Die Inflation kommt zurück.

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Die Preissteigerungen der letzten Monate sind kein vorübergehendes Phänomen, meint Peter E. Huber, Vorstand des Vermögensverwalters StarCapital: „Sie markieren den Beginn einer neuen Ära.“

Nach 35 Jahren disinflationärer Tendenzen glaubt niemand mehr an ein echtes Comeback der Inflation. Genau das wird aber meiner Meinung nach die größte Überraschung der kommenden Jahre sein.

Vier neue Trends stützen diese These: Erstens beginnt ein neuer Rohstoffzyklus. Rohstofffirmen haben ihre Investitionen drastisch gekürzt und die Erschließung neuer Vorkommen verschoben. Nun geht das Überangebot zurück, die Rohstoffpreise beginnen zu steigen. Wie immer werden mit zeitlichem Abstand die Konsumentenpreise folgen.

Der zweite Faktor heißt Donald Trump. Zusätzliche stimulierende Maßnahmen wie Infrastrukturausgaben oder Steuersenkungen wirken in der nahezu vollbeschäftigten US-Ökonomie wie ein Brandbeschleuniger.

Drittens ist auch Europas Konjunktur besser als ihr Ruf. Deutschland boomt. Und selbst in Spanien und Frankreich belebt sich die Wirtschaft. Weltweit erleben wir gerade Innovationsschübe bei alternativen Energien, E-Mobilität, dem autonomen Fahren oder in der Biotechnologie. Sie werden den bisherigen Investitionsstau langsam auflösen.

Besonders gravierend ist aber die Entwicklung in China. Riesige Überkapazitäten hatten dort die Produzentenpreise jahrelang fallen lassen. China exportierte also Deflation. Das ist jetzt vorbei. Innerhalb von zwölf Monaten bewegten sich die Produzentenpreise von minus sechs auf plus 6,9 Prozent. Künftig wird China also Inflation exportieren.

Angesichts der expansiven Geldpolitik ist das eine höchst brisante Ausgangslage. In den letzten Jahren haben die Notenbanken Geld im vierstelligen Milliardenbereich gedruckt. Es hat sich nur deshalb nicht in den Konsumentenpreisen niedergeschlagen, weil weder die Konsumenten noch die Unternehmer mehr Kredite aufgenommen haben. Genau das dürfte sich nun aber ändern.

Was dann passiert, illustriere ich gern am Beispiel einer Ketchup-Flasche. Die Notenbanken klopfen immer stärker auf den Boden. Erst passiert nichts. Irgendwann sehen wir die ersten Spritzer. Trotzdem wird die Flasche weiter geschüttelt, es wird noch mehr Geld gedruckt. Und irgendwann kommt dann unweigerlich der große Schwall. Es ist totale Hybris der Notenbanken zu glauben, sie könnten die Inflation so steuern, dass sie bei zwei Prozent landet und dann dort bleibt. In drei bis vier Jahren werden wir in Europa fünf Prozent Inflation haben. Mindestens.

Die Europäische Zentralbank kommt dann in eine sehr missliche Lage. Sie hat die Banken und Versicherungen ja ermuntert, zur Staatsfinanzierung beizutragen und Staatsanleihen zu kaufen. Würde Mario Draghi die Zinsen schnell steigen lassen, riskierte er den Zusammenbruch der Finanzinstitute. Das geht natürlich nicht.

Die Inflationsraten werden deshalb in Europa viel schneller steigen als die Zinsen. Wir bekommen also tatsächlich die finanzielle Repression, die langfristig zur langsamen Entschuldung der Staaten beitragen könnte.

Selbst wenn die Notenbank den Leitzins verzweifelt bei null hält und Anleihen kauft, werden deren Renditen aber sukzessive klettern. Ende des Jahres rechne ich mit einem Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen. In zwei bis drei Jahren werden es zwischen zwei und drei Prozent sein.

Damit verändern sich die Rahmenbedingungen für Anleger drastisch. Durch den Zinsanstieg wird es natürlich an den Immobilienmärkten schwieriger. Und europäische Staatsanleihen werden massive Verluste produzieren. Wir setzen deshalb dort auf fallende Kurse. Investiert wird in inflationsgeschützte Bonds. Die Inflationserwartung, die für diese Papiere ausschlaggebend ist, liegt in Europa bei 1,4 Prozent auf die nächsten zehn Jahre. Das ist ein Witz.

Mit Anleihen und Immobilien haben Investoren jahrelang viel Geld verdient. Wenn sie nun erkennen, dass dies vorbei ist, dürften sie sich verstärkt dem Aktienmarkt zuwenden. Denn für Aktien ist mein Szenario positiv. Inflationsraten zwischen zwei und vier Prozent sind eine Art Wohlfühlzone, weil die Firmen Preiserhöhungen überwälzen können. Dies und mehr Wachstum bedeutet tendenziell höhere Erträge. Steigen Inflation und Zinsen dann noch weiter, wird zwar irgendwann auch der Aktienmarkt belas­tet. Aber bis dahin lässt sich noch viel Geld verdienen.   ®

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