• Yvonne Döbler

Wie aus einer anderen Welt.

„Diese Konzertharfen zu besitzen, macht selig.“ Das sagt nicht etwa Klaus Horngacher über die von ihm gebauten Zupfinstrumente. Das sagen Harfenistinnen, wenn sie ihre Neuerwerbung erstmals spielen.

Ich habe ja viel mit Frauen zu tun. Denn meist sind es Frauen, die in den internationalen Orchestern und Konzerthäusern die Harfe spielen. Der Grund für die weibliche Dominanz ist mir in den vergangenen 40 Jahren, die ich nun als Konzertharfenbauer unterwegs bin, immer klarer geworden: Es gibt eine tonale Harmonie zwischen Frauen und dem großen Zupfinstrument. Beide können zart, feenhaft, wie ein leiser Windhauch sein – und verzaubern. Aber sie können auch anders klingen – voluminös, laut, durchdringend. Und damit überzeugen. 

Dass unsere handgefertigten Instrumente in den 90 Jahren des Horngacher-Harfenbaus immer noch auf höchstem Spielniveau zum Einsatz kommen, macht mich stolz. Wir sind ja nur sechs Mitarbeiter in meiner Werkstatt, aber wir haben über 700 Kunden. Für sie erfüllen wir einen Traum, der vergleichbar mit dem Erwerb eines Steinway-Flügels oder eines Rolls-Royce ist. Die sind mit so viel Liebe zum Detail und in so einzigartiger Qualität hergestellt, dass sie Tag für Tag Freude schenken. Genauso ist es mit Horngacher Konzertharfen: Sie kosten ein bisschen mehr als andere Harfen, zwischen 25000 und 85000 Euro, aber sie schenken für viele Jahrzehnte täglich ein bisschen Glück.

Das Ergebnis unserer Handarbeit ist ein vollendetes Instrument. Auch Nicanor Zabaleta, der beste Harfenist des 20. Jahrhunderts, wusste es zu schätzen. Deshalb wird es auch weltweit und genreübergreifend genutzt: vom Bolschoi-Orchestra in Moskau, von André Rieu und Vangelis, von den New Yorker Philharmonikern, in der Scala in Mailand oder von der Oper in Peking.

Die Herstellung kann allerdings schon mal bis zu 900 Stunden dauern – je nachdem, welche individuellen Wünsche wir erfüllen. Wer eine Horngacher bestellt, weiß, was er bekommt – und wann. Sechs bis acht Monate müssen die Harfenspieler warten, bis das 1,82 Meter große Zupfinstrument bei ihnen ist. Zwölf Konzertharfen können wir innerhalb von zwölf Monaten herstellen.

Die Größe und der Tonumfang sind bei allen Instrumenten gleich: Sie haben 47 Saiten und sieben Pedale. Aber die Modelle sind unterschiedlich, etwa in der Breite des Resonanzkörpers, des verwendeten Holzes und der Schnitzereien. Auf Wunsch vergolden wir die Harfensäule oder versehen sie mit Ranken oder arbeiten Monogramme in den Pedalkasten. Ich mag die gestalterische Individualität, das entspricht der Individualität der Klänge. Denn jedes Holz reagiert unter der Spannung, die von den Saiten verursacht wird, unterschiedlich. Deshalb hat auch jede Harfe ihren ganz eigenen Klang.

Einige Teile der Mechanik – Schrauben, Drehteile – werden speziell für uns angefertigt. Holzteile, die über Jahre trocknen müssen – wie die Resonanzdecke –, schneiden wir per Hand vor, damit das Holz nicht so frisch ist. Der Resonanzkörper wird dann zum Bautermin zusammengefügt. Für Instrumente mit hellerem Klang verwenden wir bestes Ahornholz. Mahagoniholz sorgt für etwas weichere, rundere Töne. Und für die Resonanzdecke – das alles entscheidende Teil der Harfe – nehmen wir das Holz der nordamerikanischen Sitka-Fichte. Das ist teuer, aber wunderbar im Klang. Der schönste Moment bei der Herstellung? Wenn aus den 2000 Einzelteilen inklusive komplizierter Mechanik eine fast fertige Harfe entstanden ist, ich die Saiten aufziehe – und sie dann erstmals erklingt.

Schon mein Vater hat diesen Teil der Arbeit besonders geliebt – das Instrument ist fast fertig und nur noch Feinarbeiten sind zu erledigen. Er war Schreiner und Volksharfenspieler in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kufstein. Dort lernte er den vor den Bomben in München geflohenen Harfenbauer Josef Obermaier kennen und folgte ihm nach dem Krieg nach Starnberg, um 1966 dann den Betrieb zu übernehmen.

Ich war mir nicht immer sicher, ob ich selbst Harfenbauer werden wollte. Für Elektrik und Elektronik konnte ich mich schließlich ebenfalls begeistern. Trotzdem lernte ich erst den Orgel-, dann den Harfenbau und stieg 1977 in die Firma ein. Heute kann ich sagen: Es war eine sehr gute Entscheidung – vor allem deshalb, weil ich so meine Frau kennengelernt habe. Sie ist Konzert-Harfenistin in Prag.

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