Was heißt eigentlich ewig?

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089 MerckFinck 900043422Stiftungsmanagement. Stiftungen sind auf Dauer angelegt. Trotzdem investieren sie oft so, als hätten sie nur einen kurzen Anlagehorizont. Und bekommen darum in der Niedrigzinsphase Probleme. Ralf Schwind, Vorstand der Merck Finck Stiftung, plädiert für ein neues Denken.

„Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum 75 Prozent aller rechtlich selbstständigen Stiftungen nicht älter als 30 Jahre sind?“, fragt Ralf Schwind. „Wenn Sie vermuten, dass früher nicht gestiftet wurde, dann irren Sie sich. Die meisten Stiftungen, die vor mehr als 100 Jahren gegründet wurden, haben nur ihr Vermögen in einer der Währungsreformen verloren.“

Gestern wie heute, macht der Vorstand der Merck Finck Stiftung deutlich, legen viele Stiftungen falsch an. „Eine Stiftung ist ja für die Ewigkeit gedacht. Deshalb sollte der wichtigste Anlagegrundsatz sein, die Substanz zu erhalten. Das aber ist oft nicht der Fall.“

Tatsächlich wird der Schwerpunkt der Kapitalanlage in Stiftungen heute immer noch auf Geldwerte gesetzt – Anleihen, Geldmarkt oder Festgeld – und nicht auf Sachwerte wie Unternehmensanteile, Wald, Land, Immobilien. „Das war in Zeiten hoher Zinsen vor allem bequem. Doch es hat langfristig Tücken. Die Wenigsten setzen sich intensiv damit auseinander, was tatsächlich hinter dem Anlagegut ,Geld‘ steckt.“

Geld wird durch Staaten und ihre Notenbanken gemanagt. Der Staat setzt über die Währungsverfassung den Geldstandard. Die Notenbank gibt Noten und Sichtguthaben aus und hat zum Ziel, die Geldmenge zu steuern. „Das ist aber nicht ganz einfach, weil der Großteil der Geldmenge durch die Banken mittels Vergabe von Krediten geschaffen wird“, erklärt Schwind. Deshalb versuchen die Notenbanken, die Kreditvergabe indirekt über den Zins zu steuern, „was aber häufig auch nicht so recht klappt“, merkt Schwind an: „Es gibt einfach zu viele Marktteilnehmer mit individuellen Interessen, die nicht vorhersehbar sind.“

Seit einigen Jahren sind die Notenbanken deshalb besonders kreativ und beeinflussen den Zins, indem sie selbst Staatsanleihen kaufen. In Japan erwirbt die Notenbank mittlerweile einen Großteil der neu emittierten Staatspapiere, um den Zins bei Null zu halten. „Ich frage mich schon, was ein Anlagegut langfristig wert sein kann, dessen Menge in einer Allianz zwischen Staat und Notenbank beliebig erhöht werden kann. Und ob es wirklich klug ist, sich als Stiftung auf ein derartiges Anlagegut zu konzentrieren“, meint Schwind und fährt fort: „Im 20. Jahrhundert hatten wir bereits die Rentenmark, die Reichsmark, die Deutsche Mark und mittlerweile den Euro. Aufgrund der historischen Erfahrungen könnten Investoren schon auf den Gedanken kommen, dass Papiergeldwährungen langfristig möglicherweise nicht sonderlich sicher sind.“

Daran ändert auch die Möglichkeit der Diversifikation zwischen verschiedenen Geldwerten nichts. „Ob Dollar, Euro, Schweizer Franken oder Yen, alle Währungen werden heute nach dem gleichen Muster gemanagt. Von tatsächlicher Diversifikation kann dann nicht die Rede sein“, macht Schwind klar.

Warum investieren Stiftungen dann trotzdem noch vor allem in Geldwerte?

„Das Argument, das ich am häufigsten höre, ist: ,Wir wollen keine Risiken eingehen.‘ Ich frage sie dann immer, was sie mit dem Begriff Risiko meinen. Hohe Kursschwankungen können für eine Stiftung, die langfristig agiert, ja kein Risiko sein. Eine Kursschwankung ist zunächst einmal nur Kursschwankung und sonst nichts. Ein dauerhafter Wertverlust ist damit nicht verbunden.“

Wenn Schwind darauf hinweist, dass es in einem Umfeld steigender Zinsen auch bei Anleihekursen in Zukunft zu massiven Kursschwankungen kommen könne, wird ihm gern entgegnet, das sei ja kein Risiko, weil die Stiftung bis zur Fälligkeit der Anleihe investiert bleiben wolle. Die Kursveränderungen seien dann nur temporär Verluste, die zum Fälligkeitstermin sicher wieder aufgeholt würden.

„Das ist interessant. Ich lade an diesem Punkt der Diskussion dann zu einem Gedankenexperiment ein“, erläutert der Stiftungsexperte. Untersuchungen haben gezeigt, dass in jedem 20-Jahres-Zeit­raum seit 1964 die Aktienrendite positiv war. Im Detail schwankte sie zwischen drei und 14 Prozent – negative 20-Jahres-Zeiträume gab es nicht. Dabei gilt: Je länger der Anlagehorizont, desto sicherer die Anlage in Aktien.

„Stellen Sie sich die Aktie nun einfach als Anleihe mit 20 Jahren Laufzeit vor. Bei der Anleihe ,garantiert‘ der Emittent die Rückzahlung. Bei der Aktie ,garantiert‘ das gesamte Wirtschaftssystem die Rückzahlung. Zwischenzeitliche Kursveränderungen sind bei beiden nur temporäre Kursverluste, die zum Fälligkeitstermin in 20 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgeholt werden. Da gibt es keinen Unterschied. Nur dass ich dem Wirtschaftssystem tatsächlich mehr traue als einem Anleiheemittenten.“

Natürlich gibt es bei Aktien auch echte Risiken, über die Kursschwankung hinaus. „Konkurs, Betrug, Managementfehler, das Scheitern von Geschäftsmodellen“, zählt Schwind auf, „aber diese Risiken, die mit der Bonität des Schuldners zusammenhängen, haben Anleihekäufer auch. Hier kann das Kapital ebenfalls dauerhaft verloren sein, wenn die Anleihe zum Teil oder ganz ausfällt“, macht Schwind klar.

Wenn es um langfristige Risiken geht, sind Sachwert und Geldwert tatsächlich gar nicht so weit voneinander entfernt, wie viele Investoren glauben. „Auf der Renditeseite gibt es aber einen gravierenden Unterschied. Die Anleihe hat nur einen festen Kupon, der Sachwert dagegen einen eingebauten Inflationsschutz. Das ist wichtig, weil es für die Stiftung ja letztlich auf den realen Kapitalerhalt nach Berücksichtigung der Preissteigerung ankommt“, erklärt Schwind.

Ein kleines Rechenbeispiel illustriert das Problem. Eine Bundesanleihe mit Laufzeit bis Ende 2048 bringt einen Kupon von 1,27 Prozent. Den kann die Stiftung verwenden, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen. Liegt die Inflationsrate in den nächsten 30 Jahren bei zwei Prozent, schrumpft die Kaufkraft des Kapitals aber erheblich. „Die Stiftung bekommt dann zwar Ende 2048 den Nominalwert der Anleihe von 100 Euro zurück – dessen Kaufkraft liegt dann aber nur noch bei 55 Euro. Die Leistungsfähigkeit der Stiftung hat sich in nur 30 Jahren nahezu halbiert, sie blutet dank der Entwertung durch Inflation geradezu aus.“

Bei Sachwertanlagen ist das anders. Klettern die Preise, steigen Umsätze, Gewinne, Dividenden, Mieten oder Pachten. Und damit auch der Wert der Anlage. „Dazu kommt, dass Aktionäre an der Innovationskraft intelligenter Unternehmenslenker und dem daraus resultierenden Wachstum beteiligt sind. Über Geldwerte gebe ich der Wirtschaft nur den Kredit, auf den sie ihr Wachstum gründen. Von den Fortschritten habe ich nichts“, erläutert Schwind.

Dass dieses Denken noch nicht weit verbreitet ist, habe, so Schwind, viel mit der Furcht der Stiftungsvorstände zu tun. Der Angst, Fehler zu machen, Abschreibungen in der Bilanz hinnehmen zu müssen, von der Aufsicht dann in die Haftung genommen zu werden.

„Aber Angst ist eben ein schlechter Ratgeber. Die Vorschriften über Abschreibungen sind gar nicht so rigide, wie viele glauben.“ Erstens haben viele Stiftungen Freiheiten in der Rechnungslegung. Die Mehrzahl der Landesstiftungsgesetze verlangt gar keinen handelsrechtlichen Jahresabschluss. Viele Stiftungen können deshalb zunächst mit einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung arbeiten, bei der Abschreibungen auf Kurswertschwankungen keine Rolle spielen.

„Der Spielraum ist regulatorisch gar nicht so stark eingeschränkt, wie viele Stiftungsvorstände meinen“, macht Schwind klar und folgert: „Dieser Aspekt ist also kein Grund, Sachwerte zu meiden. Ich bin fest davon überzeugt, dass es mit der Aufsicht keine Probleme gibt, wenn der Stiftungsvorstand einen klaren roten Faden in der Stiftungspolitik nachweisen kann.“

Wie dieser rote Faden aussehen sollte, um dem Ewigkeitsanspruch der Stiftung gerecht zu werden, ist für den Experten sonnenklar. „Entscheidend ist allein die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Stiftung. Und die wird nicht über die Kurse der Vermögenswerte definiert, sondern über die Ausschüttungen. Wenn ich jedes Jahr drei Prozent Dividende bekomme, interessiert mich der aktuelle Kurs doch nicht.“

Eine möglichst hohe und stabile Ausschüttung könne erreicht werden, wenn ein Großteil des Kapitals in Sachwerten investiert werde. „Bei uns hat sich eine diversifizierte Mischung aus Aktien, Immobilien, alternativen Investments, Land und Forst, erneuerbaren Energieanlagen und seit kurzem auch Private Equity bewährt“, erklärt Ralf Schwind und schließt: „So können wir verhindern, dass sich Stiftungsanalysten in 80 Jahren wieder fragen werden, warum eigentlich 75 Prozent der Stiftungen erst nach 2050 gegründet wurden.“  ®

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So leben Stiftungen ewig.

„Das Thema treibt mich richtig um“, macht Ralf Schwind, Vorstand der Merck Finck Stiftung (links) klar, „bei sehr vielen Stiftungen werden die handelnden Personen – Vorstände, die Stifter, Rechtsberater – immer älter. Sie fragen sich nun, wie es mit ihrer Stiftung weitergehen soll.“

Das erklärte Ziel dieser Stifter ist es, eine Möglichkeit zu finden, damit die Stiftung als Vermächtnis ihren Zweck ewig erfüllen kann. Eine Lösung könne es sein, diese unter das Dach der Merck Finck Stiftung zu bringen, informiert Schwind. Dies könne rein administrativ, oder sofern es die Satzung erlaube, als Zustiftung geschehen. „Wir haben deshalb 15 Stiftungszwecke sehr breit definiert. Unter diese lassen sich alle denkbaren Förderungsmöglichkeiten fassen. Die Stifterrolle kann sogar unter dem eigenen Namen ausgefüllt werden“, erläutert der Stiftungs-Experte. Die Merck Finck Stiftung übernimmt Kapitalanlage, Administration, den gesamten Papierkram. „Alles, was der Stifter tun muss, ist, uns zu sagen, was er fördern will. Das wird dann auf ewig in seinem Namen umgesetzt.“

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Entspannter Einstieg in die Anlageklasse Aktien.

Für Stifter, die sich langsam in den Aktienmarkt wagen möchten, hat Merck Finck ein Werkzeug geschaffen. TOGA – der Name ist abgeleitet vom Gewand der Römer, einer Art Wickeltuch – soll das Aktiendepot langfristig in einer Hülle einwickeln, in der ein Algorithmus die tatsächliche Quote steuert, um größere Verluste in Abwärtstrends zu verhindern.

Die Strategie: Ein mathematisches Modell misst die Trends an 50 Aktienmärkten. Zeigen diese überwiegend nach oben, ist TOGA investiert. Zeigen sie überwiegend nach unten, wird die Aktienquote in zwei Schritten auf fünf Prozent, also nahe Null gesenkt.

Im ersten Schritt wird die Aktienquote durch den Verkauf von Papieren auf 55 Prozent reduziert. Im zweiten Schritt werden weitere ETFs physisch verkauft. Die jeweils fünf Titel aus DAX und MDAX, die insgesamt rund 15 des Portfolios ausmachen, bleiben allerdings im Depot. Das Marktrisiko dieser Positionen wird durch einen Terminverkauf von Indizes eliminiert. Per Saldo ergibt das dann die angestrebte Fünf-Prozent-Aktienquote.

„Interessant ist auch, wie die Aktien ausgewählt werden“, informiert Ralf Schwind. Ers-tens ist der Fonds weltweit stark diversifiziert. Er investiert in Aktien aus den Bereichen Global Titans, DAX, MDAX, EuroStoxx und einzelnen Branchen. Die konkrete Selektion der Einzeltitel erfolgt nach dem Prinzip der relativen Stärke. Gekauft werden Aktien, die in einem bestimmten Zeitraum der Vergangenheit im Vergleich zum jeweiligen Index besonders gut abgeschnitten haben. Die Strategie setzt also darauf, dass ein etablierter Trend weiter läuft. Die Trendstärke wird monatlich überprüft.

„Für mich ist das interessant, weil auch eine langfristig denkende Stiftung nicht jeden Abschwung mitmachen muss“, sagt Schwind. In der Vergangenheit habe TOGA zudem in Abwärtsphasen mitunter sogar eine leicht positive Performance gezeigt, weil die über Termingeschäfte verkauften Indizes DAX und MDAX stärker gefallen seien als die defensiven Einzeltitel, die aufgrund des Relative-Stärke-Modells weiter im Depot blieben.

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Sonderveröffentlichung:

Merck Finck Privatbankiers

www.merckfinck.de

Ralf Schwind, Vorstand Merck Finck Stiftung (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

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