• Ken Honig

Der Anteil der Engel.

090 La Part des Anges 2014 La Part des Anges 2014 Copyright BNIC Jade Communication Jean Claude GUILLOUX 5Auf der Cognac-Versteigerung „La Part des Anges“ werden exklusive Brände zu Spenden. Der passionierte Sammler Ken Honig berichtet vom Charme dieser Veranstaltung. Am 22. September 2016 ist es wieder so weit.

Ich nehme schon seit Jahren regelmäßig an der Cognac-Versteigerung „La Part des Anges“ teil. Warum? Ich betrachte es als Auszeichnung. Wie viele Menschen können schon an einer sehr privaten Veranstaltung auf einer Burg, einem Schloss oder einem hochherrschaftlichen Anwesen partizipieren, das in der Regel 365 Tage im Jahr für die Öffentlichkeit geschlossen ist?

Es ist fast wie ein Familientreffen. Dort sind Menschen, mit denen ich mich in der Regel nur per E-Mail oder Telefon austausche. Ich komme, um echte Freunde und Leiter der Cognac-Häuser zu sehen, die meinen Geschmack erziehen und meinen Horizont erweitern. Ich hatte früher schon das große Glück, mit Rémy Martin, Frapin, Courvoisier, Hardy an einem Tisch zu sitzen. In diesem Jahr werde ich am Tisch der Familie Hennessy sein. Bei der letzten Auktion war Sarah Ferguson, Dutchess of York, mein „Date“. Sie ist eine wunderbare Person, sehr engagiert. Ihre Stiftung wurde als Empfängerin der Erlöse ausgewählt.

Das ist übrigens der wichtigste Grund meines Besuchs. Die Einnahmen jedes Jahr werden für einen guten Zweck gespendet, den der Cognac-Verband BNIC auswählt. Für den britischen Verein „Children in Crisis“ etwa oder die „Restos du coeur“ der Cognac-Region Charente, eine französische Variante der Tafel, die 1985 vom Komiker Coluche gegründet wurde. Oder das Rote Kreuz. Oder „L’Arche à Cognac“, ein Verein, der sich um geistig Behinderte kümmert. Bei der letzten Ausgabe von La Part des Anges kamen 237600 Euro für wohltätige Zwecke in die Kasse. Im Jahr zuvor waren es „nur“ 175450 Euro. Ich bin schon gespannt, wie viel es in diesem Jahr sein wird.

Sie fragen sich vielleicht, was es mit dem Namen „Part des Anges“ auf sich hat. Nun, Destillate wie Cognac verdunsten. Gut zwei Prozent der Lagerbestände lösen sich jährlich in Luft auf. Das macht in der Region Cognac rund 20 Millionen Flaschen. „Anteil der Engel“ wird dieser Schwund in der Region genannt. Im Zusammenhang mit den wohltätigen Organisationen, die sich ja auch als Engel verstehen, entsteht daraus ein hübsches Wortspiel.

Nun gut – ich gebe es zu: In erster Linie bin ich dort, um einzigartigen Cognac zu kaufen. Bei dieser Auktion finden Sie viele „One of a kind“-Flaschen, extrem limitierte Auflagen, oder sogar Prototypen einer demnächst verkauften streng limitierten Serie. Flaschen, die Nummern wie „0“ oder „1“ einer Serie tragen.

Jede Flasche, die auf der Auktion verkauft wird, ist außergewöhnlich. Bei der letzten Versteigerung gab es unter anderem Jahrgangscognac von Delamain von 1964. Der „Hardy Hommage“ bestand nur aus Grande-Champagne-Cognacs aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Und der „Pierre Ferrand 1914 – The last cask“ stammte tatsächlich aus dem letzten Fass des 1914er-Jahrgangs. Weil die Männer damals an der Front waren, wurden diese Cognacs von Frauen destilliert. Die waren zwar in Sachen Destillation nicht ganz so erfahren – dennoch gilt der „Jahrgang der Damen“ als besonders gelungen. Bei Ferrand wurde ausgerechnet, dass dieses letzte Fass für 202 Flaschen reicht – und keine mehr. Die erste erlöste 6000 Euro.

Einzigartig sind diese Cognacs aufgrund der begrenzten verfügbaren Menge, ihrer Neuheit, des Jahrgangs des Destillats und oft wegen der Flasche selbst. Kunstwerke von Lalique, Baccarat oder den zahlreichen anderen Kristallglasexperten sind ein erstaunlicher Anblick. Ich habe zahlreiche Flaschen bei diesen Auktionen einfach aufgrund ihrer Kristallkaraffen erworben.

Im Jahr 2016 findet die Versteigerung zum zehnten Mal statt. Ein Jubiläum, bei dem der Cognacverband sich selbst übertreffen möchte. Sowohl der Veranstaltungsort als auch die Begünstigten oder die versteigerten Cognacs sind noch streng geheim. Wenn der Katalog der Versteigerung ins Haus kommt, ist das für mich ein kleines Fest. Ich denke mal, dass ich ihn im Juni oder Juli in Händen halte.

„C’est vu – j’adjuge – et pas de regret.“ „Gesehen – ich gebe den Zuschlag – und ohne Bedauern“ – so lautet das französische Äquivalent zu „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“. Und ganz ehrlich – ich habe es noch nie bedauert, an der Versteigerung teilgenommen zu haben.  ®

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