Heavy Metal

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Unternehmertum. Marc Weyersberg war früher ein ehrgeiziger Angestellter, heute ist er ein ebensolcher Unternehmer. Er verkauft sein Kupferkochgeschirr ‚handmade in Germany‘ bis nach Korea. All das geschah aufgrund „der Krise seines Lebens“.

„Ich war selbst fast schon ein gusseiserner Topf“, sagt Marc Weyersberg. Ohne jede Ironie. Und illustriert damit seine starke Identifikation mit seinem früheren Arbeitgeber. Für Le Creuset, einen französischen Produzenten gusseiserner Töpfe, hatte der studierte Vertriebswirt neun Jahre lang den deutschen Vertrieb aufgebaut. Doch es gab ein Problem. Der heute 48-Jährige war ein Verfechter des traditionellen Fachhandels, Le Creuset hingegen wollte eigene Outlets und höhere Wachstumsraten.

Die aus diesem Konflikt folgende Kündigung 2008 war zwar absehbar gewesen. Trotzdem hat sie Weyersberg tief verunsichert. „Das darf einem nicht passieren, vor allem mir nicht. Da hat man die ganze Zeit geackert wie ein Gaul und dann wird man entsorgt.“

Weyersberg will in der Haushaltswarenbranche bleiben, „das war doch das Einzige, was ich konnte“. Es folgen zahlreiche Bewerbungen bei mittelständischen Firmen. Doch das Gefühl, „kein kleines Rad im Getriebe“ mehr sein zu wollen, verdichtet sich nach jedem weiteren Vorstellungsgespräch. Schließlich sucht er im Herbst 2008 Hilfe beim Stuttgarter Karrierecoach Thomas Götze. „Der ließ mich reden, sagte nicht viel. Es war eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.“

Das Fazit: Bewerbungen soll Weyersberg vergessen, lieber seine eigenen „Hirngespinste“ ausleben. „Ich hatte meine Philosophie, konkrete Gedanken, wie sich eine hochpreisige Marke aufbauen ließ. Das Einzige, was mir noch fehlte, war die Marke. Ach ja – und das notwendige Kapital, um eine zu kaufen.“

In dieser Zeit wird die Stuttgarter Firma Krafft-Kochgeschirre zum Verkauf angeboten. Der Besitzer, ein Handelsvertreter für exklusive Haushaltwaren, hatte nebenbei eine eigene Produktion von Kupferkochgeschirr aufgebaut. Weyersberg ist interessiert. Doch die Verhandlungen laufen zäh.

Dann kommt die Wirtschaftskrise 2008. „Außer mir gab es keine Interessenten mehr, Krafft musste relativ günstig verkaufen.“ Einen mittleren sechsstelligen Betrag habe er bezahlt. Für knapp 150000 Euro Umsatz.

Zur Finanzierung ist Weyersberg allerdings auf einen Bankkredit angewiesen. Er zeigt seinen Businessplan für die avisierte hochpreisige Nischenmarke. Doch alle Banken winkten ab: „Um Gottes willen, schauen Sie sich doch den Branchenindex an.“ Die deutsche Haushaltswarenbranche ist klein und fragmentiert, es gibt vor allem Firmen mit Umsätzen zwischen einer und zehn Millionen Euro. Wo ist da der Platz für noch einen Nischenanbieter?

Erst die Stadtsparkasse glaubt an das Projekt. Und der Werber Michael Wirk­ner, ein Freund von Weyersberg. Bis heute ist er als stiller Teilhaber mit 48 Prozent an der Manufaktur beteiligt. Besonders wichtig ist es dem Jungunternehmen nun, seinem „Baby“ den eigenen Namen zu geben. Seit August 2009 heißt Krafft-Kochgeschirre nun also Manufaktur Weyersberg.

Mit dem Namen ändert sich auch die Strategie. „Herr Krafft hatte die Firma zwar als Manufaktur betrieben, aber er hat sie nicht nach außen als Manufaktur verkauft.“ So war das Unternehmen Krafft damals zum Beispiel in der Nähe des Stuttgarter Flughafens in einer umgebauten Tennishalle untergebracht. „Das war fürchterlich anzusehen.“

Die Suche nach einem repräsentativeren Standort führt Weyersberg zunächst durch allerlei ehemalige Autohäuser in der Provinz. 2011 kommt das passende Angebot – Schloss Weitenburg in Starzach oberhalb des Neckars, eine Autostunde südlich von Stuttgart.

Der Schlossherr Max von Raßler sucht einen Mieter. Weyersberg übernimmt ein Nebengebäude für sein Büro, richtet einen kleinen Showroom ein und nutzt frühere Stallungen als Lager für seine Produkte. „Das Schloss hilft mir, es verkauft die Töpfe mit.“

Zusätzlicher Rückenwind kommt von einer unerwarteten Seite. Die Zahl der Hobbyköche wächst kontinuierlich, und „die sind nicht preissensibel und wollen nur das Beste“. Und das Beste ist eben – Kupfer, der Porsche unter den Materialien. „Es leitet fünfmal schneller als Eisen und 20-mal besser als Edelstahl“, erklärt der Unternehmer, „und die Hitze verteilt sich sekundenschnell über den gesamten Korpus im Inneren. Selbst auf kleinste Temperaturänderungen reagieren diese Töpfe und Pfannen unmittelbar. Fisch, Eierspeisen, knifflige Saucen gelingen perfekt.“

Marc Weyersberg packt die vorhandene Ware in sein Auto und klappert damit den Fachhandel im deutschsprachigen Raum ab. Hilfreich ist der gute Kontakt zum Händlernetzwerk aus Le-Creuset-Zeiten. „Ich wurde nun als ebenbürtig angesehen, nicht mehr als Vertriebler, mit dem um den Preis gefeilscht wird.“

Das Konzept funktioniert. In den nächs­ten Jahren verbucht die Manufaktur jeweils 20-prozentige Umsatzsteigerungen. Heute verarbeitet sie pro Jahr zehn Tonnen Kupfer und verkauft rund 5000 Einzelteile, vom Butterpfännchen bis zum Fleischtopf mit Deckel im Preissegment zwischen 100 und 700 Euro.

  

Parallel zum Aufbau seiner Firma übernimmt Weyersberg auch die Deutschlandvertretung der schwedischen Guss­eisenmarke Skeppshult. „Gusseisen kann das, was Kupfer nicht kann.“ Es braucht sehr lange, bis es warm wird, und speichert enorm lange die Hitze. Es ist somit ideal zum krossen Braten eines Steaks. „Der ambitionierte Hobbykoch braucht beides“, ist sich Geschäftsmann Weyersberg sicher.

Als einziger deutscher Kupfertopfhersteller hat Weyersberg heute auch ein „entspanntes Verhältnis“ zu seinen wesentlich etablierteren europäischen Mitbewerbern. Dazu gehören die 1830 gegründeten französischen Betriebe Mauviel und De Buyer, die seit 1931 bestehende italienische Firma Ruffoni und der seit 1958 produzierende belgische Familienbetrieb Falk Culinair. „Wir bedienen unterschiedliche Geschmäcker“, erklärt Weyersberg. Ruffoni verkaufe er sogar in Deutschland mit.

Bei rund 100 Fachhändlern ist die Kupfermanufaktur heute vertreten. Zwei der wichtigsten, das Berliner Kaufhaus KaDeWe und das Münchner Kaufhaus Kus­termann, haben sogar neben dem Newcomer Weyersberg nur noch De Buyer im Angebot. Internethändler wie proidee oder kochform tragen zunehmend zum Wachstum der Firma bei.

Einen Wettbewerbsvorteil versucht Weyersberg durch „handmade in Germany“ und die Weiterentwicklung seiner Produkte zu generieren. Rund 20 Prozent des Umsatzes steckt er deshalb in Innovation. Dabei geht es vor allem um das handwerkliche Fertigen in Kombination mit modernster Oberflächentechnik.

2014 bringt Weyersberg, nahezu zeitgleich mit De Buyer, einen Kupfer-Induktionstopf auf den Markt. „Kupfer ist an sich nicht magnetisch“, erklärt er, „also funktioniert es eigentlich nicht auf den modernen Induktionsherden.“

Nach längerem Ausprobieren gelingt es ihm, eine magnetische Schicht auf den Kupferboden aufzusprühen. Allen Widerständen und Unkenrufen zum Trotz, „so etwas kann doch nicht klappen“, klappt es dann eben doch.

Er gehe eben immer gern extreme Wege, sagt der ehemalige Leistungssportler. 2014 wird seine Kupferpfanne Ceramic Antihaft für Induktion als Deutsches Manufakturprodukt des Jahres des Verbands Deutscher Manufakturen ausgezeichnet. „Keiner hat einen Induktionstopf mit schwarzer Keramikbeschichtung innen oder Kupfer-Backformen mit ebenfalls schwarzer Keramikbeschichtung. Nur ich.“

Momentan experimentiert Weyersberg mit pulverisiertem Stahl. Dieses Material erzeuge sehr, sehr dünne, sehr harte Oberflächen – die optimalen Eigenschaften hinsichtlich Korrosionsbeständigkeit, Wärmeleitfähigkeit, Säurebeständigkeit, Antihaftwirkung hätten. „Es ist wirklich immer wieder überraschend, wie unglaublich viel sich aus einem Topf herauskitzeln lässt.“

Auf der internationalen Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt Anfang Februar dieses Jahres stellt Weyersberg eine neue Topfserie mit einer Kupferdi­cke von drei Millimetern vor. Üblich bislang sind maximal 2,5 Millimeter. „Je dicker, desto besser die Wärmeleitfähigkeit.“ Seine Klientel erwarte das „Nonplusultra“, er müsse daher auch immer mehr bieten als andere, das rechtfertige dann auch den Preis.

Zwar befindet sich Weyersbergs Klientel heute immer noch bevorzugt in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Dort machen wir rund 60 Prozent des Umsatzes.“ Doch 20 Prozent kommen bereits aus Südkorea, dann folgen die USA und China. „China ist eher noch klein, aber in den nächsten fünf Jahren soll das einer unserer wichtigsten Märkte sein.“

All dies will der Unternehmer weiter mit einer sehr kleinen Mannschaft stemmen. Die handwerklichen Schritte werden von drei selbstständigen Drückereien in der Umgebung von Stuttgart ausgeführt. Die Oberflächentechnologien entwickelt Weyersberg zusammen mit verschiedenen spezialisierten Betrieben. Den Export betreut auf Provisionsbasis eine Brancheninsiderin, die früher als Fachhändlerin Weyersbergs Kundin war.

Neben dem Unternehmenschef gibt es also nur eine festangestellte Bürokraft und seinen Vater, der das Controlling macht. „Mein Vater ist sehr akribisch, jeder Fertigungsprozess ist bis auf den Cent genau festgehalten.“ Außerdem drücke dieser gern auf die Bremse, wenn der Sohn allzu forsch voranschreite. „Momentan beschäftige ich mich intensiv mit allen handwerklichen Schritten, ich will alles selbst machen können.“

Innerhalb der nächsten fünf Jahre plane er die gesamte Produktion an das eigene Unternehmen anzubinden. Betriebswirtschaftlichen Wahnsinn nennt das der Controller-Vater. Doch Einwände konnten Marc Weyersberg ja noch nie stoppen. „Ich habe mich sehr daran gewöhnt, mein eigener Herr zu sein, meine eigene Denke zu leben. Ich wäre ungeeignet, je wieder Angestellter zu sein. Hier kann ich mich in allen Bereichen austoben – Entwicklung, Marketing, Verkauf, operatives Geschäft. Das möchte ich nicht mehr hergeben.“

In der Aufbauphase habe er zwar schon manchmal schlecht geschlafen. „Trotzdem gab es noch keinen Tag, an dem ich gedacht hätte, Unternehmertum sei nicht mein Ding.“ Dabei sei der finanzielle Aspekt überhaupt nicht sein Antrieb gewesen. „Noch mehr Fahrräder, noch mehr Geld? Es muss Spaß machen. Erst wenn der Spaß nicht mehr da ist, werde ich aufhören.“ ®

Autorin: Mariella Bauer-Hallberg

 

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