How to invest it


„Es geht um die Sache.“

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Good Energies. „Das Leben“, sagt Marcel Brenninkmeijer, „ist zu kurz, um Dinge zu tun, hinter denen man nicht vollständig steht.“ Deshalb kämpft der Niederländer hartnäckig und ausdauernd gegen das größte Problem der Menschheit: den Klimawandel.

„Ob ich niedergeschlagen bin?“ Marcel Brenninkmeijer, Spross der Textildynastie C&A, Gründer der Investmentfirma Good Energies und der Good Energies Foundation, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der Solarfirma Q-Cells und Solarpionier, zögert

keinen Moment:

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Neue Wege.

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Stiftungen in Not. Die Zinserträge reichen nicht mehr aus, um die laufenden Ausgaben einer Stiftung zu decken und ihren Zweck zu erfüllen. „Vergessen Sie, wie Stiftungen in der Vergangenheit angelegt haben“, raten Hermann Wonnebauer und Horst Dick vom private-wealth-Partner ZKB Österreich, „zukünftig muss eine Stiftung bei der Verwaltung des Vermögens die ganze Bandbreite ihrer vefügbaren Möglichkeiten nutzen.“

Ein bisschen fühlt sich Hermann Wonnebauer, Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, an das Gedicht von den Heinzelmännchen zu Köln erinnert: „Wie war es für Stiftungen doch vordem mit Staatsanleihen so bequem.“

Bis Mitte 2008 brachten zehnjährige Bundesanleihen Kupons von mehr als vier Prozent. Stiftungen konnten den Großteil ihres Geldes risikolos dort halten. „Das reichte für die laufenden Ausgaben und die Erfüllung des Stiftungszweckes“, erklärt Horst Dick, Leiter des Private Banking Teams der Zürcher Kantonalbank Österreich AG: „Die Stiftungen wussten genau, wann welche Zinszahlungen anstehen, und so ließ sich errechnen, welchen Teil des Ertrags sie wann benötigten. Aufgrund der geringen Kurschwankungen von Bundesanleihen gingen sie damit praktisch keine Risiken ein.“ Blieb vom Ertrag etwas übrig, konnte dieses Kapital in renditeträchtigere und riskante Anlagen ge­steckt werden. Gelang es so, eine  Zusatzrendite zu erzielen, dann war das die „Butter auf dem Brot“, wie Wonnebauer sagt. Ging es schief, blieb immer noch genug, um die Verpflichtungen zu erfüllen und den Kapitalstock zu erhalten.

Mittlerweile werden immer mehr dieser wunderbaren Papiere fällig. Und eine Wiederanlage ist nur noch zu ein bis 1,5 Prozent pro Jahr möglich. „Nach Abzug der Inflationsrate reicht das gerade aus, um den realen Wert des Stiftungskapitals zu erhalten“, erläutert Dick, „für den Stiftungszweck bleibt nichts übrig. Immer mehr Stiftungen können heute nichts bewirken.“

Das, erklärt Wonnebauer, sei die schlechte Nachricht. Die Gute: „Stiftungsvorstände können wieder handlungsfähig werden, wenn sie komplett umdenken. Denn Stiftungen haben bei ihrer Geldanlage sehr viel mehr Möglichkeiten, als sie glauben.“

In der Regel sei in den Anlagerichtlinien lediglich der Wortlaut der Gesetzesvorgabe vermerkt. Und dieser besage, dass die Stiftung langfristig für den Erhalt ihres Vermögens Sorge zu tragen habe. „Dies sagt aber nichts darüber aus, ob damit der reale oder der nominale Kapitalerhalt gemeint ist, welche Anlageklassen dafür eingesetzt werden dürfen oder in welchem Zeitraum genau das Vermögen erhalten bleiben muss“, erklärt Dick. Anders formuliert: Wer die Anlagerichtlinien entsprechend adjustiert, hat sehr viel mehr Freiraum beim Management des Stiftungsvermögens.

„Im ersten Schritt sollte eine Stiftung deshalb ihre eigenen Anlagerichtlinien definieren und diese in der Stiftungssatzung verankern“, rät Wonnebauer. Dort können zum Beispiel alle Anlageklassen definiert werden, die bei der Kapitalanlage grundsätzlich infrage kommen sollen. Das könne, ohne dass es mit den gesetzlichen Vorgaben kollidiere, durchaus über den normalen Mix aus Anleihen, Aktien und Cash hinausgehen. „Sogar die Beimischung von Hedgefonds oder Zertifikaten ist möglich.

Gerade im aktuellen Umfeld ist es von Vorteil, wenn eine Stiftung die Möglichkeit hat, in vielen verschiedenen Anlageklassen Renditechancen wahrzunehmen und breit zu streuen, um die Risiken im Portfolio zu reduzieren“, erläutert der ZKB-Vorstand weiter.  

„Idealerweise werden in diesem Schritt auch Bandbreiten definiert, in denen sich die einzelnen Anlageklassen bewegen dürfen“, ergänzt Dick. Es diszipliniere einfach, wenn zum Beispiel die Aktienquote auf null bis 20 Prozent festgelegt würde. „Sie sind dann nicht mehr in der Gefahr, sich in guten Jahren von zu viel Euphorie wegtragen zu lassen“, erläutert Dick. Je nach Marktumfeld könne dann innerhalb der vorgegebenen Bandbreite im Portfolio über- oder untergewichtet werden.

Am wichtigsten sei aber die Antwort auf die Frage nach dem Zeitraum für den Kapitalerhalt. „Steht zum Beispiel ein Zeitraum von fünf Jahren in den Anlagerichtlinien, lässt das einer Stiftung bei der Verwaltung ihres Vermögens sehr viel mehr Freiraum, ohne dass dies der gesetzlichen Vorgabe wiederspricht. Das ist auch verständlich, schließlich hat eine Stiftung nur so ausreichend Zeit, um zwischenzeitliche Verluste wieder wettzumachen“, sagt Dick.

Grundsätzlich hat die genaue Dokumentation der Anlagestrategie in der Stiftungssatzung mehrere Vorteile. Zum einen bietet sie Sicherheit für den Stiftungsvorstand und zugleich Transparenz für den Begünstigten der Stiftung. Zum anderen können so renditeträchtigere, aber eben auch schwankungsanfälligere Anlageklassen beigemischt werden. Ziel muss es dann sein, den langfristigen Kapitalerhalt zu sichern und die zwischenzeitliche Volatilität in den Griff zu bekommen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die ZKB beispielsweise mit einem besonderen Wertsicherungskonzept. „Wir messen bei jeder infrage kommenden Anlagekategorie, wie viel sie innerhalb eines Handelstages maximal verlieren kann, und mischen die einzelnen Asset-Klassen so, dass das Portfolio eine bestimmte Verlustgrenze nicht überschreitet.“ Bei Verlusten wird dann sukzessive in sichere Anlagen umgeschichtet.

Ähnliche Modelle sind schon länger am Markt bekannt, haben aber einen großen Nachteil. Ist die starre Verlustuntergrenze erreicht, sitzt die Stiftung in unrentablen sicheren Anlagen fest und hat keine Chance, eine mögliche Erholung am Aktienmarkt mitzumachen. „Deshalb vereinbaren wir mit unseren Kunden eine flexible Verlustuntergrenze“, erläutert Wonnebauer, „wir verfügen so über ein zusätzliches Risikobudget und können dies einsetzen, wenn der Aktienmarkt wieder nach oben dreht.“

Ein anderer Weg, extreme Kurseinbrüche am Aktienmarkt zu vermeiden, besteht in der genauen Beobachtung der Volatilität, also der Stärke der Kursschwankungen. Steigt die Volatilität jeweils am Ende einer Woche über ein bestimmtes Maß hinaus, reduzieren die Experten den Aktienanteil. Ein solches Signal lieferten zum Beispiel der deutsche und der europäische Aktienmarkt Ende Juli 2014. „Wir haben daraufhin die Positionen in diesen beiden Märkten spürbar reduziert.“

In der Folgewoche ging es für den DAX dann auch tatsächlich um rund 500 Indexpunkte nach unten. „Grundsätzlich wollen wir so vermeiden, die ganz großen Fehler zu machen. Die Kunst der Anlage ist es eben, nicht oder nur in geringem Maße investiert zu sein, wenn es am Aktienmarkt richtig runter geht“, erläutert Dick.
Dass sich damit trotzdem nicht in jedem Kalenderjahr unter dem Strich ein ga­rantierter positiver Ertrag erzielen lässt, ist auch den Experten klar. „Realistisch müssen Sie eine Anlagedauer von mindestens drei bis fünf Jahren ansetzen, um mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das Kapital zu erhalten und gleichzeitig eine jährliche Rendite im Bereich zwischen drei und vier Prozent zu erzielen“, macht Dick klar: „Aber das genügt ja auch völlig, um den Anforderungen des Gesetzgebers an den langfristigen Wert­erhalt des Kapitals einer Stiftung zu entsprechen.“

Das also ist die neue Welt der Kapitalanlage für Stiftungen. Flexibilität, mehr Komplexität, mehr Risiko, mehr Aktien, dabei aber auch ein konsequenter Risikomanagementprozess. „Dann wird es auch künftig möglich sein, ausreichende Erträge zu erwirtschaften“, ist Dick sicher. Nur müssten das viele Investoren und Stiftungsvorstände eben erst noch verinnerlichen. Fast schon verzweifelt warten sie offenbar darauf, dass die Zinsen wieder steigen. „Darauf würde ich mich nicht verlassen“, meint Wonnebauer, „wissen Sie, wie das Gedicht ausgeht: ,Ach, dass es noch wie damals wär! Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!‘“    ®

Warten auf den Boom.

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Start-ups. Selten wurden im Technologiebereich in Deutschland so viele Firmen gegründet wie heute. Doch irgendwie springt der Funke nicht auf die Investment-Community über. Gert Köhler, seit 30 Jahren im Geschäft für Wagnisfinanzierung, über Hindernisse und Hoffnungen.

Venture Capital ist ein wunderbares Geschäft. Investoren finanzieren kleine Start-ups in spannenden Technologiebereichen, entwickeln sie weiter und schaffen so Substanz. Irgendwann, wenn der Preis stimmt, verkaufen sie diese dann mit Faktor zehn. Oder zwanzig.

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„Die echte Euro-Krise kommt erst noch.“

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Ach, Europa. Vor zwei Jahren warnte Professor Rüdiger Pohl vor einem Paradigmenwechsel in der Europäischen Zentralbank. Seitdem hat Super-Mario Draghi das Rad noch weiter gedreht. „Irgendjemand“, meint Pohl heute, „sollte vielleicht einmal die Frage stellen, nach welchen Regeln die EZB künftig spielen soll und darf.“

Als Professor Rüdiger Pohl, ehemaliger Wirtschaftsweiser und renommierter Geldpolitiker, vor zwei Jahren mit private wealth über die Politik der Europäischen Zentralbank sprach, war der Ökonom geradezu fassungslos. „Der Paradigmenwechsel der EZB erschüttert mich. Mit dem auf den ersten Blick vernünftigen Argument, wir müssten in die Welt der unsicheren Finanzmärkte Stabilität bringen, haben wir nicht nur das Eingangstor zu einer bedenklichen Staatsfinanzierung geöffnet. Wir haben auch dafür gesorgt, dass die Staaten ihre Politik der Verschuldung in den nächsten  Jahren weiter betreiben können.“Seitdem hat sich die Lage in Euroland allerdings deutlich entspannt. Hat EZB-Präsident Mario Draghi vielleicht doch alles richtig gemacht?

private wealth Herr Professor Pohl, ist es nicht positiv, dass die EZB die Euro-Krise entschärft hat?
Professor Rüdiger Pohl Tatsache ist, dass nun niemand mehr mit dem Ausstieg eines Landes aus dem Euroraum rechnet. Da ist wirklich Ruhe eingetreten. Aber diese Eurokrise war ja nie eine Eurokrise. Sie war immer eine Staatsschuldenkrise. Diese damit zu überwinden, die Staatsverschuldung immer leichter zu machen, ist ein Widerspruch in sich. Wenn die Analyse richtig ist, dass wir von der hohen Staatsverschuldung runter müssen, dann ist die extrem expansive Geldpolitik kontraproduktiv. Bis in die jüngste Zeit hat die Staatsschuldenquote in den Krisenstaaten weiter zugenommen. Das ist problematisch.

pw Mario Draghi sagt, es gehe ihm derzeit vor allem darum, der Deflationsgefahr im Euroraum zu begegnen.
RP Diese Gefahr wird meines Erachtens übertrieben dargestellt. Es hat ja nichts mit Deflation zu tun, wenn der Preisindex in einem Jahr mal einen negativen Wert aufweist. Das hatten wir in Deutschland in den 1980er-Jahren auch schon. Deflation bedeutet, dass die Erwartungen eines kumulativen Preisrück­ganges entstehen. Und diese Erwartungen sehe ich einfach nicht.

pw Vielleicht möchte Draghi auch helfen, die Konjunkturschwäche zu überwinden?RP Aha. Die Geldpolitik ist nun schon sehr lange extrem expansiv. Aber sie wirkt doch gar nicht. Mich erinnert das an den alten Satz: Du kannst die Pferde zur Tränke führen, aber nicht zum Saufen zwingen. Das ist die Situation. Statt das zu akzeptieren, dreht die EZB den Geldhahn aber nun immer noch weiter auf. Warum eigentlich, wenn sie doch sehen, dass es nicht wirkt?

pw Sagen Sie es uns.
RP Die einzig plausible Antwort lautet, dass die Notenbank alles tut, um die Staatsverschuldung so billig wie möglich zu machen. Das ist aber nicht Aufgabe der Notenbanken. Der vor zwei Jahren von mir beschriebene Paradigmenwechsel in der Geldpolitik hat sich seither übrigens noch stärker akzentuiert. Nun denkt die Notenbank sogar darüber nach, selektiv tätig zu werden. Wenn das passiert, müssen wir völlig neu über Geldpolitik nachdenken.

pw Wo ist das Problem?
RP Geldpolitik soll grundsätzlich global wirken. Und eben nicht in die einzelnen Marktsegmente hinein. Genau das macht die EZB aber, wenn sie gezielt Refinanzierungsgeschäfte zur Stützung bestimmter Formen der Kreditvergabe anbietet. Ich empfinde das nicht mehr als konzeptionell begründet. Sondern als eine Art Ad-hoc-Politik. Das Motto lautet: Wenn das eine Instrument nicht funktioniert, finden wir immer noch ein anderes. Dann können wir auch gleich Staatsanleihen aufkaufen und alle Risiken in Europa übernehmen. Das ist eine Art Geldpolitik ohne Grenzen. „Unkonventionelle Maßnahmen“ klingt ja immer gut, weil da einer unbürokratisch rangeht. Aber es bedeutet eben auch: „Mich schert überhaupt nicht, wie die bisherige Ordnung ist. Ich mache einfach etwas anderes.“ Ich finde das bedenklich.

pw Müsste Mario Draghi gebremst werden?
RP Ich frage mich: Angenommen, man wäre dieser Meinung, wer macht das denn dann eigentlich? Draghi beruft sich immer darauf, dass er im Rahmen seines Mandates agiert. Doch unter der Begründung „Stabilisierung der Inflationsrate“ und „Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Transmissionsmechanismus“ lässt sich alles subsumieren. Ich habe ja durchaus Verständnis dafür, dass die Frage auftaucht, wie Zentralbanken heute ausgestattet sein müssen, um auch Stabilitätsproblemen an den Finanzmärkten zu begegnen. Nur müssen wir das diskutieren. Was hier abläuft, ist eine Art Selbststrukturierung der Zentralbanken.

pw Immerhin scheint es zu funktionieren. Unternehmen können sich an den Kapitalmärkten günstiger verschulden. Die Zinsabstände bei Papieren verschiedener Schuldner sind zurückgegangen.
RP Aber woher kommt das denn? Entweder, die Finanzmärkte sehen, dass die realwirtschaftliche Anpassung der Krisenländer in vollem Gange ist. Und belohnen das mit niedrigeren Zinsen. Das wäre gut. Oder die Finanzmärkte sind durch die Zusage von Draghi, alles zu tun, was nötig ist, so eingelullt, dass ihnen das Risikobewusstsein abhanden gekommen ist. Das wäre nicht so gut. Ich neige zu letzterer Interpretation

pw Worin liegen die Risiken dieser zweiten Interpretation?
RP Investoren werden bei der Verwendung von Kapital nicht mehr auf die Rentabilität achten, weil sich ja alles rentiert, das einen positiven Ertrag erwarten lässt. Es kommt zu einer massiven Verzerrung in der Kapitalallokation. Der zweite Punkt ist: Sparen wird unattraktiv. Das wird bei einer Bevölkerungsstruktur, die demografisch überaltert ist und Sparkapital fürs Alter braucht, langfristig ein Riesenproblem werden.

pw Könnte das nicht der Trick sein? Wer nicht spart, investiert und konsumiert. Und schon ist der erhoffte Aufschwung da?
RP Das ist altes Denken. Der alte Konjunkturzyklus war ein Zyklus der Nachfrage. Heute ist unser Problem jedoch eine Strukturanpassung in einem Großteil der Eurozone. Deshalb ist der Aufschwung auch nicht mit einem Nachfragekonzept zu schaffen. Das bekommen Sie nicht durch Liquidität und billige Staatsverschuldung hin, sondern nur durch Strukturreformen. Wenn Sie diese jetzt verhindern, werden wir nie mehr einen höheren Wachstumspfad bekommen. Einen unfruchtbaren Boden können Sie gießen, so viel Sie wollen. Es wird trotzdem nicht grün werden.

pw Struktur braucht Zeit. Sind die Politiker einfach auch zu ungeduldig?
RP Die Zeit muss man sich nehmen. Es bleibt ja nichts anderes übrig. Konjunktur können Sie beschleunigen. Einen Strukturnachteil aber nicht schnell bereinigen. Ich kann es nicht ändern. Wer jahrelang die falsche Struktur aufgebaut hat, muss sich nicht wundern, wenn er nicht innerhalb von ein, zwei Jahren zurück in die Erfolgsspur kommt.

pw Struktur hat auch etwas mit Löhnen zu tun. Wie bewerten Sie es, dass sich nun die Bundesbank für höhere Löhne in Deutschland einsetzt?
RP Ich halte das für eine Kommunikationspanne. Die Tarifparteien brauchen keinen Rat der Notenbank.

pw Ein paar Hoffnungsschimmer gibt es. Die Leistungsbilanzen in den Krisenländern haben ins Plus gedreht. Zeigt das nicht, dass diese in Sachen Wettbewerbsfähigkeit auf dem richtigen Weg sind?
RP Ganz ohne Frage. Es ist ja nicht so, als ob nichts geschehen wäre. Aber wir dürfen nun nicht nachlassen. Mein Punkt ist: Wenn die Eurozone nicht langfristig zu einer Umverteilungszone werden will, müssen alle Mitglieder weiter strukturell etwas tun. Die Politik der EZB verhindert das. Sie sorgt mit dafür, dass sich Europa in die falsche Richtung entwickelt.  Denn sie zementiert falsche realwirtschaftliche Strukturen.

pw Ist die Entspannung in Euroland dann nur temporär?
RP Ich will jetzt ja nicht übertreiben. Aber die Eurokrise war ja, wie gesagt, keine Eurokrise, sondern eine Schuldenkrise. Die echte Eurokrise kommt meines Erachtens erst noch. Sie wird eine Krise der Ausgestaltung des Euro-Raumes sein und möglicherweise mehr Unruhe in Europa erzeugen, als wir es uns heute vorstellen können.

pw Worum wird es da konkret gehen?
RP Ich nenne Ihnen ein paar Stichworte: europäische Wirtschaftsregierung mit Mehrheitsentscheidung. Jeder kann sich denken, was eine Mehrheitsentscheidung nach Köpfen bedeutet – Umverteilungsmechanismen werden gestärkt, der Weg für Euroanleihen bereitet, um die Risiken völlig zu vergemeinschaften. Das ist dann eine ganz andere Eurozone. Darüber, dass wir einmal eine No-Bail­out-Klausel in Europa vereinbart haben, spricht doch heute schon niemand mehr. Ich würde jedem, der sich mit der Eurokrise beschäftigt, raten, nicht nur die letzten Jahre zu betrachten. Sondern zu fragen: Wie wird diese Eurozone in fünf bis zehn Jahren eigentlich aussehen? Und: Wollen wir das wirklich? Nur dass ich da richtig verstanden werde: Ich bin für die europäische Integration. Aber ich bin gegen die bedingungslose Ausweitung. Und gegen den starken Trend zur Zentralisierung. Das halte ich nicht für gut.

pw Bei der Europawahl haben sich alle Parteien gegen Zentralisierung ausgesprochen. Ist das Problem nicht erkannt?
RP Aber die Realität  sieht doch anders aus. Step bei step und peu à peu schiebt uns die Politik des Pragmatismus und der kleinen Schritte immer weiter in diese Richtung. Wir stellen fest: „Ach da ist ein Problem – machen wir mal den ESM. Und da ist noch ein Problem, machen wir eine stärkere Liquiditätsversorgung.“ Aus der Fülle von Einzelentscheidungen entsteht eben auch ein Trend. Und darüber sollten wir uns deutlicher verständigen.

pw Würden Sie sagen, die Bevölkerung ahnt gar nicht, wohin die Reise geht??
RP Das ist mein Eindruck. Wenn Sie jetzt eine Volksabstimmung über eine Haftungsunion machen würden und 90 Prozent wären dafür, dann würde ich sagen: In Ordnung, die Mehrheit möchte das. Aber das ist ja nicht der Prozess. Die Haftungsunion wird einfach faktisch eingeführt. Und dann gibt es Weiterungen. Muss der ESM nicht auch noch Banken rekapitalisieren? Natürlich nicht, heißt es zunächst. Aber dann  vielleicht doch. Ich habe schon den Eindruck, dass diejenigen, die in diese Richtung gehen, die öffentliche Diskussion gar nicht so wollen. Die agieren unter der Tarnkappe und plötzlich wundern sich alle, was denn da für ein Europa entstanden ist.

pw Was können wir dagegen tun?
RP Es geht doch immer darum, ob wir einen weiteren Schritt gehen. Oder eben nicht. Auf die Frage: „Soll der ESM Banken rekapitalisieren?“, können wir Ja oder Nein sagen. Ich glaube, wir müssen das Bewusstsein in der öffentlichen Diskussion schärfen, dass es wichtig ist, die kleinen Schritte zu unterbinden, wenn wir den Zug in Richtung Umverteilungsunion stoppen wollen.

pw Einer für alle, alle für einen – ist das nicht der erklärte Endpunkt in einer politischen Union Europa?
RP Ich kann mir, ehrlich gesagt, keine politische Union mit 28 oder mehr Mitgliedern vorstellen. Die Unterschiede in den Bevölkerungen, in der Mentalität, in der geschichtlichen Perspektive, in den Erwartungen – sie sind einfach zu groß. Glauben Sie wirklich, dass eine europäische Zentrale beispielsweise die Haushalte der Teilländer beurteilen – und gegebenenfalls Streichungen vornehmen kann? Da habe ich meine Bedenken.

pw Trotzdem bewegt sich Brüssel unverdrossen in diese Richtung. Ist ein Zurück überhaupt noch möglich?
RP Formulieren Sie es doch anders. Ein Zurück ist immer schlecht. Es geht nicht um ein Zurück, sondern um ein Nichtmehr-Weiter in diese Richtung. Aber: Noch haben wir ja nicht die Finanzunion. Noch haben wir ja nicht die Euro-Anleihen. Noch wird der ESM ja nicht mit neuen Aufgaben befrachtet oder sein Volumen vergrößert. Noch hat die EZB die Risiken nicht alle in der Bilanz. Noch hat sie mit dem Ankaufsprogramm für Staatsanleihen nicht angefangen. Das sind ja nur Optionen. Wir müssen dafür kämpfen, dass nicht noch weitere Schritte in diese Richtung gemacht werden.    ®

„Alles, was ich wissen muss, sagt mir der Markt.“

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Seit 41 Jahren verwaltet der Liechtensteiner Alfons Cortés das Vermögen einiger weniger Kunden. Sein Credo: „Ich prognostiziere nicht. Ich kümmere mich nicht um Erträge oder Wachstumsraten. In den Preisen an den Märkten steckt alles, was die Gesamtheit aller Marktteilnehmer denkt, fühlt und weiß. Es genügt, dies präzise zu analysieren, um erfolgreich zu sein.“ Wie funktioniert dieser ungewöhnliche Ansatz?

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„Der Anstoß für Investments kommt immer aus unserem Netzwerk.“

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Seit Andreas und Thomas Strüngmann ihr Unternehmen Hexal 2005 für 5,6 Milliarden Euro an Novartis verkauft haben, gehören die beiden Brüder zu den wichtigsten Investoren im deutschen Biotech-Sektor. Über ihre Beteiligungsgesellschaften Santo und Athos halten sie Anteile an elf Biotech-Firmen – unter anderem an Ganymed und Immatics.

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„Ich wollte einfach etwas Sinnvolles tun.“

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Nach 20 Jahren in der Textilindustrie suchte Marcel Egmond Brenninkmeijer eine neue Lebensaufgabe. Also investierte er in die Solarindustrie. Heute ist seine Firma Good Energies rund fünf Milliarden Euro wert. Und das ist wohl erst der Anfang einer unglaublichen Geschichte.

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