• Dr. Günter Kast

Der Guide.

thumb Safari Beks auf Walking Safari 1 2Safari. Simbabwe polarisiert. Für die einen gehört das Land zu den schönsten Reisezielen Afrikas. Für die anderen ist es ein No-Go – das korrupte Reich des greisen Autokraten Robert Mugabe. Für Beks Ndlovu definiert diese Ausgangslage eine unternehmerische Herausforderung. Der Gründer von African Bush Camps will die Nummer eins in der wieder wachsenden Tourismusindustrie seines Landes werden.

Achtung, Hippo auf elf Uhr!“ – Beks Ndlovu gibt seinen Safari-Gästen glasklare Anweisungen, wie sie ihr Kanu auf dem mächtigen Sambesi durch das Labyrinth aus Flusspferden zu lenken haben. Mit den unberechenbaren Tieren sei schließlich nicht zu spaßen. Auf ihr Konto gehen mehr tödliche Unfälle in Afrika als auf das aller Löwen und Krokodile zusammen.

Als die kleine Gruppe am Ufer anlegt, taucht die untergehende Sonne den Mana Pools National Park in ein weiches Licht, genau richtig für einen unvergesslichen Sundowner mit purem „Out of Africa“-Feeling. Beks lächelt. Er kann es noch. Perfektes Timing! „Hier habe ich als Kanu-Guide einst angefangen“, sagt er. „Und jetzt stehe ich wieder hier.“ Dazwischen lag ein langer und manchmal steiniger Weg.

Beks Ndlovu, Jahrgang 1976, wächst als Sohn eines Buchhalters und einer Pharmazie-Assistentin in der Nähe des Hwange-Nationalparks im Nordwesten Simbabwes auf. Seine Familie gehört zum Volk der Ndebele und damit zu einer Minderheit. Viele Jahre unterdrückte die Regierung Robert Mugabes die Ndebele gewaltsam. Zwischen 1982 und 1987 waren 10000 ihrer Leute ermordet worden. Erst 1999 bot Mugabe Entschädigungen an, um die Unterstützung dieser Volksgruppe zu gewinnen und damit seine Macht zu zementieren.

Beks bekommt als Kind davon zum Glück nicht allzu viel mit. Seine Eltern schicken ihn auf ein Internat, das mit militärischer Disziplin geführt wird. „Very british“ sei das gewesen, lacht er. Aber „der Hauch Süd-Rhodesien“, wie das Land zu Kolonialzeiten hieß, habe ihm nicht geschadet.

Er hält sich an ältere Freunde, baut ein Netzwerk auf. Nach der Schule ergattert er eine Trainee-Stelle und lässt sich zum Safari-Guide ausbilden. Nach nur zweieinhalb Jahren hält er die Lizenz in Händen, andere brauchen dafür vier Jahre. Jetzt darf er Touristen die Schönheiten seiner Heimat zeigen – vom Kanu aus, zu Fuß, im Safari-Fahrzeug. Es sind goldene Zeiten: In den letzten Jahren des alten Jahrtausends boomt der Safari-Tourismus auch in Simbabwe.

Als Ende 2000 Mugabes Schergen beginnen, die weißen Farmer zu terrorisieren, geht Beks für einen renommierten südafrikanischen Safari-Veranstalter als Lodge-Manager nach Botswana. „Ich lernte Menschen aus der ganzen Welt kennen. Mein Horizont wurde größer. Aber nach zwei oder drei Tagen zogen diese Leute weiter und ich blieb zurück.“

Aus seiner für ihn zu kleinen Welt kommt er erst heraus, als ihn Gäste der Lodges fragen, ob er sie als persönlicher Reiseleiter auch in andere Länder Afrikas begleiten will. Natürlich will er: Er ist gut, er ist witzig, er ist eloquent – und plötzlich ein gefragter Mann. Selbst Guides der Konkurrenz bescheinigen ihm noch heute, einer der besten Safari-Führer zu sein, die das südliche Afrika je gesehen hat. Fortan entwickelt er personalisierte Touren für vermögende Privatkunden – nach Ruanda, Tansania, Sambia. Seine Gäste vertrauen ihm und seinen Reiseplänen.

Die Privatkunden, die Beks durch Afrika führt und die seine Freunde werden, fordern ihn heraus: „Träumst du nicht von eigenen Lodges und Camps?“, fragen sie ihn. „Du hast doch das Zeug dazu!“ – „Ja, aber nicht das Geld“, antwortet Beks. „Das können wir ändern“, geben seine Unterstützer zurück. Ein Brite aus der Pelzindustrie und zwei Australier aus der Naturkosmetikbranche, mit denen er 2006 auf Safari geht, fragen ihn nach „seinem“ Geschäftsmodell: „Ich hatte beobachtet, dass sich die Safari-Lodges in Sachen Luxus permanent zu überbieten versuchen. Das missfiel mir. Im Mittelpunkt sollen doch die Landschaften und die Tiere stehen, oder?“

Beks plädiert für semi-permanente Zeltcamps, in denen die Geräusche des Busches noch wirklich zu hören sind. Und wo es keinen Küchenchef gibt, der die Gäste mit dem Funkgerät in die Lodge zurückholt, nur weil gerade Essenszeit ist – unabhängig davon, dass gerade Löwen einen Büffel gerissen haben. Außerdem will er nur die besten Guides einstellen – hoch qualifizierte Safari-Führer, deren Wissen über seltene Vögel selbst neben einem Ornithologen bestehen könnten.

Diese Idee allein ist schon extravagant genug. Aber das Ganze auch noch in Simbabwe? In dem Land mit dem verrückten Alten an der Spitze? Der die Weißen von ihren Farmen vertrieb oder sie gleich umbringen ließ? Der sein Land ins Chaos stürzte? Dort, wo Hyperinflation, Kriminalität und Korruption wuchern? „Meine Freunde waren sich des Risikos bewusst“, erklärt Beks. „Sie sahen sich mehr als Gönner denn als Investoren.“ Obwohl sie eine Million US-Dollar bereitstellen, bestehen sie nicht darauf, Mehrheitseigner der neu gegründeten Firma African Bush Camps (ABC) zu werden. Beks behält die Kontrolle, kratzt eigene Ersparnisse und die der Familie zusammen, sichert sich zusätzliche Bankkredite.

2007 geht Somalisa, sein erstes Camp, in einer 9000 Quadratkilometer großen, privaten Konzession des Hwange-Nationalparks an den Start. Sein Geburtsort, das Dorf Lupane, liegt gar nicht so weit entfernt. Zwischen 30000 und 100000 Dollar pro Jahr kostet so ein Pachtvertrag für ein Safari-Camp, und er wird jedes Jahr um bis zu zehn Prozent teurer. In den Monaten vor der Eröffnung arbeiten Beks und seine Frau Sophia – sie hat deutsche Eltern, ist auch in Deutschland geboren, lebt damals aber noch in Australien – bis zur  Erschöpfung. „Der Anfang war sehr hart.“ Das Geld ist knapp und die Touristen meiden den Pariastaat. „Aber ich fühlte mich verpflichtet, in Simbabwe etwas aufzubauen. Ganz von hier wegzugehen – das war für mich nie eine Option. Ich habe immer an eine bessere Zukunft geglaubt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es wieder aufwärtsgeht. Die habe ich bestmöglich genutzt, um Neues in anderen Regionen kennenzulernen.“

Wenige Monate nach dem Start von Somalisa eröffnet der Unternehmer sein erstes Camp in Botswana. In diesem boomenden Safari-Land erwirtschaftet er den Ertrag, der es ihm erlaubt, das zunächst schlecht gebuchte Camp in Simbabwe weiter zu finanzieren. Das ist auch dringend nötig. Im Jahr 2000 hatte es im Hwange-Park drei Dutzend private Lodges gegeben, 2007 waren nur noch vier oder fünf von ihnen übrig. Für Beks ist diese Krise aber auch eine Chance. Denn gut ausgebildete Arbeitskräfte, die früher auf den Farmen der Weißen tätig waren, stehen nun auf der Straße und sind bereit, für wenig Geld kräftig anzupacken.

Und die Regierung? Die lässt ihn machen, weil der Tourismus von Mugabes Leuten nicht als strategisch wichtig oder über die Maßen attraktiv erachtet wird. Ob Gäste ins Land kommen, ist ihnen schlicht egal. Außerdem ist Beks ein Schwarzer. Zwar vom falschen Stamm, aber aus Sicht des Regimes ist das immer noch besser, als weiß zu sein.

„Hätte ich in großem Stil Farmen kaufen wollen, wäre das natürlich etwas anderes gewesen“, erklärt Beks. „So aber konnte ich weitermachen. Die Regierung brauchte außerdem die Steuern aus meinen Umsätzen.“

Ist das glaubwürdig? Oder ist Beks nicht doch ein Günstling des Regimes? Wenn es so wäre, würden wohl Bryan, 60, und seine Frau Elizabeth nicht im Kanga-Camp einchecken. Der weiße Exfarmer wurde von seiner 4000-Hektar-Farm vertrieben, auf der er Strauße züchtete, Tabak und Macadamia-Nüsse anbaute. Heute berät er Privatleute und Firmen beim Bohren von Brunnen.

„Im Rückblick war es ein Segen, dass wir die Farm aufgeben mussten“, sagt Bryan, „das war nicht mehr meine Welt.“ Mittlerweile könnte er einen kleinen Teil der Farm, maximal 500 Hektar, zurückkaufen. Aber erstens seien die Konditionen und Auflagen für den Rückkauf denkbar ungünstig. Und zweitens brauche man mindestens 2000 Hektar, um rentabel wirtschaften und die Maschinen auslasten zu können. „Wir wollen auch nicht mehr neu anfangen, so viel Zeit haben wir nicht. Das erste Mal hat das 25 Jahre gedauert.“

Die Safari-Gäste aus Deutschland und der Schweiz hören Bryan interessiert zu. Es ist förmlich zu spüren, wie ihr Weltbild Risse bekommt. Schwarz – Weiß, Arm – Reich … Die Schubladen funktionieren nicht mehr. Bryan legt noch nach: „Wir sind Simbabwer in vierter Generation. Wir haben nie ans Auswandern gedacht.“ Tatsächlich ist die politische Lage in dem umstrittenen Land viel komplexer, als das viele hierzulande wahrhaben wollen. In Beks’ Kanga-Camp macht zum Beispiel gerade der Franzose Arnaud Cunin mit seiner Familie Urlaub. Er ist Finanzattaché der EU-Kommission in Harare, überwacht Wahlen, hilft als politischer Berater. „Simbabwe hat   > dieses sehr schlechte Image zu Unrecht“, klagt er. Er sei froh, dass die meisten westlichen Länder ihre Sanktionen Ende 2014 aufgehoben hätten. Bestehen bleiben sie nur für Mugabe selbst, seine Frau Grace und ein Dutzend ihrer Gefolgsleute.

Beks selbst hat in der Zwischenzeit das Wachstum von ABC kräftig vorangetrieben. Mit dem weißen Simbabwer Ian Batchelor und dem ebenfalls weißen Südafrikaner Nic Polenakis holt er 2011 zwei neue Investoren an Bord. Gemeinsam bauen sie die Bettenkapazität in den inzwischen fünf Camps um 40 Prozent aus. Nic ist ein VIP der Safari-Szene: National Geographic Traveler wählte ihn 2011 zu einem der „Ten ­Great Tour Guides Who Can Transform Your Trip“. Er kümmert sich um die Camps im Hwange-Park, Ian um diejenigen in Mana Pools.

Beks selbst konzentriert sich auf Botswana, die Holding, PR und Marketing. Zudem baut er 2011 mit geleasten Cessnas Safari Logistics auf, um seine Gäste schnell und bequem zwischen den Camps hin- und herfliegen zu können. „Wir hatten ja keine eigenen Maschinen und Piloten. Und ich wollte mich nicht auf andere Dienstleister verlassen. Also lernte ich schnell das große Einmaleins der Luftfahrt.“ Weil die kleinen Maschinen nur gemietet sind, ist zunächst kein großes Investment nötig. Inzwischen denkt er aber über einen Kauf nach.

2012 wird Beks Ndlovu zu Simbabwes Unternehmer des Jahres gewählt. Im Jahr 2014 setzt er fünf Millionen Dollar im Jahr um, unter dem Strich bleibt ein Nettogewinn von 600.000 bis 700.000 Dollar übrig. Die Camps in Simbabwe laufen inzwischen genauso gut wie die in Botswana.

Trotzdem macht Beks – wieder einmal – einen Schnitt, um noch schneller und effizienter wachsen zu können. Er bezahlt sämtliche Altinvestoren aus, auch Nic und Ian. Vier Millionen Dollar bringt er dafür auf, teils aus Privatvermögen, teils aus Krediten. Dann holt er ein neues Duo an Bord. Wer sie sind, verrät er nicht. Nur so viel: Beide haben einen Pass aus Simbabwe, einer lebt im Land, der andere in Übersee.

„Sie teilen meine Pläne zu 100 Prozent“, sagt Beks. „Und sie sind bereit, zu investieren.“ 15 Millionen Dollar liegen parat, um in den kommenden drei Jahren einen strategischen Wachstumsplan umzusetzen: ABC soll das größte Safari- und Reise-Unternehmen des Landes werden. Allein in Simbabwe will Beks vier weitere Camps eröffnen. Er plant auch ein nicht so hochpreisiges Camp im Hwange-Park, um jüngeren Touristen ein authentisches Safari-Erlebnis zu ermöglichen. Im Khwai-Camp in Botswana will er die Bettenzahl verdoppeln, im Okavango-Delta schaut er sich neue Standorte an.

Und dann ist da noch Victoria Falls, die Stadt an den berühmten Victoria-Fällen am Sambesi. Viele Jahre fristete sie ein Schattendasein, während sich die Touristen in Livingstone auf der sambischen Seite auf die Füße traten. Jetzt kommen die Besucher allmählich zurück, der baufällige internationale Flughafen wird renoviert und erweitert. „Vic Falls hat das Potenzial, ein touristisches Drehkreuz für das ganze südliche Afrika zu werden“, glaubt Beks. „Die Stadt hat ihre beste Zeit noch vor sich.“ Und deshalb will er dort bis Ende 2015 „etwas am Laufen haben“.

Aber macht der Vorzeigeunternehmer seine Rechnung nicht ohne den greisen Diktator? Wie soll ein friedlicher Machtwechsel nach dessen Tod aussehen? Das weiß auch Beks nicht: „Ich sage ja: Wir operieren hier in einem Hochrisiko-Umfeld. Niemand weiß, wer der künftige Führer des Landes sein wird. In der Übergangsphase nach Mugabe kann das eine Zeitlang durchaus seine Frau Grace sein. Aber eben nur für den Übergang. Simbabwe ist ein Land in der Schwebe …“  ®

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