• Uwe Eilers

"Das Schlimmste kommt erst noch."

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Der Austritt aus der EU wird Großbritanniens Wirtschaft langfristig schädigen, ist Uwe Eilers, Geneon ­Vermögensmanagement, überzeugt. „Lassen Sie Ihre Finger von britischen Vermögenswerten.“

Mir ist schon klar, dass es nicht einfach ist, gegen die aktuellen Wirtschaftsdaten zu argumentieren. Schließlich ist der große Einbruch der britischen Volkswirtschaft, den viele nach dem Ja der Briten zum Brexit erwartet hatten, ausgeblieben. Im Gegenteil: Der britische Aktienmarkt hat sich sehr gut entwickelt. Und viele Volkswirte korrigieren derzeit ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum nach oben. Alles also im grünen Bereich auf der Insel? 

 Ich warne davor, sich blenden zu lassen. Die negativen Folgen werden sich erst im Lauf der Zeit zeigen.

Lassen Sie mich mit einem Blick auf die Finanzindustrie beginnen. Sie ist ein Kernstück der britischen Wirtschaft. Sie lebt von ihrer liberalen Ausrichtung in einem globalisierten Finanz- und Kapitalmarkt. Und trägt Schätzungen zufolge fast zehn Prozent zum britischen Sozialprodukt bei. Nach dem Brexit kann London aber nicht mehr das Finanzzentrum Europas sein. Viele Finanzunternehmen planen deshalb längst die Verlagerung ihres Hauptsitzes nach Kontinentaleuropa.

Auch produzierende Unternehmen denken über einen – zumindest teilweisen – Umzug nach. Warum? Sie haben Angst, dass sie künftig für ihre Exporte in die EU Zölle zahlen müssen. Und sie fürchten, bald nicht mehr genügend qualifizierte und gleichzeitig bezahlbare Arbeitskräfte zu finden. Schließlich geht es beim Brexit ja auch um die Beschränkung der Zuwanderung.

Die Investitionen in Großbritannien werden deshalb zurückgehen. Das Kapital stimmt jetzt schon mit den Füßen ab. Allein bis Ende Juli 2016 summierten sich die Kapitalabflüsse Schätzungen zufolge auf 5,7 Milliarden Dollar.

Wenn Firmen und Kapital beginnen, das Land zu verlassen, werden bald auch die Steuereinnahmen sinken. Die Kostenbelastung für staatliche Dienstleistungen, zum Beispiel im Gesundheitsbereich, werden aber steigen, wenn ausländische durch britische und in der Regel teurere Arbeitskräfte ersetzt werden müssen. Nimmt das Staatsdefizit zu, ist eine Herabstufung der Bonität des Landes die logische Konsequenz. Die Zinsen steigen, der Kurs des Britischen Pfund fällt weiter – wer in britische Anleihen investiert, macht doppelten Verlust.

Die Abwertung des Pfund ist die Schlüsselgröße für die Optimisten. Sie hoffen auf einen Exportboom. Ich glaube, dies ist ein Danaergeschenk. Dadurch werden ausländische Waren teurer – gerade im Bereich des täglichen Bedarfs, wo Großbritannien sehr viel importiert. Das schwächt den Konsum. Dies zeigt sich nur noch nicht im Verbrauchervertrauen, weil viele Briten gerade Anschaffungen langlebiger Konsumgüter vorziehen. Sie vermuten offenbar, dass die Gefahr weiterer Abwertungen groß ist und diese Produkte dann noch teurer werden. Ich denke, da haben sie recht.

Die Abwanderung von Unternehmen, der Rückgang der Investitionen und die Belastung der Verbraucher durch höhere Preise werden sich langfristig negativ auf das reale Einkommen und das Wirtschaftswachstum auswirken. Selbst eine Stagflation halte ich nicht für unwahrscheinlich.

In diesem Umfeld wird auch der Immobilienmarkt unter Druck bleiben. In London sind Schätzungen zufolge die Preise für Büroimmobilien seit dem Brexit bereits um zehn bis 20 Prozent eingebrochen. Das war erst der Anfang.

Die Aktienmärkte haben allerdings bislang von der Hoffnung profitiert, angesichts des niedrigen Kurses des Britischen Pfund könnten exportorientierte Firmen ihre Umsätze und Gewinnmargen steigern. Das stimmt bis zu einem gewissen Punkt. Spätestens dann, wenn britische Waren von anderen EU-Staaten mit Einfuhrzöllen belegt werden, ist dies aber auch vorbei.

Sie sehen, die Risiken für Kapitalanlagen sind jetzt schon enorm. Und die Phase der Verunsicherung ist noch lange nicht zu Ende. Im nächsten Schritt werden Schottland oder Nordirland darüber abstimmen, ihrerseits aus dem Vereinigten Königreich auszutreten. Das Land hat sich auf eine abschüssige Bahn begeben, von der wir gerade erst den Anfang sehen. Halten Sie sich von britischen Vermögenswerten jeder Art fern. ®

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