• Klaus Meitinger

Ist die Party vorbei?

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Wenn die Party am schönsten ist, heißt es, sollte man gehen. An den Aktienmärkten läuft es schon seit Monaten rund und der private-wealth-Börsenindikator ist mit einer Übergewichtung in Aktien voll dabei. Doch nun gibt die Konjunkturkomponente des Modells ein Verkaufssignal. Ist es an der Zeit, Gewinne zu realisieren?

Schauen wir uns das aktuelle ifo-Geschäftsklima genauer an. Zwar hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juni insgesamt weiter verbessert. Doch die für den Börsenindikator ausschlaggebenden Erwartungen in der Industrie fielen zum dritten Mal hintereinander. Sie hatten schon im März bei 25,2 Punkten ihren Höhepunkt erreicht.

In der Vergangenheit signalisierte eine solche Entwicklung oft eine Trendwende in der Konjunktur. Häufig erreichten Geschäftserwartungen bei Werten zwischen 20 und 30 Punkten ihren Zenit. Danach trübte sich die Geschäftslage ein, das Wachstum ließ deutlich nach und die Firmenerträge gingen zurück. Weil die optimistischen Prognosen der Analysten nun weit verfehlt wurden, kam es zu Turbulenzen an den Aktienmärkten.

Deshalb sieht der private-wealth-Börsenindikator in einer derartigen Situation eigentlich eine deutliche Reduktion der Aktienquote vor.

Eigentlich. Denn dieses Mal ist der Rückgang bei der Erwartungskomponente in der Industrie nicht – wie in normalen Konjunkturzyklen – auf Einbußen bei der Nachfrage zurückzuführen. Die Industrielenker machen sich vor allem über Probleme auf der Beschaffungsseite Sorgen – seien es Lieferengpässe oder in deren Folge stark gestiegene Inputpreise. Die Ökonomen des ifo-Instituts raten deshalb selbst dazu, die Daten noch nicht zu überbewerten.

Die aktuellen Schwierigkeiten auf der Angebotsseite sind eindeutige Nachwehen der Pandemie. Die Kapazitäten wurden zunächst überall zurückgefahren und können nun nicht schnell genug angepasst werden, um die dynamisch steigende Nachfrage einer Weltwirtschaft im Nachhol-Modus zu befriedigen. In den kommenden Monaten sollten sich Angebot und Lieferketten normalisieren. Dann dürften auch die Unternehmer wieder optimistischer werden. Vergessen wir nicht: Es besteht Konsens unter den Volkswirten, dass die nächsten zwölf Monate sehr starkes, weltweit synchrones Wirtschaftswachstum bringen werden. Sollte dies nur annähernd richtig sein, müssten sich auch die Geschäftserwartungen in der Industrie wieder verbessern.

Wir wissen natürlich: Regel ist Regel. Ein dreimaliger Rückgang der Erwartungen signalisiert zweifellos höhere konjunkturelle Risiken. Und wir wissen auch, dass die teuersten vier Worte an der Börse lauten: „Diesmal ist es anders.“

Trotzdem sehen wir in der aktuellen Schwäche der Geschäftserwartungen eine Sondersituation und warten vor einer Veränderung der bislang sehr offensiven Aktienpositionierung ab, ob sich der Abwärtstrend im kommenden Monat wirklich fortsetzt.

Diese Vorgehensweise deckt sich auch mit den Ergebnissen des Kapitalmarktseismografen. Der kurzfristige Signalgeber für die Aktien-Allokation ist weiter uneingeschränkt positiv. Die Wahrscheinlichkeit für eine ruhige, nach oben gerichtete Marktentwicklung (Grün) changiert mittlerweile zwischen 80 und 90 Prozent. Gelb – ein positiv-turbulenter Markt – spielt noch eine kleine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit für einen turbulent negativen Markt (Rot) liegt aber nahe Null. „Die Empfehlung bleibt: Deutliche Übergewichtung,“ fasst Oliver Schlick zusammen, der als Geschäftsführer der Secaro GmbH die Wahrscheinlichkeiten des Seismografen regelmäßig berechnet und sie mit Investitionsempfehlungen verknüpft.

Fazit:

Weil wir das Verkaufssignal der Konjunkturkomponente im private-wealth-Börsenindikator aufgrund der beschriebenen Sondersituation bewusst aussetzen, bleibt die vorgeschlagene Aktienquote bei 110 Prozent des für die Aktienanlage vorgesehenen Kapital.

Haben sie einen entspannten Sommer,

Ihr

Klaus Meitinger

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