• Sonderveröffentlichung: Alexander P. Letzsch Lombard International Services S.A.

Zwischen zwei Nationen.

Lebensversicherungen. Investoren mit doppelter Staatsbürgerschaft oder unterschiedlichen Wohnsitzen und Staatsbürgerschaften haben ein großes Problem. Ihre Anlagealternativen sind eingeschränkt, die Besteuerung ist ungünstig. Eine Lebensversicherung kann die Lösung sein.

Steuern erheben heißt, die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viele Federn mit möglichst wenig Gezische bekommt, sagte der französische Staatsmann Jean Baptiste Colbert schon vor 400 Jahren. Besonders schmerzhaft wird es für die Gänse allerdings, wenn zwei oder mehr Staaten rupfen.

Stellen Sie sich vor, Sie würden aufgrund Ihrer Staatsbürgerschaft im Land Ihrer Staatenzugehörigkeit – sagen wir: Land A – besteuert. Und zwar egal, wo Sie auf der Welt leben (dies entspricht dem Nationalitätsprinzip). Solange Sie im Land A selbst leben, hat das wenig Einfluss auf Ihr Anlageverhalten und die steuerlichen Rahmenbedingungen.

Ziehen Sie nun in ein Land B, müssen Sie plötzlich neben Ihren staatsbürgerschaftsbezogenen Steuerregeln auch noch die des neuen Wohnsitzlandes berücksichtigen (Wohnsitzstaatsprinzip). Sie müssen schließlich in beiden Ländern eine Steuererklärung in Bezug auf Ihr Welteinkommen einreichen.

Dies könnte dazu führen, dass nur noch die Synthese aus den Vorschriften der jeweiligen Länder gilt – mit fatalen Folgen. Denn erstens kommen dann nur noch bestimmte Investmentvehikel infrage. So könnte es sein, dass diese Synthese es quasi vorschreibt, nur noch direkt in Aktien und festverzinsliche Wertpapiere zu investieren, weil hier Dividenden und Zinsen einfach ausgewiesen werden können und für beide Rechtsordnungen relativ einfach die steuerlichen Bemessungsgrundlagen erstellt werden können.

Das zweite Problem: Auch wenn sie diese Beschränkung hinnehmen, müssen Investoren einen Vermögensverwalter finden, der einen solchen Service anbietet – oder die Verwaltung selbst übernehmen. Die meisten Vermögensverwalter steuern die Vermögensverwaltung aber über Fonds und ETF-Strukturen, die nicht unbedingt mit mehreren Rechtsordnungen kompatibel sind.

Gegebenenfalls bringt die jeweilige Staatsbürgerschaft auch drittens noch regulatorische Einschränkungen mit sich, die den Vertrieb von Produkten oder die allgemeine Beratung des Anlegers im Ausland einschränkt.

Bemerkenswert: Dies ist kein Spezialthema. In unserer globalisierten Welt sind immer mehr Personen betroffen. Alle Bundesbürger, die auch eine US-Staatsbürgerschaft besitzen oder US-Bürger, die im Ausland leben, gehören dazu. Als US-Personen werden übrigens unter bestimmten Voraussetzungen auch „Greencard-Holder“ betrachtet. Sie sind den US-Staatsbürgern mit allen steuerlichen Folgen gleichgestellt.

Vorstellbar sind vor allem drei Konstellationen. Erstens: Der Investor ist Staatsbürger des Landes A und des Landes B und lebt dauerhaft in Land B und möchte auch in Land B sein Vermögen verwalten lassen.

Zweitens: Der Investor ist Staatsbürger des Landes B und zieht temporär in das Land A und möchte aber weiterhin sein Vermögen in Land B verwalten lassen, weil er dorthin zurückkehren möchte.

Drittens: Der Investor ist Staatsbürger des Landes A und lebt in Land B.

Betroffen ist also nicht nur der Doppelstaatsbürger im eigentlichen Sinn, sondern auch derjenigen, der nur zeitweise in dem anderen Land steueransässig wird, weil regulatorische Einschränkungen es seinem heimatlichen Vermögensverwalter verbieten, den langjährigen Kunden zu betreuen.

In Europa ist diese Einkommensteuerpflicht nach dem Nationalitätenprinzip zwar nicht als Grundsatz festgeschrieben. Sie taucht aber immer wieder als Schreckgespenst auf, wenn zu viele vermögende Bürger ein Land wegen zu hoher Steuern verlassen wollen.

Dies ist unter anderem ein Grund, warum der französische Schauspieler Gérard Depardieu relativ zügig seine französische Staatsbürgerschaft abgegeben hat, nachdem er aus Frankreich des hohen Grenzeinkommensteuersatzes we­gen weggezogen ist. Er fürchtete eine neue Besteuerung auf Basis der Staatsbürgerschaft. Selbst in Großbritannien oder auch in Deutschland werden diese Themen immer wieder einmal angedacht, um der Steuerflucht aus dem Land Paroli zu bieten.

Wie kann der Investor reagieren?

Bislang gern genutzte Lösungsansätze bei der Vermögensverwaltung, wie Holdingstrukturen oder treuhänderische Übertragungen, funktionieren nicht. Denn in vielen Fällen entfaltet die Holdingstruktur im neuen Wohnsitzstaat keine Abschirmwirkung, sondern wird steuerlich transparent  behandelt. Die Verwaltung des Vermögens  in einer GmbH oder eine Personengesellschaft scheidet demnach aus.

In einem Fall mit US-Bezug werden wohl auch die meisten Vermögensverwalter die Übernahme des Mandats ablehnen, weil sie zu starken Anlagerestriktionen und Haftungsrisiken unterliegen. Zudem bergen Kapitalgesellschaften meist auch das Problem der Wegzugsbesteuerung, selbst wenn der Inves­tor nur temporär das Land verlässt.

Treuhänderische Übertragungen könnten denkbar sein, aber auch hier sei Vorsicht angebracht, da diese eventuell als steuerliche Umgehungstatbestände betrachtet werden könnten und sowohl den Berater als auch die steuerpflichtige Person in Probleme bringen könnten.

Als Lösung kommt nur ein Ansatz in Betracht, der sowohl das Recht und Steuerrecht des Landes A berücksichtigt als auch die Vorgaben des Landes B abdeckt. Eine sogenannte Dual Compliant Solution – eine steuerlich und rechtlich in beiden Ländern anerkannte Struktur – könnte die Lösung sein. Diese findet sich aber weder im Trust-, Stiftungs- noch Gesellschaftsrecht der meisten Länder.

Letzten Endes hilft nur eine Lebensversicherungslösung, die nach beiden Rechtsordnungen konform ausgestaltet ist, tatsächlich weiter.

Dabei zeichnet der Investor eine Luxemburger Lebensversicherung, die nach der Rechtsordnung seines Wohnsitzstaats steuerkonform ist und die zudem den Anforderungen der Besteuerungsregeln seiner Staatsangehörigkeit entspricht.

Diese muss nur den strengen Diversifikationsregeln des Landes A entsprechen. Das ist aber umsetzbar. Dem Land A ist sogar egal, wo der Anbieter sitzt, für Land B muss es allerdings ein EU-Anbieter sein. Deshalb eignet sich beispielsweise eine Luxemburger fondsgebundene Lebensversicherung.

Mit diesem Vorgehen löst der Investor mehrere Probleme gleichzeitig:

Erstens wird die Besteuerung der laufenden Erträge auf die Endfälligkeit der Lebensversicherung verschoben. Der Anleger erhält also einen Steueraufschub.

Zweitens fallen steuerliche Reportingpflichten während der Laufzeit nicht an. Das vereinfacht die Handhabung. Drittens erweitert sich das Anlageuniversum enorm. Im Lebensversicherungsvertrag gibt es keine Produktbeschränkungen.

Außerdem können komplexe Anlagen wie Private Equity einfacher umgesetzt werden (siehe dazu auch private wealth 02/2015, abrufbar unter www.private-wealth.de)

Und viertens haben Wohnsitz oder Staatsbürgerschaft des Investors für die das Vermögen der Lebensversicherung verwaltende Bank keine Bedeutung, denn sie hat einen Luxemburger institutionellen Kunden.

Damit kann der im Land B lebende Investor plötzlich wieder so investieren, wie er es gewohnt ist – auch wenn seine persönlichen Einflussmöglichkeiten im Rahmen der Fondspolice eingeschränkt sind. Aber eine Anlagestrategie kann vom Versicherungsnehmer ja durchaus abstrakt definiert sein und damit seinem Anlagehorizont und Risikobedürfnissen gerecht werden.

Selbst ein Investor, der nur temporär in das Land A zieht, kann unter Verwendung einer solchen Lösung zumindest weiterhin am ursprünglichen Wohnort übliche Anlagestrategien umsetzen lassen, ohne sich an die neue Umgebung anpassen zu müssen. Dies ist vor allem für Manager, Spitzensportler, Wissenschaftler und Unternehmer interessant, die aus verschiedenen Gründen in einer anderen Rechtsordnung leben müssen – unabhängig davon, ob eine Besteuerung nach dem Nationalitätenprinzip greift.

Damit schafft die Lebensversicherung in unserer globalisierten Welt einen wichtigen Zusatznutzen – sie erhöht die geografische Flexibilität des Kunden und erschließt ihm neue Anlageuniversen.     ®