Die Museen müssen sich neu erfinden.

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Soll es freien Eintritt in staatliche Museen geben oder nicht? Florian Mercker, private-wealth-Kunstexperte, nutzt die aktuelle Diskussion als Anstoß, um über Konzepte für das Museum der Zukunft nachzudenken.

In regelmäßigen Abständen wird in Deutschland über die Abschaffung der Eintrittspreise in staatlichen Museen diskutiert. Reflexartig beschwören dann diejenigen, die selbst kein eigenes Geld im Spiel haben – Generaldirektoren, Politiker, Verwalter –, den Tod des Abendlandes. Die Eintrittsgelder seien unverzichtbar, um die Verwaltung am Laufen zu halten. Bei freiem Eintritt würden doch nur die Besserverdienenden subventioniert. Und außerdem: Was nichts koste, sei auch nichts wert. Mir kommt diese Debatte manchmal, verzeihen Sie, „typisch deutsch“ vor. 

Tatsächlich sind die Eintrittsgelder nur ein kleiner Posten im Gesamtetat des Museums. Und ein winziger Betrag im Haushalt des Finanzministeriums. Sie ahnen, worauf ich hinauswill. Die Geldfrage ist nicht das Entscheidende. Vielmehr geht es darum, was ein Museum leisten soll. Und wie dies effizient zu erreichen ist.

Als Ludwig I. 1836 die Alte Pinakothek eröffnete, fühlte er sich vor allem der Volksbildung verpflichtet. Und wollte Kunstschätze der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Das, finde ich, sollte auch heute noch das oberste Ziel unserer staatlichen Museen sein. Bei vielen privaten Museen ist der Eintritt bereits abgeschafft. Hier steht meist der private Sammler und Museumsgründer für die Kosten gerade. Nicht selten engagieren sich aber auch Firmen. Oder ein Unternehmer öffnet seine eigene Sammlung für eine größere Öffentlichkeit oder seine eigenen Mitarbeiter. Das Ziel ist immer dasselbe: möglichst vielen Menschen ein entspanntes Bildungserlebnis ohne finanziellen Aufwand zu erlauben.

Wie das auch in der Breite funktionieren kann, zeigt ein Blick in die angelsächsischen Länder. Kurz nach der Jahrtausendwende hat Großbritannien die Eintrittsgelder für die staatlichen Museen abgeschafft. Das gilt zwar nur für die ständigen Sammlungen, nicht für – meist teure – Sonderausstellungen. Aber immerhin. Seitdem sind nicht nur die Besucherzahlen dramatisch gestiegen. Auch die Struktur der Besucher und der Umgang untereinander hat sich geändert: Nicht mehr der bildungsbürgerliche Anspruch der Eliten ist ausschlaggebend, sondern das Gefühl der Gemeinschaft unter Gleichgesinnten.

Diesen Wohlfühleffekt zu erzeugen ist ein Ziel, das sich meiner Meinung nach lohnt. Doch wie schaffen wir das finanziell? In Großbritannien wurden auch die Öffnungszeiten an die Bedürfnisse der neuen Klientel angepasst. Es gibt Abendöffnungen oder Sonderveranstaltungen zur Nachtzeit. Der Kunde kommt, konsumiert im angeschlossenen Café, an der Museumsbar oder kauft am Ende des Rundgangs im Museumsshop. Die Einnahmen steigen und der Besucher nimmt sein Wohlgefühl in gedruckter Form als Poster, Postkarte, Kalender oder Kaffeetasse mit nach Hause. Dort erinnert es ihn ständig daran, doch möglichst bald wieder in die Aura der Originale zurückzukehren.

Der zweite, noch wichtigere Schritt ist die stärkere Einbindung privater Mäzene und Unternehmen. Machen wir uns nichts vor: Die Museen selbst verfügen kaum mehr über Ankaufsetats. Deshalb sind sie ohnehin auf Leihgaben und die Hilfe von Sponsoren angewiesen. Was spricht dagegen, diesen Ansatz zu professionalisieren? Das Museum Folkwang in Essen hat den freien Eintritt auf diese Art und Weise längst realisiert. Bezahlt wird der monetäre Ausfall von einem Sponsor des Hauses, der Krupp Stiftung. Und die Allianz übernahm beispielsweise an einem Mittwoch den entgangenen Eintritt der Münchner Pinakothek der Moderne.

Damit dies viel häufiger gelingt, ist ein Umdenken bei den Verantwortlichen nötig. Museen sollten nicht mehr veraltet, sondern mit einem unternehmerischen Ansatz gemanagt werden. Ich bin sicher, dass sich viele Privatpersonen dann engagieren würden. Ich war unlängst selbst in London. Und habe es genossen, in der Mittagspause schnell einen Abstecher in die National Gallery zu machen. Ich habe dort eine halbe Stunde lang ein Bild betrachtete und bin dann wieder gegangen. Genau so machen es viele Besucher. Sie lassen Kunst einfach auf sich wirken, ohne vorher an der Kasse anzustehen oder sich fragen zu müssen, ob der Eintritt sich tatsächlich „lohnt“. Das ist die Zukunft. Schafft die Eintrittspreise ab.

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