Grill-Kunst.

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84 Stil Feuerring

Der Schweizer Bildhauer Andreas Reichlin bekam Magenschmerzen von Fleisch, das auf einem normalen Rost gegrillt worden war. Also erfand er den Feuerring – eine Skulptur, die Grillabende ganz besonders macht.

Wenn mein Vater mich und meine Brüder nicht immer wieder herausgefordert hätte, wäre ich vielleicht nie auf die Idee mit dem Feuerring gekommen.

Als Jugendliche sollten wir unserem Vater, einem erfolgreichen Unternehmer mit über 40 Angestellten, ab und zu bei der Lösung von Problemen helfen. Er rief uns drei zusammen, erklärte die Sachlage, und einige Tage später sollte jeder von uns einen Lösungsvorschlag präsentieren. Für Pubertierende war das natürlich schwierig. Aber meistens hatten wir dann doch eine Idee. Diese Einstellung – geht nicht, gibt’s nicht – hat mich sehr geprägt.

Ich liebe es zu grillen. Ich hatte wunderschöne Grillabende mit meinen Freunden, dann allerdings lange, nicht so schöne Nächte mit meinem Magen. Denn der Rauch, der sich auf dem Fleisch absetzt, verursachte mir extreme Magenbeschwerden. War es möglich, ganz anders zu grillen? Ich begann, intensiv darüber nachzudenken.

Ich bin gelernter Holzbildhauer, habe mit Stein, Bronze, Terrakotta und dann vor allem mit Stahl gearbeitet. Mit 23 Jahren eröffnete ich mein erstes Bildhaueratelier. In Paris studierte ich an der Académie de la Grande Chaumière Aktzeichnen. Aktzeichnen ist ganz wesentlich, um ein Gefühl für Proportionen zu bekommen. Ich konnte immer von meiner Kunst leben, hatte also keine wirtschaftlichen Interessen, als ich versuchte, eine alternative Feuerstelle zu entwickeln. Als Designer weiß ich, dass ein Objekt nicht funktioniert, wenn es nur schön ist. Und wenn es nicht langlebig und nachhaltig ist, funktioniert es erst recht nicht. Ich wollte also ein in sich stimmiges Objekt, das Funktion, Ästhetik, Statik, Materialität und Ökologie in einer Form vereint. Außerdem wollte ich Ressourcen aus unserer Region verwenden. Und das Produkt sollte komplett aus Stahl sein. Das waren meine Vorgaben.

Es brauchte dann einige Versuche, bis die ideale Form, Dicke und Verarbeitung des Stahls gefunden waren. 2004 entstanden erste Skizzen mit eckigen Formen, später wurden sie rund. Fünf Jahre lang tüftelte ich neben meiner künstlerischen Tätigkeit an der Feuerstelle weiter. Das größte Problem dabei war: Da die Temperatur im Inneren sehr hoch ist, wurde der Ring nach einer gewissen Zeit deformiert. Also entwickelte ich eine Technik, mit der Ring und Schale so miteinander verbunden werden können, dass während des Grillens keine Deformation am Feuerring entsteht. Diese spezielle Konstruktion konnte dann sogar europaweit patentiert werden.

Damit war meine Aufgabe eigentlich erfüllt. 2009 kam dann meine Freundin Beate Hoyer mit dem Gedanken auf mich zu, eine Firma zu gründen. Glauben Sie mir, ich wollte nie, mit Betonung auf nie, eine Firma haben. Ich hatte mit der Kunst alles, was ich mir wünschte. Freie Arbeit, Lebensunterhalt, ein unglaublicher Luxus. Irgendwann überzeugte aber Beate Hoyer mich mit dem Argument, wir könnten so die Freude, die wir an dem Gerät haben, an andere weitergeben.

Der Feuerring war damals etwas vollkommen Neues. Heute gibt es ihn in 15 Designs und unterschiedlichen Größen. Wir haben sicher Hunderte verkauft. Weltweit. Und unsere kleine Firma hat heute insgesamt sechs Angestellte.

Der Feuerring kostet zwischen 4100 und 11000 Schweizer Franken. Die Objekte wiegen zwischen 100 und 260 Kilo. Wäre er ein Kubus, könnte er fast nicht mehr bewegt werden. Aber da die Form rund ist, lässt er sich rollend spielend leicht bewegen. Ausgeliefert wird der Feuerring in einer Holzkiste. Nach dem Auspacken kann der Kunde diese zerlegen und hat so gleich das erste Brennholz.

Mit dem Erfolg kamen natürlich auch die Nachahmer. Ich bin da ganz ehrlich – sie bereiten mir seelische Schmerzen. Das sind Leute, die selbst keine eigenen Ideen haben und auf dem Rücken anderer Geld verdienen wollen. Wir hingegen haben mit dem Feuerring die anerkanntesten Design-Preise gewonnen: 2016 den Red Dot Award Best of the Best und 2018 den German Design Award. Aus diesem Grund habe ich auch eine Vision: Ich bin überzeugt, dass der Feuerring Bestand haben wird, weil er etwas Archaisches hat, reduziert auf das Wesentliche ist. Und wer weiß? Vielleicht wird er ja auch ein Designklassiker.       ®

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