• Klaus Meitinger

Das Klima wird frostig.

Charts IfoUnsere Indikatoren lassen vermuten, dass es in den kommenden Wochen zu größeren Schwankungen an den Aktienmärkten kommen wird. Deshalb hat der private-wealth-Börsenindikator schon vor drei Monaten die vorgeschlagene Aktienquote reduziert.

Die aktuellen Daten aus der deutschen Industrie stützen diese Entscheidung.

Nach dem Höhepunkt im März 2021 sind die vom ifo-Institut erhobenen Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe nun schon zum siebten Mal in Folge gesunken. Mittlerweile liegt der Saldo zwischen denjenigen, die ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate als günstiger bezeichnen und denen, die eine ungünstigere Entwicklung erwarten, nur noch ganz knapp im positiven Bereich. Und die ifo-Exporterwartungen haben aktuelle ebenfalls einen deutlichen Dämpfer hinnehmen müssen.

Das sieht nicht gut aus. Die ifo-Konjukturuhr (Grafik 1) verortet die deutsche Wirtschaft nun im Abkühlungsquadranten. Und die ifo-Konjukturampel (Grafik 2), die im letzten Monat umgesprungen ist, steht nun auf „Tiefrot“. Im Klartext: Die Wahrscheinlichkeit für ein konjunkturelle Phase der Expansion taxiert das ifo-Institut nun auf unter zehn Prozent. Lieferprobleme machen den Firmen zu schaffen, Die Kapazitätsauslastung in der Industrie sinkt. Sand im Getriebe der deutschen Wirtschaft, schreiben die Münchner Konjunkturforscher, hemme nun die Erholung

Das damit einhergehende Risiko für Aktienanleger hatten wir in den letzten Monaten schon beschrieben. Dass die Unternehmen ihre Aufträge nicht abarbeiten können, reduziert die Umsätze. Gelingt es zudem nicht, die höheren Inputkosten auf die Verkaufspreise zu überwälzen, leidet auch noch die Gewinnmarge. Eine deutliche Revision der bisherigen Gewinnerwartungen wären die Folge.

Dass der Aktienmarkt darauf nicht negativ reagiert, hat einen einfachen Grund. Die Marktteilnehmer schauen über das zu erwartende Tal hinweg. Sie sind davon überzeugt, dass die Produktionsausfälle zum größten Teil wieder aufgeholt werden. Dann würden Produktion, Umsatz und Gewinn eben später wieder höher ausfallen.

Diese positive Sicht der Dinge spiegelt auch der Kapitalmarktseismograf. „Der Markt glaubt offenbar an den temporären Charakter der Lieferengpässe“, analysiert Oliver Schlick, Geschäftsführer der Secaro GmbH, der den Seismograf regelmäßig berechnet und mit Investitionsempfehlungen verknüpft. Deshalb bleibt die Wahrscheinlichkeit für eine ruhige positive Marktentwicklung (Grün) und einen positiv-turbulenter Markt (Gelb) kumuliert bei mehr als 98 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für einen turbulent negativen Markt (Rot) spielt also immer noch keine Rolle. „Der Seismograf leitet daraus ein positives Umfeld ab,“ informiert Schlick.

Doch je länger die Probleme bei den Lieferketten anhalten, desto schwieriger dürfte das Börsenumfeld werden. Die Erwartungen an die Firmengewinne im vierten Quartal 2021 sind immer noch sehr hoch. Enttäuschungen – das zeigt die aktuelle Berichtssaison, werden mit drastischen Kursverlusten bestraft.

Ein interessanter Aspekt am Rande: Als die ifo-Konjunkturampel im März 2018 so wie heute nach langer Grün-Phase wieder auf Rot schaltete, folgte im DAX eine längere Zeit „trendloser Volatilität“. Konkret schwankten die Kurse wild in einem Korridor von minus zehn und plus zehn Prozent. Gut möglich, dass uns ähnliches Szenario in den kommenden Wochen blüht.

Der private-wealth-Börsenindikator kombiniert eine Analyse des langfristig fairen Wertes des DAX mit einer über das ifo-Klima abgeleiteten Konjunkturkomponente und der taktischen Positionierung des Kapitalmarktseismografen. Konkret bedeutet das: Die negative Konjunkturkomponente hatte die Aktienquote schon vor drei Monaten in den Korridor zwischen 45 und 75 Prozent des für Aktien vorgesehenen Kapitals gesenkt. Die sehr positive Einschätzung des Seismografen sorgt dafür, dass der Börsenindikator eine Allokation am den oberen Rand des Korridors bei 75 Prozent vorschlägt.

Nach mehr als einem Jahr der Übergewichtung von Aktien hatte der private-wealth-Börsenindikator vor drei Monaten den Fuß vom Gas genommen. Dabei bleibt es auch in diesem Monat. Die wackelige konjunkturelle Situation erhöht die Wahrscheinlichkeit eines turbulenten Jahresendes. Für diesen Fall möchten wir ein bisschen Pulver trocken halten.

Bleiben Sie gesund,

Ihr

Klaus Meitinger

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