• Klaus Meitinger

Die Zukunft des Geldes

IStock_picture_currenciesImmer wieder stellen sich Vermögende die Frage nach der dauerhaften Beständigkeit unseres Geldsystems. Schließlich sind Euro, Dollar, Franken und Yen allesamt sogenanntes FIAT-Geld – künstlich erschaffene Zahlungsmittel ohne eigenen Wert, gestützt allein durch das Vertrauen in den emittierenden Staat. Jim Reid hat sich in seinem Beitrag „The end of fiat money“ aus der Studie Konzept 2030 von DB Research, Gedanken über unser Papiergeldsystem gemacht und kommt zu beunruhigenden Schlussfolgerungen.

An sich, überlegt Jim Reid, DB Research, ist ein Papiergeldsystem grundsätzlich in sich instabil, weil es anfällig für hohe Inflation ist. Denn es sei für die politischen Entscheidungsträger stets zu verlockend, in einem monetären System, das allein auf Vertrauen basiert, unbegrenzt neues Geld zu schaffen. 

Genau das sei in den großen Papiergeldsystemen in den vergangenen Jahrzehnten auch geschehen. Seit dem Jahr 2000 ist die globale Verschuldung von 229 Prozent des Sozialprodukts auf 319 Prozent gestiegen. Die Staatsverschuldung liegt derzeit bei 66 Billionen Dollar oder 80 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Mitte der 1970er Jahre waren es noch 20 bis 30 Prozent. Gestützt wurde dies durch eine immer expansivere Geldpolitik. Egal wann eine Krise oder Rezession auftrat, waren die Notenbanken zur Stelle und bekämpften diese letztlich stets durch Geldschöpfung und immer niedrigere Leitzinsen. Statt einen Mechanismus der kreativen Zerstörung zuzulassen, schreibt Reid, hätten Notenbanken und Regierungen Nachfrageschwächen in der Wirtschaft mit höherer Verschuldung bekämpft. Nach der Finanzkrise spitzte sich dies dank kreativer Geldpolitik, dem Quantitative Easing, also dem Kauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken, immer weiter zu. 

Die große Frage lautet nun: Warum ist infolgedessen die Inflationsrate nicht dramatisch angestiegen? Jim Reid hat dafür eine einfache Antwort. Nicht die genialen Steuerungsfähigkeiten der Notenbanken waren dafür ausschlaggebend. Sondern ein Zusammenspiel verschiedener externer Faktoren. Denn Ende der 1970er Jahre kam es zu beträchtlichen demografischen und geopolitischen Veränderungen. Die wichtigste sei die plötzliche Teilnahme Chinas an der globalen Wirtschaft gewesen. Denn so verdoppelte sich die globale Arbeitskräftebasis. Dazu kamen die Babyboomer in den entwickelten Ländern sowie der Beginn der Globalisierung und der Deregulierung.

Per Saldo war dies nicht nur ein hervorragendes Umfeld für dynamisches Wirtschaftswachstum. Die massive Zunahme der arbeitsfähigen Bevölkerung, die bis in die vergangene Dekade hinein anhielt, sorgte vor allem für permanenten Druck auf Löhne, Preise und damit auch auf die Inflationsrate. Das hatte einen wichtigen Nebeneffekt: Weil die realen Löhne in den entwickelten Ländern stagnierten, nahm der Anteil des Arbeitseinkommens am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zugunsten des Kapitaleinkommens immer weiter ab. Denn zu Inflation führte die tendenziell lockere Geldpolitik sehr wohl – aber eben nicht bei den Löhnen oder den Güterpreisen, sondern bei den Vermögenswerten. Gewinner waren Kapitaleigentümer – die Ungleichheit in der Gesellschaft nahm zu. Ein zufälliges Set an globalen Kräften, schreibt Reid, habe das FIAT-Geldsystem am Leben gehalten. 

Damit könne es nun aber bald vorbei sein. Denn heute sieht der Analyst einen erneuten Wendepunkt am globalen Arbeitsmarkt. Die Zahl der weltweiten Arbeitskräfte stagniert und soll in den kommenden zehn Jahren erstmals in der Nachkriegszeit zurückgehen. Zwar werde die Abnahme des Arbeitspotenzials sehr langsam vor sich gehen, meint Reid, aber es werde Auswirkungen auf die Lohnkosten haben. Schon heute ist zum Beispiel festzustellen, dass die Löhne in China deutlich gestiegen sind. 

Die zunehmende Abkehr von der Globalisierung und der Aufstieg des Populismus sind zwei weitere wichtige Neuerungen. Populistische Regierungen wenden sich verstärkt den Interessen der Arbeitnehmer und hier vor allem den Geringverdienern zu. Entsprechend werden nicht nur die Lohnkosten, sondern auch die Staatsausgaben tendenziell steigen. 

Zunächst einmal ist es natürlich eine gute Nachricht, wenn das Auseinanderdriften von Kapital und Arbeit gestoppt und teilweise zurückgedreht wird. Denn schließlich bedeutet es mehr Wohlstand für alle, mehr Konsum, vielleicht mehr Wachstum. Das Problem ist die schon heute rekordhohe Verschuldung in der Welt. Was, wenn angesichts höherer Löhne und höherer kreditfinanzierter Staatsausgaben die Inflationsraten doch einmal steigen. Eigentlich müssten die Notenbanken dann mit Leitzinserhöhungen reagieren. Können sie aber nicht, meint Reid. Denn die einzige Chance, damit diese immer weiter steigende Verschuldung nicht in einer Krise mündet, besteht seiner Auffassung nach darin, die nominalen Renditen von Staatsanleihen unter dem Niveau des nominalen Wirtschaftswachstums zu halten. Und weil der Markt in einem Umfeld mit mehr Inflation tendenziell höhere Anleihezinsen verlangt, seien sie dazu verurteilt, immer mehr Staatsanleihen zu kaufen, um so deren Kurse hoch und die Renditen niedrig zu halten.

Reid geht deshalb davon aus, dass die Regierungen darauf hinarbeiten werden, die Mandate der Notenbanken zu ändern – warum soll das Inflationsziel bei zwei Prozent liegen und nicht bei drei oder vier –  oder deren Unabhängigkeit zu beschneiden. Erste Tendenzen in diese Richtung sind tatsächlich schon überall wahrnehmbar. Reids Schlussfolgerung: Die Notenbanken werden weiter Anleihen kaufen und im Zweifelsfall eine höhere Inflation zulassen. 

Fazit: 

Was bedeutet das alles nun für das auf Vertrauen aufgebaute Papiergeldsystem? Insgesamt geht Jim Reid davon aus, dass wir eine höhere Inflation, sehr lockere Finanzierungsbedingungen und höhere Löhne in dieser Dekade sehen werden. In dem Maße, da Inflation wieder ein Bestandteil unserer Lebenswirklichkeit wird und klar wird, dass die Notenbanken dies tolerieren, werden seiner Ansicht nach Zweifel an der Nach- und Werthaltigkeit der Fiat-Währungen aufkommen. Das Vertrauen in Papiergeld droht zu erodieren. Die Folge könnte eine signifikant zunehmende Nachfrage nach einem alternativen, besseren Geld sein. Wie dieses dann aussehen wird, vermag der Experte auch nicht zu sagen. Doch er vermutet, dass Gold oder eine Kryptowährung dann eine Rolle spielen werden. Eine Beimischung im Portfolio macht deshalb schon heute Sinn. 

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