• Dr. Günter Kast

Lieber ganz privat.

thumb Private Jets Photographer Dominik Mentzos Models Neverest Muenchen conditions worldwide 5 years no advertising 1036 01 0448Flugreisen. Einen Privatjet mieten? Oder ein eigenes Flugzeug kaufen? Wer privat und beruflich häufig unterwegs ist, hat viele Optionen. Aber nur wer genau geprüft hat, welche Entscheidungsparameter für ihn persönlich Vorrang haben, findet die passende Lösung.

„Schraubenkönig“ Reinhold Würth, 80, pflegte seine dreistrahlige Falcon 900 selbst zu steuern. Erst dieses Jahr gab er seine Pilotenlizenz aus gesundheitlichen Gründen ab. Ihm gehören nicht nur mehrere Jets, sondern auch eine Landebahn. Weil sich der Firmensitz in der tiefsten Provinz befindet, sei der eigene Airport in Schwäbisch Hall sehr praktisch. „Wir sind mit unserer kleinen Flotte zeitlich und örtlich sehr flexibel“, heißt es bei Würth. So ließen sich auch kleine Flugplätze in Kundennähe anfliegen.

Viele Unternehmer, deren Firmensitz weit von den Metropolregionen entfernt liegt, können diese Argumentation nachvollziehen. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Privatjets. Schon heute sind in Europa rund 4500 Flugzeuge (inkl. Turboprop-Maschinen) im Einsatz. Die Berater von Roland Berger prognostizieren in einer Studie, der Markt der in Europa verkauften Privatjets werde bis 2020 um acht Prozent pro Jahr wachsen. In den USA und in China erwarten die Analysten jährliche Zuwachsraten von knapp fünf und gut 20 Prozent.

„Vor allen Dingen geht es dabei natürlich um Effizienz und Zeitersparnis“, macht Gerald Wissel klar, der in Hamburg die Beratungsfirma Airborne Consulting betreibt. Zu vielen Zielen gibt es eben keine oder nur sehr ineffiziente Linienflüge. Wer beruflich nach Mailand muss, landet zum Beispiel mit der Linienmaschine in Malpensa weit draußen vor der Stadt. Wer privat fliegt, kommt am stadtnahen Airport Linate an. Auch für komplexe oder zeitlich heikle Reisevorhaben eignet sich der Privatjet besser. Man denke nur an die Roadshow vor einem IPO, bei der in kürzester Zeit Investorentermine in verschiedenen Städten absolviert werden müssen.

Hinzu kommt die Zeitersparnis beim Check-in, bei der Handgepäckkontrolle und beim Boarding. Außerdem hebt die Maschine erst dann ab, wenn auch der Eigentümer startklar ist. Notfalls wartet der Pilot eben. Und: Der Fluggast kann sich mit der Mietlimousine direkt zum Jet fahren lassen. Mit einer Sondererlaubnis an einigen Airports ist das sogar mit dem eigenen Wagen möglich.

Darüber hinaus sprechen noch eine ganze Reihe anderer Argumente für den Privatjet. Eines ist die Sicherheit. Weil etwa für Daimler-Chef Dieter Zetsche seit Jahren die höchste Gefährdungsstufe gilt, nutzt der CEO keine Linienflüge mehr – auch nicht bei privaten Reisen. Selbst bezahlen muss Zetsche dann nur den Preis eines Erste-Klasse-Tickets. Die Differenz übernimmt der Konzern.

Ein weiterer Punkt ist das Thema Diskretion. Vertrauliche Telefonate sind in einem Linienjet eben nicht möglich. Der frühere Lufthansa-CEO Wolfgang Mayrhuber zum Beispiel, der sich überhaupt nichts aus Luxus macht, nutzte während der Akquisitionsphase von Austrian Airlines Privatflugzeuge, um nach Wien zu fliegen. Er vermied damit, dass Journalisten „zufällig“ mitbekommen, dass er während dieser Zeit häufig in Österreichs Hauptstadt weilte.

So einleuchtend die Argumente für den Flug mit einem Privatjet sind, so schwierig ist die Auswahl der passenden Strategie. Gerald Wissel unterscheidet vier Grundmodelle. „Eine Option ist – natürlich – das eigene Flugzeug, um das man sich auch selbst kümmert“, erklärt der Experte. „Kümmern“ heißt: eigene Piloten und eine Crew einstellen, das Catering organisieren, die Start- und Landegenehmigungen einholen, die Hotelübernachtungen für die Crew buchen. Natürlich, dafür gibt es Assistenten. Doch das ist zeitaufwändig und erfordert spezielles Branchenwissen.

Wer diese Aufgaben outsourcen möchte, muss zum Anschaffungspreis noch die fixen und variablen Kosten für das Aircraft-Management hinzurechnen. „Meist übernehmen spezialisierte Firmen wie Jet Aviation, Stuttgarter Flugdienst oder DC Aviation dies für den Eigentümer“, erklärt Wissel. „Auf Wunsch können freie Kapazitäten des eigenen Flugzeugs auf dem Markt als Charter angeboten werden.“

Sogenannte Fractional-Ownership-Betreiber wie NetJets kaufen dagegen selbst Flugzeuge ein und verkaufen diese dann „stückweise“. Die jeweiligen Interessenten erwerben Anteile am Flugzeug mit dem entsprechenden Recht, eine bestimmte Anzahl von Flugstunden zu nutzen.

Charter-Operator hingegen verkaufen Restkapazitäten oder aber Kapazitäten eigener Flugzeuge (wie zum Beispiel VistaJet) am freien Markt. Sie bieten jedoch keine Teileigentumsrechte daran an, sondern veräußern lediglich Flugstunden. „Und dann gibt es noch die Broker“, schließt Gerald Wissel: „Sie suchen für den Kunden unter allen verfügbaren Kapazitäten das passende Angebot heraus.“ „Passend“, das kann heißen: das schnellste, das preisgünstigste oder aber das komfortabelste.

„Die erste Entscheidung lautet also: eigenes Flugzeug oder nicht“, erklärt der Experte. Natürlich gebe es Kundentypen, für die ein eigener Flieger besser geeignet sei. Das seien etwa jene, die sehr kurzfristig planen müssten, oder Gäste, die zu saisonalen Stoßzeiten auf einen Jet angewiesen seien: „Wer    > jedes Jahr zu den Filmfestspielen nach Cannes fliegen will, macht das besser mit dem eigenen Fluggerät, weil die Charterjets dann jedes Mal frühzeitig ausgebucht sind.“

In der Regel sei aber die Zahl der benötigten Flugstunden pro Jahr das wichtigste Auswahlkriterium. Dem Verband European Business Aviation Association (EBAA) zufolge lohnt sich der Kauf eines eigenen Geschäftsflugzeugs erst ab 200 Flugstunden pro Jahr bei voller Sitzplatzauslastung. „Bei Langstreckenjets kann die ökonomisch sinnvolle Schwelle sogar erst bei 400 Flugstunden liegen“, erklärt Privatflugexperte Wissel.

Wer deutlich darunter bleibt, fährt unter Umständen mit Fractional Ownership besser. „Dies rechnet sich in der Regel für Firmen mit 50 bis 400 Flugstunden jährlich“, erklärt Wissel: „Der Kunde erwirbt zum Beispiel ein Achtel an einer Cessna Citation XLS von NetJets und absolviert damit rund 100 Flugstunden im Jahr. Hinzu kommt eine monatliche Verwaltungsgebühr.“ Wer seine Flugstunden nicht benötigt, könne diese je nach Vertrag auch an Dritte weiterverkaufen.

Nicht immer ist Fractional Ownership jedoch die günstigere Lösung. „Es kommt wirklich darauf an, wohin ich fliege“, meint Consultant Gerald Wissel und weist auf das sogenannte „Flight Pattern“ hin. „Wenn ich zwei bis drei Mal pro Woche von Hamburg nach Wien und wieder zurück muss, lohnt sich auf jeden Fall ein eigenes Flugzeug: Denn in den Flugkos­ten pro Stunde ist bei Fractional Ownership immer auch ein Posten für Positionierung und Leerflug enthalten.“

Wer dagegen häufig auf wechselnden Strecken unterwegs ist und verschiedene Abflughäfen nutzt, sei mit Fractional Ownership besser beraten. „Der Jet steht dann dank des weltweiten Netzwerks der Anbieter schon bereit. Der eigene Flieger müsste hingegen ständig hinterherreisen oder aber er parkt tagelang ungenutzt auf dem Rollfeld. Das ist nicht sehr ökonomisch.“

Für alle, die deutlich weniger als 100 Flugstunden pro Jahr reisen, kommt die punktuelle Buchung von ganz kleinen Maschinen wie zum Beispiel einer Embraer Phenom 100 infrage. Die Flugleistung wird für ein bestimmtes Datum reserviert und vorab bezahlt. Für Gelegenheitsflieger können auch sogenannte Jet-Membership-Modelle lohnenswert sein. Firmen dürfen dabei eine vorab definierte Anzahl Flugstunden in einem bestimmten Jettyp und innerhalb eines festgelegten Zeitraums nutzen. Damit sich dieses Modell lohnt, sollte die Zahl von jährlich 50 Flugstunden aber nicht überschritten werden.

Was auf den ersten Blick einfach und ökonomisch klingt, hat in der Praxis allerdings so seine Tücken. Es ist zum Beispiel wenig hilfreich, wenn man eine Jet Membership Card mit 50 Flugstunden vorab bezahlt und genau dann fliegen will, wenn alle anderen das auch wollen. „Wenn keine Flugzeuge mehr verfügbar sind, bleibe ich erstens am Boden und zweitens am Jahresende auf zehn Stunden oder mehr sitzen. “ Was passiert damit? „Das ist eine juristische Grauzone“, warnt Experte Wissel.

Oft empfiehlt der Consultant auch einen Mix aus Fractional Ownership und Air-Taxi-Stunden. „Wer zum Beispiel voraussichtlich 100 Stunden im Jahr fliegt, für den lohnt sich ein Vertrag über 50 Stunden Fractional Ownership – die restlichen Stunden werden dann gechartert.“ Bei jedem Flug könne der Kunde nun vergleichen, ob Charter oder Fractional Ownership (FO) günstiger ist: „FO ist beispielsweise dann ökonomischer, wenn ich sehr kurzfristig buche, zu Peak-Zeiten ein Flugzeug benötige, oder aber der Charterjet erst positioniert werden muss.“ Charter hingegen ist vorzuziehen, wenn der Kunde im Voraus buchen kann, er generell in eher schwachen Zeiten unterwegs ist, es sich um einen sogenannten Same-Day-Return-Flug handelt oder er von einem Airport abfliegt, an dem schon ein Jet stationiert ist.

Auf den Charme von Zwischenlösungen setzt auch die Lufthansa: Lufthansa Privat Jet (LPJ) befördert jährlich zum Beispiel etwas mehr als 1000 Passagiere. 40 Prozent dieser Flüge sind nach eigenen Angaben aber sogenannte Hub Services, also Zubringer innerhalb Europas zu den Langstreckenflügen. In München bietet LPJ sogar das stundenweise Mieten eines Hubschraubers an. Lufthansa-Vertriebschef Jens Bischof hält diese Art der Fortbewegung, die in vom Verkehrskollaps bedrohten Städten wie São Paulo schon lange die einzig effiziente ist, um von A nach B zu kommen, für eine „gute Ergänzung“.

Für Bischof ist das Teil des Versprechens, die qualitativ führende Airline in Europa zu sein. „Das ist wie bei einem 7er- BMW“, erklärt Bischof. „Er ist vielleicht nicht das umsatzstärkste Produkt. Aber es ist ein Flaggschiff, ein Statement. LPJ unterstreicht unsere Markenwerte – durchdacht, kultiviert, warmherzig – in perfekter Weise.“ Der Manager findet, dass LPJ die Vorteile eines Privatjets perfekt mit dem Know-how der Lufthansa verknüpft: 24/7-Erreichbarkeit, kein eigenes Investment, nahtlose Anschlüsse, garantierte Verfügbarkeit bis zehn Stunden vor Abflug, optionaler Limo-Service und Flugbegleiter, Festpreisgarantie. Der Concierge-Service von NetJets sorgt zudem dafür, dass die 500 roten Rosen für die Liebste rechtzeitig im Jet sind, die Hunde ohne Quarantäneaufenthalt in Shanghai ankommen oder für das Shopping in Marrakesch die besten Adressen bereitliegen.

„Letzten Endes gibt es natürlich niemals die eine, optimale Lösung“, schließt Gerald Wissel: „Es ist – wie beim Hauskauf – immer auch eine Frage der Mentalität. Manchen ist es einfach wichtig, in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Andere dagegen werden ihr Leben lang nur mieten.“      ®

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