Die Zukunft im Depot.

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Märkte. Länder mit starkem Wachstum und großen Herausforderungen wecken das Interesse der Anleger. Die Lerbacher Runde sieht sowohl in Schwellenländern als auch in den so genannten Frontiermärkten Investmentchancen. Ihr Favorit: Asien.

Die Begründung für ein Investment in aufstrebenden Nationen ist so einleuchtend wie einfach: Im Vergleich zu den Industriestaaten leben dort mehr Menschen, die nach Wohlstand, Wachstum und Konsum streben. Entsprechend sollten die Umsätze der Firmen, deren Gewinne und ihre Aktienkurse überdurchschnittlich steigen. Gleichzeitig sind die Firmen dort jünger – heißt: moderner – und in ihrer Struktur beweglicher, was das Wachstumspotenzial langfristig weiter steigern sollte.

„Sehr langfristig stimmt diese Geschichte auch, nur gilt das eben nicht immer“, erklärt Bernd Riedel, Robeco. Seit 2018 entwickelten sich die Aktien in den aufstrebenden Ländern zum Beispiel schlechter als die der Industrienationen. So ist der MSCI Emerging Market Index in den vergangenen beiden Jahren um 15 Prozent gesunken, während das Marktbarometer für die Industrieländer, der MSCI World, ein Plus von gut zehn Prozent erzielte. „Besonders interessant ist, dass dadurch die Bewertungskennzahlen so günstig geworden sind wie selten zuvor. Während das Kurs-Gewinn-Verhältnis in den entwi­ckelten Ländern im Schnitt über 18 liegt und die Dividendenrendite bei 2,6 Prozent, sehen diese Kennzahlen in den aufstrebenden Märkten mit 13,6 und 3,2 viel attraktiver aus“, rechnet Riedel vor und fragt: „Ist die Zeit gekommen, dort stärker zu investieren?“

Die Lerbacher Runde beantwortet dies mit einem doppelten „Ja“. „Schon allein aufgrund des Gewichtes in der Weltwirtschaft müssen Anleger dort investiert sein“, macht Martin Klein, Geschäftsführer Asset Management bei Heidelberger Vermögen, klar, und rechnet vor: „Die gesamten Schwellenländer haben einen Anteil von 59 Prozent am Weltsozialprodukt. China allein steuert 18 Prozent bei. Die USA liegen nur bei 15 Prozent. Wer an der Entwicklung der Welt teilhaben will, kommt an diesen Märkten nicht vorbei.“

„Zusätzlich gibt es ein taktisches Argument“, ergänzt Helmut Kaiser, Chefstratege der Deutschen Bank, „Schwellenländer laufen besser, wenn die Zinsen in den USA zurückgehen und der Dollar nicht stark aufwertet. Beides sehen wir in der Tendenz im nächsten Jahr.“

Wo setzen die Profis ihre Schwerpunkte? Bernd Meyer, Chefstratege der Berenberg Bank aus Hamburg, sieht das Land gut aufgestellt: „Regierung und Zentralbank stützen die Wirtschaft, aber nicht mehr so intensiv wie in früheren Jahren. Sie haben verstanden, dass die Verschuldung in den Unternehmen zu groß ist. Sie geben jetzt nicht mehr Vollgas, sorgen aber dafür, dass der Kreditimpuls sanft nach oben läuft – und das ist gut so.“

Auch Jörg Borgers vom Family Office Relevo meint: „Anleger sollten den asiatischen Raum favorisieren.“ Denn dort finde das stärkste Wachstum statt und dort seien die Zukunftstechnologien zu Hause, wie Robotics und KI, Künstliche Intelligenz.

Helmut Kaiser nennt als bevorzugte Märkte China – „wichtigste Volkswirtschaft in der Region“ – und Indien – „größtes Aufholpotenzial“. Auch Alexander Ruis, SK Family Office, setzt auf China. Ihn überzeugt die bedeutende Rolle für die gesamte Region. Auch Taiwan als führende Nation in der Halbleitertechnologie findet Ruis interessant. „Korea und Indien sehe ich dann in der zweiten Reihe.“

Jörg Borgers rät, ein globales Aktienportfolio mit insgesamt bis zu 30 Prozent in Asien zu investieren. „Ich würde es dritteln: China, Indien, Südostasien – letzteres punktet vor allem mit einer jungen Bevölkerung, hohem Bildungsstand und großer Konsumfreude. Damit haben Anleger eine gute Marktabdeckung.“

Zwei weitere Regionen würden die Experten nicht außer Acht lassen – Osteuropa und Lateinamerika. Osteuropa ist mit einem durchschnittlichen KGV unter 7 und Dividendenrenditen von 5,6 Prozent mit Abstand die günstigste Anlageregion. Jörg Borgers findet vor allem Russland interessant: „Das Land überzeugt mit einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung, die Verschuldung ist gering und die Devisenreserven sind hoch. Dank des Gasreichtums bleibt Russland auch dann interessant, wenn es andernorts kriselt.“

„Allerdings ist nicht jeder Investor bereit, sein Geld in Russland zu investieren, da das politische System kritisch gesehen wird“, relativiert Alexander Ruis.

In Südamerika hat vor allem der brasilianische Aktienmarkt in den vergangenen Monaten Rückenwind bekommen. „Der neue Wirtschaftsminis­ter Paulo Guedes weckt große Hoffnung bei Investoren“, analysiert Helmut Kaiser. Guedes habe den Weg für Zinssenkungen frei gemacht und so die Wirtschaft Brasiliens angekurbelt. „Dies ist zwar schon in den Kursen enthalten. Sollte sich die Stabilisierung der Wirtschaft aber fes­tigen, sind künftig noch deutlich höhere Kurse möglich. Anleger sollten dabeibleiben“, rät Kaiser.

Als attraktive Beimischung erachten die Anlageexperten auch die so genannten Frontier-Märkte – 40 Länder, die in ihrer Entwicklung noch deutlich hinter den Schwellenländern zurückliegen. Darunter sind etwa Ägypten, Kuwait, Vietnam, Marokko, Nigeria, Ghana, Bahrain und Rumänien. „Besonders interessant finde ich, dass Frontier-Märkte nicht nur ökonomisch riesiges, langfristiges Potenzial haben. Weil sich die Börsen dort tendenziell unabhängig von den Weltbörsen entwickeln, sorgen sie für eine stärkere Diversifikation im Portfolio“, argumentiert Bernd Meyer und fährt fort: „Sie sollten aber unbedingt als langfristiges, strategisches Investment betrachtet werden, an dem auch bei kurzfristigen Irritationen festgehalten wird. Denn natürlich sind die politischen Risiken in diesen Märkten höher als anderswo.“

Dafür gibt es noch eine Zusatzchance. „Wenn sie sich weiter entwickeln, können einige dieser Länder von den Indizes für Frontier-Märkte in die ,großen‘ Emerging-Market-Indizes befördert werden. Dann wird mehr Geld in diese Märkte fließen und das wird die Kurse treiben“, informiert Martin Klein.

Bei der Umsetzung der Ideen raten die Experten dringend von Einzelinvestments ab. „Eine Mischung aus ETFs und aktiven Fonds ist der richtige Weg. Die Märkte sind volatil, folgen regionalen Regeln, und nicht jeder Markt funktioniert reibungslos. Da ist es wichtig, breit zu diversifizieren und die Kompetenz von Experten zu nutzen“, schließt Alexander Ruis.

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Aussichtsreiche Anlagen.

Die Redaktion von private wealth hat Fonds identifiziert, die zu den Gedanken der Profis passen. Sie sind Ideen, keine Anlageempfehlung.

Aktive Fonds: Blackrock China (LU0359201612), Global Evolution Frontier Markets (LU0501220429), Magna New Frontier (IE00B65LCL41), Nestor Fernost (LU1433074256), Parvest BNP Russia Equity (LU0269742598), Robeco Emerging Markets Equities (LU0187076913), Stewart Investors Global EM Sustainability (GB00B64TSB19), HSBC GIF Frontier Markets (LU0666200349)

ETFs: iShares MSCI China A UCITS ETF (IE00BQT3WG13), Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF (IE00B3VVMM84)

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