• Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth

Kunst und Wirtschaft.

Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, der Unternehmer, Kunstförderer und Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, ist überzeugt, dass Kunst im Unternehmen die Motivation erhöht.

Ich habe ein weltweit agierendes Handelsunternehmen für Montagematerial und  Werkzeuge mit heute 65000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zehn Milliarden Euro aufgebaut. Seit Gründung im Jahr 1945 durch meinen Vater verzeichnen wir jährliche Wachstumsraten von im Schnitt 22 Prozent. Das macht mich schon ein wenig stolz. Aber auch demütig. Allein hätte ich das niemals schaffen können – es waren die hoch qualifizierten Mitarbeiter, die unseren Erfolg sehr wesentlich mitgeformt haben.

Ich hatte keinen großen Masterplan, als ich mit 19 Jahren das Unternehmen übernehmen musste, nachdem mein Vater an einem Herzinfarkt verstorben war. Mir blieben zwei Angestellte, die Verantwortung für meinen zehn Jahre jüngeren Bruder und meine Mutter. Als Leitlinie unternehmerischen Handelns hatte mir mein Vater eines mit auf den Weg gegeben: Qualität zahlt sich aus. Von diesem Grundsatz bin ich niemals abgewichen, auch nicht in schweren Krisen. Produkte von Würth sind etwas teurer als andere, aber immer von besonderer Qualität.

Rund 70 Prozent unseres großen Erfolgs schreibe ich der Führungskultur in meinem Hause zu. Denn es sind ja Menschen, die unseren Erfolg ermöglichen. Wenn sie Anerkennung und Respekt für ihre Arbeit erfahren, wenn sie in einem ansprechenden Ambiente arbeiten und sich zugehörig fühlen dürfen, wirkt das positiv auf allen Ebenen des Unternehmens: Unsere Krankenstände sind so niedrig, dass unsere BKK extrem geringe Beitragssätze anbietet, die Fluktuation ist niedrig und die Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiter groß. Noch heute ist es mir ein großes Anliegen, Mitarbeitern bei außergewöhnlichen Erfolgen von Herzen Dank zu sagen und ihnen meinen Respekt zum Ausdruck zu bringen.

Zur Führungskultur gehört für mich auch mein Engagement in Sachen Kunst. Mitte der 1960er-Jahre habe ich angefangen, einzelne Werke zu kaufen, heute sind es über 16000 Bilder und Skulpturen unterschiedlicher Provenienz, die wir in verschiedenen eigenen und fremden Museen zeigen. Das Kriterium für den Kauf eines Exponats war und ist, dass es mir gefallen muss – die Empfehlung des mit hoch qualifizierten Experten besetzten Kunstbeirats vorausgesetzt. Zu meinen ersten Bildern gehört ein Aquarell von Emil Nolde, das ich für 55000 Mark erstehen konnte. Ich habe die Situation noch genau vor Augen, damals, als ich mit meinem Freund Paul Swiridoff bei Ketterer in Campione d’Italia war, der mir das Bild empfohlen hatte. Damals hatte ich wegen der hohen Summe eine schlaflose Nacht, bevor ich mich zum Kauf entschloss. Heute ist das Gemälde sicher das Zehnfache wert.

Aber auch aus einem anderen Grund hat sich der Aufbau einer eigenen Sammlung für mich gelohnt. Die Kunst wirkt positiv auf Motivation und Engagement der Mitarbeiter sowie auf das Ambiente in meinem Betrieb. Sicher, nicht jeder ist ein Kunstliebhaber. Aber manche sind es. Andere werden es. Und die Übrigen führen ihre Freunde, die sie zu Besuch haben, auch gern in unsere Galerien in Schwäbisch Hall. Wenn sie dann das Feedback erhalten: „Das alles macht dein Arbeitgeber? Das ist toll“, sind auch sie stolz.

Außerdem können unsere Mitarbeiter aus der Artothek gegen ein Pfand von 100 Euro Bilder ausleihen und für eine gewisse Zeit mit nach Hause nehmen – natürlich nicht die wertvollsten Arbeiten!

Wichtig war für mich immer auch die Architektur, einfach weil sie die öffentlichste aller Künste ist. Wenn die kaufmännischen Mitarbeiter während der Arbeitszeit eine höhere Wohnkultur als zu Hause haben, bleibt mancher eine halbe Stunde länger, was dem Unternehmen natürlich guttut. Im Lauf der Jahrzehnte sind in der Würth-Gruppe eine große Zahl von Büro- und Betriebsanlagen entstanden, die die Industriearchitektur der jeweiligen Zeit abbilden und das Image des Unternehmens fördern. Nach nur acht Pflichtschuljahren hat mich mein Vater in den Betrieb geholt – ich sollte „schaffen“. Heute bin ich ihm dafür dankbar. In drei Jahren Lehrzeit habe ich lernen können, was den Betrieb formt: die Qualität der Produkte und die Menschen, die Verantwortung übernehmen. All denen und auch mir gibt die Kunst viel mehr zurück, als sie kostet. ®

 

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