Auf Entdeckungs-Tour.

Print Friendly, PDF & Email

Stil

Thilo Natke ist Kapitän des neuen Expeditionsschiffs Hanseatic nature. Seit 29 Jahren befährt er schon die Meere zwischen Arktis und Antarktis, zum Amazonas und in die Südsee. Warum ihn diese Art zu reisen so fasziniert.

Endlich geht es los. Von Januar bis April war ich noch in Alesund in Norwegen auf der Vard-Werft, um einen qualitätssichernden Blick auf unser erstes neues Expeditionsschiff zu werfen. Nach und nach kam dann die Crew hinzu und wir haben uns mit der Hanseatic nature vertraut gemacht, deren Kapitän ich sein werde.

Die erste Reise mit Passagieren führte im Mai von Hamburg über Schottland nach Bergen in Norwegen. Eine schöne Route, um ein neues Schiff zu testen. Was wir ab Juni befahren, ist allerdings immer wieder eine Herausforderung: Wir nehmen Kurs auf die Arktis. Wir werden Wale sehen, riesige Eisberge, Natur- und Lichtschauspiele, wie sie nur die polaren Gewässer bieten. Diese gespannte Erwartung, die sich aufbaut, wenn die Passagiere an Bord kommen und sich auf das Unbekannte freuen, packt mich selbst jedes Mal. Das nutzt sich niemals ab. Auch bei unseren Gästen nicht, manche reisen ja schon seit 30 Jahren mit uns in die entlegensten Gebiete der Welt.

Die Hanseatic nature hat Platz für 230 Gäste und 170 Crewmitglieder und ist mit ihren 138 Metern Länge und   22 Metern Breite klein genug, um auch in enge Fjorde hineinfahren zu können. Außerdem kann ihr Eiskontakt nichts anhaben – sie hat die höchste Eisklasse, die es für Passagierschiffe gibt. Auf den Expeditionen in die Antarktis und nach Svalbard, besser bekannt als Spitzbergen, nehmen wir nur 199 Passagiere an Bord – denn es dürfen immer nur 100 Personen auf einmal an Land, und zwei Gruppen können wir gut organisieren.

Mich begeistert die supermoderne Brückentechnologie, mit Sonar und Infrarotkamera. Meine Gäste können sie sich ansehen und ich erkläre ihnen all die nautischen Geräte. Wer will, dem erzähle ich auch, wie das Navigieren funktioniert. Das ist Teil der Expeditionserfahrung meiner Passagiere. Sie dürfen zu mir auf die Kommandobrücke kommen und das Gefühl mit mir teilen, ein Schiff zu führen.

Ich glaube, dieses Schiff wird auf Expeditionsrouten eine einzigartige Erfahrung. Expedition heißt ja, nur einen ungefähren Fahrplan zu haben, der immer wieder an aktuelle Eis- und Wetterbedingungen angepasst wird. Auch ein großer Eisberg oder Wale, die wir uns ansehen können, wären ein Grund, um einen Umweg zu machen. Manchmal lassen sich auch plötzlich Fjorde befahren, die sonst zugefroren sind. Solche Gelegenheiten nutzen wir natürlich.

Übrigens gehört die Hanseatic nature mit ihren drei À-la carte-Restaurants, den großen Kabinen mit Balkonen sowie der Marina am Heck des Schiffes auch kulinarisch und vom Komfort her in die absolute Spitzenklasse. Wer will, kann direkt vom Schiff aus im offenen Ozean schwimmen. Nicht in der Arktis natürlich – aber in südlicheren Gefilden wird das sicher ein großer Spaß. Außerdem haben wir 17 Zodiacs an Bord, einige davon mit Elektroantrieb. Mit diesen Expeditionsschlauchbooten können wir überall anlanden. Wir brauchen dazu keine Häfen, wir fahren einfach dorthin, wo es uns gefällt.

Passagiere fragen mich immer wieder, ob ein Untergang wie bei der Titanic auch heute noch möglich sei. Heute zeigt das Radar Eisberge auch bei Nacht und Nebel an. Insofern kann ich eine solche Kollision ausschließen.

Selbst Packeis ist normalerweise keine Hürde für mein Schiff. Trotzdem gibt es auch mal schwierige Situationen. Wie 2003, als unsere Passagiere in Südgeorgien gerade eine Pinguin-Kolonie besuchten, und plötzlich katabatische Winde einsetzten: starke Fallwinde, die es uns unmöglich machten, alle Gäste gleichzeitig zurück an Bord zu bringen. 20 Passagiere mussten zu ihrer Sicherheit unfreiwillig für ein paar Stunden an Land bleiben. Erst in der Dunkelheit hatten wir alle wieder an Bord. Sie waren glücklich, nass und ein bisschen stolz auf ihr Abenteuer.

Ich kann nur sagen: Jede Expedition ist anders, jede fühlt sich wie eine Pionierfahrt an – und ist es auch. Ich kenne kaum jemanden, der nicht gerne immer wieder an die Pole fährt. Meine eigene Leidenschaft für Expeditionen habe ich übrigens im Jahr 1990 entdeckt, als ich per Zufall zum ersten Mal mit einem Expeditionsschiff in die Antarktis fuhr. Da muss mich ein Bazillus befallen haben, der mich seitdem nicht mehr loslässt … was für ein Glück.®

Fotos: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten GmbH/SBaade

Pin It

Verlagsanschrift

Private Wealth GmbH & Co. KG
Südliche Auffahrtsallee 29
80639 München

Kontakt

  • Tel.:
    +49 (0) 89 2554 3917
  • Fax:
    +49 (0) 89 2554 2971
  • Email:
    iDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Soziale Medien

         

   email