• Antje Annika Singer

Mein See am Haus.

Schwimmteiche Bsp. 1 Gesamtansicht

Gartengestaltung. Schwimmteiche und Naturbecken bringen lebendiges Wasser in den ­heimischen Garten. Sie funktionieren nach dem Prinzip der natürlichen Selbstreinigung und ersetzen zunehmend klassische Swimmingpools. Auch optisch setzen sie Architektur und Natur zu jeder Jahreszeit gekonnt in Szene.

Zwischen Rosen, Obstbäumen und Hügeln liegt ein traumhafter 770 Quadratmeter großer Badesee. Er fügt sich perfekt in die Landschaft ein – er liegt da, als wäre das Haus an sein Ufer gebaut worden. „Aber es war natürlich umgekehrt. Erst kam das Haus, dann der großzügige Garten und zum Schluss erst der See“, erinnert sich Wendelin Jehle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer (DGfnB), an eines seiner außergewöhnlichsten Projekte vor zehn Jahren. Noch heute pflegt seine Mannschaft das aufwendig angelegte Areal.

„Es ist wie Urlaub daheim“, zitiert Jehle die am häufigsten gehörte Reaktion von Schwimmteichbesitzern. „Egal welche Größe, ob kleiner See oder Saunatauchbecken: Ein natürliches Gewässer im eigenen Garten verbreitet ein ganz besonderes Flair. Im Sommer steht das Badevergnügen im Vordergrund, im Winter idealerweise Schlittschuhlaufen oder Eisstockschießen. Allen voran ist es aber die erlebbare Natur, die zu jeder Jahreszeit besticht und hilft, die Seele baumeln zu lassen.“

Landschaftsgärtnermeister Jehle ist ein Mann der ersten Stunde, wenn es um Schwimmteiche geht. Anfang der 1990er-Jahre, erzählt er, habe eine Innovation in der natürlichen Wasseraufbereitung von Badegewässer aus Österreich auch in Deutschland Schule gemacht. „Es gelang, Algen durch spezielle Phosphat-Filter und Skimmer sowie regelmäßige Kontrolle und Entfernung von Bodensedimenten den Nährboden zu entziehen. Zusammen mit natürlichem Bewuchs und abgestimmten Strömungsverhältnissen ließ sich nun die Wasserqualität von Badegewässern gezielt regulieren.“

Seitdem, schätzt er, seien allein in Deutschland an die 20000 Schwimmteiche entstanden. Die Forschungsgesellschaft für Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau legt die Richtlinien für die Planung, den Bau und die Instandhaltung von naturnahen Badegewässern im öffentlichen und privaten Bereich fest. Sie unterscheidet je nach Intensität des Technikeinsatzes fünf Schwimmteichtypen, vom Teich vollkommen ohne Technik bis hin zum Naturpool mit Filteranlage und gänzlich ohne Pflanzen.

Bei allen Typen kommt es auf die richtige Dimensionierung zweier Faktoren an – Nutzungsfläche versus Regenerations- und Uferfläche. Am gängigsten ist Schwimmteichtyp 3 mit einem Flächenverhältnis von 50 zu 50 und einer gezielt durchströmten Aufbereitung. Mit dem heutigen Stand der Technik lässt sich dieser Traum bereits ab einer Gesamtgrundfläche von 40 Quadratmetern ermöglichen. Die eine Hälfte mit klarem Wasser lädt zum Schwimmen ein. Die andere ist Seerosen, Sumpfpflanzen, Zooplankton, Libellen oder auch Fröschen vorbehalten. Drumherum ist alles möglich: Findlinge werden als Trittsteine und Absprungplattform integriert. Felsen speien kleine Wasserfälle zur Rückenmassage aus. Indirekte Beleuchtungen, über und unter Wasser platziert, setzen Terrasse und Garten ins perfekte Licht. Stege und Brücken führen zum Badehaus oder zur Sonnenterrasse, unter deren Holzdielen die Technik platzsparend verborgen ist.

„Die einzigen Ausschlusskriterien für ein Schwimmteichprojekt sind starker Schatten und direkter Baumbewuchs. Andere extreme Bedingungen wie Hanglagen oder zu stark phosphathaltiges Wasser lassen sich alle technisch lösen“, fasst Jehle die Rahmenbedingungen zusammen: „Ideal ist ein Standort an der Südseite, direkt an der Terrasse des Hauses.“ Bis zu 100 Kubikmeter Wasservolumen, das entspricht je nach Tiefe und Bauart rund 120 Quadratmeter Wasserfläche, sei der Bau auch genehmigungsfrei. „So kann je nach Aufwand in drei bis sechs Wochen ein ausgefeilter Plan vorliegen.“

In etwa genauso lang dauert dann die Umsetzung. Vier bis fünf Mann heben Gruben aus, sichern Hänge, befestigen Be­cken, verschweißen Folien, platzieren Felsen und Steinplatten, füllen Substrat und Lehmböden auf, setzen Pflanzen ein, schütten Kies auf, verlegen Holzplanken – und füllen Wasser ein. „Die natürliche Wasserfiltrierung durch das Zooplankton und das ökologische Gleichgewicht haben sich bei richtiger Bauart nach rund sechs bis acht Wochen eingespielt“, verspricht Wendelin Jehle. „Bereits am Ende des zweiten Jahres ist kein Übergang zwischen der Aufbereitungs- und der Badezone mehr zu erkennen. Der Schwimmteich ist perfekt in die restliche Gartenanlage eingewachsen.“

Interessant ist auch die Entwicklung, in bestehenden Swimmingpools das chlorhaltige Wasser zu ersetzen. Auf der Beliebtheitsskala seiner Kunden, erzählt Jehle, nähere sich deshalb der Naturpool stark den Werten für Schwimmteiche an. „Seit fünf Jahren etwa sind Phosphat-Filter auf dem Markt, mit denen wir konventionelle Swimmingpools leicht umrüsten können. So kommen naturnahe, ökologisch und ökonomisch denkende Menschen auch ohne Teichlandschaft in den Genuss von natürlich klarem Wasser.“ Generell sei eine mindestens zwei Meter tiefe Schwimmzone ideal: „Bei flacheren Becken kann es passieren, dass sich das Wasser im Sommer sonst zu stark aufwärmt oder dass Ablagerungen am Boden des Schwimmbereichs beim Baden aufwirbeln.“ Wer klassische Pools umrüste, die selten tiefer als 1,60 Meter gebaut wurden, müsse dann eben den Reinigungsaufwand erhöhen.

Bei allen Varianten fasziniert die Individualität. Abgestimmt auf Stil, Geschmack und Vorlieben des Besitzers entstehen einzigartige Ensembles von Architektur und Natur. „Nur eine Frage steht am Anfang aller Entscheidungen: Bin ich der Typ Blaue Lagune oder der Typ Badesee?“, lacht Jehle: „Springe ich lieber in ein chemisch-sauberes, türkisblaues Becken oder genieße ich die Vielfalt, die sich in und an einem Schwimmteich mit ansiedelt? Während die einen gar nicht erst ins Wasser gehen, wenn im Teich auch Frösche schwimmen, baden andere eben am liebsten inmitten ihrer Kois.“  ®