• Klaus Meitinger

Der nächste Dominostein.

iStock 863883990Während sich der Aktienmarkt im Panikmodus befindet, sind die Verluste im Bereich von Unternehmensanleihen vergleichsweise gering. Das könnte sich ändern.

Wir erinnern uns noch gut an eine Analyse des Bankhauses Pictet vom Oktober 2018. Damals nahmen die Schweizer den Markt für Unternehmensanleihen unter die Lupe und titelten: „Beware oft the fallen angels.“

Die Argumentationskette ging so: Viele große Investoren dürfen nur sogenannte Anleihen mit Investment Grade kaufen – also Papiere mit guter oder sehr guter Bonität. Deren Rating muss mindestens ein BBB (von der Agentur Standard & Poors) beziehungsweise ein Baa (von Moodys )aufweisen.

In der Vergangenheit ist der Anteil von Anleihen, die gerade noch in diese Kategorie fallen, extrem angestiegen. Papiere mit dem Rating BBB, schrieb Pictet, machen nun ungefähr die Hälfte des Marktes für Unternehmensanleihen in den USA und Europa aus.

Ganz offensichtlich haben viele Unternehmen die Möglichkeiten der Niedrig-Zins-Ära genutzt und massiv Kredite am Kapitalmarkt aufgenommen, um Bankfinanzierungen umzuschulden, Acquisitionen zu  bezahlen oder Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen zu finanzieren.

Das Problem: In der nächsten Rezession, so Pictet, werde wahrscheinlich ein signifikanter Anteil dieser Schuldner von den Rating-Agenturen abgestuft und sein BBB verlieren. Aus „Investment-Grade-Anleihen werden sogenannte High-Yield-Bonds – Im Markt-Jargon sind diese Papiere fallen angels, gefallene Engel. Wer nur in Anleihen mit Investment-Grade investieren darf, muss diese zwingend verkaufen. Interessant ist dann: Kann der Hochzinsmarkt, dessen gesamtes Volumen nur ein Drittel der BBB-Papiere umfasst, dieses Material aufnehmen? Und zu welchem Preis? Pictet folgerte damals: Papiere mit BBB-Rating sind der am wenigsten attraktive Teil des gesamten Bondmarktes.

Heute, da die Wahrscheinlichkeit einer Rezession steigt, wird diese Geschichte brandaktuell 

Per Saldo ist die Verschuldung im US-Unternehmenssektor relativ zum Sozialprodukt aktuell so hoch wie nie. Sollte die Corona-Epidemie tatsächlich zu schwerwiegenden Problemen in der Weltwirtschaft führen, würde eine Reihe der hochverschuldeten Firmen wohl massive Schwierigkeiten bekommen und die zahl der Insolvenzen ansteigen

Was passiert dann? Lassen sie uns ein Gedankenexperiment machen: Die Renditen in diesem Marktsegment würden deutlich anstiegen, um das größere Pleiterisiko zu kompensieren. Die Kurse würden beginnen zu fallen. Anleger im Bereich der Hochzinsfonds wären nun mit Verlusten konfrontiert und würden ihre Positionen reduzieren. Die Manager der Fonds müssten verkaufen, um Liquidität zu schaffen. Und nicht nur sie. Auch normale Rentenfonds, Mischfonds und Multi-Asset-Fonds haben auf der verzweifelten Suche nach Rendite in den vergangenen Jahren den Anteil von Hochzinsanleihen im Depot sehr weit ausgedehnt. Damit sind sie vor allem im Jahr 2019 sehr gut gefahren. Auch die Manager dieser Fonds würden wohl im Fall der Fälle versuchen, schnell ihre Positionen abzubauen. 

Wer würde kaufen? Die Ausgangstür würde nun sehr schnell sehr eng werden. Und der nächste Dominostein am Kapitalmarkt würde fallen. 

Natürlich muss es nicht so kommen. Aber sie sollten diese Möglichkeit bei der aktuellen Überprüfung Ihres Portfolios zumindest in Betracht ziehen. 

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