• Ryan Pyle

Einen Blick für Schönheit.

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 4 Minuten)

Stil uhr

Ryan Pyle ist Abenteurer, Fotograf und Dokumentarfilmproduzent. Seine Fernsehserie „Extreme Treks“ machte den Markenbotschafter für Glashütte Original weit über seine Heimat Kanada hinaus bekannt.

Ich weiß gar nicht mehr, wie meine Leidenschaft für mechanische Uhren ihren Anfang nahm. Andere Männer „erben“ diese von ihrem Vater, aber meiner hat nie so etwas getragen. Er war Olympionike und erfasste seine Rundenzeiten mit einer digitalen Sportuhr aus Plastik. Immerhin – mein Vater brachte mich zum Sport. So war er zwar nicht für meinen Uhrengeschmack, aber doch für den Beginn meiner Karriere mitverantwortlich.

Ich selbst habe schon immer sorgfältig handgefertigte Dinge gemocht. Für die „New York Times“ berichtete ich einige Jahre aus China und sah auf meinen Reisen durchs Land viele Menschen, die nach alten Handwerksregeln produzieren: Keramik, Schnitzereien, Möbel. Das ist alles zwar nicht so delikat wie die Montage einer Uhr, aber es setzt ebenfalls große Begabung und Erfahrung voraus – Fähigkeiten, die langsam verschwinden. Daraus ist dann die Idee zu meiner Serie „Meet the Makers“ entstanden. Ich wollte Handwerker zeigen, deren Wissen über Generationen weitergereicht worden ist und das nicht verloren gehen darf. Wenn ein 3-D-Printer in Windeseile und wie aus dem Nichts eine Skulptur herstellen kann, für die ein Schnitzer Tage benötigt, wird diese Gefahr geradezu greifbar.

Die Uhrmacherei ist da natürlich auf der sicheren Seite – schon weil wohl niemand so schnell eine Maschine erfindet, die aus Tausenden Teilen eine komplizierte mechanische Uhr machen kann. Außerdem gibt es genügend Menschen, die gerade in digitalen Zeiten das Analoge schätzen, das ästhetisch Ansprechende.

Als Fotograf finde ich Schönheit zunächst in der Natur, in einem dramatischen Gewitter, einem Sonnenaufgang oder einem sternenklaren Nachthimmel. Ich sammle solche Augenblicke. Das gilt übrigens auch für die Schönheit von Gefahr. Ein Sandsturm, alles, womit die Natur einen bedroht, hat seine eigene Ästhetik. Aber ich erfreue mich auch an Autos, Architektur und Armbanduhren.

Sie sehen schon: In gewisser Weise lebe ich in zwei Welten, für die ich mich ganz unterschiedlich ausstatte – auch mit zwei völlig verschiedenen Uhren. Im Moment ist das Reisen ja schwierig, 2019 aber war ich ständig unterwegs, von Flughafen zu Flughafen, und habe deshalb auf der „Senator Cosmopolite“ von Glashütte Original immer wieder zu einer anderen Lokalzeit gewechselt. Ich habe mehrere Büros, als Heimatzeit ist aber immer Dubai eingestellt, wo ich seit Jahren meinen Lebensmittelpunkt habe.

Bei den Reportagen trage ich meine robuste „SeaQ Panoramadatum“. Ihr mechanischer Antrieb hat dabei nichts mit Nostalgie zu tun. Mein ganzes Abenteurer- und Journalis­tenleben dreht sich viel zu oft um Batterien, denn wir sind immer mal wieder für 14 Tage weit weg von jeder Steckdose. Am Handgelenk brauche ich da etwas Autarkes, Belastbares. Bei mir geht es nicht um Zehntelsekunden, aber um eine präzise Tagesplanung: Aufbruch, das Eintreffen auf einem Gipfel und die Rückkehr ins Basislager … Wenn im Tagesablauf etwas schiefgeht, ist es schon ein gutes Gefühl, ein verlässliches Instrument am Arm zu tragen.

Inzwischen habe ich mir sogar die Werkstätten von Glashütte Original anschauen können. Es war mein erster Besuch in einer Uhrenmanufaktur. Ich konnte den Spezialisten über die Schulter blicken, die mit ganz feinen Pinzetten kleinste Teile bewegen und montieren, die ich mit bloßem Auge gar nicht sehen konnte. Ganz ehrlich: Mein Gehirn funktioniert so nicht. Man hat mich auch versuchen lassen, einen Zierschliff auf eine Platine zu setzen und Chatons einzupressen … Sagen wir mal, ich weiß jetzt noch genauer, wo meine Fähigkeiten liegen – und wo nicht.

Die Ateliers in Glashütte sind natürlich modern, hygienisch, staubfrei. Aber dann stehen da auch noch altmodische Maschinen mit Handrad und Treibriemen. Und es riecht ein wenig wie in vielen kunsthandwerklichen Werkstätten. Vieles wird offenbar bewusst nicht geändert. Das gehört zu den Tugenden, die ich schön finde. Ein Stück Feinuhrmacherei zu tragen, aus Hunderten Teilen in vielen Stunden gebaut, sehe ich als besonderes Privileg an. Vielleicht ist ja so eine Uhr überhaupt einer der aussagekräftigsten Gegenstände. Sie spiegelt wie kaum ein anderes Accessoire, wer man ist und wofür man steht.

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