• Yvonne Döbler, Gerd Hübner, Klaus Meitinger

Jagd nach Rendite.

Print Friendly, PDF & Email

52 20190914 DSF5845

Zinsanlagen. Angesichts negativer Renditen bei Bundesanleihen müssen Anleger ihr Portfolio neu ausrichten. Aber kann es überhaupt ein Substitut für sichere und liquide Staatsanleihen geben? Und – wo finden Investoren noch vernünftige Renditen?

„Um es gleich vorweg zu nehmen“, macht Christian Fischl, Huber, Reuss & Kollegen, klar, „es gibt keine einzelne Anlageklasse, die Bundesanleihen zu 100 Prozent ersetzen kann.“ Die Zeiten, da eine Anlage liquide war, sicher, Diversifikation im Vergleich zum Aktienmarkt bot und zugleich eine laufende Verzinsung von drei oder vier Prozent, sind vorbei.

„Damit Anleger so etwas ähnliches wie ein schwankungsarmes, aber positiv rentierendes Rendite-Risiko-Profil ins Portfolio bekommen, gilt es, eine breit diversifizierte Strategie mit einer Kombination vieler Anlageklassen zu verfolgen“, sagt Philipp Dobbert, Quirin Bank. „Und dabei sind sowohl liquide Investments als auch illiquide Anlagen zu berücksichtigen“, ergänzt Bernd Schrüfer, Lucatis.

// Liquide, renditestarke Anleihen.

„Investoren haben, getrieben von der Jagd nach Rendite, ihre Mindestanforderung bezüglich der Schuldnerbonität immer weiter abgesenkt – meist von A auf BBB, zum Teil sogar noch tiefer“, sagt Daniel Oyen, VPC Family Office. „Zwar bieten Hochzins-Anleihen schon noch eine Mehrrendite zwischen zwei und drei Prozent“, überlegt Thomas Neukirch, HQ Trust, „aber Sie dürfen nicht vergessen, dass Sie damit mehr ins Risiko gehen. Denn abgesehen vom höheren Ausfallrisiko sind auch die Kursschwankungen größer.“

Dazu verweisen die Experten auf eine weitere Gefahr: Falls sich die Anlagestimmung drehe und alle gleichzeitig verkaufen wollten, könne das zu hohen Buchverlusten führen. „Dennoch sind sie für uns, ebenso wie Emerging-Markt-Anleihen, fester Bestandteil eines Basisportfolios“, erklärt Dobbert. „Denn die Ren­diten liegen noch deutlich über denen von US-Staatsanleihen.“ In den Emerging Markets hätten die Notenbanken eben die Funktion des Marktes noch nicht ausgeschaltet. Deshalb werde das Risiko hier angemessen bezahlt.

Investoren aus dem Euroraum sollten dabei das Währungsrisiko beachten. „Denn da die Absicherung teuer ist, berück­sichtigen wir Schwellenländeranleihen sowohl in lokaler Währung als auch in Dollar“, erklärt Peter Hollmann, PatriCon. „Die höheren Wertschwankungen, die daraus entstehen, müssen Investoren dann in Kauf nehmen.“ Eine Herausforderung sei die konkrete Umsetzung. „Wir raten dazu, dies über aktive Fondsmanager abzubilden, die auf diese Segmente spezialisiert sind. ETFs sind angesichts der zusammengeschmolzenen Spreads keine gute Idee“, erklärt Hollmann.

Eine Alternative sieht Christian Fischl auch in Spezialanleihen nicht gerateter mittelständischer Emittenten, in nachrangigen Bonds oder bei so genannten Fallen Angels – Firmen, die ihr Investment-Grade-Rating verloren haben. „Die Suche nach attraktiven Titeln ist zwar mit hohem Aufwand verbunden, da Analysten zugleich Zins- und Emittentenrisiko sowie – bei internationalen Titeln – politische Aspekte im Griff haben müssen. Aber wer das gründlich macht, findet Papiere, die verlässlich bis zum Laufzeitende drei Prozent oder mehr liefern und den Anleger trotzdem einigermaßen ruhig schlafen lassen.“ 

// Die Illiquiditätsprämie vereinnahmen.

„Der Reiz illiquider Investments“, erläutert Schrüfer, „liegt darin, dass Anleger für den Verzicht auf jederzeitige Handelbarkeit eine Prämie bekommen.“ „Ein Beispiel ist Private Debt“, erklärt Neukirch. Dabei vergeben Investoren Kredite direkt an Firmen, um deren Wachstum zu finanzieren. „Wir machen das über geschlossene Fonds, bei denen der Manager Kredite direkt an kleinere und mittelgroße Firmen vergibt und so ein breit gestreutes Portfolio aufbaut.“ Der Nachteil: „Solche Kredite können ausfallen. Deshalb ist eine Prüfung der Sicherheiten und Diversifikation ein Muss“, macht Neukirch klar. Das Kapital der Investoren ist fünf bis sieben Jahre gebunden, die Rendite liegt im Schnitt zwischen fünf und sechs Prozent.

Ebenfalls eine Illiquiditätsprämie bieten Infrastrukturinvestments in geschlossenen Fonds. „Solche Projekte, zu denen Mautstraßen, Häfen oder alternative Energien zählen, werfen sehr gut planbare Jahresüberschüsse ab und haben eine geringe Korrelation zu den klassischen Anlagen“, erläutert Oyen. „Ein gewisses Risiko ist, dass Regierungen die Konditionen mitbestimmen. Es ist also nicht sicher, dass nötige Preiserhöhungen immer durchgesetzt werden können. Das würde die Renditen reduzieren“, analysiert Schrüfer. „Außerdem müssen Anleger in der Regel Anteile zeichnen, bevor Investments getätigt werden. Sie investieren also in eine Black Box“, sagt Fischl. Was bringt das? „Bei Dachfondslösungen sind Ausschüttungen von drei bis vier Prozent sowie eine Gesamtrendite von sechs bis acht Prozent möglich“, taxiert Oyen.

// Absolute-Return- und Hedgefonds.

„Ziel dieser Anlagen ist es, eine stabile Rendite von drei bis fünf Prozent über einen Zyklus hinweg zu erzielen“, erklärt Oyen. Allerdings erreichten viele der Anbieter dies in den vergangenen Jahren nicht. „Selbst als besonders gut geltende Hedgefonds haben vor allem in 2018 enttäuschende Ergebnisse geliefert“, berichtet Hollmann.

Warum war das so? „Viele der Computersysteme, die hinter den Hedgefonds ste­cken, bauen darauf, dass einzelne Anlageklassen unterschiedlich abschneiden“, erklärt Oyen. „Ende 2018 verloren aber alle gleichzeitig an Wert. Deshalb sind auch Hedgefonds damals unter die Räder gekommen.“ Problematisch ist seiner Ansicht nach perspektivisch noch ein anderer Aspekt: „Viele dieser Fonds investieren über Futures. Da sie deshalb das Kapital der Anleger nur als Sicherheit benötigen, konnten sie dieses früher gut verzinst anlegen. Heute funktioniert das nicht mehr. Ihnen fehlt so die Basisverzinsung.“

Die Lerbacher Runde will dennoch nicht ganz auf diese Produkte verzichten. „Es kommt auf die Auswahl an. Und darauf, die Fonds laufend zu überwachen“, sagt Neukirch. „Bei der Selektion ist es wichtig, Daten aus der Vergangenheit genau zu hinterfragen“, rät Fischl. „Da sich Kapitalmarktumfeld und Korrelationen in der Nullzins-Ära verändert haben, funktionieren viele Strategien einfach nicht mehr.“ Wichtig sei deshalb der intensive Dialog mit dem Fondsmanager. „Er muss plausibel erklären können, warum sein Ansatz vor diesem Hintergrund immer noch funktioniert“, erläutert Schrüfer.

„Ein diversifiziertes Portfolio aus Fonds erstklassiger Manager sollte über längere Zeiträume drei Prozent pro Jahr im Schnitt über dem risikolosen Zins machen“, meint Dobbert. Dabei sei es wichtig, sich zusätzlich keine Währungsrisiken einzukaufen.

// Spezialitäten.

„Auch CatBonds könnten eine Alternative sein“, überlegt Neukirch. Anleger übernehmen dabei von Erst- oder Rückversicherern einen Teil des Risikos bei finanziellen Schäden durch Naturkatastrophen. Tritt der vorher definierte Schadensfall nicht ein, erhält der Anleger einen Zins, der deutlich attraktiver ist als der von Staats- oder Unternehmensanleihen. „Seit 2012 brachte diese Anlage eine Rendite von rund vier Prozent per anno“, informiert Dobbert. „Das Interessante daran ist, dass diese Anlagen strukturell keine Korrelation zum breiten Kapitalmarkt haben“, sagt Hollmann. Das Risiko: Sollte der Versicherungsfall eintreten, würde dies die Rückzahlung einer Anleihe schmälern oder sogar zum Komplettausfall führen. „Deshalb sollte nie in einzelne Cat-Bonds, sondern immer nur über breit gestreute Fonds investiert werden“, rät Schrüfer.

In die Kategorie der unkorrelierten Anlagen gehört für die Experten auch das Thema Mikrofinanz. „Das sind unbesicherte Kleinkredite in Schwellenländern, die von spezialisierten Finanzdienstleistern zu einem Fonds gebündelt werden“, erklärt Dobbert. „Die Ausfallraten sind niedrig, das Risiko wird durch die breite Streuung der Fonds reduziert. Insgesamt sind damit nach Kosten zwei bis drei Prozent drin und das wiederum bei nur minimaler Korrelation zu den etablierten Märkten.“     

________________________________

Auskömmliche Erträge.

EM-Fonds: BL EM (Mischfonds) (LU0309191905), Vontobel EM Debt (LU0926439646), GAM Local Emerging Bond (LU0984439082)

High-Yield-Fonds: UBS USD High Yield (LU0396369489), JP Morgan Global High Yield Bonds (LU0783540387)

Cat-Bonds und Mikrofinanz: GAM Star Cat Bond (IE00B3Q8M574), LGT Select Cat Bond (LI0225414825), IIV Mikrofinanzfonds R (DE000A1H44T1), Vision Microfinance (LU0563441798)

Hedgefonds: MAN AHL TargetRisk (IE00BRJT7613)

Private-Debt-Anbieter: Golding Capital Partners (www.goldingcapital.com), Prime Capital (primecapital-ag.com/category/private-debt)

Geschlossene Beteiligungen: Yielco Investments (Yielco.com)

Sonstiges: Preferred Securities Fund (IE00B3SPD311), Baywa Unternehmensanleihe: 3,125 % LZ 6/24, Non Rated Bond (XS2002496409)

________________________________

®

Verlagsanschrift

  • Private Wealth GmbH & Co. KG
    Montenstrasse 9 - 80639 München
  • +49 (0) 89 2554 3917
  • +49 (0) 89 2554 2971
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Sprachen

Soziale Medien