Endspiel.

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Der Schweizer Biologe und Umweltschützer Claude Martin fordert eine globale Strategie, um das Schicksal der tropischen Regenwälder noch zu wenden.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals Menschen getroffen zu haben, denen die Zukunft der tropischen Regenwälder gleichgültig war. Ob Wissenschaftler, Unternehmer oder Politiker, alle beteuern, wie wichtig dieses Thema sei.

Und sie haben recht: Der Schutz der tropischen Wälder ist wichtig. Überlebenswichtig. Der Regenwald sichert den Erhalt der Biodiversität der Erde – Tiere und Pflanzen sind aufeinander angewiesen –, er schützt die Wasserkreisläufe und ist ausschlaggebend bei der Bekämpfung des Klimawandels.

Einiges passiert ja auch. Wenn ich höre, dass ein so gut wie unerforschtes Regenwaldgebiet von der Größe der Niederlande, die Montanhas do Tumucumaque in Amapá, einem brasilianischen Bundesstaat an der Grenze zu Französisch-Guayana, zum Schutzgebiet erklärt wird, erfüllt mich das mit neuem Optimismus. Dann erfasst mich wieder tiefster Pessimismus, wenn ich sehe, wie riesige Regenwaldflächen von Bulldozern plattgemacht werden, um Viehweiden zu gewinnen. Oder wenn im indonesischen Kalimantan schon wieder einige der artenreichsten Tieflandregenwälder in Palmölplantagen umgewandelt werden.

Insgesamt kommen wir einfach nicht ausreichend und schnell genug voran. Doch die Zeit drängt. Wir müssen schließlich in Zukunft mit enormen Flächenverlusten beim Regenwald rechnen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen kalkuliert für die Zeit zwischen 2015 und 2050 mit einem 60-prozentigen Anstieg beim weltweiten Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten – eine Folge der Zunahme der Weltbevölkerung, der Urbanisierung und der Veränderungen in den Ernährungsgewohnheiten.

Der wichtigste Faktor dabei ist der rasche Anstieg beim Fleisch- und Palmölverbrauch in den Schwellenländern. Es könnte also so kommen, dass die Welt die tropischen Regenwälder buchstäblich aufisst. Denn geeignete Flächen zur Ausweitung der Landwirtschaft stehen anderswo kaum noch zur Verfügung. Leider bringt es mehr Profit, Rindfleisch oder Tiernahrung zu produzieren, als intakten tropischen Regenwald zu erhalten.

Ziel muss deshalb sein, eine effizientere Nutzung der großen, bereits brachliegenden und degradierten tropischen Landflächen zu erreichen sowie auf eine Intensivierung der Produktion zu setzen. Die Verminderung der enormen Lebensmittelverschwendung könnte einen wesentlichen Beitrag leisten, den Landdruck zu vermindern.

Solange das gängige ökonomische Leitbild der Gewinn­maximierung in der globalisierten Wirtschaft zu derart dras­tischen Fehlentwicklungen führt, bleiben die nationalen Regierungen und die internationale Gemeinschaft – ganz zu schweigen von den indigenen Waldbewohnern – in einer schwachen, wenn nicht machtlosen Position.

Wir, vielmehr die Erde, brauchen deshalb ein entschlossenes gemeinsames Handeln. Wir benötigen mehr große Schutzgebiete für den Primär- und den Sekundärwald, um den „doppelten Cocktail“ der Waldfragmentierung und der Austrock­nung als Folge des Klimawandels zu stoppen. Auch der selektive Holzeinschlag in unberührten Primärwäldern muss eingeschränkt werden, um der zunehmenden Degradierung Einhalt zu gebieten. Der Kampf gegen das illegale Abholzen und den ebenso illegalen Bergbau sowie staatliche Maßnahmen gegen Übergriffe in indigenes Waldland müssen Teil einer internationalen Schutzstrategie sein.

Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass Allianzen zwischen internationalen Organisationen, Finanzinstituten, NGOs und nationalen Regierungen wirkungsvoll zum Waldschutz in den Tropen beitragen können. Sie stärken den positiven Kräften den Rücken, auch in Ländern, die unter schwachen oder korrupten Regierungen leiden.

Umfassende Walderhaltungskonzepte, nachhaltige Bewirtschaftung und die Einbindung der indigenen Bevölkerung sind die drei Faktoren, die den Bestand des Regenwalds sichern können. Dass die Konsumenten überall auf der Welt durch ihre Nachfrage die Prozesse beeinflussen, sollte zumindest in der westlichen Welt inzwischen verstanden worden sein. Das ist die Chance, die der Regenwald hat. Das ist die Chance, die der Mensch hat. Wir müssen sie jetzt nutzen. Ein Später mag es vielleicht nicht mehr geben. ®

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