Ich sehe keine Einhorn-Manie.

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„In der Bewertung der Technologie-Unicorns Uber, Lyft, Airbnb und Pinterest spiegelt sich deren gigantisches Wachstumspotenzial wider“, meint Bernd Schrüfer vom Family Office Lucatis. Anleger sollten dabei sein.

Es wundert mich nicht, dass sich viele Anleger beim Blick auf die Bewertung der aktuellen und anstehenden Börsengänge aus dem Technologiesektor Sorgen machen. Manch einer dürfte sich an die Spekulationsblase bei Internetwerten zur Jahrtausendwende erinnert fühlen. Aber glauben Sie mir, diese Parallele ist nicht gerechtfertigt.

Zur New-Economy-Zeit gingen Unternehmen an die Börse, die kaum Umsatz machten und deren Geschäftsmodelle die wenigsten verstanden haben. Weder der Stand der Technologie – das Internet steckte damals noch in den Kinderschuhen –, noch die Kunden waren reif für diese Firmen. Sie waren ihrer Zeit einige Jahre voraus.

Heute ist die Situation bei den Unicorns, wie die Unternehmen aus dem Technologiesektor genannt werden, die vorbörslich Milliarden-Bewertungen aufweisen, komplett anders. Sie brauchen erstens viel weniger Geld, weil sie ihr Geschäft dank des überall stationär wie auch mobil verfügbaren Internets viel schneller skalieren können.

Zweitens sind sie disruptiv, ersetzen also alte Geschäftsmodelle durch ganz neue. Nehmen Sie Uber, dessen Wert auf 120 Milliarden Dollar taxiert wird. Die Firma verdrängt nicht nur das Taxi, sondern macht den ganzen Sektor autonom und kann das Geschäftsmodell weltweit umsetzen. Damit lassen sich riesige Märkte erschließen.

Dasselbe gilt für den Uber-Konkurrenten Lyft, für Airbnb oder für Pinterest, die ebenfalls zu den Technologie-Unicorns gezählt werden. Seit der Jahrtausendwende hat die Globalisierung massiv zugenommen. All diesen Unternehmen steht ein weltweites Marktpotenzial offen.

Das spiegelt sich in den Börsenbewertungen wider. Dass es dabei vor allem um Wachstum und Umsatz geht, sollte Anleger nicht schrecken. Die Firmen erschließen ihren Markt um jeden Preis, um potenzielle Konkurrenten auf Abstand zu halten. Gewinne spielen da erst einmal eine Nebenrolle.

Wie so etwas funktioniert, zeigt der Fall Amazon. Die Firma verzichtete viele Jahre lang zugunsten des Umsatzwachstums auf schwarze Zahlen. Da sich der Wert eines Unternehmens aber als Barwert der zukünftigen Zahlungsströme errechnet, entscheidet nicht die Gegenwart, sondern die langfristige Erwartung an künftige Umsätze und Erträge. Ist sie hoch, rechtfertigt dies auch eine hohe Börsenbewertung. Amazon macht erst seit sehr kurzer Zeit Gewinn, aber der Aktienkurs steigt schon lange, weil die Investoren diese Entwicklung antizipiert haben und die überragende Marktstellung des Unternehmens honorieren. So ist das auch bei den Tech-Unicorns. 

Nehmen Sie Uber. Zuletzt kletterten Umsatz und Bruttobuchungen um 43 und 45 Prozent, während der Verlust um 15 Prozent zurückging. In den kommenden Jahren erwarte ich ein ähnlich dynamisches Wachstum, da noch lange nicht alle Potenziale ausgeschöpft sind. Vor allem aber sind Uber und Lyft in einem klassischen „Winner­takes-it-all-Markt“ tätig. Gelingt es, alle anderen Wettbewerber durch aggressive Niedrigpreispolitik aus dem Markt zu drängen, besteht die realistische Chance, dass der Gewinner eine echte „Cash-Cow“ wird. Pinterest wiederum weist nicht nur ein sehr beständiges Umsatzwachstum von knapp 60 Prozent auf, sondern bietet vor allem auch die Fantasie, dass die Firma wie schon WhatsApp und Instagram künftig von Facebook übernommen wird.

Auch wenn die Unicorns teuer erscheinen – in einem Umfeld ultraniedriger Zinsen sind viele Anleger bereit, höhere Preise für Anteile an Firmen mit starkem Wachstum zu bezahlen. Und dabei auch höhere Risiken einzugehen als in der Vergangenheit. Dass dies die Bewertungen nach oben treibt, überrascht mich nicht. Vorsicht wäre meiner Ansicht nur geboten, wenn die Zinsen plötzlich deutlich steigen würden. Aber das wäre dann für Tech-IPOs genauso wie für alle anderen Anlagen ein Grund zur Sorge. Eine derartige Entwicklung sehe ich derzeit aber nicht.

Wer heute bei Uber, Lyft, Airbnb und Pinterest nicht kauft, läuft Gefahr, den nächsten Überflieger an der Börse zu verpassen. Ich kann nur raten, diese Einhörner dem Portfolio als Paket beizumischen. Langfristig werden vielleicht nicht alle Wetten aufgehen. Aber per Saldo wird sich das auf jeden Fall auszahlen. ®

Foto: Tom Kleineberg

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