„Ist passives Investieren wirklich besser als aktives?“

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A letter from … Camille Thommes. Der Generaldirektor der Association of the Luxembourg Fund Industry (ALFI) warnt vor pauschalen Urteilen.

Kürzlich veröffentlichte die Europäische Kommission ein Papier, in dem die Ansicht vertreten wurde, Privatanleger seien mit passiven Investmentfonds am besten bedient. Diese seien kostengünstiger, breiter diversifiziert und böten auf lange Sicht eine höhere Performance als aktive Fonds.

Das sehen offenbar auch viele Anleger so. Passiv gemanagte Investmentfonds sind in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark gewachsen. Allein 2016 stiegen laut Berechnung des Research-Anbieters Morningstar die Vermögen passiver Fonds 4,5-mal schneller als die aktiver Fonds.
Bei uns in Luxemburg hat dieser Siegeszug der passiven Instrumente die Diskussion neu angefacht. Ist passiv wirklich
besser? Die Autoren der Kommission begründen ihre Ansicht mit der Markteffizienzhypothese des US-Ökonomen Eugene Fama. Sie unterstellt, dass moderne Finanzmärkte schnell auf neue Informationen reagieren und die Preise stets sämtliche verfügbaren Informationen spiegeln. Privatanleger aber hätten weder Zeit, die Märkte in Echtzeit zu verfolgen, noch Zugang zu allen marktrelevanten Informationen – und damit auch keine Chance, besser abzuschneiden als der Index. Dies gelänge selbst Profis nur selten. Zumindest dann nicht, wenn Gebühren und Kosten berücksichtigt würden. Pauschalurteile wie dieses sind allerdings immer mit Vorsicht zu genießen. Denn die Ansätze passiver und aktiver Investmentfonds sind einfach grundverschieden.
An der Börse werden bekanntlich keine Fakten gehandelt, sondern Erwartungen, was Wachstumschancen, künftige Marktposition, Ertragsstärke und Gewinnperspektiven einer Firma betrifft. Aktive Investoren forschen laufend nach den zukunftsträchtigsten Branchen und Unternehmen. Sie entscheiden sich gezielt für die vielversprechendsten, um für sich oder ihre Kunden die bestmögliche Rendite zu erwirtschaften. Das kann funktionieren – oder auch nicht.
Passiv gemanagte Investmentfonds dagegen suchen erst gar nicht. Sie bilden lediglich den von ihnen ausgewählten Aktienindex ab, indem sie ausschließlich in sämtliche in diesem Index vertretene Unternehmen investieren. Ausschlaggebend sind also nicht Ertragskraft oder Wachstumschancen, sondern einzig und allein die Indexzugehörigkeit. Indexfonds investieren nicht in aufstrebende Unternehmen, die eines Tages groß werden können, sondern in Firmen, die schon groß sind. Sie setzen nicht auf die potenziellen Helden von morgen, sondern kaufen quasi die Sieger von gestern.
Damit können sie durchaus erfolgreich sein, bieten diese Unternehmen aufgrund ihrer Größe, Bekanntheit und Marktposition doch eine gewisse Stabilität. Allerdings sind Indexfonds auch gezwungen, eine Aktie dann zu kaufen, wenn sie bereits als überbewertet gilt. Aus dem gleichen Grund können sie eine Aktie nicht abstoßen, sollte ihr Kurs auf Talfahrt gehen. Das halte ich für einen Nachteil.
Und es gibt noch mehr davon. Oftmals ist auch das Anlagespektrum, je nach Index, recht beschränkt. Im DAX beispielsweise sind lediglich 30 Werte enthalten. Das erzwungene Investieren in Indexwerte kann zudem zu Konzentrationsrisiken führen. So steckt ein den Nasdaq 100 abbildender ETF 41 Prozent seines Vermögens in nur fünf Titel: Apple, Alphabet (früher Google), Microsoft, Amazon und Face book. Denn so stark ist das Gewicht dieser Tech-Unternehmen mittlerweile in diesem Index.
Kritisch ist auch, dass der Erfolg der ETFs prozyklisch wirkt. Sie investieren zufließende Mittel immer in dieselben Aktien und treiben dadurch deren Kurse. Ein Umfeld generell steigender Aktienkurse, wie wir es seit einigen Jahren kennen, lässt passive Aktienfonds automatisch gut aussehen. Bewegt sich der abgebildete Markt jedoch seitwärts und werden Kursgewinne einzelner Aktien durch Kursverluste anderer Titel kompensiert, ist es mit der Performance eines Indexfonds vorbei. Mittlerweile denken auch immer mehr Experten darüber nach, was geschieht, falls der Trend an den Märkten nach unten dreht. Verstärken ETFs dann eine Abwärtsbewegung? Sind sie sogar ein Systemrisiko?
Passiv ist nicht besser als aktiv. Es ist einfach anders. Privatanleger sollten sich die Vor- und Nachteile genau ansehen, die relevanten Indizes prüfen und gemäß ihrer individuellen Anlageziele entscheiden. Wahrscheinlich entpuppt sich dann eine Kombination als sinnvollste Variante.

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