Gut gemeint ist nicht gut gemacht.

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A letter from … Hans-Werner Sinn. Der emeritierte Präsident des Münchner ifo Instituts hinterfragt die Klimapolitik und die überschätzte Rolle der Elektroautos beim Erreichen der Klimaziele.

Nun kann die Wende zum Elektroauto aus ingenieurtechnischer Sicht durchaus begrüßt werden – es ist elegant, robust, spurtstark, fährt geräuscharm und braucht kein kompliziertes Getriebe. Aber: Es kann nicht ohne CO2-Emissionen bewegt werden, wie es der europäische Gesetzgeber behauptet, wenn er die CO2-Emissionen dieser Autos mit einem Wert von null in seine Berechnungen einfließen lässt.

Ein solcher Wert stimmt nicht einmal für Norwegen, wo der Strom nahezu emissionsfrei mit Wasserkraft gewonnen wird.

Berücksichtigt man den heutigen Energiemix Deutschlands und den Energieaufwand bei der Batterieproduktion, liegt der CO2-Ausstoß batterieelektrischer Autos nur im günstigs­ten Fall knapp über dem eines Dieselmotors, ansonsten aber weit darüber. Ich habe mit meinen Kollegen Christoph Buchal und Hans-Dieter Karl dazu eine Studie erstellt. Sie finden diese unter: www.cesifo-group.de/DocDL/sd-2019-08-sinn-karl-buchal-motoren-2019-04-25.pdf.

Ob sich Europas Anstrengungen überhaupt für das Klima auszahlen werden, steht, wie wir im Post Scriptum zu unserem Text ausführen, auch aus einem anderen Grund in den Sternen. Es ist nicht auszuschließen, dass das in Europa nicht mehr verbrannte Öl in anderen Ländern genutzt wird. Das Pariser Klimaabkommen sieht für die CO2-Reduktion nur ein System von Selbstverpflichtungen ohne Sanktionen vor, und die USA haben bereits angekündigt, dass sie aus dem Abkommen aussteigen werden. Daraus erwächst die Gefahr, dass auch andere Länder den USA folgen werden. Europa bliebe dann nicht nur mit seinen Anstrengungen allein. Diese würden im Hinblick auf das Klimaziel auch vollständig konterkariert. Können die Erdölbesitzer nicht überzeugt werden, das Öl, das die Europäer nicht mehr verbrauchen, im Boden zu lassen, werden die Tanker einfach nur anderswo anlanden und ihr Öl dort verkaufen.

Es wird dann zu einer Senkung der Weltmarktpreise kommen, durch die der Verbrauch in jenen Ländern subventioniert und stimuliert wird, die sich nicht an den Sparanstrengungen beteiligen. Insofern kommt es möglicherweise nicht nur zu einer geringen, sondern zu gar keiner Reduktion des CO2-Ausstoßes, weil andere Länder so viel mehr CO2 ausstoßen, wie Europa einspart. Vielleicht produzieren die Ölscheichs dann sogar für einige Zeit mehr, weil sie die niedrigeren Preise durch höhere Mengen wettmachen oder ihre Ressourcen vorzeitig verkaufen wollen, bevor die Politik ihnen die Absatzchancen verdirbt. Dann würden die Ölpreise noch stärker sinken und Länder, die beim Energiesparen nicht mitmachen, hätten einen noch größeren Vorteil.

Mir ist bewusst, dass sich Deutschland trotz dieser Zusammenhänge international verpflichtet hat, seinen CO2-Ausstoß zu verringern, weil es der Welt etwas Gutes tun will. Es wäre mir aber wohler, wenn der Bevölkerung klar wäre, dass diese Wohltaten womöglich nicht in Form einer Verlangsamung des Klimawandels, sondern als Verringerung der Kosten der fossilen Energie für die Großverbraucher der Welt zustande kommen. Unsere Opfer helfen möglicherweise ganz anderen Bevölkerungsschichten als jenen, die unter dem Klimawandel zu leiden haben. Da sich Europa auf die Produktion von Kleinwagen verlegt, können in den USA noch mehr Riesen-SUVs gefahren werden als ohnehin.

Wer Gutes tun will, muss sich fragen, ob die realisierten Maßnahmen überhaupt wirken. Diese Diskussion hat in Deutschland noch nicht stattgefunden, weil die gesamte Klimaproblematik im Hinblick auf die Möglichkeiten diskutiert wird, den Verbrauch durch technische Möglichkeiten einzuschränken. Statt zu überlegen, wie sich das Verhalten der Anbieter fossiler Brennstoffe auf den Weltmärkten verändern lässt, ohne das leider nichts erreicht werden kann. ®

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