• Klaus Meitinger

Volle Pulle.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

trotz steigender Infektionszahlen setzt sich die Konjunkturerholung in der deutschen Wirtschaft mit erhöhter Dynamik fort. Das seit Juli 2020 etablierte Aufschwungs-Szenario hat sich damit weiter gefestigt. Unterstrichen wird dies durch die aktuellen Umfragen des ifo-Instituts zum Geschäftsklima und zu den Exporterwartungen. Diese sind im März sogar auf den höchsten Stand seit Januar 2011 gestiegen!

Besonders beeindruckend ist die Entwicklung in der Industrie, deren Erwartungen ein wichtiger Indikator für den private-wealth-Börsenindikator ist. Dort geht es in rasantem Tempo steil aufwärts. In allen Industriebranchen, berichtet das ifo-Institut, habe die Nachfrage merklich angezogen. Die Erwartungen sind heute so optimistisch wie zuletzt im November 2010.

Das sieht gut aus. Das absolute Highlight des aktuellen Berichts zum ifo-Geschäftsklima ist für uns aber, dass die Münchner Forscher ihre Konjunkturuhr gerade neu kalibriert haben. Wir hatten Ihnen diese Grafik schon häufig an dieser Stelle präsentiert. Sie zeigt auf einen Blick, in welcher Konjunkturphase sich die deutsche Wirtschaft befindet – Erholung, Boom, Abkühlung oder Krise.

In den letzten Monaten war die Aussage der Uhr ein bisschen schwer zu interpretieren. So hatte die Konjunkturuhr schon im September 2020 wieder den Boom-Sektor erreicht, was damals nur schwer mit den tatsächlichen Berichten aus den Unternehmen in Einklang zu bringen war.

Der Grund findet sich in der Berechnungsmethode. Um den Saldo der Firmenmeldungen zu Geschäftslage und Geschäftserwartung zu ermitteln, wird der prozentuale Anteil der negativen Antworten vom prozentualen Anteil der positiven Abgezogen. Halten diese sich die Waage, ist der Saldo Null. Ein Saldo von Null wurde deshalb bislang als rechnerischer Normalzustand der Wirtschaft definiert und entsprach darum dem Fadenkreuz der Ifo-Uhr. 

Analysen des ifo-Instituts zeigen aber, dass die langfristigen Mittelwerte – also der tatsächliche Normalzustand der Wirtschaft – in der Vergangenheit immer bei Salden deutlich oberhalb von Null erreicht wurde. Um die wahre Situation der Wirtschaft auf der Konjunkturuhr darstellen zu können, musste das Fadenkreuz an den faktisch realisierten Normalzustand angepasst und entsprechend verschoben werden. Genau das hat das ifo-Institut nun getan. Den Unterschied können Sie in den Abbildungen unten nachvollziehen – links sehen Sie die „alte“ Konjunkturuhr vom Februar, rechts die „neue“ vom März. De fakto verschiebt sich das Fadenkreuz bei der neuen Konjunkturuhr um die jeweiligen Mittelwerte nach rechts oben.

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Wir finden, die neue Darstellungsform – an den Grunddaten änderte sich ja nichts – zeigt besser, wo sich die Wirtschaft befindet. Danach hat Deutschland eben den Krisenquadranten verlassen und befindet sich nun in der Phase der Erholung. Auch die Idee des private-wealth-Börsenindikators lässt sich so besser nachvollziehen. Wir möchten investiert sein, wenn sich die Konjunktur auf der ifo-Uhr von links unten (Krise) über die Erholung nach rechts oben (Boom) bewegt. Und wir möchten tendenziell an der Seitenlinie stehen, wenn es von rechts oben (Boom) über den Abschwung nach links unten (Krise) geht.

Die aktuelle Botschaft für Anleger lautet: Bis zu einer Überhitzung im Boom-Quadranten ist es noch ein weiter Weg. Die Konjunkturkomponente im private-wealth-Börsenindikator könnte, isoliert betrachtet, noch lange Zeit grünes Licht für Aktienanlagen anzeigen.

Fazit:

Da der Ifo-Konjunkturindikator ist weiter positiv und auch der Seismograf läßt seit Monaten unverändert eine Übergewichtung von Aktien ratsam erscheinen. Aktuell halten sich die „grüne“ Wahrscheinlichkeit, die einen ruhigen Markt mit positivem Trend erwartet lässt und die „gelbe“ Wahrscheinlichkeit eines turbulenten Marktes mit positiver Erwartung in etwa die Waage. „Rot“ – turbulenter Markt mit negativer Erwartung – spielt weiter keine Rolle. „Die grüne Wahrscheinlichkeit hat zuletzt sogar wieder Anteile gewonnen. Das ist positiv und stärkt die seit langem gültige Empfehlung: Deutliche Übergewichtung,“ fasst Oliver Schlick zusammen, der als Geschäftsführer der Secaro GmbH die Wahrscheinlichkeiten berechnet und sie mit Investitionsempfehlungen verknüpft.

Wir hatten vor einem Monat darauf hingewiesen, dass die konkrete Ausprägung der Aktiengewichtung davon abhängt, ob das Narrativ eines Konjunkturbooms und deutlich steigender Firmenerträge bei gleichzeitig anhaltend niedrigen Zinsen weiter Gültigkeit hat. 

Konkret berechnen wir deshalb zwei Szenarien für Sie. Im ersten Fall, dem wir selbst derzeit eine größere Wahrscheinlichkeit beimessen, gilt als Annahme, dass die „Null-Zins-Ära“ der großen Notenbanken noch lange Zeit anhält (bei der Berechnung gehen wir von zehn Jahren aus). Trotzdem steigen aber die Firmenerträge im Trend der letzten Jahre. Dann würde der private-wealth-Börsenindikator zu einer Aktienquote im Korridor zwischen 90 und 120 Prozent des für Aktienanlagen vorgesehenen Kapitals raten. Und da der Seismograf eine Übergewichtung für sinnvoll erachtet, läge die konkrete Aktienquote des Börsenindikators bei 110 Prozent.

Wer an die „alte“ Welt glaubt, in der mit der Konjunktur auch die Zinsen steigen, muss angesichts der hohen Bewertung an den Märkten vorsichtiger sein. In diesem Fall ist derzeit eine Aktienquote von 90 Prozent des für Aktien vorgesehenen Kapitals angezeigt. 

Ihr

Klaus Meitinger

Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts keine Haftung übernommen werden. Die in private wealth gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

 

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