• Yvonne Döbler, Gerd Hübner, Klaus Meitinger

Sicherheit für TINA.

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Aktienstrategie. Aktien sind in der Portfolioallokation heute unverzichtbar – There Is No Alternative (TINA). Allerdings kann nicht jeder mit der höheren Volatilität der Anlageklasse leben. Die Lerbacher Runde erläutert, wie Anleger die Schwankungen effektiv reduzieren können.

„Heute sind festverzinsliche Wertpapiere im Volumen von rund 17 Billionen Dollar weltweit negativ verzinst“, sagt Kai Röhrl, Robeco, und folgert: „Wer sein Kapital real erhalten und vielleicht sogar noch Kapitalwachstum generieren will, muss sich von der klassischen Portfolioaufteilung – 70 Prozent Anleihen und 30 Prozent Aktien – verabschieden.“

„Aktien sind in diesem Umfeld tatsächlich alternativlos“, erklärt Carsten Mumm, Donner & Reuschel. „Wir stellen zwar schon fest, dass Anleger inzwischen offener dafür sind, ihre Aktienquote zu erhöhen“, sagt Andreas Rhein, Focam Family Office, „aber sie werden bei den ersten Kursschwankungen schnell verunsichert und stellen ihre getroffenen Anlageentscheidungen wieder infrage. Aus diesem Grund ist es wichtig, Strategien zu haben, womit sich die Volatilität des Aktienanteils im Portfolio reduzieren lässt.“ 

// Diversifikation nutzen.

„Der Home Bias ist überall auf der Welt zu beobachten“, erklärt Röhrl. „Anleger investieren gerne in heimische Märkte, also in das, was sie glauben beurteilen zu können, weil es vor der Haustür liegt.“ Tatsächlich machen deutsche Aktien Schätzungen der Deutschen Bank zufolge im Durchschnitt mehr als 50 Prozent an den Depots der Anleger hierzulande aus. „Wir empfehlen aber auf jeden Fall, ein Aktienportfolio global und über verschiedene Branchen hinweg breit zu streuen“, erläutert Maximilian Kunkel, UBS Europe. „Das reduziert Kursschwankungen und eröffnet zusätzliche Renditechancen“, ergänzt Stephan Pilz, Sand & Schott.

Dies lässt sich anhand von Korrelationskennziffern gut nachweisen. „Der Wert von 1,0 steht für einen perfekten Gleichlauf zweier Märkte. Bei europäischen Aktien und US-Titeln liegt dieser Koeffizient bei 0,76, zwischen südamerikanischen und US-Aktien sind es sogar nur 0,57. Da die Kursentwicklung an verschiedenen Märkten unterschiedlich verläuft, schwankt auch der Wert eines gemischten Depots deutlich weniger als die Anlage in nur einer Region“, erklärt Rhein.

„Eine andere Möglichkeit der Diversifikation ist es, nicht nur auf die großen Indizes zu setzen“, überlegt Gottfried Urban, Urban & Kollegen Vermögensmanagement, „es ist sinnvoll, Werte aus der zweiten und dritten Reihe beizumischen.“

Andreas Rhein rät Anlegern zudem, den Aktienanteil nicht nur allein, sondern immer im Portfoliokontext zu betrachten. „Jeder Anleger hat ja noch Anleihen, Immobilien oder alternative Investments in seinem Portfolio. Dadurch relativiert sich die Volatilität des reinen Aktienanteils.“ Diesen Kontext hält auch Stefan Hollidt, Portfoliospezialist, für entscheidend. „Schließlich kann durch die richtige Asset Allocation ein Portfolio geschaffen werden, das selbst im Krisenfall den Rückschlag insgesamt aushaltbar macht.“

Eine sinnvolle Ergänzung zu Aktien seien US-Staatsanleihen. „Ich habe mir die Korrelationen in den vergangenen 50 Jahren in Stressphasen angeschaut und festgestellt, dass es keinen besseren Diversifikator gibt“, sagt Hollidt. „Wann immer es zu Krisen kam, hat eine Flucht in diesen sicheren Hafen eingesetzt. Die Kurse stiegen und dämpften im Depot die Verluste an anderen Märkten. Ich rate dazu, dabei den Dollar nicht abzusichern. Denn er profitiert in diesen Situationen auch.“

// Aktien klug auswählen.

„Warum gelten Immobilien als so sicher?“, fragt Gottfried Urban und antwortet: „Ein Grund ist natürlich, dass für sie – anders als Aktien – kein täglicher Marktpreis veröffentlicht wird. Genauso wichtig ist aber die konstante Mietrendite.“

Eigentlich, so die Profis, sollten Anleger bei Aktien genauso denken und Firmen mit solider Bilanz sowie langfristig stabilen Jahresüberschüssen und Dividenden wählen. „Solche Titel sind im Zeitablauf tatsächlich weniger starken Schwankungen ausgesetzt“, sagt Urban. „Investoren können so allein durch die Auswahl der richtigen Aktien die Volatilität im Depot reduzieren“, folgert Stephan Pilz.

„Für Investoren“, überlegt Maximilian Kunkel, „sollte wirklich die einzige relevante Frage sein, ob das Investment auf lange Sicht eine angemessene Rendite zahlt. Der aktuelle Kurs wird dann nebensächlich.“

Für Pilz spielen bei der Auswahl aber nicht nur Kennziffern eine Rolle. „In Zeiten disruptiver Veränderungen muss das Geschäftsmodell genau analysiert werden. Denn nur wenn dieses zukunftssicher ist, wird die Firma auch langfristig die erwartete Ausschüttung liefern.“ „Es geht darum, Firmen herauszupicken, die sich auf die aktuellen Veränderungen einstellen können“, ergänzt Hollidt. Hier bieten sich nach Ansicht von Kunkel Investments in Megatrends an. „Die vier größten sind Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Alterung und Nachhaltigkeit. Daraus lassen sich dann weitere Unterthemen ableiten. Aktien von Firmen, die von solchen strukturellen Entwicklungen profitieren, werden zwar auch im Kurs schwanken – dank ihres zukunftsträchtigen Geschäftsmodells werden sie sich aber schneller erholen und langfristig gut entwickeln.“

// Optionen einsetzen.

Kursschwankungen können auch durch den systematischen Verkauf von Call-Optionen reduziert werden. „Dadurch schneiden Anleger zwar einen Teil des möglichen Gewinns in der Hausse ab. Der so generierte Zusatzertrag verringert aber den Verlust im Fall eines deutlichen Rückschlages“, erklärt Kunkel. Viele Anleger, haben die Experten beobachtet, würden dagegen Optionen nutzen, um Verluste zu begrenzen. „Für sinnvoll halte ich das derzeit allerdings nicht. Es hilft nur, die Emotionen im Griff zu halten. Aber in schwankenden Märkten kostet es einfach zu viel“, analysiert Carsten Mumm.

Stattdessen rät er dazu, eine strategische Aktienquote aufzubauen, mit der sich der Anleger wohlfühlt, diese langfristig zu halten und eine etwas höhere Cash-Position ins Depot einzubauen. „Dies bietet die Chance, in Krisenzeiten günstig am Aktienmarkt tätig zu werden“, sagt Mumm.

// Aktienanlage neu denken.

„Letztlich wäre es das beste Sicherheitsnetz, bei den Anlegern für ein Grundverständnis bei der Aktienanlage zu sorgen“, fasst Rhein zusammen. „In der Tat könnte dies helfen, damit Anleger Schwankungen bei Aktien besser einordnen und nicht bei jedem Kursverlust sofort aussteigen“, ergänzt Pilz. Hilfreich sei es auch, jedes Investment gleich zu beurteilen. „Auch Immobilienpreise schwanken ja jeden Tag, Investoren sehen es nur nicht“, erläutert  Hollidt. „Außerdem“, sagt Carsten Mumm, „gilt es zu bedenken, dass Aktienkurse zwar kurzfris­tig stark schwanken können, aber langfristig die Wahrscheinlichkeit von Verlusten in Richtung Null geht.“

„Ich rate deshalb jedem, Aktien wie Immobilien als Langfristanlage zu sehen und einfach nicht laufend auf die Kursentwicklung zu schauen“, ergänzt Urban und schmunzelt: „Nennen Sie Ihr Aktiendepot doch einfach Immobilie.“ ®

 

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