• Max Ammer

Der mit den Fischen tanzt.

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Eigentlich suchte Max Ammer 1990 nach Flugzeugwracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Er fand sie – und dazu einen Garten Eden unter Wasser. Seitdem lebt, arbeitet und taucht der 55-Jährige am Archipel Raja Ampat.

Wie soll ich dieses unglaubliche Gefühl beschreiben? Schon die Vorbereitung ist Meditation und Konzentration. Die Atemmaske kontrollieren, die Druckluftflasche füllen, den Anzug anziehen. Sollte ich gestresst sein, fällt mit diesen Tätigkeiten alles von mir ab. Ins warme, leicht salzige Wasser zu steigen, das die 1800 Inseln von Raja Ampat umspült, ist wie eine Umarmung. 1528 verschiedene Fischarten gibt es hier, nirgendwo auf der Welt sind es mehr – und es kommen ständig neue hinzu. Das ist Folge unserer vielen Bemühungen zum Erhalt der Natur. Ein Engagement, für das wir bereits mehrfach ausgezeichnet wurden.

Ich war 29 Jahre alt, als ich in Holland aufbrach, um nach Schiffs- und Flugzeugwracks aus dem Zweiten Weltkrieg zu suchen. Der Archipel Raja Ampat liegt im Indopazifik westlich von Neuguinea und wurde mir als möglicher Fundort genannt. Mein erstes Wrack entdeckte ich aus dem Helikopter und natürlich wollte ich es aus der Nähe betrachten. Getaucht war ich bis dahin nur ein einziges Mal – in Holland, es war kalt und schmerzhaft.

Ins helle Wasser von Raja Ampat einzutauchen, war dann etwas ganz Anderes: Stille, Helligkeit und Wärme sind eine großartige Kombination. Diese Vielfalt an Leben unter Wasser hat mir fast den Atem genommen. Ich tauchte bis auf 65 Meter und blieb 45 Minuten unter Wasser. Selten war ich so erfüllt wie nach diesem Erlebnis. Das erste Wrack, das ich fand, war übrigens ein japanisches Handelsschiff. Später entdeckte ich andere, beladen mit Motorrädern und Ersatzteilen, und auf dem Meeresgrund viele alte Coca-Colaflaschen.

Ich hatte nach Wracks gesucht – und mein Lebensthema gefunden. Die Zeit unter Wasser ist faszinierend. Es ist fast nichts zu hören außer dem Blubbern der Luftblasen. Die Bewegungen der Fische sind wie in Slow Motion, sie scheinen in ihren Schwärmen zu einer geheimen Melodie zu tanzen und glitzern dabei je nach Sonneneinstrahlung – der Mensch mittendrin im meist blauen Licht.

Zu meinen schönsten Taucherinnerungen gehört die Befreiung eines riesigen Manta-Rochens von einer Angelschnur. Er hatte sich verfangen und ich näherte mich langsam. Das Lösen der Schnüre muss ihm wehgetan haben, aber er hielt vollkommen still. Als er befreit war, schwamm er weg und kehrte dann zu mir zurück, um mich mit seinen Flügeln zu berühren. Drei Mal hat er das getan. Ich hätte unter Wasser weinen können vor Glück.

Tauchen ist ungefährlich, wenn die Vorbereitung stimmt. Manche unserer Gäste sind über 80 Jahre alt und tauchen noch immer. Im Wasser ist das Körpergewicht ja kaum zu spüren, Sie können sich einfach treiben lassen. Bei uns haben auch schon Paare unter Wasser geheiratet.

Die Anfänge in Raja Ampat waren nicht einfach. Es gab so viel wunderschöne Natur, aber zum Leben brauchte ich mehr. Also fing ich an, Tauchgänge zu organisieren, mit einem Schlauchboot, einem Kompressor und ein paar Druckluftflaschen. Mehr hatte ich nicht. Bald kam ein erstes Basis-Camp hinzu – schön, aber schlicht. Was ich in den Wracks fand, verkaufte ich in Amerika und Europa an Sammler. 20 Dollar bekam ich beispielsweise für eine Colaflasche aus den 40er- und 50er-Jahren – und ich habe bestimmt 10 000 von ihnen gefunden.

Ich wohne nun schon seit 20 Jahren in Raja Ampat und habe auf der Insel Kri zwei kleine Resorts aufgebaut, eins für maximal 24, das andere für maximal 18 Gäste. Wir kümmern uns um unsere Besucher und sie spüren, dass sie uns wichtig sind. Anders könnte ich gar nicht leben und arbeiten – wer Aufmerksamkeit gibt, bekommt sie 100fach zurück. Das haben mich übrigens die Papuas gelehrt.

Sie haben mir auch immer wieder geholfen, neue, fischreiche Spots zu finden. Ich habe mich dafür bedankt, indem ich beispielsweise ein Buch über Raja Ampat veröffentlicht habe, dessen Erlös an die heimische Bevölkerung geht.

Die Flugzeug- und Schiffswracks interessieren mich übrigens noch heute – verwittert, wie sie sind, dienen sie den Meeresbewohnern als Höhle und sind darum spannende Orte für Taucher. Raja Ampat ist tatsächlich ein Paradies – an Land und unter Wasser, gemacht für Menschen, die spüren wollen, wie tief Frieden sein kann. ®

 

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