So steht die Verteidigung.

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Risikomanagement. Wir leben in der besten aller Welten. Wachstum und zugleich ultraniedrige Zinsen lassen die Kurse steigen. Doch damit nehmen auch die Risiken zu. „Es ist wie im Fußball – wir müssen hinten sicher stehen, um vorn die Chancen nutzen zu können“, schmunzelt Armin Eiche, CEO Wealth Management Deutschland bei der Privatbank Pictet. Er zeigt, wie Anleger das Risiko im Griff behalten.

„Wissen Sie, was besonders zählt, wenn Sie den Bullen reiten?“, fragt Armin Eiche, CEO Wealth Management Deutschland bei der Privatbank Pictet. „Sie dürfen sich nicht abwerfen lassen.“ Viel zu oft hat es der Bankier schon erlebt, dass Investoren in Korrekturphasen verkauft haben und danach nie mehr den Einstieg schafften. „Mit diesem Thema müssen wir uns gerade jetzt ernsthaft auseinandersetzen. Denn das Risiko für einen deutlichen Rückschlag an den Aktienmärkten wächst.“

Die Analysten des Bankhauses Pictet haben vier Warnsignale ausgemacht. „Der Oktober war der elfte Monat in Folge, in dem der MSCI-Weltaktienindex einen Rekord markiert hatte. Eine solche Serie gab es in den letzten 35 Jahren gerade drei Mal“, informiert Achim Siller, Leiter des Portfoliomanagements bei Pictet Wealth Management in Deutschland, „das schreit geradezu nach einer Korrektur.“ Sehr ungewöhnlich sei auch, dass der aktuelle Aufschwung bei sehr geringen Kursschwankungen stattfinde.

„Offenbar sind sich alle einig, in welche Richtung es geht. Auch das mahnt zur Vorsicht“, erklärt Siller. Drittens gebe es eine Reihe von Anlagemodellen , die ihre Depotaufteilung anhand von Veränderungen bei den Kursschwankungen des Markts steuern. „Je ruhiger der Markt ist, desto mehr wird in Aktien investiert. Diese Modelle haben Aktien inzwischen klar übergewichtet. Falls sie sich irgendwann repositionieren müssen, wird das massive Auswirkungen haben. Und viertens sind alle Anlageklassen mittlerweile ziemlich teuer. In den Kursen sind sehr positive Erwartungen bezüglich der Zins- und Ertragsentwicklung enthalten. Das macht die Märkte nun für jegliche Art von Enttäuschung anfällig.“

„Für Anleger ist dies sehr herausfordernd. Denn andererseits deutet ja nichts auf eine grundsätzliche Trendwende an den Märkten hin“, erklärt Eiche. Die Notenbanken werden im nächs­ten Jahr die Zinsen – wenn überhaupt – nur in homöopathisch kleinen Schritten erhöhen. Und eine echte Rezessionsgefahr sieht der Bankier auf Sicht der nächsten zwölf Monate nicht.

„Die beste aller Welten bleibt uns deshalb wohl noch mindestens ein Jahr erhalten“, meint Eiche und folgert: „Die Kunst der Anlage besteht heute darin, Depots so aufzustellen, dass der Schmerz einer etwaigen Korrektur gemildert wird. Und so zu verhindern, dass Anleger ihr längerfristiges Ziel in diesem Moment aus dem Auge verlieren und sich doch abwerfen lassen.“

Die erste strategische Verteidigungslinie sei es dabei, ein möglichst stabiles Depot aufzubauen. „Ein über verschiedene Anlageklassen und Währungen diversifiziertes Portfolio federt mögliche Rück­schläge an den Aktienmärkten ab und macht diese für den Investor besser aushaltbar“, erläutert Armin Eiche.

Er rät, das liquide Vermögen breit zwischen Anleihen, Aktien und alternativen Anlagen zu streuen. „Dabei ist Expertise im Bereich der Hedgefonds natürlich Voraussetzung. Wir kennen die erfolg­reichen Manager und haben auch Zugang zu deren Fonds.“

Obwohl sie kaum Rendite bringen, spielen auch Anleihen weiter eine Rolle. „Entscheidend ist das Diversifikationsargument. In der nächsten Rezession werden wir wohl mit Negativzinsen in einer Höhe konfrontiert, die wir uns heute gar nicht vorstellen können. Dann werden die Kurse erstklassiger Anleihen deutlich steigen. Und bis dahin sind sie eine gute Versicherung gegen etwaige Konjunkturängste“, erklärt Eiche.

Immerhin liefere der Anleiheanteil heute noch eine Grundverzinsung zwischen einem und zwei Prozent nach Kosten. „Er verdient also zumindest die Inflationsrate. Anleger erhalten den Diversifikationsaspekt so ohne Kosten.“

Als eine zusätzliche Möglichkeit, Risiken zu streuen, betrachtet Siller Währungen. „Rund ein Drittel der Aktienanlagen finden wir im Dollarraum. Dort sind wir bewusst in der Währung inves­tiert und führen keine Absicherung durch. Erstens wird der Dollar in Stressphasen meist stärker. Und zweitens haben wir einen starken Fokus auf global erfolgreiche Firmen. Diese managen ihr Währungsengagement selbst professionell. Wenn ich da eingreife, produziere ich vielleicht ungewollt Über- oder Untergewichtungen – ich kenne deren Netto-Währungsposition ja nicht. Währungshedge klingt ja immer so nach Absichern. Doch dadurch können sich auch zusätzliche Risiken ergeben.“

Im Zinsbereich geht Pictet dagegen keinerlei Währungsrisiken ein. „Der nominale Ertrag steht in keinem Verhältnis zur Wechselkursschwankung. Deshalb sind wir zu 100 Prozent abgesichert.“

Die zweite Verteidigungslinie bauen die Experten im taktischen Anlagemanagement des Aktiendepots auf. „Wir sind fest davon überzeugt, dass sich unabhängiges Research lohnt. Auch der Analyst weiß zwar nicht genau, was die Zukunft bringt. Aber er kann Aspekte identifizieren, die eher auf negative Entwicklungen hindeuten. Wahrscheinlichkeiten berechnen. Und dann versuchen, diese Risiken mit möglichst geringem Aufwand zu verringern.“

Da er heute die Gefahr eines Rück­schlags als hoch betrachtet, wird Achim Siller aktiv. „Dabei nutzen wir Optionen. Wir erwerben das Recht, Wertpapiere zu festgelegten Preisen kaufen oder verkaufen zu können. Die dabei fällige Optionsprämie ist für uns also eine Art Versicherungsprämie.“

Dies sei heute besonders interessant, weil die Versicherungen so günstig seien wie selten. „Der wichtigste Einflussfaktor auf den Preis einer Option ist die Kursschwankung, die Volatilität. Weil diese extrem niedrig ist, sind Optionen sehr günstig. Wir können durch den Einsatz von 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten des Depots zehn bis 20 Prozentpunkte des Aktienanteils auf ein halbes Jahr absichern“, erklärt Siller.

Durch die Kombination von Anlagen auf unterschiedlichen Optionsmärkten wird die Absicherung im Gesamtdepot sogar noch einen Tick günstiger. „Wir können das Recht erwerben, Gold zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder Aktien zu verkaufen. Interessant ist auch eine Strategie, die Erträge liefert, falls der Renditeabstand zwischen Anleihen schlechter und guter Schuldner steigt – was häufig in Stresssituationen passiert“, zählt Siller Beispiele auf.

Letzten Endes kaufen sich die Bankiers so Zeit und Sicherheit. „Wir können einen ersten Rückschlag entspannt aussitzen“, erläutert Armin Eiche, „und dann überlegen, ob vielleicht mehr dahintersteckt. Aber wir müssen niemals in einer Stresssituation verkaufen.“ 

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Systematisch absichern ist oft systematisch falsch.

Systematisches Risikomanagement basiert meist auf Ansätzen, die nach vorher festgelegten Regeln erfolgen. „Das hört sich gut an, ist aber nicht immer zielführend“, warnt Armin Eiche.

// 01. Rebalancing: Kommt es im Jahresverlauf zu größeren Kursbewegungen, werden die Gewichte der einzelnen Depotbausteine in regelmäßigen Abständen auf die Ausgangsposition zurückgesetzt. So werden automatisch in Segmenten Gewinne mitgenommen, die gut gelaufen sind. „Das macht bei der Aufteilung zwischen Aktien, Anleihen, Hedgefonds und Kasse durchaus Sinn. Anleger sollten aber darauf achten, dass nur nach größeren Bewegungen repositioniert wird. Sonst entstehen zu hohe Kosten“, urteilt Siller. Bei einzelnen Titeln sei dieses Strategie aber kontraproduktiv. „Dann wären Sie ja gezwungen, regelmäßig die Gewinner zu verkaufen und in die Verlierer zu investieren. Das machen wir nicht. Wir sind ja aus fundamentalen Gründen von den Unternehmen überzeugt, in die wir investieren. Also bleiben wir dabei.“

// 02. Systematische taktische Steuerung: Bei dieser Strategie werden die Investitionsquoten automatisch nach einem Rückgang der Kurse und/oder einem Anstieg der Kursschwankungen reduziert. „Das hat zwei Nachteile“, erklärt Eiche, „zum einen wird erst gehandelt, nachdem schon Verluste aufgetreten sind. Und zweitens ist das in Seitwärtstrends sehr teuer. Erholen sich die Kurse, muss ja wieder reinvestiert werden. Wir folgen lieber unserer fundamentalen Analyse – und sichern Aktienpositionen situativ ab, wenn dieses höhere Risiken identifiziert.“

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