Einhörner haben Fabelbewertungen.

Print Friendly, PDF & Email

pw einhornglas 26042019 final

„In den Kursen der Tech-Unicorns steckt sehr viel Hoffnung“, analysiert Hendrik Leber von Acatis. Hoffnung ist beim Investieren aber meist ein schlechter Ratgeber. Deshalb sollten Anleger ihre Finger davon lassen.

Virtuelle Geschäftsmodelle dominieren unsere Welt. Firmen, die kein Auto besitzen, sind mehr wert als alle Mietwagenfirmen der Welt zusammen. Firmen, die kein einziges Hotel besitzen, sind mehr wert als große Hotelketten.

Kann das vernünftig sein? Tatsächlich bringen diese modernen virtuellen Firmen auf sehr effiziente Weise Kunden mit Produktanbietern zusammen. So wird nicht mehr ins „Leere“ hineinproduziert, die Kapazitäten werden effizienter genutzt, der Kunde besser zufriedengestellt.

Dies bedeutet aber nicht, dass ich um jeden Preis dort investieren würde. Schon zur New-Economy-Zeit haben mich die sehr hohen Bewertungen von Zukunfts- oder Hoffnungstiteln gestört. Tatsächlich wurden diese dann häufig erst zehn Jahre später durch die ökonomische Wirklichkeit bestätigt. Und es gab viele zweit- oder drittklassige Trittbrettfahrer unter den Börsenkandidaten, die heute nicht mehr existieren, sei dies EM.TV oder Intershop. The winner takes it all – nur wenige haben überlebt.

Anleger sollten noch zwei weitere Dinge beachten: Zum einen bedeutet jeder Börsengang, dass der bisherige Eigentümer Kasse machen möchte und nicht investiert bleiben will. Wenn es für den bisherigen Eigentümer aber nicht gut genug ist, warum sollte es dann gut sein für mich?

Zum anderen machen einige der aktuell hoch gehandelten Börsenkandidaten hohe Verluste. Eine der profitabelsten Börsenregeln ist es aber, nur in Firmen zu investieren, die Gewinne machen. Warum also sollte ich einer verlustbringenden Firma Geld geben und darauf hoffen, dass sich alles zum Guten wendet? Hoffnung ist ein schlechter Ratgeber für das Investieren. „Show me the numbers“, ist eines meiner Mottos. Ich möchte, dass die Firmen, in die ich investiere, Geld verdienen. Damit verpasse ich zwar manche tolle Chance, falls aus Verlusten Erträge werden. Aber ganz ehrlich – wenn dieser tolle Turnaround sichtbar wird, kann ich immer noch einsteigen – ein wenig zu spät vielleicht, aber mit sehr viel weniger Risiko.

Jeder Investor sollte sich zwei Fragen stellen: Erstens, wird die Firma, die jetzt an die Börse geht, ihre dominante Marktstellung in den kommenden Jahrzehnten ausbauen und verteidigen können? Die Lebensdauer der Geschäftsmodelle verkürzt sich laufend, wie zahlreiche Beispiele zeigen. Erinnern Sie sich noch an Yahoo!, Lycos, AltaVista, Bing oder AOL? Der Wettbewerb ist in diesen Märkten mörderisch. Schon kleine Schwächen im Geschäftsmodell oder minimale Verbesserungen bei den Wettbewerbern können Marktführer an die Seite drängen. Wenn ich nicht weiß, ob Uber oder Lyft gewinnt, Pinterest oder Instagram, Twitter oder WhatsApp, dann habe ich schon verloren.

Die zweite Frage lautet: Wird das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell so viel Geld verdienen, dass dies den heutigen Börsenkurs rechtfertigt? Ich bin da skeptisch. Die aktuellen Börsenkandidaten leben davon, dass sie Kunden kaufen, indem sie ihr Angebot unter dem fairen Marktpreis abgeben. Wer 100 Euro Gegenwert für 95 Euro anbietet, kann sich vor Nachfrage natürlich nicht retten.

Für mich ist Booking.com ein guter Referenzmaßstab. Die Firma hat einen Börsenwert von rund 80 Milliarden Dollar, einen operativen Gewinn nach Berücksichtigung von Steuern von rund vier bis fünf Milliarden Dollar pro Jahr und wächst mit etwa 15 Prozent pro Jahr. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt knapp unter 20. Warum sollte ich also die unprofitable Uber mit fast 80 Milliarden Dollar bewerten, wenn ich die hochprofitable Booking.com zum gleichen Wert bekommen kann?

Nur wenn Sie beide oben gestellten Fragen eindeutig mit Ja beantworten können, sollten Sie heute investieren. Alles andere ist hoffnungsbasierte Geldanlage – Hoffnung, dass der Hype sich weiter verstärkt, Hoffnung, dass ein Dummer die Aktien später zu noch höheren Kurse kauft, Hoffnung, dass ein Aufkäufer diese Firma übernehmen will.

Es gibt heute ausgezeichnete zukunftsorientierte und schnell wachsende Firmen mit hohem Cashflow. Dazu zählen Unternehmen wie Alphabet, Facebook, Alibaba oder Booking.com. Auf die neu an den Markt kommenden Verlustbringer kann ich deshalb gerne verzichten. Lassen auch Sie besser die Finger davon. ®

Foto: Tom Keineberg

Pin It

Verlagsanschrift

Private Wealth GmbH & Co. KG
Südliche Auffahrtsallee 29
80639 München

Kontakt

  • Tel.:
    +49 (0) 89 2554 3917
  • Fax:
    +49 (0) 89 2554 2971
  • Email:
    iDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Soziale Medien

         

   email