eine Übergewichtung von Aktien.

Im Sommer hatte das private-wealth-Börsenbarometer dann angesichts der konjunkturellen Schwierigkeiten die Aktienquote in den Korridor zwischen 45 und 75 Prozent reduziert. Die positiven Daten des Seismografen sorgten allerdings dafür, dass die konkrete Aktienquote nicht dramatisch reduziert, sondern bei 75 Prozent festgelegt wurde.

Die Performance von Anlegern, die sich am Börsenindikator orientierten, war so über das gesamte Jahr 2021 genauso hoch, wie wenn sie das ganze Jahr zu 100 Prozent investiert gewesen wären. Sie schonten aber ihre Nerven während der deutlichen Kursschwankungen in den letzten fünf Monaten dieses Jahres.

Sollte die Konjunkturkomponente Ende Januar 2022 tatsächlich ein Kaufsignal liefern, würde der Korridor wieder deutlich angehoben – auf 75 bis 115 Prozent. Falls dann die Allokationsempfehlung des Seismografen immer noch offensiv ausfällt, wäre eine signifikante Erhöhung der Aktienquote im Börsenindikator die Folge.

Interessant ist: In der Vergangenheit folgte auf einen zweimaligen Anstieg der ifo-Geschäftserwartungen in der Industrie sehr häufig auch der dritte Schritt, der die Trendwende zementierte. Wir weisen Sie explizit darauf hin, weil der Januar häufig ein starker Börsenmonat ist und das Kaufsignal des Indikators in diesem Fall etwas spät kommen könnte. Für manchen Anleger mag es deshalb opportun sein, die Aktienquote jetzt schon etwas zu erhöhen – auf die Gefahr hin, diesen Schritt Ende Januar wieder rückgängig machen zu müssen, falls sich die Geschäftserwartungen doch wieder verschlechtern.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Kapitalanlage im Neuen Jahr. Vor allem aber: Bleiben Sie gesund,

Ihr

Klaus Meitinger

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die in private wealth gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

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