Investment for Future.

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Nachhaltige Anlagen. Wer Aspekte der Nachhaltigkeit in seine Anlageprozesse integriert, wird künftig nicht nur mehr Rendite machen. Er trägt auch dazu bei, Wirtschaft und Gesellschaft positiv zu verändern. Denn Kapital kann viel bewegen.

 „Sie verzichten auf Plastiktüten? Fahren in der Stadt mit dem Rad statt mit dem SUV? Aber haben Sie schon einmal überlegt, was Ihr Kapital derweil macht?“, fragt Michael Huber vom Vermögenszentrum Frankfurt: „Denn dadurch könnten Sie einen viel größeren Einfluss ausüben.“

„Wir alle können an den Kapitalmärkten echte Katalysatoren sein. Wir stellen Eigen- und Fremdkapital zur Verfügung. Belohnen damit Firmen. Oder bestrafen sie durch Entzug. Und stoßen Öko-Innovationen an. Das ist mittlerweile ein Megatrend geworden, eine echte Bewegung“, ergänzt Oliver Borgis von der Weberbank. Investment for Future.

„Bei hoch vermögenden Kunden und vor allem in der jungen Generation ist das ein großes Thema. Sie wollen wissen: Papa, Mama, wie verdienen wir eigentlich unser Geld? Wie nachhaltig sind wir?“, informiert Fabian Strube, Robeco.

Nachhaltig investieren ist also längst aus der „grünen“ Ecke heraus. „Es macht Sinn und sollte – richtig umgesetzt – in Zukunft auch mehr Rendite bringen. Nachhaltige Firmen sind angesichts stärkerer Regulierung und kritischerer Konsumenten im Wettbewerb einfach grundsätzlich besser positioniert. Sie sind zukunftsfähiger und haben ein deutlich geringeres Reputationsrisiko“, verdeutlicht Axel Angermann, Chefvolkswirt der Feri-Gruppe.

Die am häufigsten genutzten Strategien bei der Umsetzung sind Ausschluss, Best-in-Class und Impact. Beim Ausschluss definieren die Überzeugungen des Investors das Anlageuniversum. Beim Best-in-Class-Ansatz sind es die ESG-Kriterien – Umwelt (Environment), Soziales und Governance, also Unternehmensführung –, die zählen. In jeder Branche werden entweder die besten Firmen identifiziert oder diejenigen, die sich nach diesen Kriterien am stärksten verbessern. „Wer in diese Improvers investiert, erzielt die größte Wirkung“, ist Alexander Prochnow-Ast, Leiter des Portfoliomanagements des Family Offices der Volksbank Kraichgau, überzeugt.

Impact, Wirkung, ist tatsächlich das Stichwort, das vor allem Unternehmerfamilien umtreibt. Es lotst Kapital in junge Start-ups, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen die Welt verändern könnten. „Das ist natürlich Frühphasenfinanzierung mit allen Chancen und Risiken“, sagt Stefan Ebner, Partner bei Focus Asset Management aus München. „Aber es hat eben auch die direkteste Wirkung, wenn zum Beispiel in Firmen investiert wird, die bessere Technologien zur Reinigung oder Speicherung von Wasser entwickeln“, erklärt Marc Flügel, Robeco. „Wir suchen entsprechende Kandidaten tatsächlich über unser Netzwerk“, konkretisiert Ebner, „ideal wäre zum Beispiel eine Technologiefirma, die CO2 aus der Atmosphäre filtern kann.“

Für Privatanleger bedeutet die Vielfalt der Strategien: „Sie müssen sich darüber klar werden, wie sie persönlich Nachhaltigkeit in ihren Depots realisieren wollen“, sagt Thomas Buckard, Vorstand von Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG in Wuppertal. „Viele Investoren haben eine vage Idee, was sie möchten, aber bis daraus eine Anlagestrategie wird, muss viel gesprochen werden.“

Tatsächlich steckt der Teufel im Detail. Bei Öl, Atomkraft und Tabak ist es vielleicht noch einfach, eine Aussage zu treffen. Aber bei Industriebetrieben mit vielen Umsatzbereichen und globalen Produktionsstätten gelingt dies nicht so leicht. Auch scheinbar eindeutige Ranglisten wie die des CO2-Ausstoßes stecken voller Tücken. Auf den ersten Positionen finden sich dort zum Beispiel fast nur Banken und Versicherungen. Weil sie physisch nichts produzieren. „CO2 lässt sich immerhin noch messen. Aber bei ESG-Kriterien wird es immer qualitativ unterschiedliche Meinungen geben. Deshalb will die EU auch künftig Klarheit darüber schaffen, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist“, sagt Michael Huber.

„Die Nachhaltigkeitswelt ist eben nicht schwarz-weiß“, macht Ebner klar. Es sei immer ein „Was spricht dafür, was dagegen“, und am Ende des Tages müsse die Rendite stimmen. 

Bei ihrer eigenen Bewertung greift die Branche im Wesentlichen auf die Daten von drei Analysehäusern zurück: MSCI, Sustainalytics und ISS Ökom. Ihre Ratings definiert die Anlagewelt der Nachhaltigkeit, wie es Anleger vom Fondsrating kennen. Alexander Prochnow-Ast schaut sich beispielsweise die Nachhaltigkeitsscores an und lässt das untere Drittel weg. „Danach suchen wir die betriebswirtschaftlichen Top-Performer.“

Stefan Ebner hat selbst eine Datenbank entwickelt, mit der er den Impact eines Unternehmens berechnet. „Wir können beziffern, welcher Umsatzanteil mit positiven Aspekten generiert wird und welcher mit negativen – so können wir gewichten.“

Für eine Kombination aus Ausschluss und Best-in-Class votiert Oliver Borgis: „Schließen Sie anhand umfassender Kriterien systematisch bestimmte Investments aus und wenden auf das verbleibende Universum klassische Fundamentalanalyse und Best-in-Class an. Wir selbst berücksichtigen auf Firmenebene Kriterien aus sechs Hauptgruppen mit Null-Prozent-Toleranz und aus acht Hauptgruppen mit Zehn-Prozent-Toleranz.“

Kompromissloser agiert das Team von Robeco: Neben definierten Mindeststandards über Ausschlusskriterien sind in jedem Investmentprozess ESG-Kriterien fest verankert. „Zusätzlich sind wir davon überzeugt, dass mit Vermögen auch Verantwortung einhergeht.“ Der holländische Investment-Manager nimmt daher seine Stimmrechte aktiv wahr und geht in den Dialog mit den Unternehmen, um das Verhalten und langfristig die Kapitalrendite zu verbessern. Alexander Prochnow-Ast rät Anlegern, MSCI-Ratings als Richtschnur zu nutzen: „Sie geben einem Unternehmen den Stempel, der auch die Erfüllung der geforderten ESG-Kriterien der EU belegt. Die Aktien dieser Unternehmen würden künftig von Institutionellen gekauft – da macht es Sinn, sie schon vorher ins Depot einzubauen.“

Für die Bankiers eine neue Herausforderung. Sie müssen Sparringspartner der Investoren sein, Transparenz schaffen, zur Wirkung der Firmen eine Meinung haben – und dann noch den Renditeaspekt im Auge behalten. „Natürlich – wer ESG zu streng auslegt, macht das Anlageuniversum zu klein. Das Schaffen eines ausgewogenen Portfolios mit risikominimierender Asset Allocation ist schwierig“, sagt Thomas Buckard. Die Zukunft sei, dass die Kapitalanlage auf zwei Ebenen stattfindet. „Die rein ökonomische, nach alten fundamentalen Kennziffern. Und die nachhaltige. Gemeinsam genutzt, werden Depots nachhaltig und renditestark“, sagt Axel Angermann.

Nachhaltigkeit ist keine einzelne Anlagestrategie, sondern eines von mehreren Analysetools, die Investoren nutzen sollten.

„Möglicherweise“, überlegt Michael Huber, „sieht ein Depot in 15 Jahren dann auch genauso aus wie heute – mit dem Unterschied, dass die Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht haben und nun konsequent nach ESG-Kriterien agieren. Dann hätte unser Kapital die Welt wirklich verändert.“       

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Neue Regulierung.

Die EU will Klarheit schaffen und definiert in den kommenden Jahren, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. „Eine sinnvolle Maßnahme“, findet Oliver Borgis von der Weberbank in Berlin. „Aber sie löst nicht abschließend, was ESG genau ist. Es wird der kleinste gemeinsame Nenner gefunden werden“, meint Alexander Prochnow-Ast.

Weniger begeistert sind die Bankiers vom „EU-Action Plan Financing Sustainable Growth“. „Er schreibt der Finanzindustrie in Teilen vor, in welchem Rahmen sie ESG-Kriterien bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen muss, das ist ein Fehler“, sagt Mark Flügel von Robeco. Die Politik müsse den Rahmen setzen, Ordnung schaffen, sich aber nicht mit dem Wie bei der Umsetzung beschäftigen. „Das ist doch Planwirtschaft“, kritisiert Axel Angermann.

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