• Mathias Heller

Prickeln.

Stil IMG 9138 1Mathias Heller will mit seiner Siphon Manufaktur die klassische Sodakultur wiederbeleben. Deshalb restauriert er alte Siphons – und schafft so Einzelstücke mit Geschichte für echte Liebhaber der Barkultur.

Wir waren eine kleine Freundesgruppe, und als Bourbonliebhaber gingen wir sehr gern in Cocktailbars. Bei einer Reise nach New York stolperten wir auf einem Flohmarkt zufällig über einen alten Sparklets Soda Siphon, den wir für rund 20 Dollar kauften. Wäre das nicht eine coole Sache, dachten wir, diesen schon etwas ramponierten Siphon wieder zum Laufen zu bringen?

Wir hatten dabei noch gar nicht an ein Geschäft gedacht. Sondern wollten den Siphon für unseren eigenen Gebrauch. Früher wurden ja in den Bars Drinks wie Bourbon mit Sodawasser gemixt – und das Sodawasser wurde in diesen Siphons hergestellt. Im Vordergrund stand damals nur die Idee, einen wirklich authentischen Bourbon & Soda mixen zu können. Wir restaurierten dieses erste Exemplar und waren vom Resultat begeistert.

Dann entdeckten wir, dass diese alten, gläsernen Siphons auch im Internet angeboten wurden. Wir begannen, die selbst restaurierten Siphons befreundeten Barkeepern zu zeigen. Die waren begeistert und wie wir der Meinung, dass die Aufbereitung von Wasser mehr Stil verdient.

So bekamen wir die Möglichkeit, ein kleines Unternehmen aufzubauen. Anfangs waren wir zu dritt, die beiden anderen sind aber am Ende des Studiums ausgestiegen. Jetzt gibt es nur noch mich und einen Restaurateur. Und ich bin im wirklichen Leben ja auch Geschäftsführer einer mittelständischen Firma. Die 2012 gegründete Siphon Manufaktur betreibe ich aus Leidenschaft als Hobby, da wir uns ja in einem winzigen Nischenmarkt bewegen.

Für die Restaurierungsarbeiten engagierte ich einen gelernten Feinmechaniker, der sein Handwerk versteht. Gemeinsam haben wir viele Entwicklungen gemacht, zum Beispiel eine Maschine, die die Flaschen reinigt. Oder einen Kapselhalter, der auf alle Siphons passt. Das ist das Teil, in das die Sodapatrone eingelegt wird – ein wirklich kritisches Stück, denn es fehlt bei 70 Prozent der alten Siphons.

Heute haben wir uns auf die Marke Sparklets spezialisiert. Sparklets war zwischen 1900 und 1960 der wichtigste Hersteller weltweit und produzierte in dieser Zeit ungefähr vier Millionen Stück. Sie zu finden, ist oftmals auch mühselig. Ich achte auf Haushaltsauflösungen, freue mich, wenn Siphons im Keller oder auf dem Speicher gefunden wurden. Einmal konnte ich ein größeres Lager, 300 Stück, von einem amerikanischen Privatmann kaufen. Einer meiner Studienfreunde, der in den USA lebt, ist zufällig bei einer Lagerauflösung darauf gestoßen. Das war ein Glücksfall. Ich habe natürlich sofort zugegriffen.

Bis 2013 haben wir unsere Siphons eigentlich nur im Freundeskreis verkauft. Mittlerweile nutzen wir auch das Internet als Plattform. Der Kundenkreis ist sehr unterschiedlich. Er reicht von Privatpersonen über Bars wie „Die Goldene Bar“ im Münchner Haus der Kunst, Hotels wie das Waldorf Astoria in New York, das Mandarin Oriental in Mailand, das Shangri La in Singapur, das Dorchester in London oder das Rosewood in Bangkok und Phnom Penh. Auch Spirituosenfirmen, wie beispielsweise der italienische Getränkehersteller Campari, bestellen die Siphons.

Außerdem haben wir seit 2014 einen neuen hochwertigen Siphon aus Japan im Sortiment. Der Tokyo Soda Siphon ist sturzfest und leichter als die handrestaurierten, gläsernen Sparklets Soda Siphons. Ich mache das, weil der Tokyo auch ein ganz besonderer Gegenstand ist. Er ist Teil einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York und wurde im Jahr 2010 mit dem „Design Of The Year“-Award des “Wall Street Journal” ausgezeichnet. Das passt zu unserer Philosophie.

Derzeit denken wir darüber nach, das Geschäft zu erweitern. Wir könnten schließlich auch die passenden Zubehör­utensilien wie Gläser oder Sirup anbieten. Mal sehen. Aber das muss nicht sein. Ich bin stolz und zufrieden damit, dass wir weltweit die einzigen sind, die diese alten Siphons restaurieren. Dadurch wird jeder Siphon einzigartig – ein echtes Unikat. Seit 2012 konnten wir ungefähr 1000 Stück verkaufen, die zwischen 550 und 750 Euro kosten. Und haben so 1000 Mal dafür gesorgt, dass ein prickelndes Stück Bargeschichte lebendig bleibt.    ®

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