Genial.

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Pflanzen außen, Glas innen – der Mailänder Architekt Stefano Boeri hat das Konzept des Gewächshauses umgedreht. Das Ergebnis: grüne Hochhäuser mit senkrechten Gärten, die CO2 fressen. Bald soll in China eine ganze Stadt nach diesem Prinzip gebaut werden.

Auch an diesem Herbsttag versinkt Mailand unter einer grauen Glocke aus Smog. Der Himmel hängt so tief, dass die Spitzen der zieselierten Türme des berühmten Doms nur erahnt werden können. Die Tauben fliegen tief. Alles ist Grau in Grau. Ausgerechnet hier, in dieser Stadt, die seit Menschengedenken unter ihrer Decke aus Dunst und Schmutz ächzt und deren kopfsteingepflasterte Straßen wie Resonanzkörper den Lärm des unablässigen Verkehrs verstärken, ist vor ein paar Jahren eine Revolution entstanden. Ausgerechnet hier, oder besser gesagt: gerade hier.

Ein Architekt hat das Hochhaus neu erfunden und in einen senkrechten Wald verwandelt. 2,5 Kilometer Luftlinie vom Mailänder Dom entfernt, unweit vom Bahnhof Garibaldi, inmitten eines Gewirrs gesichtsloser Wolkenkratzer, die ebenso gut in Frankfurt am Main oder Chicago stehen könnten, erheben sich seit 2014 zwei Türme: auffallend anders, verblüffend grün, erstaunlich schön.

Der Name der beiden Türme: bosco verticale, zu Deutsch senkrechter Wald. Der Name des Architekten: Stefano Boeri. Er hat mit diesen beiden Bauwerken einen neuen Maßstab in der Geschichte der modernen Architektur gesetzt. Das größere der beiden Hochhäuser, die Torre de Castillia, ist 110 Meter beziehungsweise 26 Stockwerke hoch. Die kleinere Schwes­ter, Torre Confalonieri, bringt es mit ihren 18 Stockwerken auf 76 Meter. Beide gemeinsam beherbergen 131 Wohnungen mit einer Nutzfläche von insgesamt 40000 Quadratmetern.

Doch die wahren Bewohner der beiden Türme sind nicht die Wohnungseigentümer und deren Mieter. Die wahren Bewohner sind die Pflanzen. An der Fassade des bosco verticale wachsen 800 Bäume, 4500 Sträucher, 15000 Stauden.

„Hätten wir die Pflanzen in der Ebene eingesetzt, würden sie eine Fläche von 20000 Quadratmetern einnehmen“, sagt Ste­fano Boeri. Das entspricht der Fläche von etwa vier Fußballfeldern.

Wie üblich hat sich Boeri seine blaue Plastikbrille in die Stirn geschoben. Alle Kreativen benötigen ein Markenzeichen, auch die Stararchitekten. Starallüren hat Boeri indes auf den ersten Blick erstaunlich wenige. Außer, dass er zu spät kommt. Außer dass er, kaum dass er da ist, schon wieder weiter muss. Außer dass er sich dann aber im Smalltalk verliert und deshalb auch zu seinen weiteren Terminen zu spät kommen wird. Aber das ist etwas, was in der Mailänder DNA liegt. Nur wer sich selbst nicht wichtig nimmt, ist pünktlich.

Stefano Boeri, 1956 in Mailand geboren, ist Prominenz und Rampenlicht gewohnt. Sein Vater, Renato Boeri, war einer der bekanntesten Neurologen Italiens und ein Wissenschaftler von Weltrang. Seine Mutter, Cini Boeri, ihres Zeichens selbst Architektin, hat die italienische Design-Szene maßgeblich entwickelt und beeinflusst. Sein Bruder Tito Boeri, Ökonom, war als Berater für den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank und die Europäische Kommission tätig. Heute leitet er das mächtige nationale Sozialversicherungs-Institut INPS. Sein jüngster Bruder Sandro Boeri ist Journalist und leitete 17 Jahre lang die Zeitschrift Focus in Italien.

In Mailand ist Boeri also ein Name, der zählt. Bürde und Türöffner zugleich. Stefano Boeri eröffnete 1999 sein eigenes Architekturbüro. Daneben unterrichtet er als ordentlicher Professor an der Technischen Universität Politecnico in Mailand an der Fakultät für Urbanistik und ist Gastprofessor an den Universitäten Rotterdam, Moskau und Lausanne. Er leitete jahrelang die Architekturzeitschriften Domus und Abitare. Seit 2016 sitzt er Forschungseinrichtung Future City Lab der Universität Tongji in Shanghai vor.

„Schauen Sie aus dem Fenster“, sagt Stefano Boeri, „das ist nicht Nebel. Das ist Smog. Mailand erstickt in Feinstaub und in CO2.“ Die wirkungsvollste und natürlichste Maßnahme dagegen sind: Bäume.

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Die mehr als 20000 Pflanzen des bosco verticale absorbieren Feinstaub, ernähren sich von Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Sie reduzieren merklich den Lärmpegel, der von den Straßenschluchten aufsteigt. Im Sommer kühlen sie die Lufttemperatur. Sie verbessern in erheblichem Maße die Artenvielfalt in der grauen Metropole. Vögel finden Lebensraum. Bienen schwirren zwischen den Stauden. Und nicht zuletzt haben sie einen positiven Effekt auf die Psyche und das Wohlbefinden der Bewohner. „Wir müssen“, sagt Boeri, „die Bäume in die Städte zurückbringen. Wir müssen in die Höhe pflanzen, um weniger Grundfläche zu verbrauchen. Wir müssen ein neues Mikroklima schaffen.“

Boeris Konzept besticht durch seinen Pragmatismus. Er bekämpft das Klimaproblem nicht mit aufwändigen und kostspieligen Niedrig-Energie- oder Passiv-Haus-Bauten, deren Herstellung ja auch wieder sehr ressourcenintensiv ist und bei deren Produktion viel CO2 freigesetzt wird. Er setzt auf die Kraft der Natur.

Die Idee zum bosco verticale war Boeri im April 2007 gekommen. Boeri war mit seinen Studenten auf einer Studienreise in Dubai, als ihm die vielen Glasfassaden der Hochhäuser auffielen. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los.

„94 Prozent der Hochhäuser, die nach dem Jahr 2000 gebaut wurden“, sagt Boeri, „haben Fassaden aus Glas, die das Sonnenlicht reflektieren. Das führt zwangsläufig zu einer zusätzlichen Erwärmung der Atmosphäre.“ Also dreht Boeri das Konzept einfach um. Während bei einem Gewächshaus die Pflanzen innen stehen und die Glashülle sie vor Kälte schützt, ist es beim bosco verticale umgekehrt: Die Pflanzen sind außen und schützen das Gebäude vor Hitze.

„Es ist unglaublich“, sagt Elena Rizzi. „Ich wohne mitten in der Natur und gleichzeitig völlig urban. Schauen Sie nur, da baumelt ein Granatapfel vor meinem Fenster, und dort drüben hat ein Specht sein Nest gebaut.“ Elena Rizzi war eine der ers­ten Bewohnerinnen des bosco verticale. Noch vor seiner offiziellen Eröffnung am 10. Oktober 2014 hat sie ihre Wohnung im 14. Stockwerk bezogen.

Von den 131 Wohnungen sind heute so gut wie alle verkauft – zu einem Preis von 9000 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt soll der Bau des bosco verticale an die 40 Millionen Euro gekostet haben.

Ein Strahlen geht über Elene Rizzis Gesicht.

„Stefano! Ciao! Wie geht es dir?“

„Nun, meine Liebe, wie kann es mir schon gehen, wenn ich dich sehe? Gut natürlich!“ Vergessen sind Zeitdruck, die überquellende Agenda, die wartenden Termine.

Die beiden Türme, die jetzt so harmonisch wirken, als wären sie immer schon da gewesen, stellen in Wirklichkeit eine technische und vor allem logistische Meisterleistung dar. „Wie planzt man Bäume auf 100 Metern Höhe? Wie lässt sich diese riesige Fassade bewässern? Und vor allen Dingen, wie kann verhindert werden, dass der Wind die Pflanzen umwirft?“, zählt Boeri die drei wichtigsten Herausforderungen seines Projekts auf.

Monatelang hat ein ganzes Team aus Botanikern, Ingenieuren und Statikern gerechnet, experimentiert und getüftelt. Maßgeblich an dem Projekt beteiligt war die Mailänder Agronomin und Landschaftsgärtnerin Laura Gatti. Aus tausenden verschiedenenen Pflanzenarten hat sie 97 verschiedene Spezies für den bosco verticale ausgesucht. An der Nord- und Westseite wachsen Pflanzen, die im Winter ihr Laub verlieren, damit in der dunklen Jahreszeit viel Licht in die Wohnungen dringt. Nach derselben Logik ist die Südseite mit immergrünen Pflanzen wie Kirschlorbeer oder Olivenbäumen bepflanzt. Und dazwischen gibt es eine ganze Bandbreite an Pflanzen, die sich im Herbst verfärben und damit die beiden Türme in bunten und fröhlichen Farbflecken aufleuchten lassen.

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Bei der Auswahl der Pflanzen spielten auch noch andere Kriterien ein wichtige Rolle: Die Pflanzen sollten möglichst resis­tent gegen Parasiten sein. Ihre Pollen sollten wenig oder keine Allergien verursachen. Und natürlich müssen sie hohen Windstärken standhalten können.

„Vor allem der Wind bereitete uns massive Sorgen“, sagt Boeri. „Also entwickelten wir spezielle Behälter, um den Bäumen einen guten Halt zu garantieren.“ Die Behältnisse haben Zwischenböden aus Metallgittern. Um diese können die Bäume ihre Wurzeln schlingen. Jeder Baum ist zudem mit einem Stahldraht gesichert.

„Wir mussten ebenfalls eine spezielle Erde konzipieren. Deren spezifisches Gewicht durfte nicht zu hoch sein. Besonders wenn sie nass ist, würde sie sonst zu schwer, das hätte statische Probleme aufgeworfen.“ Um auf Nummer sicher zu gehen, tes­tete das Team rund um Boeri die Pflanzen und deren Behältnisse im Windkanal. Dafür reisen sie bis nach Miami, denn dort ist der Test unter den härtesten Bedingungen möglich.

Und dann ist da noch die Sache mit der Bewässerung. 20000 Pflanzen sind durstig, besonders im Sommer. Undenkbar, sie mit Trinkwasser zu gießen. Um dieses Problem zu lösen, ist Boeri ein Umstand zugute gekommen, der an und für sich bedrohlich ist: Seit die großen Fabriken in Mailand ihren Betrieb eingestellt haben, ist der Grundwasserspiegel der Stadt alarmierend gestiegen. Gleichzeitig regnet es in den Alpen immer stärker. Im Herbst stehen in Mailand deshalb die Keller ganzer Stadtviertel unter Wasser.

Boeri nutzt nun den Grundwasserüberschuss auf zwei Arten. Erstens, um mittels einer sensorengesteuerten Tröpfchenbewässerung die Pflanzen an der Fassade zu bewässern. Und zweitens, um das Gebäude zu heizen beziehungsweise zu belüften. Schließlich ist das Wasser im Winter wärmer als die Luft und im Sommer kühler.                                                  

Wer weit genug entfernt steht, kann erkennen, dass auf dem Dach der Türme zwei kleine Kräne angebracht sind. An ihnen können sich die Gärtner wie Spinnen abseilen, wenn sie zwei Mal im Jahr ausrücken, um den senkrechten Wald zu pflegen, zu schneiden und zu stutzen.

Der bosco verticale hat Boeri zahlreiche Auszeichnungen gebracht. Die renommierteste war sicherlich der Internationale Hochhauspreis, den die Stadt Frankfurt am Main alle zwei Jahre für das weltweit innovativste Hochhaus vergibt. Boeris Zwillingstürme setzten sich gegen mehr als 800 Hochhäuser aus 17 Ländern durch.

Das brachte Boeri nicht nur 50000 Euro Preisgeld und viel internationales Prestige, sondern auch eine Reihe von Folgeaufträgen. In Lausanne in der Schweiz wird „Les Terrasses des Cedres“, zu Deutsch die „Zedern-Terrassen“, gebaut: ein Hochhaus von 117 Metern Höhe und 36 Stockwerken, das Wohnungen, Büros und ein Restaurant beherbergen wird.

Im niederländischen Utrecht entsteht im Rahmen des Projekts „Wonderwoods“ ein Wohnturm nach dem Vorbild des bosco verticale. Im chinesischen Nanking wird an den beiden Türmen „Nanjing Vertical Forest“ gebaut. Der erste Turm wird 200 Meter hoch sein und Büros, eine Schule und ein Museum beherbergen. Im zweiten, 106 Meter hohen Turm wird ein Hyatt Hotel mit Schwimmbad auf dem Dach einziehen. Im Erdgeschoss sind Geschäfte, Restaurants, Konferenz- und Ausstellungsräume geplant.

„Aber ich mache mehr als den bosco verticale“, ruft Boeri, plötzlich von Ungeduld getrieben. „Ich konzipiere ganze Hafenareale um. Wir haben den Hafen von Genua, von Marseille, von Neapel, von Triest und von Thessaloniki umgebaut. Ich gestalte ganze Städte um. Wir haben Masterpläne ausgearbeitet für Tirana, für Taranto, ja, auch für Mailand. Wir haben geholfen, Amatrice wieder aufzubauen.“ Boeri wirkt wie ein Schauspieler, der sich dagegen wehrt, auf eine Rolle reduziert zu werden ­– auf die eine Rolle, die ihn berühmt gemacht hat und mit der alle Welt seinen Namen verbindet.

Indessen geht der bosco verticale weiter um die Welt. Im Jahr 2015 wird Stefano Boeri zur internationalen Klimakonferenz nach Paris eingeladen. Einmal mehr stellt er sein Konzept vor: Bäume und Pflanzen im urbanen Raum, um Kohlendioxid, Feinstaub und Lärm zu bekämpfen. Und stößt ganz besonders bei den Chinesen auf großes Interesse.

„China hat ein enormes Problem mit der Landflucht“, erklärt Boeri. „Jedes Jahr migrieren 14 Millionen Chinesen vom Land in die Städte.“ Deshalb ist China heute auch das Land mit den meisten Millionenstädten der Welt: 45 Städte haben mehr als eine Million Einwohner, in Indien sind es 34, in den USA neun. Deutschland bringt es mit Berlin, Hamburg, München und Köln gerade mal auf vier Millionenstädte.

Den traurigen Rekord als Stadt mit der höchsten Luftverschmutzung führt die Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt Shijiazhuang an. Nach der Klimakonferenz erhielt Boeri den Auftrag von der Stadtverwaltung Shijiazhuang, einen Masterplan für eine gesamte Stadt auszuarbeiten, die nach dem Prinzip des bosco verticale funktionieren sollte.

„In Shijiazhuang ist es beim Plan geblieben“, sagt er. „Aber die Stadtverwaltung Liuzhou hat uns den Auftrag gegeben, eine Stadt für 30000 Einwohner zu planen – und zu bauen.“ Für den Architekten aus Mailand geht ein Traum in Erfüllung.

Liuzhou Forest City – eine komplette Stadt aus Wohnhäusern, Büros, Schulen, Krankenhäusern, Hotels – wird zur Gänze von Pflanzen und Bäumen bedeckt sein. 40000 Bäume und mehr als eine Million Sträucher werden die Stadt in eine grüne Lunge verwandeln. „Die Pflanzen werden in der Lage sein, jedes Jahr 10000 Tonnen CO2 zu schlucken, 57 Tonnen Feinstaub zu absorbieren und 900 Tonnen Sauerstoff zu produzieren“, prophezeit Boeri.

Liuzhou Forest City wird nördlich der bestehenden Stadt Liuzhou entstehen und soll laut Boeri ausschließlich über erneuerbare Energien versorgt werdend: Solarzellen sollen die Stadt mit Strom versorgen, Heizung und Belüftung werden durch Erdwärme gespeist. Die Stadt ist nur mit der Bahn oder mit Elektro-Autos erreichbar.

Sollte das Experiment gelingen, wäre Liuzhou City die erste Stadt der Welt, die vormacht, dass es möglich ist, den Energiehaushalt einer Stadt ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu decken und zusätzlich einen positiven Beitrag zur Klimabilanz beizusteuern.

Es klingt wie Zukunftsmusik. Und ist doch fast schon Gegenwart. Der Bau soll noch vor 2019 beginnen.

Dass derartige Großprojekte, die auf politische Entscheidungen zurückgehen, auch scheitern können, hat Boeri allerdings ebenfalls schon erlebt. Im Jahr 2007 erhielt der Architekt den Auftrag, das ehemalige Militärgelände auf der Inselgruppe La Maddalena vor der Küste Sardiniens in einen futuristischen Gebäudekomplex umzugestalten. Dort sollte schließlich im Juli 2009 der prestigeträchtige G8-Gipfel stattfinden.

Wie in Italien üblich, starten die Arbeiten mit Verspätung, doch in einer Rekordzeit von 18 Monaten werden die Gebäude dann hochgezogen: ein See-Pavillion in Form einer Glasschachtel, die mit einem Überstand von sechs Metern über dem Meer schwebt; ein avantgardistisches Hotel für Barack Obama, Angela Merkel und Co. mit 100 Zimmern und einem Konferenzraum für 600 Gäste. Dazu soll noch ein Yachthafen kommen, dessen Becken großzügig genug konzipiert ist, um 700 Boote aufzunehmen.

Dann, am 23. April 2009, wenige Wochen vor dem Gipfel, veranlasst Silvio Berlusconi, damals noch Italiens amtierender Ministerpräsident, den G8-Gipfel nach L‘Aquila zu verlegen. Die Stadt war im April von einem schlimmen Erdbeben heimgesucht worden. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sollte der Region gut tun.

Und la Maddalena? Kurz vor Schluss ist Schluss. Die Gebäude werden nie fertiggestellt. Das Gelände ist heute ein einziger Trümmerhaufen. Von der Glasfassade des See-Pavillons ist nur ein Scherbenhaufen übrig, in die restlichen Gebäude regnet es hinein. 330 Millionen Euro an öffentlichen Geldern wurden in den Sand gesetzt. In Rom ermittelt die Staatsanwaltschaft derweil wegen Schmiergeldzahlungen und Korruption – bis in die höchsten Regierungsebenen hinauf. Italien eben.

Und nun China? Wie vertrauenswürdig und verlässlich wird dort mit derartigen Projekten umgegangen? Boeri ist zuversichtlich. „China hat die Kraft – und auch die Macht –, solche Projekte zu stemmen.“ Ganz zu schweigen von der dringenden Notwendigkeit, innovative Lösungen zu finden, um die gravierenden Umweltprobleme in den Griff zu bekommen.

Aber sind all diese Pläne nicht nur ein winziger Beitrag, um die Klimaerwärmung zu stoppen? Ist der politische Wille wirklich da, die Energiewende zu schaffen? Stefano Boeri war selbst Gast auf der Klimakonferenz in Paris. Erneut schiebt der Architekt seine blaue Plastikbrille auf die Stirn. „Sarà dura“, sagt er. „Es wird hart.“ Und dann erzählt er die Geschichte einer Studie, die er neulich für das Future City Lab erstellt hat. „Wir sollten einen Masterplan ausarbeiten, wie Shanghai im Jahr 2117 aussehen könnte. Aber in hundert Jahren wird Shanghai unter Wasser stehen. Was also tun? Nun, wir entwickelten in Zusammenarbeit mit der chinesischen Weltraumbehörde einen Plan für eine Bosco-verticale-Kolonie auf dem Mars.“

Ein „New Shanghai“ auf dem Mars? Zynisch? Verrückt? Oder vielmehr ein PR-Gag, um die Menschheit aufzurütteln? Die Zeit ist um. Die Pressedame drängt zum Aufbruch. Da schiebt sich noch eine französische Delegation dazwischen, die den bosco verticale besichtigt. Viel Händegeschüttel. Viele Komplimente. Viele Visitenkarten, die Besitzer wechseln.

Dann eilt Stefano Boeri zu seiner Vespa. „Hier ist meine Handynummer“, ruft er noch. „Rufen Sie mich an, dann sprechen wir weiter.“

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Vertikale Gärten – ein weltweiter Trend.

Stefano Boeri ist nicht der einzige, der grüne Hochhäuser entwirft. Vor allem in den großen Ballungsräumen in Asien sind in den vergangenen Jahren innovative Vorzeigeprojekte entstanden, die zeigen, wie sich konzentrierter Wohnraum mit Natur kombinieren lässt.

// 01. Agora Garden

Wie eine DNA-Doppelhelix schraubt sich der Tao Zhu Yin Yuan Tower oder Agora Garden des belgischen Architekten Vincent Callebaut in die Höhe. Der Turm steht im Herzen des Xinyin District in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh und wurde im Herbst 2017 fertiggestellt. Auf 23 Stockwerken wachsen 23000 Bäume und Pflanzen. Anders als beim bosco verticale werden auf den Balkonen auch Gemüse-Beete angelegt sein, die es den Bewohnern ermöglichen, eigene Nahrungsmittel anzubauen. In den Turm integriert sind Systeme zur Regenwassersammlung und -nutzung, Solarpanele und Photovoltaikanlagen. Vincent Callebaut gilt als wichtiger Vordenker futuristischer Bauweise und macht immer wieder mit spektakulären Entwürfen auf sich aufmerksam, zum Beispiel mit dem Plan für eine Meeres-Stadt vor Rio de Janeiro, die zur Gänze aus einem Gemisch aus recyceltem Plastikmüll und Algen besteht.

// 02. The Diamond Lotus

In Ho Chi Minh City entsteht „The Diamond Lotus“, ein Komplex aus drei „grünen“ Wohnanlagen. Die Hochhäuser stehen 3,5 Kilometer vom Zentrum entfernt und sollen Wohnraum für 720 Familien schaffen. Alle drei Gebäude sind über einen durchgehenden Dachgarten verbunden, der eine riesengroße grüne Lunge bildet. Die Balkone der einzelnen Wohnungen sind ebenfalls mit Bäumen und anderen Pflanzen begrünt.

Entworfen hat den Komplex das vietnamesische Architekturbüro Vo Trong Nghia, das die Wohnräume auch nach Feng-Shui-Regeln optimiert hat.

// 03. One Central Park

Im australischen Sydney steht der „One Central Park“, der vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfen wurde. Nouvel arbeitet dabei eng mit dem ebenfalls französischen Botaniker Patrick Blanc zusammen, dem „Vater“ der „Pflanzenwände“. Das 34 Stock­werke hohe Haus wurde im Dezember 2013 eröffnet. Einer lebenden Tapete gleich ranken Bäume, Blumen und Kletterpflanzen an der Fassade empor und bilden einen 50 Meter hohen zusammenhängenden grünen Teppich. 85000 Pflanzen machen den „One Central Park“ zum größten vertikalen Garten der Welt.

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®

Autorin: Sabine Holzknecht

 

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