• Martin Pelz

P2 – ein Kürzel für Genuss.

Champagne

Champagner. Martin Pelz verantwortet als Geschäftsführer der Adlon Holding das Felix ClubRestaurant, den China Club und die Lorenz Adlon Weinhandlung. Seinen Lieblingschampagner findet er bei Dom Pérignon.

Dom Pérignon gehört zu den Champagnern, mit denen die Kunst des Weinanbaus zurück in die Champagne kommt!

Beruflich habe ich oft mit ihm zu tun: Zum Jahrtausend-Silvester haben wir gut 1000 Flaschen im Adlon geöffnet. Außerdem verwalte ich ja die Weinhandlung Lorenz-Adlon, die vor rund 100 Jahren mit einer Million gelagerten Flaschen die größte der Welt war – auch dort führen wir exzellente Champagner. Und schließlich herrscht auch in unserem Nachtclub Felix eine gewisse Nachfrage. 

Bei mir zu Hause gibt es zwei Weinschränke: einer mit Bordeaux, der andere mit Champagner. Der älteste Champagner, den ich getrunken habe, war ein Heidsieck 1907. Eine jener legendären Flaschen, die Taucher 2008 aus dem Wrack des Frachters „Jönköping“ geborgen haben. Die Fracht war für den russischen Zaren Nikolaus II. bestimmt, wurde 1916 jedoch von deutschen Torpedos versenkt. Als die auf den Markt kamen, habe ich 18 Flaschen gekauft. Zehn gingen nach Moskau, zwei nach Dubai, sechs wurden auf Proben entkorkt.

Jetzt fragen Sie vielleicht, warum ich hervorgehoben habe, dass Dom Pérignon die Kunst des Weinanbaus in die Champagne bringt? Natürlich ist die Grundlage eines jeden Champagners die Traube. Anders als der Wein verfügen die meisten Champagner mit Ausnahme der Prestige-Cuvées aber weder über einen Jahrgang noch eine Lage. Sie sind ein Verschnitt. Grundweine aus verschiedenen Lagen und unterschiedlichen Jahrgängen werden dabei vom Kellermeister zum „Wunschgeschmack“ vermählt und mit Dosage gesüßt.

Dieser Verschnitt von Lagen und Jahrgängen sorgt für einen typischen „Markengeschmack“, der sich über die Jahre nicht verändert. Und da es keinen Jahrgang gibt, ist es für den Kunden egal, welche Flasche er kauft.

Für Wein ist dieser Markengeschmack untypisch, denn profilierte Winzer sind ja gerade auf ihre Lage oder auf bestimmte Jahrgänge stolz. So ähnlich ist es auch bei Dom Pérignon. Dort kann ich unter verschiedenen Jahrgängen wählen. Als der erste Dom Perignon 1936 in den Handel kam, war dies die erste „Prestige Cuvée“ aus dem Jahr 1921. Bis heute gab es gerade 39 davon. Die letzte stammt aus dem Jahr 2004.

Besonders interessant für mich ist, dass es den Dom Pérignon in zwei Varianten gibt. Sie unterscheiden sich durch die Lagerzeiten auf der Hefe, die nur beim Hersteller erfolgen kann: Es gibt den etwa sieben Jahre gelagerten Dom Pérignon und den Dom Pérignon Oenothèque, dem Kellermeister Richard Geoffroy eine extrem lange Ruhezeit von etwa 15 Jahren gönnt. Eine solche Oenothèque-Flasche schmeckt niemals wie der normale Dom Pérignon aus demselben Jahrgang, egal wie gut und sorgfältig dieser aufbewahrt wurde.

Gerade jetzt kommen die 1998er auf den Markt. Der Name Oenothèque wurde dabei durch P2 ersetzt, wobei das P für Plénitude steht. Am besten lässt sich dieses Wort wohl mit Fülle übersetzen – gemeint ist natürlich die Geschmacksfülle.

Hausintern steht das Wort für eine qualitative Veränderung. Geoffroy und Team haben bei ihrem Dom Pérignon schließlich drei Entwicklungsstufen festgestellt: Der erste Sprung findet nach sieben bis neun Jahren statt, das Resultat ist der „normale“ Dom Pérignon. Der zweite erfolgt nach weiteren fünf bis sieben Jahren – dies ist also der P2.

Im Anschluss daran wäre noch eine weitere Reifestufe (P3) möglich, für die der Champagner zusätzliche zehn bis 15 Jahre auf der Hefe gelagert werden müsste. Danach verändert sich auch ein Dom Pérignon nur noch im Schne­ckentempo. Größere Qualitätssprünge bleiben nun aus. Aber natürlich kann der Champagner sehr viel länger gelagert werden. Kellermeister Geoffroy hofft, dass seine Weine auch in 100 Jahren noch trinkbar sind. 

Der Dom Pérignon und der P2 sind also zwei grundver­schiedene Champagner vom selben Hersteller aus demselben Jahrgang. Sie zu vergleichen ist für jeden Champagner-Liebhaber ein besonders großer Genuss. Ich denke: Es gibt hier keinen guten oder schlechten. Der Dom Pérignon und der P2 sind für mich ein wenig wie zwei ungleiche Brüder.

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