Das Experiment.

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Naturkundemuseum Bayern (NaMu). Nur wenn die Bevölkerung selbst ein Prozent der Baukosten stemmt, würde der Freistaat Bayern das ­Museums-Projekt unterstützen. Prinzessin Auguste von Bayern nahm die Herausforderung an. Nun scheint ihre Initiative von Erfolg gekrönt.

„In fünf bis sechs Jahren gibt es hier einen Ort mit internationaler Strahlkraft. Kinder wie Erwachsene lernen dort Basiswissen sowie aktuellste Erkenntnisse aus den Geo-, Human- und Umweltwissenschaften kennen. Spannende Forschungsarbeiten sind live zu sehen. Wir entfachen Begeisterung für die Naturwissenschaften.“ Wenn Prinzessin Auguste von Bayern über das Projekt Naturkundemuseum Bayern spricht, formuliert sie im Indikativ. Der Konjunktiv kommt nicht mehr vor.

„Ohne das Engagement des Förderkreises Naturkundemuseum Bayern (NaMu), seiner zahlreichen Unterstützer und großzügiger Spendern wäre es nicht so weit gekommen“, macht die verheiratete Prinzessin zur Lippe-Weißenfeld klar. Seit November 2011 setzt sich die promovierte Biologin als 1. Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins für diese Sache ein. „Sie müssen für ein Thema brennen, überzeugen können, viel Zeit investieren, Niederlagen in Kauf nehmen und hartnäckig weitermachen. Dann hat man eine Chance“, begründet die 34-Jährige den Erfolg ihrer Initiative. „Unser Thema begeistert, ist jedoch sehr erklärungsbedürftig. Schon das sperrige Wort ,Naturkunde­museum‘ leidet unter einem verstaubten Image. Ist erst einmal geklärt, welche Reichweite wir mit dem Museum anstreben, stehen uns die Türen offen.“

Nachdem NaMu schon nach nicht einmal zwölf Monaten Spendengelder von rund 850000 Euro sowie zahlreiche Fördermitglieder und Unterstützer vorweisen konnte, bewilligte der bayerische Landtag im Dezember 2012 die Planungskosten von zwei Millionen Euro. Der Förderkreis schrieb einen Architektenwettbewerb aus. Im März 2014 stellten die Gewinner, das Büro Staab Architekten aus Berlin, ihr Modell vor. „Aus über 30 eingereichten Vorschlägen überzeugte die Jury die besonders gelungene eigenständige Museumsarchitektur, die sich dennoch harmonisch in die historische Schlossanlage einfügt. Auch alle Kriterien für die Ausstellungsräume haben die Planer optimal erfüllt“, so die Initiatorin.


In den nächsten Monaten steht das Fundraising wieder öfter auf der Agenda der jungen Mutter. „Der architektonische Rahmen steht, jetzt geht es um die inhaltlichen und pädagogischen Details des Museums. Von den geschätzten 84 Millionen Euro Gesamtkosten für das Projekt sind rund 14 Millionen Euro für die Ausstattung kalkuliert – nicht gerade üppig. Je mehr Unterstützer wir weiterhin gewinnen können, desto aufwediger können wir die Wissenschaften präsentieren. Daher ist jetzt der ideale Zeitpunkt, an dem sich themenspezifische Partner und Sponsoren engagiert einbringen können.“ Dabei sei es ihr besonders wichtig, in Gesprächen mit der Wirtschaft und potenziellen Sponsoren klar zu machen: „Das ist keine Lobbyarbeit. Die Ausarbeitung der Inhalte und Darstellung der Themen obliegen dem Gründungsdirektor, der in Bälde berufen wird.“


Neben der Akquisition von Großsponsoren unterstützt der Verein die Verantwortlichen im Wissenschaftsministerium, von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen und den Museen auch in der Konzeptionsphase. Der Förderkreis bringt hierzu Experten an einen Tisch. Er organisiert beispielsweise einen Kongress für Gehirnforscher, bei dem unter anderem die Themen für das Museum strukturiert werden. Oder er ist involviert, eine Kooperation mit einem einzigartigen Forschungsprojekt zu verwirklichen, das im Hinblick auf Tierforschung und Artenschutz bahnbrechend sein wird. Außerdem hat sich die bayerische Staatsregierung auf die Fahne geschrieben, im Zuge des neuen Naturkundemuseums in München ein bayernweites Bildungsnetzwerk zu realisieren. Regionale Museen in Nördlingen, Eichstätt, Bayreuth und Bamberg mit ihren einzigarten Schaustücken sollen eng mit dem Naturkundemuseum in München verknüpft sein.


Für den Aus- und Umbau sowie die technische Ausstattung der Zweigmuseen will die Staatsregierung weiteres Geld zur Verfügung stellen, der Förderkreis behält deren Eingliederung aber konzeptionell im Blick. „Schließlich kommt es darauf an, die Museumspädagogik und die Technik in Einklang zu bringen. Das geeignete übergeordnete pädagogische Konzept zur Umsetzung der Inhalte wird im Rahmen einer speziellen Ausschreibung festgelegt. Wir wollen pädagogisch wie technisch höchstes Niveau bieten.“ Neben der Vermittlung von Grundwissen würden laufend aktuelle Forschungsergebnisse in die Präsentation mit eingebaut. „Die Besucher sollen Wissen mitnehmen können und mit uns vernetzt bleiben. Schulen sollen sich direkt mit uns verlinken und so Informationen für den Unterricht heranziehen können. Hierfür sind wir bereits mit Verlagen und Softwareunternehmen im Gespräch“, berichtet die unermüdliche Vorsitzende.


Es ist eine lange Liste mit Aufgaben, die Auguste von Bayern und der Förderkreis in den kommenden Monaten noch abzuarbeiten haben. Auf eine Maßnahme freut sie sich besonders: Im Oktober startet ein Ideenwettbewerb an den Schulen in drei Altersstufen. „Da eine der größten Zielgruppen Kinder und ihre Eltern sind, wollen wir sie auch in die Planung einbeziehen. Aufgabe der Schüler wird es sein, einen möglichen Bereich des künftigen Museums zu konzipieren. Sie erhalten Themen zur Auswahl, bei denen wie im Museumskonzept beschrieben stets der Bezug zum Menschen herzustellen ist: der Mensch als Materie, der Mensch als Organismus und der Mensch als Geisteswesen und Gestalter. Wir dürfen gespannt sein auf die Vorschläge der zukünftigen Forscher.“  


Sobald der bayerische Landtag bei den Haushaltsverhandlungen im Herbst 2014 grünes Licht gibt, beginnt der Bau. Spätestens im Jahr 2020 werden sich dann die Tore öffnen, um Naturwissenschaften neu erlebbar zu machen. „Werden“, sagt Auguste von Bayern.     ®

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