Alte Stärken neu entdeckt.

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Vermögensplanung. Alexander Letzsch, Verantwortlicher für den deutschen Markt beim private-wealth-Partner Lombard Intermediation ­Services S.A., lässt zehn Jahre Lebensversicherung Revue passieren. Und erklärt, warum sie auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.

„Ich erinnere mich noch genau. Das Jahr 2004 war das letzte Jahr der guten alten Zeit“, erzählt Alexander P. Letzsch, Country Manager Germany bei Lombard Intermediation Services S.A., dem Vertriebsarm der Lombard International Assurance S.A. in Luxemburg: „Damals konnte die Branche mit dem Verkaufsslogan ,Nach zwölf Jahren steuerfrei‘ punkten.“ Heute dagegen fragen sich viele Interessenten: Was kann mir eine Lebensversicherung eigentlich noch bieten? „Eine ganze Menge“, meint Letzsch, „die Möglichkeiten sind nicht weniger geworden. Nur anders.“

Der Reihe nach. Im Jahr 2004 galt: Eine Lebensversicherung schüttet nach zwölf Jahren Laufzeit – egal welches Abschluss­- oder Auszahlungsalter – die in der Laufzeit erwirtschafteten Erträge einkommensteuerfrei an den Versicherungsnehmer beziehungsweise den Begünstigten im Erlebensfall aus. Im Todesfall galt das Gleiche für den Begünstigten, sogar ohne die „Wartezeit“ von zwölf Jahren.

Damals waren die Erinnerungen an die „Hochzinsphase“ noch wach, jedes Anlageergebnis unter einer Rendite von fünf Prozent per annum schien undenkbar zu sein. Selbst mit sicheren Staatsanleihen war das zu erzielen. Auf dieser Grundlage bauten viele Menschen dann auch gesamte Finanzierungs- und Vorsorgekonzepte auf. „Denken Sie nur an kreditfinanzierte Lebensversicherungen oder Immobilienkäufe, bei denen die Kredite mit dem Ertrag aus einer Lebensversicherung getilgt werden sollten“, erklärt Letzsch.

In dieser Zeit galt auch noch das „alte“ Erbschaftsteuerrecht. „Dieses arbeitete gern mit Bewertungsabschlägen: Landwirtschaftsnutzflächen wurden zum Beispiel nur zu sieben Prozent des allgemeinen Werts erbschaftsteuerlich erfasst. Die Schenkung einer Lebensversicherung vor Fälligkeit konnte nach dem vor 2009 gültigen Bewertungsgesetz sogar zur Bewertung von 66 Prozent – oder zwei Drittel des Rückkaufswerts – erfolgen.“ Diesen Bewertungsabschlag von etwa 33 Prozent auf den aktuellen Rückkaufwert gab es, weil niemand wusste, wie hoch der Betrag sein würde, den die Versicherung bei Endfälligkeit ausschütten würde. „Mit anderen Worten: Sie konnten eine Bundesanleihe zu zwei Dritteln des Werts an Ihre Kinder verschenken, wenn diese in einem Lebensversicherungsvertrag enthalten war. Das war im wahrsten Sinne des Wortes ,todsicher‘.“ Später wurde diese Möglichkeit der Vermögensübertragung nur noch von der Cash-GmbH übertroffen, die 2013 wieder aus dem Repertoire der Nachfolgeplanung fiel.

Aus deutscher Anlegersicht und aus Sicht der Lebensversicherer war das Jahr 2004 dann auch eines der letzten „großen“ Jahre – jeder wollte sich die bisherigen Privilegien noch sichern. Denn ab dem Jahr 2005 wurde die Besteuerung von Lebensversicherungen grundlegend verändert. Alle Lebensversicherungen, die zu Lebzeiten ausgezahlt werden, sollten nun mit dem normalen persönlichen Steuersatz auf die ausgeschütteten Erträge besteuert werden. Es sei denn, der Vertrag lief mindestens zwölf Jahre und bei Auszahlung hatte der Begünstigte das 62. Lebensjahr erreicht – dann käme nur auf die Hälfte der ausgeschütteten Erträge der persönliche Einkommensteuersatz zur Anwendung.

„Dies veränderte die Altersvorsorge völlig!“, macht Letzsch deutlich: „Vorbei war es mit der Planung der Rückzahlung eines Hauskredits über eine Kapitallebensversicherung. Lediglich der Stundungseffekt und der Zinseszinseffekt konnten noch eine positive Wirkung in Abhängigkeit des Zinsumfelds bringen. Bei einer vorzeitigen Rückzahlung wurde die Differenz zwischen eingezahlter Prämie und ausgezahltem Betrag mit dem vollen persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.“

Erbschaftsteuerlich fiel dann noch das Privileg des Zwei-Drittel-Bewertungs­ansatzes bei einer Schenkung durch das neue Erbschaftsteuergesetz per Ende 2008. Außerdem änderte Deutschland Anfang 2009 radikal das System der Besteuerung von Kapitaleinkünften: Es wurde die Abgeltungsteuer eingeführt. Vorbei war es mit steuerfreien Spekulationsgewinnen, seither gilt: 25 Prozent auf alles. Wichtig wurde nun das sogenannte „Grandfathering“ – also die möglichst lange Fortführung von vor dem 1. Januar 2009 erworbenen Rechtspositionen. Das betraf zunächst nur die Millionärsfonds. „Aber plötzlich fand sich im einschlägigen Buchhandel auch Literatur zu Lebensversicherungslösungen aus Liechtenstein, Irland und Luxemburg mit dem Ziel der Kapitalanlage. Das musste natürlich beim Bundesfinanzministerium Argwohn hervorrufen. Wann war eine Lebensversicherung zum Beispiel noch eine Versicherung im Sinne der Übernahme von Lebensrisiken? Und wann nur ein steuerlich irrelevantes Scheingeschäft?“

Erst im Oktober 2009 stellte das Bundesministerium der Finanzen unter anderem klar, wie viel Einfluss der Versicherungsnehmer auf die Anlageentscheidungen im Detail haben darf, damit es sich nicht um eine individuelle Kapitalanlage handelt: keinen. „Seit Langem herrschte danach endlich wieder mehr Rechtssicherheit bezüglich der Ausgestaltung von Versicherungsverträgen, insbesondere im Bereich der fondsgebundenen Lebensversicherungen aus Liechtenstein und Luxemburg.“

Mit Einführung der Abgeltungsteuer wurde auch der Unterschied zwischen vorzeitiger Auflösung und Auszahlung nach Vollendung des 62. Lebensjahres fast vollständig beseitigt. „Im einen Fall wird Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent berechnet. Durch die einkommensteuerliche Privilegierung ab 62 Jahren landet ein Anleger, der den Höchststeuersatz bezahlt, bei maximal 22,5 Prozent“, rechnet der Experte vor. Lediglich die auf Ebene der Versicherung anfallenden Vermögensverwaltungskosten sind voll steuerlich abzugsfähig, denn sie mindern den Auszahlungsbetrag. Daneben kann nur noch der Zinseszinseffekt aus der Steuerstundung der genuinen Lebensversicherung als direkter Vorteil neben der einkommensteuerfreien Leistung von Todes wegen genannt werden.

Damit sind wir im Hier und Jetzt angekommen – von absoluter Einkommensteuerfreiheit zu einem kaum merklichen Unterschied. Was spricht heute noch für eine Lebensversicherung? „Sie hat früher bereits zusätzliche wichtige Vorteile besessen, nur sind diese durch die steuerlichen Vorteile in den Hintergrund ge­rückt worden und gerieten somit fast in Vergessenheit“, macht Letzsch klar.

Durch das geschickte Zusammenspiel von Versicherungsnehmer, versicherter Person und Begünstigten lasse sich zum Beispiel die Nachfolge besser organisieren. So können außerhalb der Nachlassmasse Vermögenswerte an dritte, nicht im Testament bedachte Personen übertragen werden. Generationenübergreifende Begünstigungen reduzieren die Erbschaftsteuer. Und diese werde selbst auch planbarer – in der Höhe des anwendbaren Steuersatzes oder auch durch konsequente Nutzung von Freibeträgen. „Dies betrifft nicht nur den rein nationalen Nachlassfall, sondern auch den internationalen Fall, bei dem die drei oben genannten Personen in unterschiedlichen Staaten leben und verschiedenen Steuerregimen ausgesetzt sind.“ Individuelle Lösungen im Vermögensmanagement sind ebenfalls möglich. „Bei komplexen Strukturen werden heute oft Zertifikate eingesetzt. Doch die sind nicht nur teuer. Auch die Bonität des Emittenten muss geprüft werden. In vielen dieser Fälle kann eine Versicherungslösung zielführender sein.“

Zudem könne durch die Lebensversicherung auch ein komplexer Lebensstil vereinfacht werden. „Mobile Mitbürger leben heute in Deutschland, morgen in Spanien und übermorgen in England. Bei jedem Umzug müssten sie ihre persönlich gehaltenen Kapitalanlagen wieder neu nach dem lokalen Steuerrecht und vielleicht auch dem lokalen Erbrecht ausrichten. Bei einer Investition über eine fondsgebundene Lebensversicherung erledigt diese Ausrichtung der Versicherungsanbieter, indem er für eine grenzüberschreitende Anerkennung der von ihm gebotenen Lösung sorgt“, erklärt Alexander Letzsch.

Und nicht zuletzt könnten Lebensversicherungslösungen auch sämtliche immer komplexer werdende Steuerreportings der gewählten Anlagen obsolet machen. „Schließlich zählt bei Ausschüttung nur die Differenz zwischen Einzahlung und Auszahlung, nicht die steuerlichen Ergebnisse während der Laufzeit.“

Ein modernes, komplexes Leben einfacher machen, das ist heute die Aufgabe von Lebensversicherungslösungen, folgert Alexander Letzsch. „Es geht um Individualität. Und um Flexibilität. Wer nur die alten Steuervorteile und die nack­te Rendite im Kopf hat, wenn er über den Einsatz einer Lebensversicherung im Vermögensmanagement nachdenkt, vergisst etwas Wesentliches: Die Lösung komplexer Sachverhalte im Sinne des Kunden ist eigentlich unbezahlbar.“    ®

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