• Klaus Meitinger

Der wahre D.J. Trump.

Was wird sich im Weltkonzert unter einem US-Präsidenten Donald J. Trump wirklich verändern? Seit der Wahl haben sich unzählige Wissenschaftler, Ökonomen, Analysten und Politologen dazu geäußert – private wealth fasst ihre Meinungen zusammen.

Im angelsächsischen Raum gibt es einen hübschen Spruch, wenn eine Person ihre Position konkretisieren oder ihren wahren Charakter enthüllen soll: „Will the real Donald Trump please stand up.“

Vor der US-Wahl überboten sich die Kommentatoren mit negativen Prognosen für den Fall, dass Trump gewinnen würde. Nach der Wahl scheint – auch unter dem Eindruck steigender Aktienkurse – alles nicht mehr ganz so schlimm. Damit verbunden ist natürlich die Erwartung, der wahre Donald Trump würde sich signifikant vom Wahlkämpfer Trump unterscheiden. Oder zumindest von seinen republikanischen Parteifreunden im Kongress eingebremst werden. „Das ist allerdings pure Hoffnung“, meint Markus Kaim, Stiftung Wissenschaft und Politik: „Angesichts der Mehrheiten im Kongress kann Trump in den nächsten beiden Jahren durchregieren. Dass er sich dabei zügeln lässt, ist reine Spekulation.“

Das Ziel hat Donald Trump dabei glasklar formuliert: „America first“, Amerika zuerst. Die heimische Wirtschaft soll gestärkt, ausländische Konkurrenz geschwächt werden.

// Konjunkturpolitik: Im Mittelpunkt des Plans, Amerika wieder großartig zu machen, steht ein massives fiskalpolitisches Programm. Infrastrukturinvestitionen von 550 Milliarden Dollar und höhere Verteidigungsausgaben – 40 Milliarden jährlich – stehen auf der Agenda. Die Senkung des Spitzensteuersatzes von 39,6 auf 33 Prozent soll den Konsum ankurbeln. Die Reduzierung der Unternehmensteuern von 35 auf 15 Prozent soll Investitionen stimulieren und einen Anreiz für US-Multis bieten, ihr Kapital aus dem Ausland zurück in die USA zu bringen. Zusätzliche Impulse soll der Abbau der Regulierung bringen. Den Wachstumseffekt taxieren Ökonomen zwischen jeweils 0,5 und einem Prozentpunkt in den nächsten beiden Jahren.

Das hört sich gut an, hat aber mehrere Haken. Werden die Steuerpläne umgesetzt, sinken die Steuereinnahmen in Relation zur Wirtschaftsleistung auf den niedrigsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Eine gleichzeitige Erhöhung der Staatsausgaben kann dann nur eine Konsequenz haben: Die ohnehin schon hohe Staatsverschuldung wird weiter steigen. Geht das?

Kritisch ist außerdem, dass die Fiskalpolitik in einem Moment Gas gibt, in dem die US-Konjunktur ohnehin anzieht. Die Arbeitslosenquote ist mit 4,9 Prozent niedrig, die Stundenlöhne steigen schon jetzt mit einer Jahresrate von 2,8 Prozent. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit höherer Inflationsraten. An den Kapitalmärkten haben die Anleger entsprechend reagiert. Die Kurse von US-Bonds sind gefallen, die Zinsen gestiegen.

Interessant, so die Auguren, werde nun die Reaktion der US-Notenbank FED sein. Mehr Wachstum und höhere Inflation verlange im Verlauf des Jahres 2017 auch höhere Leitzinsen. Sie könnten, so die Einschätzung der Kommentatoren, bis Ende 2018 ein Niveau zwischen 1,5 und 2,25 Prozent erreichen.

Diese Kombination aus lockerer Fiskalpolitik und restriktiverer Geldpolitik habe auch immer schon zu einer stärkeren Währung geführt – ein Plus für den Dollar.

Am US-Aktienmarkt sei dann ein Tauziehen zwischen dem negativen Effekt höherer Zinsen und dem positiven Effekt steigender Erträge zu erwarten. Als Favoriten werden Finanztitel,  zyklische Industriefirmen, rohstoffsensitive Sektoren und der Bau genannt. Verlierer wären die defensiven Sektoren, die in den vergangenen Jahren dank ihrer stabil steigenden Dividenden einen massiven Bewertungsaufschlag erlebt hätten – schwere Zeiten für die Nestlés und Co. Eine Sondersituation ergebe sich im Gesundheitssektor. Je weiter Trump die Gesundheitsreform Obamas zurückdreht, desto schwieriger werde es für Aktien von Gesundheitsdienstleistern, Medizingeräteherstellern und Krankenhäuser.

// Handelspolitik: Im Wahlkampf hat sich Donald Trump eindeutig gegen Freihandel positioniert. Er versprach, sich aus der transpazifischen Partnerschaft TPP zurückzuziehen, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA neu zu verhandeln und China als „Währungsmanipulator“ zu brandmarken. Sollte China seine illegalen Aktivitäten nicht stoppen, wolle er mit der Importzölle einführen. Auch TTIP wird es in der bisherigen Form nicht geben. So, folgern die Kommentatoren, würden die gesamten freihandelspolitischen Errungenschaften der letzten 25 Jahre zunichte gemacht. Die Effekte auf das Wachstum wären klar negativ. Das Ausmaß hänge davon ab, ob und wie stark betroffene Länder – vor allem China – handelspolitische Vergeltungsmaßnahmen ergreifen.

Dieses Programm umzusetzen, klingt also zunächst absurd. Aus Sicht des „America First“ ist es aber nicht völlig abwegig. Denn die USA erwirtschaften nur 13 Prozent ihres Sozialproduktes im Export. Interessant ist, dass dann die US-Inflationsrate noch weiter ansteigen dürfte, weil die Importpreise klettern. An den Kapitalmärkten würde das Angstthema Stagflation – Stagnation und Inflation – auftauchen. Die Kurse von Aktien und Anleihen würden fallen, die FED den Leitzins zunächst stärker erhöhen. Größte Verlierer wären exportorientierte Schwellenländer, vor allem Mexiko, Taiwan und Korea.

Fazit: In einem Punkt sind alle Experten einig. Die Unsicherheit wird in den nächsten Monaten groß bleiben. Per saldo hofft die Mehrzahl aber auf eine Art „Trump light“ – einen Präsidenten, der die Wirtschaft beherzt ankurbelt, in der Handelspolitik aber mit Augenmaß und Vorsicht agiert.

Dagegen spricht, dass sich der neue US-Präsident immer schon als knallharter Macher präsentierte. Erst rechnete niemand damit, dass Donald Trump Kandidat werden könnte. Dann glaubte keiner daran, dass er die Wahl gewinnen könne. Und nun erwartet niemand, dass er seine Pläne umsetzen wird. Doch der wahre Donald Trump ist wohl  – Donald Trump.           

Autor: Klaus Meitinger

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