How to live it

  • Ryan Pyle

Einen Blick für Schönheit.

Stil uhr

Ryan Pyle ist Abenteurer, Fotograf und Dokumentarfilmproduzent. Seine Fernsehserie „Extreme Treks“ machte den Markenbotschafter für Glashütte Original weit über seine Heimat Kanada hinaus bekannt.

Ich weiß gar nicht mehr, wie meine Leidenschaft für mechanische Uhren ihren Anfang nahm. Andere Männer „erben“ diese von ihrem Vater, aber meiner hat nie so etwas getragen. Er war Olympionike und erfasste seine Rundenzeiten mit einer digitalen Sportuhr aus Plastik. Immerhin – mein Vater brachte mich zum Sport. So war er zwar nicht für meinen Uhrengeschmack, aber doch für den Beginn meiner Karriere mitverantwortlich.

Ich selbst habe schon immer sorgfältig handgefertigte Dinge gemocht. Für die „New York Times“ berichtete ich einige Jahre aus China und sah auf meinen Reisen durchs Land viele Menschen, die nach alten Handwerksregeln produzieren: Keramik, Schnitzereien, Möbel. Das ist alles zwar nicht so delikat wie die Montage einer Uhr, aber es setzt ebenfalls große Begabung und Erfahrung voraus – Fähigkeiten, die langsam verschwinden. Daraus ist dann die Idee zu meiner Serie „Meet the Makers“ entstanden. Ich wollte Handwerker zeigen, deren Wissen über Generationen weitergereicht worden ist und das nicht verloren gehen darf. Wenn ein 3-D-Printer in Windeseile und wie aus dem Nichts eine Skulptur herstellen kann, für die ein Schnitzer Tage benötigt, wird diese Gefahr geradezu greifbar.

Die Uhrmacherei ist da natürlich auf der sicheren Seite – schon weil wohl niemand so schnell eine Maschine erfindet, die aus Tausenden Teilen eine komplizierte mechanische Uhr machen kann. Außerdem gibt es genügend Menschen, die gerade in digitalen Zeiten das Analoge schätzen, das ästhetisch Ansprechende.

Als Fotograf finde ich Schönheit zunächst in der Natur, in einem dramatischen Gewitter, einem Sonnenaufgang oder einem sternenklaren Nachthimmel. Ich sammle solche Augenblicke. Das gilt übrigens auch für die Schönheit von Gefahr. Ein Sandsturm, alles, womit die Natur einen bedroht, hat seine eigene Ästhetik. Aber ich erfreue mich auch an Autos, Architektur und Armbanduhren.

Sie sehen schon: In gewisser Weise lebe ich in zwei Welten, für die ich mich ganz unterschiedlich ausstatte – auch mit zwei völlig verschiedenen Uhren. Im Moment ist das Reisen ja schwierig, 2019 aber war ich ständig unterwegs, von Flughafen zu Flughafen, und habe deshalb auf der „Senator Cosmopolite“ von Glashütte Original immer wieder zu einer anderen Lokalzeit gewechselt. Ich habe mehrere Büros, als Heimatzeit ist aber immer Dubai eingestellt, wo ich seit Jahren meinen Lebensmittelpunkt habe.

Bei den Reportagen trage ich meine robuste „SeaQ Panoramadatum“. Ihr mechanischer Antrieb hat dabei nichts mit Nostalgie zu tun. Mein ganzes Abenteurer- und Journalis­tenleben dreht sich viel zu oft um Batterien, denn wir sind immer mal wieder für 14 Tage weit weg von jeder Steckdose. Am Handgelenk brauche ich da etwas Autarkes, Belastbares. Bei mir geht es nicht um Zehntelsekunden, aber um eine präzise Tagesplanung: Aufbruch, das Eintreffen auf einem Gipfel und die Rückkehr ins Basislager … Wenn im Tagesablauf etwas schiefgeht, ist es schon ein gutes Gefühl, ein verlässliches Instrument am Arm zu tragen.

Inzwischen habe ich mir sogar die Werkstätten von Glashütte Original anschauen können. Es war mein erster Besuch in einer Uhrenmanufaktur. Ich konnte den Spezialisten über die Schulter blicken, die mit ganz feinen Pinzetten kleinste Teile bewegen und montieren, die ich mit bloßem Auge gar nicht sehen konnte. Ganz ehrlich: Mein Gehirn funktioniert so nicht. Man hat mich auch versuchen lassen, einen Zierschliff auf eine Platine zu setzen und Chatons einzupressen … Sagen wir mal, ich weiß jetzt noch genauer, wo meine Fähigkeiten liegen – und wo nicht.

Die Ateliers in Glashütte sind natürlich modern, hygienisch, staubfrei. Aber dann stehen da auch noch altmodische Maschinen mit Handrad und Treibriemen. Und es riecht ein wenig wie in vielen kunsthandwerklichen Werkstätten. Vieles wird offenbar bewusst nicht geändert. Das gehört zu den Tugenden, die ich schön finde. Ein Stück Feinuhrmacherei zu tragen, aus Hunderten Teilen in vielen Stunden gebaut, sehe ich als besonderes Privileg an. Vielleicht ist ja so eine Uhr überhaupt einer der aussagekräftigsten Gegenstände. Sie spiegelt wie kaum ein anderes Accessoire, wer man ist und wofür man steht.

®

  • Dr. Annette Doms

"Ich lebe Kunst."

LEO0213 Xtie

Sammler. Pierre Chen hat sein Milliardenvermögen mit dem 1977 von ihm gegründeten multinationalen Elektronikunternehmen Yageo Corporation verdient. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie das gute Gespür eines erfolgreichen Unternehmers auch im Bereich Kunst funktioniert. Mit seiner über die Jahre zusammengetragenen Sammlung zählt er zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Sammlern in der Kunstwelt.

In der Hightech-Branche herrscht ein sehr stressiger Lebensstil. Kunst hilft mir, mein Leben auszubalancieren, sie beruhigt meinen Geist und entschleunigt mein Tempo. Kunst hat die unglaubliche Kraft, unaufdringlich und doch therapeutisch zu sein“, erzählt Pierre Chen.

Seit 27 Jahren besteht eine enge Verbindung zwischen den beiden Karrieren des Sammlers und des Unternehmers Chen. In dieser Zeit machte er aus dem einst lokalen Elektronikunternehmen Yageo einen Weltmarktführer mit einem aktuellen Börsenwert von zehn Milliarden Dollar und baute eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt auf.

Die Geschichte des Kunstsammlers Pierre Chen beginnt in einer 140 Quadratmeter großen Wohnung im Arbeiterviertel von Kaohsiung, einem ehemaligen Hafenzentrum in Taiwan. Hier wächst Chen mit sieben Familienmitgliedern auf. Seine Mutter, die Bekleidungsdesign unterrichtete, verschaffte ihm den ersten Zugang zur Ästhetik. „Wenn ich dann Zeit zum Ausgehen hatte, ging ich immer an zwei Orte: in eine Buchhandlung und in eine Galerie“, erinnert er sich in einem Gespräch mit dem Magazin „Forbes“. Beides sind für ihn auch heute noch Quellen der Inspiration. „Seit seiner Jugend hat sich mein Vater für schöne Dinge interessiert. Sein erstes Kunstwerk hat er noch zu Collegezeiten mit den aus anderthalb Jahren zusammengetragenen Ersparnissen aus einem Teilzeitjob als Softwareprogrammierer erworben: eine Skulptur des taiwanesischen Künstlers Cheung Yee, die er in einer der ersten Galerien Taipehs entdeckte. Sie schmückt noch immer sein Büro“, erzählt die 32 Jahre alte Jasmine Chen, die heute die Yageo Foundation leitet und die Sammlung ihres Vaters sowie die Initiativen und Projekte der Stiftung verwaltet.

Kunst1

Die zunehmenden Gewinne aus Yageo ermöglichten es Pierre Chen bald, in weitere Kunstwerke zu investieren, die er zu Beginn in asiatischen Auktionshäusern kaufte. „In Asien, und vor allem in Taiwan, gab es damals noch keine anspruchsvolle Kunstszene mit Galerien und Kunstmessen“, erklärt Jasmine den Fokus ihres Vaters auf die Auktionen. Dort baute sich Chen erste Beziehungen und Kontakte auf. Und so, wie auch das Unternehmen Yageo zunächst lokal angesiedelt war, erwarb er zu Beginn die ihm vertraute moderne asiatische Kunst.

Als sich Taiwan in den 1980er-Jahren für den Kapitalismus entschied und den Weg zur Demokratie ebnete, orientierte sich auch Yageo nach Westen. Chen knüpfte neue Beziehungen und Kontakte. Je mehr er reiste, desto mehr lernte er die westliche Kunst und Kultur schätzen. „Ich war wie ein Fisch, der von einem Teich in den Ozean schwimmt“, sagt Chen in einem Interview mit dem Auktionshaus Christie’s.

„Dabei hat sich mein Vater immer mit viel Liebe und Leidenschaft in die Materie eingelesen. Am lauten Sozialleben der Kunstwelt nahm er eher selten teil. Aufgrund seiner Arbeit schaffte er es kaum persönlich in Auktionen und Museen. Er hatte einfach nicht die Zeit“, erinnert sich Jasmine. Vielmehr verschlang er in seiner Freizeit die Bücher und Kataloge, die ihm Galerien und Museen aus aller Welt zusandten, erweiterte permanent sein Wissen, bildete seinen eigenen Geschmack und trainierte sein Auge für das Wesentliche. Mit der Zeit verlagerte er seinen Schwerpunkt auf Werke der Klassischen Moderne und der Nachkriegszeit. In den 1990ern erwarb Chen bereits Gemälde von Pablo Picasso, Francis Bacon, Cy Twombly, Andy Warhol, Mark Rothko und Gerhard Richter.

Wenn Pierre Chen sich für ein Werk entscheidet, dann weil es in einen bestimmten Raum seiner Umgebung passt. Er hat, in der Welt verteilt, mehrere Häuser. Sein Hauptwohnsitz liegt inmitten der grünen Berghöhen Yangmingshans mit Panorama­blick auf die energiegeladene, pulsierende Stadt Taipeh. Die Kunst, die ihn hier und anderswo umgibt, muss ihn emotional berühren. Löst ein Kunstwerk nach intensiver Recherche und nach ein paar Tagen Gedankenzeit immer noch die gleiche Wirkung in ihm aus wie beim ersten Blick, kauft er. Das Wort Sammler versucht er zu vermeiden. Die Betonung liegt auf: „Ich lebe mit Kunst.“

Deshalb ist ihm auch die tägliche Auseinandersetzung mit den Werken so wichtig, die jeglichen Investmentgedanken überwiegt. Intuitiv wählt er bei seinen Ankäufen die jeweils besten Werke eines Künstlers aus. Bluechip wird der Schlüsselbegriff seiner Sammlung und macht ihn selbst zu einer der angesehensten Persönlichkeiten in der globalen Kunstszene. Heute umfasst seine Sammlung auch Werke von Salvador Dalí, Francis Picabia, Henry Moore, Aristide Maillol, Willem de Kooning, Donald Judd, Richard Serra, Louise Bourgeois, Yayoi Kusama, Alexander Calder, Georg Baselitz, Peter Doig, David Hock­ney … – die Liste ließe sich fortsetzen. Dass er sich dabei tatsächlich auf sein geschultes Auge verlassen kann, illustrieren seine Ankäufe und deren Wertentwicklung.

Im Jahr 2003 erwarb Chen zum Beispiel das Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“ von Francis Bacon für 3,8 Millionen US-Dollar. Damals stellte das einen neuen Rekordpreis für diesen Künstler dar. 2014 verkaufte er ein anderes Triptychon von Bacon („Three Studies for a Portrait of John Edwards“) für mehr als 80 Millionen US-Dollar.

Veräußert Pierre Chen ein Werk wieder, dann, weil er eine Verbesserung für die Sammlung vor Augen hat. Jasmine spricht von einem Upgrade.

Anders als ihr Bruder und ihre Zwillingsschwester aus Chens erster Ehe, folgt Jasmine den Spuren ihres Vaters in Sachen Kunst. Als Kind träumte sie wie ihre Schwester vom Reitsport. Im Jahr 2002 schickten ihre Eltern sie zum Training bei dem bekannten deutschen Springreiter Paul Schockemöhle in Mühlen. Von diesem Zeitpunkt an bis zur Universität trainierte Jasmine in den Schulferien und nahm an Wettkämpfen in Europa teil. „Der Wettbewerbsgedanke wurde vor allem durch meinen Vater geweckt und inspiriert, der extrem kompetitiv ist. Er ist ein Typ, bei dem es um alles oder nichts geht und der jede Sekunde 120 Prozent Einsatz zeigt.“

Kunst2

Im Alter von 17 Jahren gewann Jasmine die Silbermedaille bei den Asienspielen 2006 in Doha, Katar, und im vergangenen August erfüllte sie sich endlich ihren Traum von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen, indem sie Taiwan in Tokio vertrat.

Tatsächlich waren Reit- und Springwettbewerbe für sie jedoch immer ein Hobby oder sogenannter Nebenjob.

Im College riet ihr Vater Jasmine, Kunstgeschichte zu studieren. Sicherlich hatte er dabei im Sinn, dass dieses Studium seiner Tochter in Zukunft viele Möglichkeiten im Rahmen der Kunstsammlung eröffnen könne. Nach ihrem Abschluss 2011 traf Jasmine schließlich die Entscheidung, eine Karriere in der Kunstwelt anzustreben, und legte das Reiten auf Eis. Sie begann als Spezialistin beim Auktionshaus Sotheby’s und zog nach New York, wo sie zwei Jahre lang in der Abteilung für Impressionis­ten und moderne Kunst und später zwei Jahre im Bereich der zeitgenössischen Kunst arbeitete. Der ausgeprägte Sinn ihres Vaters für den Markt und die Qualität eines Kunstwerks half ihr in vielerlei Hinsicht, vor allem wenn es darum ging, das Kaliber von Werken desselben Künstlers zu bestimmen. „Lucio Fontanas Bilder mit den Schlitzen sehen sich ja auf den ersten Blick sehr ähnlich. Aber ein Experte wie mein Vater erkennt sofort das Werk von höherer Qualität.“

Seine Objektivität ist ihr Ratgeber – von ihm zu lernen eine große Ehre. Im Jahr 2017 zog sie nach Hongkong, wo sie begann, wohlhabende Sammler in Asien in Hinblick auf westliche Kunst und den Aufbau ihrer Kollektionen zu beraten.

Kunst3

Auch für ihren Vater kaufte sie ab und an auf Auktionen ein. Rückblickend erinnert sie sich an eine Geschichte: Für eine Zeichnung von Picasso gab er ihr ein Limit von 3,5 Millionen US-Dollar. Das Anfangsgebot war sehr niedrig, aber eine Vielzahl von Bietern trieb den Preis stark nach oben. Jasmine war sich der Bedeutung des Werks bewusst, reagierte im Sinne ihres Vaters und erhielt den Zuschlag bei neun Millionen US-Dollar. „Mein Vater wurde fast verrückt, aber er hat den Ankauf niemals bereut“, lacht sie. 

Heute leitet Jasmine zusammen mit ihrem Vater die Yageo Foundation. Diese wurde 1999 als kultureller Zweig des Unternehmens gegründet und verleiht der Sammlung ihres Vaters ein kuratorisches Gerüst. Sie birgt nicht nur die Sammlung, sondern fördert sowohl die lokale Kunstszene durch das Sponsoring von Ausstellungen, Forschung und Bildungsprogrammen als auch den künstlerischen Dialog zwischen Ost zu West.

Die Stiftung engagiert sich auch für die Erstellung, die Veröffentlichung und den Verkauf von gedruckten Materialien zu Kunst und Kultur, einschließlich wissenschaftlicher Texte, Künstlermonografien und Werkverzeichnisse. Und wenngleich Jasmine Chen in diesem Umfeld also selbst „Kunst lebt“ und auch einige Werke für ihr Zuhause erworben hat, würde sie sich analog zu ihrem Vater nicht als Sammlerin bezeichnen. Ihr ebenso geschultes Auge, sagt sie lachend, würde ganz einfach zu Werken tendieren, die sie sich nicht leisten könne.   

–––––––––––––––––––––––––

Jagdfieber – wie Asiens Sammler den Kunstmarkt verändern.

Mit dem Import westlicher Kunst nach Asien durch die Art Basel im Jahr 2013 hat sich die Kunstwelt grundlegend verändert. Seitdem sind finanzstarke Mitbewerber aus Asien eine nicht mehr wegzudenkende Konkurrenz. Vor allem Chinas Wirtschaftsdynamik hinterlässt tiefe Spuren in der Kunstbranche. Die Zahl der Selfmade-Milliardäre steigt, beinahe täglich entstehen neue Privatmuseen. Es gilt die Devise: je größer, desto besser. Das nötige Kleingeld für den Kunsterwerb scheint kein Problem zu sein.

Die jüngere Generation in China ist stark Community-gesteuert. Materieller Reichtum wird auf Social Media geteilt. Werke von Künstlern, die im Freundeskreis die Wohnungen schmücken, prägen den eigenen Kunstgeschmack. Kunst zu kaufen, wird zum sozialen Event, dient dem Aufbau von Prestige. Sammler aus Taiwan und Japan verhalten sich im Vergleich zurückhaltender. Sie zählen in Kunstkreisen zu den anspruchsvolleren Sammlergemeinschaften in Asien.

Die Jagd nach den besten Werken treibt natürlich auch die Preise an. Die Globalisierung des Kunstmarkts hat mittlerweile dazu geführt, dass es kaum mehr Meisterwerke zu angemessenen Preisen zu erwerben gibt. Gleichzeitig differenziert sich der Markt inzwischen aber auch stärker aus. „Kunstwerke aus der Mittelklasse sind heute schwieriger zu verkaufen als ein Picasso, der im zweistelligen Millionenbereich liegt“, erläutert Jasmine Chen. Gerade für die Spitzenwerke gilt aber erst recht, was „The Times“ schon 1987 schrieb: „Der Kunstmarkt ist ein ,Markt ohne Dach‘ – offen für jede Überraschung nach oben.“

–––––––––––––––––––––––––

Der Unternehmer Pierre Chen.

Nach seinem Abschluss in Ingenieurwesen an der National Cheng Kung University in Taiwan gründet Pierre Chen 1994 die Yageo Corporation. In wenigen Jahren macht er die Firma zu einem der weltweit größten Anbieter von Elektronikkomponenten mit einem Umsatz von 2,4 Milliarden Dollar im Jahr 2020. Aktuell ist er dabei, in eine ganz neue Dimension vorzustoßen. Um sein eigenes Geschäft mit Konden­satoren zu stärken, übernahm Chen im Sommer dieses Jahres für eine Milliarde US-Dollar den taiwanesischen Konkurrenten Chilisin Electronics im Wert von einer Milliarde US-Dollar und bereitete so den Zusammenschluss mit der Hon Hai Technology Group vor. Deren Tochterunternehmen Foxconn ist als wichtigster Zulieferer von Apple bekannt. Die neue gemeinsame Firma soll XSemi heißen und die Halbleiterindustrie revolutionieren. Der Plan ist es, Chips zu deutlich geringeren Preisen anbieten zu können.

–––––––––––––––––––––––––

®

Autorin: Dr. Annette Doms

  • Sonderveröffentlichung: Reportify Analytics GmbH

Reporting-Markt im Aufruhr.

Adv Roedl shutterstock 60421510

Vermögensreporting. Der Markt für Dienstleiter rund um Vermögensreporting und -controlling ist im Umbruch. „Die Kundenanforderungen ändern sich. Ganze Teams von bisherigen Top-Adressen wechseln den Arbeitgeber. Dort geht nun Know-how verloren“, macht Alexander Etterer klar. In diesem spannenden Umfeld will sich der erfahrene Reportingspezialist neu positionieren. „Auch darum“, sagt Etterer, „habe ich Reportify Analytics gegründet.“

„Unsere Branche wird gerade komplett auf den Kopf gestellt“, erzählt Alexander Etterer, geschäftsführender Gesellschafter von Reportify Analytics.

Angeführt von einer neuen, technologieaffinen Generation, möchten Vermögende besser verstehen, was mit ihrem Ka-pital bei den jeweiligen Verwaltern passiert und welche Risiken damit verbunden sind. „Sie sehen das Vermögensreporting nicht mehr als reine Dokumentation der Vermögensbuchhaltung, die regelmäßig über das bereits Geschehene informiert. Vielmehr wird es als zentrale Steuerungseinheit betrachtet, die es ermöglicht, in Echtzeit über das erfasste Vermögen zu informieren und so schneller zu handeln. Dadurch lassen sich besser fundierte Entscheidungen treffen – weltweit, ortsunabhängig, 24 Stunden täglich, an sieben Tagen die Woche“, erklärt Etterer.

Das ist allerdings nicht so einfach. „Um diese Anforderungen erfüllen zu können, bedarf es intelligenter und moderner Softwarelösungen, die alle Möglichkeiten der Automatisierung und Digitalisierung umfassend nutzen“, erklärt der Experte. Einer der Marktführer in diesem Bereich ist die digitale Wealth-Management-Plattform QPLIX. Etterer selbst setzte die Software bereits Ende 2015 als „First Mover“ bei seinen vermögenden Mandanten ein. Damals noch in seinem Geschäftsbereich Wealth, Reporting & Controlling bei Rödl & Part-ner, der durch die Vielfalt an Kundenanforderungen mittlerweile über einen weiten Erfahrungshorizont verfügt. „Doch viele andere hatten den Sprung in das digitale Zeitalter nicht vollzogen oder sind Neugründungen, und versuchten deshalb zuletzt, Expertise in diesem Bereich zuzukaufen.“

Das Personalkarussell in der Branche begann sich hektisch zu drehen. Multi Family Offices warben ganze Teams und deren Mandanten von den Platzhirschen wie der internationalen Steuerberatungs­gesellschaft WTS oder der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein ab.

Was dabei weniger bedacht wurde: Plötzlich prallten zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Vor allem die gravierenden Kulturunterschiede zwischen Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern, deren Handeln von strengen Berufsgrundsätzen begleitet ist, und den klassischen, häufig nur rein vom Asset Management getriebenen Multi Family Offices führte zu Enttäuschungen.

„Viele dieser Reporting-Spezialisten orientieren sich gerade neu, und ihre Arbeitgeber können dann mangels Expertise die Vorteile einer modernen Software nicht mehr optimal für ihre anspruchsvollen Kunden nutzen“, erklärt Alexander Etterer und beschließt, diese einzigartige Gelegenheit beim Schopf zu packen: „Wir haben das Know-how, wir kennen Reporting-Tools, beispielsweise QPLIX, und deren Möglichkeiten ganz genau. Nun können wir sogar noch viele hervorragende Mitarbeiter gewinnen. Das eröffnet die Chance, ein großartiges Unternehmen für moderne, individuelle Reportings und Analysen aller Vermögensgegenstände aufzubauen.“

Für Alexander Etterer ist das ein großer Schritt. Seit 1998 kümmert er sich schon um das Thema Vermögensreporting und -controlling bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner. In den letzten sechs Jahren war er dafür als Partner zuständig. Nun überführt er den dort von ihm geleiteten Geschäftsbereich in ein eigenständiges Unternehmen. Die Nähe zu Rödl & Partner bleibt dabei sowohl räumlich als auch fachlich bestehen.

Reportify Analytics agiert von Köln aus als alleiniger exklusiver Vertragspartner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. „Wir sind nach wie vor für unsere bisherigen Mandanten und Mandanten der steuerrechtlichen Nachfolge- und Vermögensberatung von Rödl & Partner tätig“, hebt Alexander Etterer das Alleinstellungsmerkmal hervor.

Etterers Plan ist es nun, einen einzigartigen Boutique-Ansatz umzusetzen. „Als vollständig inhabergeführtes Unternehmen haben wir keinerlei Verpflichtungen und können völlig frei am Markt agieren. Dabei orientieren wir uns fest am historisch gewachsenen Leitbild des ehrbaren Kaufmanns, das unsere Wertekultur in besonderem Maße prägt.“

Eine Mischung aus klassischer Vermögensbuchhaltung, kompetenter Beratung und digitaler Innovation sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren bei Reportify Analytics. Einzigartig wird die Firma aber vor allem deshalb, weil Etterer in der Vergangenheit aus dem trockenen Thema „Vermögensreporting“ Produkte entwickelt hat, die sonst niemand in der Branche aufweisen kann. Mit seinem Transparenz-/Leistungsnachweis und dem Transparenzbericht macht er eine undurchsichtige Branche gläsern.

Mit diesen Werkzeugen stellt der Experte die Geschäftsbeziehung zwischen Anlegern und Verwaltern auf eine ganz neue Ebene. „Der Investor möchte Transparenz, um die Anlagestrategie und die Ergebnisse seines Vermögensverwalters oder seines Investmentfonds verstehen und vergleichen zu können. Und kundenorientierte Verwalter haben selbst ein hohes Interesse an einer Beziehung zu ihren Kunden, die von Offenheit und Transparenz geprägt ist. Denn das schafft Vertrauen.“

Seit 2015 bietet Etterer deshalb Banken und Vermögensverwaltern den Transparenz-/Leistungsnachweis an. Regelmäßig werden die Wertpapiertransaktionen aus verschiedenen echten und anonymisierten Referenzdepots von den Verwaltern eingereicht, um sie mithilfe seines Wertpapierbuchhaltungssystems zu erfassen und objektiv und neutral auszuwerten. So entsteht ein Pool aus glaubwürdigen, verständlichen und banken­unabhängigen Informationen über Vermögensverwaltungsstrategien mit unterschiedlichen Anlageprofilen. „Smart-Charts und Analytics-Tools verdeutlichen zusätzlich die spezifischen Stärken des jeweiligen Vermögensverwalters und erlauben einen Blick in den Maschinenraum“, sagt Etterer.

roedl balken

Dies gilt natürlich nicht nur für private Vermögensinhaber, sondern genauso für Spezialfondsanleger und Initiatoren von Publikumsfonds, die mit ihren Fonds Stiftungen, Kommunen oder Verbände ansprechen. Diese semiprofessionellen Anleger erhalten dank Etterers Transparenzbericht eine zeitnahe und verständliche Grundlage für die gesetzlich geforderten Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen.

Natürlich ist die freiwillige Teilnahme an seinen Transparenz-Tools für Vermögensverwalter und Fondsinitiatoren nicht ohne Risiko. Schließlich werden so auch unter­durchschnittliche Leistungen offenkundig. „Wer aber für sich reklamiert, erfolgreiche Prozesse und Strategien zu haben, darf die Transparenz nicht scheuen. Allein die Teilnahme ist deshalb schon ein Qualitätsbeleg für das jeweilige Haus. Wir zeichnen darum jedes Jahr diejenigen, die sich der Aufgabe stellen, mit dem ‚Transparenten Bullen‘ aus“, erklärt Etterer.

Das so entstandene Know-how ist der eigentliche USP seiner neuen Firma. „Vermögensbuchhaltung und -reporting können viele“, erklärt der Gründer, „aber auf dieser Grundlage dann individuelle und komplexe Kundenanforderungen zu erfüllen und weitere Tools zu entwickeln, um Anlegern mehr Information, Verständnis und Orientierung zu geben – das differenziert uns am Markt. Ich habe schon alles gesehen, was gut und was schlecht in der Vermögensverwaltungsbranche läuft. Dieses Wissen ist entscheidend, um zu helfen, das Kundenvermögen mit Weitsicht und Verantwortung zu schützen und nachhaltig zu steigern.“

Konkrete Ansatzpunkte seien zum Beispiel, bei Vermögensausschreibungen oder Beauty Contests den geeigneten Verwalter zu finden. In der Vermögens­organisation die optimalen Voraussetzungen für intelligentes Vermögens­management zu schaffen. Oder die Informationen aus dem Reporting zu nutzen, um Frühwarnfunktionen aufzusetzen und Risiken rechtzeitig zu erkennen.

„All das muss Hand in Hand gehen“, erklärt Alexander Etterer und schließt: „Nur dann können wir Erfolgsbegleiter und Kümmerer in allen Fragestellungen rund um die Erfassung, konsolidierte Abbildung und Analyse anspruchsvoller Gesamtvermögen sein. Und genau dafür steht Reportify Analytics.“

__________________________

// Reportify Analytics – Erfolgsbegleiter und Kümmerer.

Mit seinen Beratungsleistungen will Alexander Etterer ein Höchstmaß an Transparenz, Verständnis, Glaubwürdigkeit und Vergleichbarkeit von Vermögensanlagen schaffen – immer verbunden mit dem Ziel, Risiken frühzeitig zu erkennen und das Vermögen vor nachhaltigen Verlusten zu schützen.

// Für Vermögensinhaber

Grundlage für individuelle Vermögensreports ist eine Vermögensbuchhaltung auf eigener Zahlen- und Datenbasis. Sie ermöglicht einen digitalen Blick auf das Gesamtvermögen. In der Vermögensorganisation wird die Struktur der Anlagen nach individuellen Vorgaben optimiert. Der Bereich „Analytics“ sorgt dann dafür, dass etwaige Risiken sichtbar werden. Dann kann – im Fall des Falles – rechtzeitig gegengesteuert werden. Der Marktüberblick macht es zudem möglich, bei einer Vermögensausschreibung den geeigneten Dienstleister zu finden.

// Für Finanzdienstleister

Mit dem Transparenz-/Leistungsnachweis haben Vermögensverwalter einen Ansatzpunkt für ihre Qualitätssicherung.

Publikums- sowie Spezialfonds erhalten mit dem Transparenzbericht eine Grundlage für die gesetzlich geforderten Kontroll- und Überwachungsaktivitäten, um Haftungsrisiken in den Griff zu bekommen.

__________________________

®

Sonderveröffentlichung:

Reportify Analytics GmbH

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.reportify.de

  • Yvonne Döbler

Stiften – schnell, flexibel, digital.

Stiftungen Aufmacher

Philanthropie. Die Hürden sind hoch: Anwälte, Notare, die Stiftungs- und auch die Finanzaufsicht sind beteiligt, wenn es um Gründung und Führung einer Stiftung geht. Das kostet Zeit, Geld und oft Rendite. „Doch es geht auch anders“, ist Felix Oldenburg überzeugt. Mit „project bcause“ hat der ehemalige Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen einen Versuch gestartet, das „alte“ Modell der Stiftung ins digitale Zeitalter zu transportieren.

„In einer idealen Welt“, sagt Felix Oldenburg, „ist ein Impact-Depot genauso selbstverständlich wie eines für Aktien. Und es lässt sich genauso digital per App führen. In einer solchen Welt kann jedermann mit noch so kleinen Beträgen per Klick gemeinwohlorientierte Projekte unterstützen, gesamtgesellschaftliche Wirkung erzielen und sein Engagement steuerlich absetzen. Alles wird einfach – und das Engagement mit Vermögen nimmt enorm zu.“

Die reale Welt sah bisher anders aus. Es werden zwar weiter Stiftungen gegründet, doch die meisten gehen mit wenig Kapital an den Start. „Insgesamt bleibt das Stiftungskapital bei Weitem hinter dem Wachstum der Vermögen zurück“, informiert der ehemalige Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. „Ich habe mich schon länger gefragt, woran das liegen könnte. Die Menschen sind doch sehr engagiert. Wenn sie nicht mehr so viel stiften, obwohl die gesellschaftlichen Herausforderungen immer größer werden, muss mit der Struktur etwas nicht stimmen.“

Oldenburgs These: Die eigentliche Hürde für Stiftungsgründungen sind die Rechtsform und die vielen Auflagen. Um dies zu verifizieren, beginnt er im Corona-Jahr 2020 einen Dialog und spricht mit über 100 Vermögenden unter anderem aus der Berliner Online-­Szene. Er will wissen: Was müsste passieren, damit sie sich philanthropisch engagieren? „Zusammengefasst waren sich alle einig, dass das Angebot dafür nicht auf der Höhe der Zeit ist. Der Gang zum Steuerberater, der Gang zum Anwalt, dafür haben die gar keine Zeit“, erzählt Oldenburg.

In dieser Zeit spricht er auch Gesche Joost an, Professorin an der Universität der Künste in Berlin und Vorstand der Studienstiftung des Deutschen Volkes: „Wir haben zunächst nur philosophiert: Wie müsste das neue Geben organisiert sein?“, erzählt sie. Dieses Gespräch ist eines von vielen im „Dialog Neues Geben“, den Oldenburg gestartet hat: Einige Hochvermögende beteiligen sich auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, um herauszufinden, wie sich Hürden reduzieren lassen, damit Engagement einfacher wird.

Fast parallel wird Lukas Bosch auf die Aktivitäten von Oldenburg aufmerksam, funkt ihn über LinkedIn an und bittet um ein Gespräch. Bosch ist Verhaltensökonom, Sozialunternehmer und Spross einer der ältesten Unternehmerfamilien Deutschlands: „Stiften“, sagt der 26-Jährige, „das ist so kompliziert, da muss ich mit Juristen und Notaren sprechen, Steueraspekte berücksichtigen, Geld in einen Sack stecken und für alle Zeiten wegsperren, und dieses Geld muss dann auch noch so bewirtschaftet werden, dass es der Mission der Stiftung nicht gerecht wird. Das will ich nicht, das will die junge Generation nicht.“

„Stiften muss einfach, also digital und schnell, transparent und wirksam sein – das ist es, was sich die Geber wünschen“, fast Oldenburg zusammen.

Digital und schnell, so, wie die Vermögensverwaltung heute stattfindet.

Global, per Tablet oder Smartphone. Transparent, denn Stifter wollen jederzeit wissen, wie es um die Projekte steht, die sie finanzieren. Wirksam, denn Impact ist der Motor für ihr Engagement. Und noch eine Erkenntnis gewinnen die Initiatoren des Dialogs: Was Stiftern heute offenbar nicht mehr wichtig ist, ist das Vermächtnis. „Der Eintrag ins Stiftungsregister, der den eigenen Namen über den Tod hinaus lebendig erhält, hat seine Bedeutung verloren, da die Stifter ihr Engagement jederzeit in den sozialen Medien kundtun können“, erklärt Oldenburg.

Aus diesem Wunschzettel der Gebenden entsteht 2021 project bcause: „Wer stiften möchte, kann bei uns ab nächstem Jahr ein Konto mit einer Kapitalzusage von mindestens 30000 Euro eröffnen. Dieses Geld wird auf ein Unterkonto einer Treuhandstiftung überwiesen und ist steuerwirksam, sobald der Stifter es möchte“, erzählt Oldenburg. Das Unterkonto ist jederzeit nutzbar, um Geld in den gemeinwohlorientierten Impact-Bereich fließen zu lassen. Die Treuhandstiftung dient den Stiftern also als rechtssichere Struktur und Pool für sinnvolle Projekte, um mit Gleichgesinnten die Realisierung von Vorhaben zu finanzieren. Gleichzeitig übernimmt die Stiftung das Handling des Engagements, sodass Administration und Verwaltung des Vermögens in professionellen Händen liegen.

Ein Beispiel: „Schlägt der Geldgeber vor, dass Geld von seinem Kapitalkonto in einen bestimmten Private-Equity-Fonds fließen soll, setzt der Treuhänder die Transaktion um. Die daraus entstehenden Erträge gehen automatisch ins Engagement-Depot und sind wieder nutzbar“, erklärt Oldenburg. Den Ertrag für den eigenen Vermögensaufbau zu verwenden, ist nicht möglich, es geht ja um gesellschaftliches Engagement.

Da der Treuhänder nie fremdes Kapital verwaltet, sondern das Stiftungsvermögen bewegt, benötigt bcause keine aufwendigen Lizenzen. „Wir können so die Kos­ten begrenzen, das ist im Niedrigzinsumfeld besonders wichtig“, findet Oldenburg.

Vielleicht lässt sich project bcause am besten als digitaler Philanthropie-Dienstleister beschreiben, wie es sie in den USA bereits seit vielen Jahren gibt: Jeder User kann jede einzelne Transaktion selbst über ein Online-Interface steuern. Das Geschäftsmodell sieht eine monatliche Grundgebühr, unabhängig vom Vermögen, vor. 20 Investoren hat Oldenburg bereits für sein Start-up gewinnen können, auf seiner Warteliste für die Eröffnung eines Kontos stehen bereits über 600 Interessenten. Die Initialinvestoren finanzieren den Aufbau des Unternehmens vor. In der ersten Seed-Runde sind so 2,5 Millionen Euro eingeworben worden – „aber wir brauchen vermutlich noch mehr, bis Technik und Content auf aktuellem Stand und wir bei Break-even sind“.

Oldenburg ist überzeugt: „Nur noch Riesenstiftungen benötigen eine Spezialkonstruktion. Der Standardfall der Stiftungen lässt sich anders, nämlich effizient und kostengünstig komplett digital organisieren.“ Bcause könne dafür sorgen, dass die Stiftungswelt einer idealen Welt nahekommt: „Wenn es uns gelingt, dass ein Engagement-Depot Normalität für jeden wird, haben wir die Stiftungsidee von Vermögenden auf alle übertragen. Wir könnten Zehntausende Depots führen – was für ein riesiges Potenzial für den gemeinnützigen Sektor.“

Lukas Bosch hat er damit überzeugt. Der gehört zum Gründungsteam von bcause. Und auch Gesche Joost ist inspiriert: „Ich habe noch nie so viel uneitles Engagement für eine Sache erlebt wie bei bcause. Jeder einzelne unserer Unterstützer ist eine Persönlichkeit und gewohnt, Raum für sich in Anspruch zu nehmen – aber niemand tut es. In unseren Treffen geht es immer nur um den Erfolg der Sache. Es sind schon sehr besondere Menschen, die sich hier engagieren und project bcause vorantreiben.“

–––––––––––––––––––––––––––

Mehr Möglichkeiten für Stifter.

„Das Interesse an Philanthropie und die Diskussion darüber, wie sich Vermögen und Gemeinwohl neu zusammendenken lassen, ist groß“, informiert Kirsten Hommelhoff, Generalsekretärin des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Im Rahmen dieser Diskussion spiele die Stiftung eine wichtige Rolle „als eine Organisationsform, die sich seit Jahrhunderten bewährt hat und die bis heute immens wichtige Beiträge in unserem Land und für unsere Gesellschaft leistet“. Damit das auch so bleibt, hat der Bundesverband lange auf eine Novellierung des Stiftungsrechts hingewirkt. Denn die Welt ändert sich – doch eine Stiftung konnte darauf bisher nicht reagieren, weil das Stiftungsrecht zu starr und zu kompliziert war. In Zeiten von Nullzins gab es zudem zu wenige Möglichkeiten, Erträge zu erzielen, mit denen der Stiftungszweck erfüllt werden kann.

Zum 1. Juli 2023 tritt nun ein neues Stiftungsrecht in Kraft, das auch für bestehende Stiftungen gültig ist und den geänderten Anforderungen der Stiftungen entgegenkommt. Die wichtigsten Neuerungen hat Kirsten Hommelhoff zusammengefasst:

// 01. Satzungs- und Strukturänderungen

Die Änderung von Satzungen, die Fusion oder die Auflösung von Stiftungen werden künftig erleichtert, wenn eine Stiftung ihren Zweck nicht mehr dauerhaft wirksam erfüllen kann. Damit wird zur Flexibilisierung der Stiftungen beigetragen.

// Die Änderung des Zwecks wird künftig möglich sein, wenn eine Stiftung ihren Zweck nicht mehr dauernd und nachhaltig erfüllen kann. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn keine ausreichenden Mittel vorhanden sind und auch nicht in absehbarer Zeit erworben werden können. Auch Änderungen von sogenannten prägenden Satzungsbestimmungen – also Sitz, Art und Weise der Zweckerfüllung, Regelungen zur Verwaltung des Grundstockvermögens – werden künftig machbar sein. Nicht prägende Satzungsänderungen können schon heute beschlossen werden, wenn sie die Erreichung des Stiftungszwecks erleichtern.

// Künftig kann eine Ewigkeitsstiftung in eine Verbrauchsstiftung durch Satzungsänderung gewandelt werden. Voraussetzung: Die Stiftung kann ihren Zweck in der alten Rechtsform nicht mehr erfüllen und dies lässt sich durch eine Umwandlung ändern.

// Die Auflösung von Stiftungen wird künftig einfacher sein, wenn sie ihren Zweck endgültig und dauerhaft nicht mehr erfüllen kann.

Tipp: Überprüfen und ändern Sie Ihre Satzung noch vor Inkrafttreten der neuen Regelungen, falls sie nicht Ihren aktuellen Bedürfnissen entspricht oder strengere Regelungen vorsieht als das künftige Gesetz.

// 02. Stiftungsvermögen und Umschichtungsgewinne

Der Gesetzgeber definiert den Vermögensbegriff neu und einheitlich. Unterschieden wird künftig bundesweit das (unantastbare) Grundstockvermögen von dem sogenannten sonstigen Vermögen.

// Künftig sind Zuwächse aus der Umschichtung des Grundstockvermögens – sogenannte Umschichtungsgewinne – als sonstiges Vermögen klassifiziert und zur Erfüllung des Stiftungszwecks verwendbar. Umschichtungsgewinne entstehen, wenn außerordentliche Erträge wie das Heben stiller Reserven beim Verkauf von Immobilien oder auch Wertpapieren erzielt werden. Bisher konnten nur Erträge – Zinsen, Dividenden – zur Erfüllung des Stiftungszwecks benutzt werden.

Es gibt allerdings zwei Ausnahmen. Erstens: Enthält die Satzung einen Passus, der dieses verbietet, ist die Regelung der Satzung bindend. Zweitens: Gerät der Erhalt des Grundstockvermögens durch die Zweckausgabe in Gefahr, dürfen Umschichtungsgewinne nicht für den Stiftungszweck verwendet werden.

Tipp: Wer einen Passus in seiner Satzung hat, der die Verwendung von Umschichtungsgewinnen begrenzt, sollte die Satzung in diesem Punkt frühzeitig anpassen.

// Die Verwaltung des Grundstockvermögens wird mit dem neuen Stiftungsrecht flexibler. Künftig darf die Satzung bestimmen, dass das Grundstockvermögen temporär für die Erfüllung des Stiftungszwecks genutzt wird – bei gleichzeitiger Pflicht zur Wiederauffüllung.

// 03. Haftung der Stiftungsorgane

Die bestehenden Haftungsregelungen für Vorstände und Beiräte (Organe der Stiftung) werden um die Business Judgement Rule ergänzt. Ziel ist es, mehr Rechtssicherheit für die handelnden Personen, insbesondere bei der Vermögensanlage, zu garantieren.

// Es gibt künftig einen haftungsfreien Ermessensspielraum der Organmitglieder.

// Die Haftung von Organmitgliedern kann in der Satzung eingeschränkt werden.

// Organmitglieder agieren künftig bei Entscheidungen mit Prognosecharakter nicht pflichtwidrig, wenn sie „unter Beachtung der gesetzlichen und satzungsgemäßen Vorgaben vernünftigerweise annehmen durften, auf der Grundlage angemessener Informationen zum Wohle der Stiftung zu handeln“.

// Ehrenamtlich tätige Organmitglieder haften nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit. Die Satzung kann eine weitere Befreiung von der Haftung vorsehen.

Damit haben Vorstände einen Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie sich bei ihrer Entscheidung bewegen. Gleichzeitig müssen Stiftungen den Spielraum definieren. Dies kann geschehen, indem sie Entscheidungsgrundlagen definieren oder das Einholen von fachlichem Rat oder eine schriftliche Zusammenfassung und Vorlage von Pro- und Kontraargumenten vorschreiben. Die Dokumentation des Vorgangs sichert die handelnden Personen ab.

// 04. Stiftungsregister

Zum 1. Januar 2026 wird ein öffentliches Stiftungsregister eingeführt. Neu- und Altstiftungen müssen dort registriert werden.

Dieses elektronische Register hat Publizitätswirkung und wird beim Bundesamt für Justiz geführt. Sein Ziel ist es, für mehr Transparenz und Rechtssicherheit zu sorgen. Vorstandsmitglieder werden im Geschäftsverkehr – unter Umständen mit dort eingetragenen Einschränkungen ihrer Vertretungsmacht – als Vertreter der Stiftungen identifiziert. Auf die bisher zu erstellenden Vertretungsbescheinigungen (Aktualitätsproblem) kommt es dann nicht mehr an.

–––––––––––––––––––––––––––

®

Autorin: Yvonne Döbler

  • Sonderveröffentlichung: München, Sotheby’s International Realty

Die Ampel und die Immobilie.

Aufmacher SothebysImmobilientrends. Mit der Ampel-Koalition werden auch die Weichen am Immobilienmarkt neu gestellt. Womit Investoren nun rechnen müssen, erklärt Michael Reiss, geschäftsführender Gesellschafter von Sotheby’s International Realty in München.

„Es heißt ja immer so schön, politische Börsen hätten kurze Beine. Das mag sein – aber wenn es um den Immobilienmarkt geht, können politische Veränderungen ganz schön lange Beine bekommen. Deshalb habe ich die Pläne der Ampel-Koalition genauer unter die Lupe genommen“, erläutert Michael Reiss.

Der erste Eindruck des Immobilienprofis: „Es hätte schlimmer kommen können. Dass weder Steuererhöhungen noch schärfere Regulierungen geplant sind, ist ein gutes Signal. Gerade bei internationalen Investoren drohte Deutschland schon fast vom Radar zu rutschen.“

Auch die Offensive für bezahlbares und nachhaltiges Bauen begrüßt Reiss. Gelänge es wirklich, wie geplant jedes Jahr 400000 Wohnungen zu schaffen, wäre das ein neuer Rekord für unser Land.

Fehlende Wohnflächen, so Reiss, seien allerdings schon sehr lange ein brennendes Thema. „Gemeinden und Städte sind ihrem Ziel, diesen Missstand zu beseitigen, seit Jahrzehnten nicht nähergekommen – ich bin gespannt, wie das jetzt funktionieren soll.“

Mehr Staat, glaubt Reiss, könne nicht die Lösung sein. „Staatswirtschaft funktioniert eben nicht effizienter als Privatwirtschaft.“ Wenn künftig viele große Wohnportfolios vom Staat gemanagt würden, sei auch fraglich, ob Instandhaltungsaufgaben optimal erfüllt würden. „Privateigentümer sind eher daran interessiert, ihre Immobilien fit zu halten und zu modernisieren.“

Michael Reiss plädiert deshalb dafür, die private Immobilienwirtschaft zu stärken. „Die Zukunftsaufgabe ist es, Bauen und Investieren in die Immobilie einfacher und attraktiver zu machen, statt dem Investor Steine in den Weg zu legen. Ohne Anreize und Förderungen durch neue Abschreibungsmodelle sehe ich nicht, wie die Ampel ihre ehrgeizigen Ziele erreichen könnte.“

Sehr positiv seien deshalb die Pläne zu Entbürokratisierung und Standardisierung. „Bisher dauern Genehmigungsverfahren oft 1,5 Jahre oder länger. Dies ist eine große Hürde, die Investoren und Bauträgern das Leben schwer macht.“

Weitere Schritte müssten folgen. „München zum Beispiel hat das Problem, dass kaum mehr freie Flächen für eine Bebauung zur Verfügung stehen. Die Stadt müsste nach außen über die Stadtgrenzen oder in die Höhe wachsen.“

Nach außen würde Investitionen in die Infrastruktur bedeuten. Und Wachstum in die Höhe bedürfe größerer Zustimmung in der Bevölkerung. „Wohnraum zu schaffen braucht eben keine Einzelmaßnahmen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Konzept“, erklärt Reiss.

Diese Maßnahmen seien umso wichtiger, da die Ampel auch in Sachen Mietpreissteigerung klare Signale sende. „Es gibt ein ganz klares politisches Ziel, die Mieten in Grenzen zu halten. Eigentümer können deshalb nicht damit rechnen, dass Erhöhungen in Ballungsräumen durchsetzbar sein werden.“

Damit werde die Renditerechnung noch ambitionierter. „Nach den enormen Preissteigerungen sind die Renditen in vielen Bereichen ohnehin schon sehr unattraktiv. Daran wird sich perspektivisch nichts ändern.“

Und dann verweist Michael Reiss noch auf eine Art Damoklesschwert. Vor der Wahl wurde viel über eine Abschaffung der Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen nach Ablauf der Zehn-Jahres-Frist diskutiert. Davon ist jetzt zwar nichts mehr zu hören. „Das wäre aber keine Steuererhöhung, sondern nur die Streichung einer Vergünstigung“, bleibt Reiss misstrauisch. Käme dieses Thema auf die Agenda zurück, wäre dies ein fatales Signal. „Es gibt nun die Chance auf einen Aufbruch“, schließt Michael Reiss: „Umso wichtiger ist es, alles zu unterlassen, was das Vertrauen der Investoren in den deutschen Markt untergräbt.“      

®

Sonderveröffentlichung:

München | Sotheby’s International Realty, Michael Reiss; +49 (89) 744 24 18 90

www.muenchen-sothebysrealty.com

Verlagsanschrift

  • Private Wealth GmbH & Co. KG
    Montenstrasse 9 - 80639 München
  • +49 (0) 89 2554 3917
  • +49 (0) 89 2554 2971
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Sprachen

Soziale Medien