Neustart in Brasilien.

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042 LIDE 1 103744142Netzwerk. „Mit dem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro ist die Hoffnung auf eine neo-liberale Erneuerung der brasilianischen Wirtschaft verknüpft“, meint Christian Hirmer, Präsident LIDE Deutschland: „Die Herausforderungen sind groß und die Durchsetzung der nötigen Reformen wird entscheidend für die Zukunft des Landes sein. Die große Frage ist nun: Kann Bolsonaro auch liefern?“

Der Wahlsieg des 63-jährigen früheren Fallschirmjägers Jair Bolsonaro ist das Ergebnis von Wut, Überdruss und dem tiefen Wunsch nach Veränderung. Wut darüber, dass rund 40 Prozent aller Politiker in Kongress und Senat in der Hauptstadt Brasília wegen Korruption angeklagt waren und sind. Überdruss angesichts hoher Kriminalität – im Jahr 2017 starben in Brasilien 63 880 Menschen bei Verbrechen. Ein starker Mann an der Spitze soll künftig ein normales öffentliches Leben und wirtschaftliche Prosperität ermöglichen.

Jair Bolsonaro, Vertreter der Sozial-Liberalen Partei (PSL), steht für die Hoffnung, dass die Probleme im Land angegangen werden. Und wenngleich der neue Präsident aufgrund seiner Nähe zum Militär, seiner nationalistischen Einstellung und rechtspopulistischer Sprüche im Wahlkampf das Land spaltete, fiel das Votum der Kapitalmärkte ein­deutig aus. Seit Ende September klar war, dass Bolsonaro die Wahl wohl gewinnen würde (private wealth berichtete im online-Bereich), stiegen die Kurse. Der Börsenindex Bovespa erreichte ein neues Jahreshoch, die Währung Real wertete gegenüber dem Dollar um mehr als zehn Prozent auf und die Anleihezinsen fielen um 2,5 Prozentpunkte. Je nach Laufzeit der Papiere bedeutete dies ebenfalls hohe zweistellige Gewinne.

„Das sind eine Menge an Vorschusslorbeeren, die übrigens weniger mit der Person Bolsonaros, sondern vielmehr mit der Kompetenz seines Wirtschaftsberaters Paulo Guedes zu tun haben“, macht Fabiana Oscari-Bergs, Brasilianerin und Geschäftsführerin bei LIDE Deutschland, klar.

Paulo Guedes hat an der neo-liberalen Universität in Chicago promoviert und ist ein hochangesehener Experte für Bank und Börse. Es soll als eine Art „Superminister“ im neu geplanten Superwirtschaftsministerium agieren und für eine starke Wirtschaft in Brasilien sorgen. Damit er alle erforderlichen Befugnisse erhält, wurde das Ministerium für Industrie in das Finanzministerium eingegliedert.

„Priorität Nummer eins ist die Reform des Rentensystems“, sagte Guedes vor der Wahl, „an zweiter Stelle steht die Herabsetzung der Staatsschulden. Wir werden die Privatisierungen vorantreiben und unsere Zinszahlungen reduzieren.“ Außerdem hat er Maßnahmen zur Reduzierung der Staatsausgaben und Steuersenkungen auf der Agenda. „All das ist natürlich Musik in den Ohren von Investoren und Unternehmern“, überlegt Christian Hirmer, Präsident von LIDE Deutschland, „tatsächlich bekommt Brasilien jetzt zum ersten Mal in seiner Geschichte die Gelegenheit, eine radikale Form der freien Marktwirtschaft zu testen. Das wird spannend.“

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„Vor allem die Rentenreform ist überfällig“, ergänzt Oscari-Bergs. Etwa 60 Prozent des Bundeshaushalts würden derzeit für Rentenzahlungen verwendet. Aufgrund der zunehmenden Anzahl an Rentnern würden die Kosten künftig dramatisch steigen. „Wenn nichts unternommen wird, dürften die Rentenausgaben bis 2030 gut 70 Prozent des Bundeshaushalts erreichen. Das wäre ökonomisch gesehen untragbar.“

Aber auch andere Projekte gefallen dem Präsidenten des deutsch-brasilianischen Unternehmernetzwerks. „Der Plan, die Unabhängigkeit der Notenbank festzuschreiben, wird das Vertrauen in eine stabilitätsorientierte Geldpolitik stärken.“

Positiv wertet Hirmer ebenfalls die anstehende Ernennung von Sergio Moro zum Justizminister. Er war Untersuchungsrichter der Ermittlungen im Fall „Lava Jato“ – dem größten Korruptionsskandal Lateinamerikas. Und er hatte den Ex-Präsident Luis Inácio Lula da Silva im vergangenen Jahr in erster Instanz wegen Bestechlichkeit zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. „Es ist sehr wichtig für Gesellschaft und Investoren, dass das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Justiz und die Ehrenhaftigkeit der Politiker gestärkt wird“, erläutert Fabiana Oscari-Bergs und folgert: „Würden all diese Reformen zügig umgesetzt, dürfte Brasilien in Zukunft noch sehr viel attraktiver für Investoren aus Deutschland werden.“

Der Konjunktiv „würden“ ist an dieser Stelle mit Bedacht gesetzt. Denn um die Agenda seines Superministers zu verwirklichen, muss Bolsonaro Bündnisse eingehen, starke Interessengruppen für sich gewinnen und andere entmachten, die derzeit von Subventionen und einer geschützten Wirtschaft profitieren.

„Leicht wird das nicht“, vermutet Oscari-Bergs. Die gesetzgebende Gewalt im Bund ist schließlich der mit 28 Parteien stark fragmentierte sogenannte Nationalkongress. Er besteht aus Abgeordnetenkammer und Senat. Die 513 Abgeordneten werden für vier Jahre, die 81 Senatoren für acht Jahre gewählt.

Traditionell haben die Präsidenten Brasiliens ein eher konfliktträchtiges Verhältnis zum Kongress. „Für Bolsonaro könnte es besonders schwierig werden, da seine Partei nur zehn Prozent der Sitze im Kongress hält“, informiert Fabiana Oscari-Bergs. Die Bildung von Bündnissen und Koalitionen dürfte zudem dadurch erschwert werden, dass Bolsonaro im Wahlkampf das politische System scharf kritisiert hat. Ein Weg, sich Zustimmung zu verschaffen, war es in der Vergangenheit, Ministerposten an andere Parteien zu vergeben. Bolsonaro hat jedoch versprochen, die Anzahl der Ministerien auf 15 zu halbieren. Auch die avisierte Aufnahme von fünf Armeegenerälen in sein Kabinett dürfte den Prozess nicht einfacher machen.

Jetzt tickt die Uhr. „Die Erfahrung lehrt, dass ein neuer Präsident in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit die größten Chancen auf eine Einigung mit den Abgeordneten hat. Die Parteien sind in dieser Phase noch zu Kompromissen bereit, um ein gemeinsames Arbeiten zu ermöglichen. Es wird also nun darauf ankommen, schnell die wichtigen Projekte auf den Weg zu bringen. Bolsonaro weiß das“, so Oscari-Bergs. 

Die Vorbereitungen für die Amtsübergabe laufen. Ob Jair Bolsonaro die hohen Erwartungen dann erfüllen kann, muss die Zukunft zeigen.

„Wir werden als Unternehmernetzwerk jedenfalls die Reformbemühungen un­ter­stützen“, macht Christian Hirmer klar und deutet an, dass er sich von einer anderen Wahl in Brasilien vielleicht sogar noch etwas mehr verspricht. „Parallel zum Präsidenten wurden auch die Gouverneure der 26 Bundesstaaten gewählt. Im bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich bedeutendsten Staat São Paulo machte João Doria das Rennen – der Gründer unseres Unternehmernetzwerkes LIDE (links). Dieser Zugang wird uns helfen, die Interessen der deutschen Unternehmer bei ihren Engagements in Brasilien in Zukunft noch viel besser zu vertreten.“ ®

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„Wir sind die Lobby der Unternehmer.“

João Agripino da Costa Doria Júnior wird der 37. Gouverneur des Bundesstaates São Paulo. Am 1. Januar 2019 übernimmt der 61-jährige Politiker und Gründer des LIDE-Netzwerks sein neues Amt. Von Januar 2017 bis April 2018 war er bereits Bürgermeister der mit über elf Millionen Einwohnern größten Stadt Brasiliens. Politisch steht der Unternehmer dem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro nahe. Wie er tritt João Doria für ein entschlossenes Vorgehen gegen Kriminelle ein und unterstützt das Vorhaben Bolsonaros, die Korruption im Land zu unterbinden und die Privatisierung voranzutreiben.

João Doria ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei PSDB in Brasilien. Er entstammt einer 1964 durch die Militärs enteigneten Unternehmerfamilie, studierte in Paris und Sussex Psychologie und war als Journalist und Unternehmer schon früh erfolgreich. 1992 gründete er die aus sechs Unternehmen bestehende Grupo Doria. Sie ist vor allem im Bereich Kommunikation, TV, Events und Marketing tätig. Doria ist auch Herausgeber von 16 Publikationen, darunter Life­style-Magazine. Die größten Unternehmensevents Brasiliens werden von Gesellschaften der Grupo Doria organisiert.

Vor fast 15 Jahren etablierte João Doria das auf höchster Management-Ebene operierende, weltweit tätige LIDE-Unternehmernetzwerk. Der ausgebildete Journalist war in jungen Jahren in unterschiedlichen TV-Programmen als Moderator tätig und lernte in dieser Rolle viele Politiker und Unternehmerpersönlichkeiten kennen. Um diese zu vernetzen, lud er seine ehemaligen Gesprächspartner 2003 zu einem Abendessen zu sich nach Hause ein. Das war die Geburtsstunde von LIDE. vor einigen Jahren gründete er dann zusammen mit Christian Hirmer die erste deutsche Niederlassung von LIDE in München.

Ziel des Netzwerkes ist es, deutsche und lateinamerikanische, insbesondere brasilianische Unternehmen zusammenzubringen. Das Netzwerk stellt hochqualifizierte, branchenspezifische Kontakte her, die dem Informationsaustausch dienen und Türen öffnen, die selbst mit größter diplomatischer Anstrengung sonst verschlossen blieben. Die 2000 Mitglieder können sich weltweit vernetzen und dafür auch die rund 200 hochwertigen LIDE-Events nutzen. So werden sie, ihr Unternehmen und ihr Anliegen an relevanter Stelle bekannt. LIDE versteht sich also nicht nur als Netzwerk finanzieller Interessen, sondern vermittelt durch sein Engagement in ökonomischen, ökologischen, bildungstechnischen und sozialen Bereichen, wie verantwortungsvolles, nachhaltiges Miteinander der Kulturen funktionieren kann.

Sie suchen einen effizienten, schnellen und erfolgreichen Markteintritt oder die richtigen Partner für neue Geschäftsideen und Projekte in Lateinamerika? Dann ist LIDE für Sie der richtige Ansprechpartner.

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LIDE Deutschland GmbH

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