• Sonderveröffentlichung: Merck Finck Privatbankiers AG

Stifter stellen die Weichen neu.

Merck 525021720Engagement. In der Nullzinsära existieren viele Stiftungen nur noch auf dem Papier. Mangels Erträgen können sie nicht mehr fördern. „Der Zweck einer Stiftung wird dann verfehlt, der Wille des Stifters nicht mehr erreicht“, macht Ralf Schwind, Vorstandsvorsitzender der Merck Finck Stiftung, klar und skizziert Auswege aus diesem Dilemma.

Deutschland ist stolz auf das zivilgesellschaftliche Engagement seiner wohlhabenden Bürger. Rund 23000 rechtlich selbstständige, gemeinnützige Stiftungen übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft, wollen etwas für das Gemeinwohl bewegen, Probleme lösen, für die sich sonst keiner zuständig fühlt. „In Europa ist Deutschland in diesem Bereich mit Abstand die Nummer eins. Doch dieses wertvolle Asset, warnt Ralf Schwind, Vorstandsvorsitzender der Merck Finck Stiftung, „droht nun peu à peu verloren zu gehen“.

Rund zwei Drittel der deutschen Stiftungen, rechnet der Experte vor, verfügen nur über ein Grundstockvermögen von weniger als einer Million Euro. „Die bittere Realität ist, dass sehr viele dieser kleinen Stiftungen perspektivisch nicht mehr in der Lage sein werden, das zu machen, wofür sie initiiert wurden – zu fördern.“

Das große Problem: In Deutschland stehen zwei Grundsätze für Stiftungen gleichberechtigt nebeneinander. Auf der einen Seite sollen sie fördern, dafür gibt es ja die Steuerbefreiung. Auf der anderen Seite soll aber auch das Kapital der Stiftungen erhalten bleiben. Schließlich haben die Stifter ihre Organisationen für die Ewigkeit gegründet. „Das war in Zeiten von fünf Prozent Zinsen kein Problem. Heute, in der Nullzinsära, passt die Relation zwischen Erträgen und Kosten einfach nicht mehr. Kapitalerhalt und gleichzeitig zu fördern funktioniert bei vielen nicht mehr.“

Ralf Schwind skizziert das Dilemma anhand konkreter Zahlen für eine Stiftung mit Grundstockvermögen von einer Million Euro. „Selbst wenn sie 50 Prozent in Sachwerte investiert und dabei erfolgreich agiert, wird sie in der Regel nicht mehr als 10000 bis 15000 Euro an ordentlichen Erträgen erwirtschaften können. Daraus sind die fixen Kosten zu decken – Jahresabschluss mit Prüfung, Buchhaltung, Entgelt für Gremien, besetzt mit Profis, die sich mit Stiftungen auskennen.“ Für den Stiftungszweck, die Förderung, bleibe dann kaum mehr etwas übrig. „Das kann doch nicht im Sinne des Stifters und unserer gesamten Gesellschaft sein. Stiftungen, die ihrem Förderzweck jahrelang nicht nachkommen können, sind nicht mehr als Karteileichen“, macht Schwind klar.

Um das zu ändern, gibt es nur drei Möglichkeiten: „Die Stiftung muss ihre Erträge steigern, ihre Kosten senken oder ihre Stiftungsform ändern – aus der Ewigkeitsstiftung zum Beispiel eine Verbrauchsstiftung machen.“ Den Diskurs darüber möchte Ralf Schwind anstoßen. „Interessant finde ich zum Beispiel das amerikanische Modell. Danach müssen Stiftungen jedes Jahr fünf Prozent ihres Vermögens ausschütten. Egal, wie viel Ertrag sie machen. Dort wird also der Fördergedanke priorisiert.“

In Deutschland dagegen stoßen Umwandlungspläne häufig auf den Widerstand der Aufsichtsbehörden. Sie sehen ihre wichtigste Aufgabe darin, den Stifterwillen gemäß Satzung durchzusetzen. „Wenn die Möglichkeit einer Verbrauchsstiftung dort nicht niedergelegt ist, versagt die Aufsicht deshalb grundsätzlich die Umwandlung“, erklärt Schwind. „Dem halte ich entgegen, dass der Stifter damals sicherlich nicht wusste, dass es einmal so etwas wie Minuszinsen geben würde. Außerdem gibt es die Verbrauchsstiftung als mögliche Alternative erst seit einigen Jahren. Wäre es da nicht sinnvoller, zu überlegen, was er tun würde, wenn ihm die heutige Situation bekannt wäre? Alle Stifter, die ich kenne, wollen etwas Gutes tun, etwas bewegen. Wenn Stiftungen eine bestimmte Zeit lang nicht mehr fördern können, sollte die Aufsicht darauf dringen, dass sie sich anders aufstellt. Die Fördertätigkeit sollte an erster Stelle stehen.“

Geht es darum, die Relation zwischen Erträgen und Kosten zu verbessern, spiele vor allem die Größe der Stiftung eine Rolle. „Viele Kosten sind ja fester administrativer Aufwand. In größeren Einheiten sinkt deren Anteil prozentual, der Spielraum für Förderung erhöht sich entsprechend. Allein aus diesem Grund bin ich überzeugt, dass eine Stiftung mit weniger als drei Millionen Euro Grundstockvermögen auf Dauer keinen Sinn mehr macht.“

Auch bei der Kapitalanlage ist Größe ein wichtiges Argument. „Viele Anlageklassen – Land, Forstwirtschaft, vor allem auch Private Equity – bleiben kleinen Stiftungen verwehrt, weil sie weder genügend Kapital noch das nötige Know-how und Netzwerk haben. Je höher das Vermögen, desto besser sind Diversifikationsmöglichkeiten und Renditeperspektiven“, erläutert der Profi.

Dabei gelte es heute auch, über die Anlagestrategie grundsätzlich neu nachzudenken. „Ich frage mich schon, ob es tatsächlich stiftungskonform ist, schwerpunktmäßig in Nominalwerte zu inves­tieren. Ist es tatsächlich sinnvoll, einen Großteil des Stiftungsvermögens langfristig in Geldvermögen wie Anleihen zu investieren, wo doch politische Akteure rund um den Globus den Charakter und das Angebot an Geld beliebig steuern? Oder ist es nicht viel zielführender, mit Sachwertanlagen auf Innovationskraft, Intelligenz und Know-how des privaten Wirtschaftssystems zu setzen?“

In der Merck Finck Stiftung werden zum Beispiel in der Regel mindestens 75 Prozent des Kapitals in Sachwerte inves­tiert. „Durch die breite Streuung und die entsprechend stabilen Ausschüttungen stellen wir die Leistungsfähigkeit der Stiftung sicher. Wenn dann die Kurse und damit die Buchwerte der Anlagen schwanken, ist das mit Blick auf unseren langfristigen Anlagehorizont fast egal.“ Entsprechend entspannt war Ralf Schwind auch während der Turbulenzen der letzten Monate. „Dass Börsenkurse fallen können, wusste ich vorher schon. Und davon, dass sie dann irgendwann wieder steigen dürften, war ich auch schon immer überzeugt. Kein Grund, sich verrückt machen zu lassen.“

Weil größere Einheiten effizienter anlegen können, macht sich Schwind dafür stark, es kleinen Stiftungen künftig leichter zu ermöglichen, sich zusammenzutun oder unter das Dach einer größeren Stiftung zu schlüpfen.

Einen gangbaren Weg bietet die Merck Finck Stiftung selbst seit 2007 an. „Wir haben 15 Stiftungszwecke sehr breit definiert. Unter diese lassen sich nahezu alle denkbaren Fördermöglichkeiten fassen. Jeder Zustifter kann das Projekt unterstützen, das ihm am Herzen liegt. Er hat sogar die Möglichkeit, die Stifterrolle unter seinem eigenen Namen auszufüllen. Die Bezeichnung der Zustiftung lautet dann zum Beispiel ,Stiftungsfonds Max Mustermann‘“, erklärt Ralf Schwind.

Auch solche Schritte würden heute noch zu oft von den Aufsichtsorganen blo­ckiert, kritisiert der Experte: „Da gibt es oft monatelange Diskussionen. Wenn die größere Stiftung den jeweiligen Stiftungszweck ebenfalls in ihrer Satzung verankert hat und deren Förderzwecke abbilden kann, sollte eine derartige Lösung doch gefördert und nicht behindert werden.“

Heute, ist Schwind überzeugt, lasse sich die Stiftungslandschaft noch aktiv umbauen. „Tun wir aber nichts, wird die normative Kraft des Faktischen in den nächsten zehn bis 20 Jahren Veränderungen erzwingen, die zum Nachteil der Gesellschaft sind.“

Vorständen von kleinen Stiftungen, die diese Problematik erkannt haben, rät Ralf Schwind, selbst aktiv zu werden. „Suchen Sie sich eine größere Stiftung, unter deren Dach Sie schlüpfen möchten. Treffen Sie sich mit deren Vorstand, fassen Sie dann einen Vorstandsbeschluss und reichen Sie diesen bei der Aufsicht ein. Machen Sie dort deutlich, dass sie dann perspektivisch ihre Ämter niederlegen werden.“

„Wissen Sie, was dann passiert?“, überlegt der Stiftungsexperte: „Lehnt sie das Ansinnen ab, müsste die Aufsicht selbst eine Lösung für die Stiftung finden, die ja weiterlebt. Sollten immer mehr kleine Stiftungen diesen Weg beschreiten, bin ich zuversichtlich, dass die Aufsicht solchen Veränderungen künftig aufgeschlos­sener gegenüberstehen wird!“     ®

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Zustiftung: So funktioniert die Merck Finck Stiftung.

Gemeinwohlorientierte Menschen können schon ab einem Betrag von 20000 Euro in die Merck Finck Stiftung zustiften.

Im ersten Schritt wird definiert, wofür die Zustiftung stehen soll. „Das kann bis in die letzte Facette eines speziellen Förderprojekts festgelegt sein“, informiert Schwind. Weil der Stiftungszweck in der Merck Finck Stiftung extrem breit angelegt ist, sei fast alles möglich.

Regelmäßig erhalten die Zustifter nun Informationen über den ihnen zustehenden Stiftungsertrag. „Die Untergrenze dessen, was wir jedes Jahr seit Gründung an die Zustifter ausgeschüttet haben, liegt bei zwei Prozent. Das wollen wir auch zukünftig schaffen“, erläutert Schwind. Dabei kommt der Stiftung zugute, dass alle Organe – Vorstand, Stiftungsrat, Kuratorium – sowie fast die gesamte Administration kostenfrei von der Bank zur Verfügung gestellt werden. „Das ist unser Beitrag zum Gemeinwohl. So haben wir nur noch drei Kostenblöcke – die Vermögensverwaltung, die 0,5 Prozent berechnet, die Mitgliedschaft beim Bundesverband Deutscher Stiftungen und die Jahresabschluss­kos­ten –, günstiger geht es nicht.“

Im nächsten Schritt nennt der Zustifter dann die Organisation, die er unterstützen möchte. „Wir nehmen mit ihr Kontakt auf, prüfen, ob sie tatsächlich gemeinnützig ist, und wickeln die gesamte Transaktion ab.“ Selbst die Haftungsfrage bei Kursverlusten mit Kapitalanlagen stellt sich für den Zustifter nicht. „Dafür sind ja auch wir verantwortlich.“

Im Prinzip, schließt Schwind, sei die Merck Finck Stiftung also ein Haus, in das alle Menschen, die etwas für das Gemeinwohl tun möchten, sofort einziehen können. „Die Zimmer sind möbliert, alles ist vorbereitet, um die anfallenden Arbeiten kümmern wir uns. Die Zustifter können sich dadurch auf das konzentrieren, was ihnen wirklich wichtig ist – mit ihrem Engagement ein Ziel zu fördern, das ihnen am Herzen liegt.“

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Sonderveröffentlichung:

Merck Finck Privatbankiers AG

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