Komplizierte neue Welt.

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Richard Smith-Bingham, Director EMEA des Global Risk Centers bei Marsh & McLennan, glaubt, dass sich Unternehmen auf disruptive Veränderungen vorbereiten müssen.

Es ist mein Beruf, Unternehmen und Unternehmern dabei zu helfen, kritische Risikofaktoren für ihre Geschäftstätigkeit zu erkennen. Um es ihnen zu ermöglichen, rechtzeitig die erforderlichen Veränderungen vorzunehmen. Die umwälzenden Veränderungen politischer und technologischer Art jedoch, die derzeit vor sich gehen, machen mich skeptisch, ob die Euphorie, die aktuell die Kurse an den Aktienmärkten nach oben treibt, angebracht ist. Aus meiner Sicht müssen sich vor allem global tätige Unternehmen künftig auf ein komplexeres und vielleicht auch volatileres Klima einstellen.

In den vergangenen 25 Jahren haben die größten Unternehmen von außergewöhnlich guten Rahmenbedingungen profitiert. Seit Anfang der 1990er-Jahre konnten sie vergleichsweise problemlos neue Märkte erschließen, ihre Produktionskosten optimieren und – durch die teilweise Verlagerung von Gewinnen in andere Länder – ihre Steuerverbindlichkeiten reduzieren. All das hat die Erträge – und die Aktienkurse – nach oben katapultiert.

Ich frage mich nun: Kann das so weitergehen? Und in welcher Art und Weise werden sich Unternehmen angesichts der sich verändernden Geschäftsbedingungen anpassen müssen? Global tätige Firmen sind heute mit einer Vielzahl an Unsicherheitsfaktoren wie dem Einfluss des Klimawandels oder dem Trend zu stärkerer Regulierungen ausgesetzt. Und sie machen sich Sorgen um die Fragilität des wirtschaftlichen Wachstumsumfeldes, um die Volatilität von Währungen, um geopolitische Schocks oder ein sich wandelndes Wettbewerbsumfeld.  

Die aktuell größte Herausforderung aber sehe ich dabei in dem sich verändernden gesellschaftlichen und politischen Umfeld. Umfragen zufolge sind heute 70 Prozent der Menschen der Ansicht, dass die Sicherung von Arbeitsplätzen und Industriestandorten wichtiger ist als Wachstum. Anders formuliert: Die Sicherheit des Arbeitsplatzes darf offenbar ruhig Wachstum kosten. Es ist also kein Wunder, dass Populisten, die für weniger internationalen Wettbewerb und mehr Abschottung sind, viel Zulauf bekommen. Deren Einfluss auf die politische Landschaft wird, auch wenn sie zuletzt Wahlen verloren haben, auch in Zukunft anhalten.

Aktuell erleben wir schon eine Schwächung multilateraler Organisationen. Wichtige Handelsvereinbarungen brechen auseinander und werden durch bilaterale Verhandlungen abgelöst. Nationale Interessen genießen in solchen Verhandlungen deutlichen Vorrang. Und es gibt mehr Staaten in der Welt mit diktatorischen Zügen. Immer öfter greift die politische Führung störend in die Märkte ein.

In der Konsequenz dürften die Rahmenbedingungen für Unternehmen künftig tendenziell herausfordernder werden. Wird das Rad der Globalisierung zurückgedreht, müssen ganze Wertschöpfungsketten infrage gestellt werden. Die Kosten und die Reibungsverluste innerhalb der weltweit tätigen Konzerne nehmen zu. Firmen werden mit stärkerem lokalem Wettbewerb und Protektionismus konfrontiert. Direktinvestitionen im Ausland sind mit höheren politischen Risiken verbunden. Der Druck der Öffentlichkeit und der Politik, sich ökologischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen entsprechend zu verhalten, nimmt zu.

Natürlich wird es auch neue Ertragstreiber geben. Künstliche Intelligenz, Robotics, Biotechnologie und die digitale Revolution haben das Zeug dazu, die Produktivität nach oben zu katapultieren. Aber es gibt auch hier Risiken. Wird die Politik dies angesichts drohender Arbeitsplatzverluste zulassen? Und: Die Nutzung neuer Technologien macht die Unternehmen künftig sehr viel anfälliger in Bezug auf Cyber-Kriminalität. Laut Microsoft liegt die Zahl der Hackerangriffe heute schon bei 600000 pro Woche. Vor ein paar Jahren waren es gerade einmal 20000.

Unternehmer müssen in diesem Umfeld klug, strategisch und beweglich sein. Sie sollten Ihre Wertschöpfungskette immer wieder überprüfen. Mit einer Zeit hoher regulatorischer Unsicherheiten rechnen. Bei Investments stets auf eine Exit-Möglichkeit achten. Und Ressourcen bereitstellen, um die Nutzung neuer Technologien zu optimieren. Das bedeutet harte Arbeit. Es wird nicht leicht sein, in der immer komplexer werdende Welt der Zukunft Erfolg zu haben.   ®

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