Die Bienenfamilie.

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Genuss. In den 1970er-Jahren entschied sich Walter Lang, Selbstversorger zu werden. Bald zählte er zu den Pionieren der Bio-Bewegung in Deutschland. Und heute? Heute ist die Walter Lang GmbH Marktführerin unter Europas Bio-Honigimporteuren.

„Ich bin beim Honig kleben geblieben“, lacht die gelernte Lebensmitteltechnikerin Karin Lang. „Und nicht nur da“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Die 50-jährige Unternehmens- und Familiensprecherin ist verheiratet mit Gerrit, dem Sohn des Gründers der Walter Lang GmbH. Gemeinsam mit ihm und dessen Schwester Theresia Lang leitet sie heute eine der größten Bio-Imkereien Deutschlands, die Sonnentracht GmbH. „Wir sind tatsächlich eine wunderbare, kleine Bienenfamilie.“

Die Geschichte des Familienunternehmens Lang beginnt im Jahr 1973. Der damals 30-jährige frisch gebackene Familienvater Walter Lang macht sich Gedanken über die Herkunft und Qualität der gängigen Lebensmittel. Die Industrialisierung der Landwirtschaft mit allem, was an Düngung, Saatgutveränderung und Bekämpfungsmitteln dazugehört, nimmt gerade Fahrt auf.

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Dem gelernten Chemie-Ingenieur aus Bremen gefällt nicht, was er sieht. „Er wollte unverfälschtes, natürliches, besseres Essen“, fasst Karin Lang die Motivation ihres Schwiegervaters zusammen. „Vor allem ging es ihm dabei um eine gesunde Ernährung seines kleinen Sohnes Gerrit. Bald war ihm klar: Das geht nur als Selbstversorger.“

Das allerdings ist nicht so einfach. Selbstversorgung kostet Zeit, macht viel Arbeit. Und woher soll das Geld kommen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren? Walter Lang findet den Schlüssel dazu in seiner bevorzugten Ferienregion, der Provence. Dort lernt er Lavendelhonig kennen und ist fasziniert. „Schon allein der Geschmack verzaubert, aber vor allem gefiel ihm die Arbeit mit den Bienen, die dieses naturbelassene Produkt erschaffen.“

Walter Lang lernt alles, was er über Bienenhaltung wissen muss, und beginnt in seinem französischen Feriendomizil mit einer kleinen Imkerei. Parallel dazu gründet er in Niedersachsen auf einem alten Bauernhof ein Selbstversorger-Idyll, ebenfalls mit Bienen. Der Business-Plan: Lang lebt und arbeitet mit seiner Familie auf dem Hof, im Nebenerwerb vertreibt er die ersten Produkte aus eigener Herstellung. „Mein Schwiegervater experimentierte und stellte in mühsamer Handarbeit aus Honig und getrockneten Früchten in einer eigens konstruierten Presse erste Fruchtschnitten her. Später fügte er Nüsse hinzu und entwickelte Müsli, Kekse und Gebäck.“

Walter Lang trifft den Nerv der Zeit. Die Anhänger der neu aufkommenden Naturkostbewegung sind begeistert. Aus einem Nebenerwerb entsteht die Handelsmarke Allos. Sie vertreibt Bio-Honig und biologische Erzeugnisse. „An die dreißig Jahre leistete Walter Lang mit Allos Pionierarbeit. Zum einen war er maßgeblich beteiligt, als es in Deutschland darum ging, den Begriff ,Bio‘ zu etablieren und die Richtlinien für artgemäße Bienenhaltung zu definieren, die heute europaweit gelten. Zum anderen bewies er auf seinen Reisen zu den Imkern in aller Welt immer wieder ein Gespür für erfolgreiche Produkte.“

Lang entdeckt Amaranth, das südamerikanische Wunderkorn der Inkas, und ein alternatives Süßmittel, den Agavendicksaft. „Beide Zutaten sind heute aus den Regalen deutscher Naturkostläden nicht mehr wegzudenken.“ Allos entwickelt sich entsprechend erfolgreich. Trotzdem verkauft Walter Lang 1998 die Handelsmarke. „Er wollte zurück zu seinen Wurzeln, zum Honig. Dort liegt seine Leidenschaft.“

Gemeinsam mit seinen Kindern Gerrit, Theresia und Jakob, die mit Abschluss ihrer Ausbildungen nach und nach mit in das Familienunternehmen einsteigen, entwickelt er einen Zukunftsplan. „Die Begeisterung für Honig liegt wohl bei allen Langs in den Genen.“ So startet Walter Lang im Jahr 2001 noch einmal neu. Er gründet sein Honigimport-Unternehmen, die Walter Lang GmbH, sowie die in Deutschland agierende Bio-Imkerei, die Sonnentracht GmbH.

Das Umfeld ist günstig. Die Nachfrage nach Bio-Honig nimmt seit der Jahrtausendwende stetig zu. „Heute liegt der Anteil bei rund zehn Prozent. Das sind 10000 von insgesamt 100000 Tonnen, die der deutsche Markt an Honig benötigt. Deutschlands Imker decken davon nur 20 Prozent ab.“ Immerhin 400 Tonnen Bio-Honig stammen von den 6000 Völkern der Sonnentracht-Imkerei, die damit 1,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet – rund zehn Prozent des gesamten Absatzes der Gesellschaft.

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Um den Bedarf zu decken, braucht Lang vertrauenswürdige Importquellen. Er nutzt seine Kontakte aus Allos-Zeiten und baut sie kontinuierlich aus. „Rumänien, Brasilien, Chile, Mexiko sind quantitativ die wichtigsten unserer zwölf Partnerländer“, beschreibt Karin Lang das Geschäftsfeld der Walter Lang GmbH, deren Geschäftsführung nach wie vor bei Walter Lang liegt. „Er wird mittlerweile aber auch von seinem Sohn Jakob als Honigmeister und dessen Frau Cigdem Ercan im Einkauf maßgeblich unterstützt.“

Insgesamt 8000 Tonnen Bio-Honig werden heute im Schnitt jährlich nach Bremen eingeführt, so viel wie von keinem anderen darauf spezialisierten Importeur in Europa. Insgesamt decken der Importhandel sowie die Imkerei von Walter Lang den größten Teil des deutschen Bio-Honig-Bedarfs und erwirtschaften allein damit an die 50 Millionen Euro jährlich.

Für die Honig-Familie steht dabei allerdings nicht das Geschäft an erster Stelle. Es geht um das große Ganze – die Bienen, den Honig, die Menschen und die Umwelt.

„Jedes Land hat ja eine andere Tradition und Beziehung zur Imkerei. Unsere Mission ist es, die artgerechte Bienenhaltung nach den Bioland-Richtlinien bei allen Partnern vor Ort zu implementieren. Denn Bienen sind nicht nur für die Bestäubungsleistung essenziell, sie tragen generell zum Erhalt der Pflanzenvielfalt in der jeweiligen Region bei. Die Imkerei steht also weltweit für aktiven Umweltschutz“, umreißt Karin Lang die Bedeutung der Bienenhaltung.

Auch für die Menschen und die Gesellschaft vor Ort sei es eine einzigartige Chance, sich dieser Vision anzuschließen. „Ohne Vorbildung kann jeder das Imkern lernen und sich seine Existenz in einzigartigen, teils für intensive Landwirtschaft unzugänglichen Regionen sichern. Die Landflucht lässt sich durch die Einkünfte aus Honig mancherorts verhindern.“

Dank der Importeure aus Deutschland haben mittlerweile in Rumänien 36 selbstständige Berufsimkereien mit insgesamt 4600 Bienenvölkern ihr Einkommen. In Brasilien ist es ein Familienbetrieb, der in dritter Generation 1400 Bienenvölker hält. Von der mexikanischen Yukatan-Halbinsel, dem Land der Mayas, liefert eine Kooperative, bestehend aus 120 indigenen Imkerfamilien aus 17 Regionen, den Honig von 5500 Bienenvölkern.

„Wir sind regelmäßig vor Ort, kontrollieren und unterstützen, vermitteln aber auch zwischen Landwirten und Imkern, gerade wenn Bestäubung der Auftrag ist. Und zu guter Letzt stehen mehrmals umfassende Laboranalysen an, um die Qualität jeder einzelnen Ernte bestimmen und unerwünschte Inhaltsstoffe ausschließen zu können – denn ein Restrisiko bleibt ja immer.“

Nicht umsonst gilt in der weltweiten Honigbranche das Motto „Honey is Money“. Weil die Margen vergleichsweise hoch sind, zählt Honig allgemein seit Jahren zu den zehn am häufigsten gefälschten Lebensmitteln. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Fälschern und Kontrolleuren: Bienen werden mit Zuckerwasser gefüttert, Honig zu früh und unreif entnommen, Honig wird maschinell getrocknet, stark erhitzt, mit verschiedenen Süßungsmitteln gestreckt oder extrem gefiltert.

Das bittere Ergebnis: Somit handelt es sich beim Honig an der Verkaufstheke oft um kein naturbelassenes Produkt mehr. „Das auszuschließen ist ein klarer Mehrwert, den wir im Vergleich zu konventionellem, industriell produziertem Honig mit unserem Bio-Honig leisten“, betont Karin Lang. „In der Weiterverarbeitung bis zum Abfüllen gehen wir schonend ohne Hitze oder Filter mit dem Honig um, damit er so naturbelassen wie möglich bleibt.“

Kunden, die Bio-Ware einkaufen, seien oft sehr bewusste Genießer, die Spezialitäten wie Sortenhonige zu schätzen wissen und dafür akzeptieren, dass Bio-Honige zwischen 20 und 30 Prozent mehr kosten als die industrielle Konkurrenz. Allein bei den hauseigenen Marken „Walter Lang“ und „Serapis Culinar“ hat der Honigliebhaber die Wahl zwischen mehr als vierzig verschiedenen Honigen. Von „Biene Maja“- bis „Maya“-Honig. Von süß bis bitter. Von mild bis herb. Von hell bis dunkel. Von flüssig bis cremig oder sandig-kristallin. „Bei naturbelassenen Honigen ist es möglich, nicht nur die Sorte und die Regionen, sondern sogar unterschiedliche Jahrgänge herauszuschmecken.“

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Ihre Herausforderung, erklärt Lang, bestehe nun darin, dies einer breiteren Nachfrageschicht schmackhaft zu machen. „Denn das erfreulich steigende Interesse an Bienen und Insekten spiegelt sich noch nicht unmittelbar am Frühstückstisch wider. Der gesamte Verbrauch an Honig ist sogar tendenziell eher sinkend.“

Deshalb tüfteln die Experten von Walter Lang auch gemeinsam mit ihren Kunden an der Zusammenstellung des passenden Honigsortiments. Akazien- oder Vielblütenhonig als Einstieg werden ergänzt durch fruchtig-satte, exotische Blütenhonig-Cuvées.

„Die Kombinationsmöglichkeiten sind schier unerschöpflich und definitiv abhängig davon, wie die regionalen Jahreszeiten und Ernten pro Saison ausfallen. So bleibt es jedes Jahr wieder spannend. Honig ist eines der ältesten, reinsten und wertvollsten Nahrungsmittel der Menschheit. Wenn wir mit der Natur, statt gegen die Natur arbeiten, wird es auch so bleiben.“ ®

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Der Manuka-Hype.

Ganz besondere Blüten treibt das Spiel um Angebot und Nachfrage in Neuseeland. Dort wird der als außerordentlich gesundheitsfördernd geltende Manukahonig aus einem nur hier existierenden Teebaumgewächs produziert.

 „Jedes Jahr aufs Neue, sobald Erntemengen und -qualität absehbar sind, gibt es einen regelrechten Hype. Dann geht die Jagd unter den Händlern los – wer bekommt wie viel zu welchem Preis?“, erzählt Karin Lang. Ein halber Container gefüllt mit 300-Kilo-Fässern vom feinsten Manukahonig könne dann durchaus eine halbe Million Euro binden. „Im Verkauf kostet dann ein 275-Gramm-Glas für den Kunden an die 35 Euro oder mehr. Eine grenzwertige Entwicklung“, analysiert sie kritisch. Denn schließlich sei ja jeder Honig auf seine Weise förderlich für die Gesundheit und er solle vor allem für jeden ein erschwingliches Nahrungsmittel bleiben. „Ein heimischer Vielblütenhonig gleicher Menge kostet zum Beispiel an die sechs Euro.“

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Was Bio-Honig auszeichnet.

„Nur gesunde und starke Völker, bei denen der Honig in den Waben reifen darf, liefern ein Produkt mit hoher Qualität“, umreißt Gerrit Lang den wichtigsten Aspekt bei der Produktion von Bio-Honig. Da den Bienen jedoch nicht vorgeschrieben werden kann, dass sie nur zu Bio-Bauern fliegen und nicht auch zu den Feldern herkömmlich produzierender Landwirte, sei es unmöglich, Schadstoffe zu 100 Prozent auszuschließen. Deshalb gelten sehr restriktive Schwellenwerte für Bio-Honig. Laboranalysen stellen sicher, dass diese nicht überschritten werden. Um das Label „Bio“ zu erhalten, wird daher vor allem die Betriebsweise des Imkers und dessen artgerechte Haltung der Bienen bemessen. Dabei gelten folgende sieben Grundsätze:

// 01: Reinhaltung des eigenen Wachskreislaufes

// 02: Respektvoller Umgang mit Bienen und deren Königin

// 03: Sorgfältige Auswahl der Ernteregion und -pflanzen

// 04: Verwendung von natürlichen und lebensmittelechten Materialien und Geräten

// 05: Nur Einsatz biologischer Bienenarzneimittel

// 06: Hohe Anforderung an Qualität, Geschmack und Naturbelassenheit des Honigs

// 07: Konsequentes ökologisches Handeln

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Autorin: Antje Annika Singer

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