• Petra Bäuerle

Edel und smart.

thumb Hahn.Unknown 3 2Edelsteine. Auch Schmuck unterliegt Zyklen. Lange hatte das Familienunternehmen Gerhard Hahn auf Perlen gesetzt. Doch vor etwa sechs Jahren, nachdem Verkäufe wie auch Preise seit mehreren Saisons im Abschwung begriffen waren, wurde umgeschwenkt. Hahn konzentrierte sich fortan auf farbige Edelsteine. Ein cleverer Schachzug. Denn mittlerweile boomt die Nachfrage nach Rubinen, Saphiren und Smaragden.

Alexandre Hahn vergleicht einen Edelstein gern mit einem Kunstwerk. „Die Farbenvielfalt und -intensität, die Seltenheit, die Schönheit, das Mysterium der Einschlüsse, das ist doch großartig. Es gibt nicht viele Arten von Wertanlagen, an denen sich die Eigentümer gleichzeitig so erfreuen können.“

Weil das mittlerweile viele Anleger – vor allem in Asien – offenbar ähnlich sehen, hat sich der Markt im hochwertigen Farbsteinbereich deutlich verknappt. „Vor allem die Nachfrage nach besonderen, seltenen Steinen ist massiv angestiegen“, informiert der 34-Jährige, der das Familienunternehmen in vierter Generation mit Vater Michael (links) leitet.

Entsprechend spektakulär ist auch die Preisentwicklung: So haben sich zum Beispiel feine, nicht erhitzte Rubine in den letzten sechs Jahren im Preis verdreifacht, feine, ungebrannte Saphire um das Zweieinhalbfache.

Auf diese Steine hat sich das Unternehmen Gerhard Hahn spezialisiert. Rubine, Saphire, Smaragde, Spinelle, die schönsten, die strahlendsten, die größten. Nicht nur den Steinen selbst gehört die Leidenschaft der Hahns, auch den Regionen, in denen sie gefördert werden. Afrika, Myanmar, Sri Lanka, Madagaskar, Kaschmir – Beziehungen werden seit Generationen bei zahllosen Reisen gepflegt.

„Wir leben mit den Menschen vor Ort, die über die Jahre und Jahrzehnte zu Wegbegleitern geworden sind. Der direkte Einkauf und die intensiven Geschäftskontakte ermöglichen erst ein exklusives Angebot“, erklärt Alexandre Hahn: „Wir kennen spezielle Quellen für Steine aus Minen, die heute gar nicht mehr gefördert werden. Solche, die es zu Zeiten meines Opas gab und die heute Seltenheitswert haben, echte Sammlerstücke wie Kaschmir oder Burma Sapphire.“

Großvater Gerhard Hahn, der sein Unternehmen 1934 in Hamburg gründete, hatte eigentlich von Anfang an auf die edelste Trilogie in der Sinfonie feiner Farbsteine gesetzt: Rubine, Saphire, Smaragde gehörten zu seiner Spezialität neben Diamanten und Orientperlen. Perlen – aber nicht die seltenen, natürlich entstandenen Orientperlen, sondern die in Farmen herangezogenen Zuchtperlen – sollten erst Jahrzehnte später, ab den 1980er-Jahren, für einige Dekaden die erste Geige im Unternehmen spielen.

Der gebürtige Idar-Obersteiner hatte das Metier bei seinem Onkel Otto Hahn in Paris erlernt, der als Erster in der Familie ins Edelsteingeschäft eingestiegen war. 1901 eröffnete er in Paris seinen Handel für Edelsteine und Naturperlen. Dort begann nicht nur die Unternehmensgeschichte, sondern auch eine Liaison der besonderen Art. Urahn Otto Hahn, mit einer Französin verheiratet, pflanzte die Liebe zu Frankreich in die Herzen seiner Familie.

Neffe Gerhard Hahn lebte dann auch ab 1930 in Paris und holte sich beim Onkel das Savoir-faire für seine eigene Firma. Diese etablierte er zunächst in Hamburg, ab 1937 dann in Berlin, wo auch die wichtigsten Kunden ansässig waren.

Im Jahr 1980 – Vater Gerhard hatte den 70. Geburtstag schon hinter sich gelassen – übernahm dann der einzige Sohn Michael Hahn die Verantwortung. Und wagte gleich etwas, das seiner Firma über Jahrzehnte hin wichtige Wettbewerbsvorteile verschaffen sollte: Als erster Europäer knüpfte er direkte Kontakte zu den großen Perlenfarmen in Australien und Tahiti.

Durch Zufall hatte sich die Verbindung zu einer Zuchtanlage in der Nähe von Broom im Nordwesten Australiens ergeben. In den Folgejahren baute er das Netzwerk aus und besuchte die meisten großen Farmen in Australien und Tahiti. Damit umging er den damals üblichen „normalen“ Handelsweg, der stets über Japan als dem Mutterland der Perlenzucht führte. Der richtige Schritt zur richtigen Zeit, denn die besonders großen Perlen aus der Südsee und aus Tahiti standen auf der Wunschliste der Kunden plötzlich ganz oben.

„Als der Boom begann, verfügte mein Vater über die schönste Ware – schließlich konnte er beim persönlichen Einkauf der Zuchtperlen sein Know-how aus dem bisherigen Handel mit kostbaren Naturperlen, den Orientperlen, einbringen“ – der ja von Anbeginn an zum Geschäftsfeld von Gerhard Hahn gehört hatte. Auch beim Erlernen neuer Fertigkeiten verschaffte sich Michael Hahn einen Vorsprung. „Ich erinnere mich, wie ich versuchte, einzelne, in Australien gekaufte Perlen mit einer aus Japan importieren Perlen-Bohrmaschine mit japanischer Anleitung zu bohren. Da ging tatsächlich Probieren über Studieren.“

Auf der Schmuckmesse in Basel galt die Firma Gerhard Hahn deshalb lange Zeit als Spezialist für große Perlen in besonders feinen und interessanten Farben. „Man wusste in der Branche, dass es bei uns immer das schönste Collier mit großen und feinen Südseeperlen (18,00 bis 21,95 mm Durchmesser) auf Lager gab“, so der Rückblick des heutigen Seniorchefs.

Nach einem mehr als 25 Jahre währenden Boom begann der Markt zu kippen. Die Perlfarmer hatten ihre Produktion permanent hochgefahren, mit Zuwachsraten von bis zu 50 Prozent jährlich. Dies führte schließlich zu einem Überangebot und einem anhaltenden Preisverfall. Da die Zucht von großen Perlen bis zu zehn Jahre dauert und die Investitionen in Austernbänke sehr hoch sind, ließ sich die Produktion nicht so schnell bremsen. „Vom Top-Preisniveau der Jahre 1995 bis 2000 fielen die Preise um bis zu 75 Prozent. Erst dann stabilisierte sich der Markt – auf niedrigerem Niveau“, informiert Michael Hahn.

Zuchtperlen seien zwar ein sehr edles Naturprodukt, würden aber eben mithilfe des Menschen produziert und unterlägen somit auch Regeln des „Schweinezyklus“. „All das hatte auch Konsequenzen für unser Unternehmen. In Europa rechneten sich die Preise für uns nicht mehr“, erklärt Alexandre Hahn die erneute Wende in der Firmenstrategie: „Perlen waren für Gerhard Hahn keine Option für die Zukunft. Also haben wir schon 2008 den Schwerpunkt wieder auf Edelsteine gesetzt.“

Eine kluge Strategie. Denn heute sind diese Steine wieder die Nummer eins – nicht nur im Unternehmen, sondern auch bei den Kunden. „Wird der Stein gut eingekauft, findet sich bei interessanter Preisgestaltung auch rasch ein Interessent, was für einen schnellen Lagerdurchlauf sorgt. Zwar gibt es Steine, die auch einmal ein paar Jahre im Safe liegen bleiben, weil diese aber im Vergleich zur Zuchtperle ständig an Wert gewonnen haben, bedeutet dies für uns keinen Verlust.“ Im Gegenteil: „Seit wir uns restrukturiert haben, entwickelte  sich das Unternehmen positiv, mit ständig steigenden Umsätzen.“

Michael Hahn hat sich im Zuge des Generationenwechsels mittlerweile teilweise aus dem Geschäft zurückgezogen. Ganz wollte er sich aber noch nicht verabschieden und kümmert sich derzeit vor allem um den Einkauf. Sohn Alexandre, ausgebildeter Goldschmied und Gemmologe, ist dafür verantwortlich, das Unternehmen auch weiterhin in der ersten Liga auf dem Weltmarkt für exklusive Edelsteine zu halten.

„Wir müssen stetig am Ball bleiben. Denn die Trends am Markt können sich schnell ändern.“ Das gelte zwar weniger für das klassische Segment, also den Verkauf von losen Rubinen, Saphiren und Smaragden, aber umso stärker für „Nebenwerte“ und Vertriebsmethoden. „Wir verzeichnen jüngst zum Beispiel ein Interesse an alternativen Steingruppen wie zum Beispiel den Spinellen. Für die Zukunft wird es für uns Juweliere außerdem immer wichtiger, schnell reagieren zu können und auch einen Teil der Ware in gefasstem Zustand anzubieten.“ Immer mehr Kunden wollten „sofort“ kaufen und nicht warten, bis der Stein ihrer Wahl im Ring gefasst ist.

Eines, meint Alexandre Hahn, werde sich aber nie ändern: Das Vertrauen innerhalb der Familie sei einfach unbezahlbar. Schließlich werde mit sehr kleinen, sehr wertvollen Produkten gearbeitet. Nicht von ungefähr finden sich gerade im Edelsteinhandel so viele Familienbetriebe. Verlässlichkeit ist oberstes Gebot. „In unserer Branche brauchten wir keine Verträge, hier gilt meistens noch der Handschlag.“                      ®

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