• Gerd Hübner

Die Sache ist es wert.

Eltif aufmacherSachwertinvestments. Angesichts weltweit anhaltend niedriger Zinsen und steigender Inflationsraten nimmt die Nachfrage nach realen Vermögenswerten zu. European Long-Term Investment Funds, kurz ELTIF, sollen gebühreneffizient, transparent und streng reguliert Zugang zu Anlageklassen wie Infrastruktur, Private Debt oder Private Equity schaffen.

Manchmal braucht eine gute Idee etwas länger, bis sie sich durchsetzt. „Schon im Jahr 2015 hatte die Europäische Kommission mit dem European Long-Term Investment Fund ELTIF, ein EU-weit einheitlich reguliertes Investmentkonstrukt für illiquide Beteiligungen konzipiert“, erläutert Markus Pimpl von der Schweizer Partners Group. Damit sollten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: „Die EU wollte private Investitionen in Infrastruktur oder in nicht börsennotierte Firmen umlenken, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Euroraums zu verbessern, die Finanzierungslücke in Bereichen wie erneuerbare Energien oder digitale Infrastruktur zu schließen und für Investoren im Null-Zins-Europa eine attraktive Alternative zu schaffen.“

Nur so richtig in Fahrt gekommen ist der Ansatz nicht. „Der Knackpunkt dabei war, dass es aufwendig ist, einen solchen Fonds den Vorgaben entsprechend zu konzipieren“, erklärt Pimpl. Im Grunde braucht es dafür ein sehr großes und gut vernetztes Team aus Experten, um viele potenzielle Projekte und Investments zu analysieren. Doch das lohnt sich in der Regel nur, wenn die Nachfrage nach einem ELTIF hoch ist. Das allerdings war zunächst nicht der Fall.

Nun beginnt sich dies zu ändern. Mit der Überzeugung, dass die Zinsen an den Kapitalmärkten noch sehr lange sehr niedrig bleiben, gleichzeitig aber die Inflationsraten steigen dürften, rücken derzeit Anlagen stärker in den Vordergrund, die einen gewissen Schutz vor Kaufkraftverlusten bieten. „Langfristige Beteiligungen – an privaten Firmen, Maschinen, Schiffen, Immobilien oder Infrastrukturthemen wie Verkehr, Wasser, alternativer Energieversorgung – machen in diesem Zusammenhang eindeutig Sinn“, ist Daniel Oyen, von Plettenberg, Conradt & Cie. Family Office, überzeugt. „Die Ausschüttungen solcher Investments sind höher als bei Zinspapieren, weil diese in der Regel während der Laufzeit von zehn bis 15 Jahren nur schwer verkauft werden können. Und Infrastrukturinvestments sind zudem oft auch an die Preissteigerungsrate gekoppelt. Das gibt Investoren einen gewissen Inflationsschutz.“

Allein, derartige Beteiligungen sind nicht leicht zugänglich. Gerade im Infrastrukturbereich sind oft sehr hohe Investitionssummen erforderlich. Der Weg für private Anleger führte in der Vergangenheit deshalb oftmals über geschlossene Fonds. Doch diese Vehikel gerieten aufgrund von wirtschaftlichen Fehleinschätzungen, Betrugsfällen, ihrer oftmals hohen Intransparenz und hoher Kosten in den letzten Jahren zunehmend in Verruf. „Das hat der gesamten Anlageklasse in der Breite geschadet, und ich glaube auch nicht, dass sie sich wieder auf das alte Niveau von vor 2008 erholen wird“, meint Oyen.

In diese Bresche springt nun der European Long-Term Investment Fund. Denn ELTIF unterliegen sehr strengen Regularien, an die sich alle Emittenten halten müssen und die dem Schutz der Anleger dienen. So müssen die Gebühren vollständig transparent sein. „Zeichnet ein Kunde einen ELTIF, weiß er genau, welche Kosten während der Laufzeit auf ihn zukommen“, erläutert Pimpl.

Als Emittenten kommen zudem nur sogenannte qualifizierte Alternative Investment Fund Manager (AIFM) infrage – unseriöse Anbieter scheiden aus. Jeder ELTIF wird zudem börsentäglich gehandelt, wobei die aktuellen Informationen mithilfe der jeweiligen internationalen Wertpapiernummer (ISIN) jederzeit abgerufen werden können. Das ist bei geschlossenen Fonds nicht der Fall. Ferner muss jedes Vehikel eine klar definierte Laufzeit haben. An diesem festgelegten Tag wird der Fonds fällig. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar nicht vorgesehen – schließlich ist die Beteiligung langfristig ausgelegt. Dennoch kann der Emittent Investoren unter bestimmten Voraussetzungen eine Rücknahme der Anteile ermöglichen.

Vor allem aber gibt es sehr genaue Vorschriften, wo und in welcher Größenordnung ein ELTIF überhaupt investieren darf. Erlaubt sind nur illiquide Investments, also Private Equity, Infrastrukturprojekte oder Private Debt, aber auch Patente oder Immobilien, wobei 70 Prozent des Fondsvolumens stets investiert sein müssen. Der Anteil liquider Anlagen darf nur maximal 30 Prozent betragen. Dachfonds, die in der Regel hohe Gebühren aufweisen, sind gar nicht erlaubt.

Besonders wichtig ist, dass diese Fonds eine ausreichende Diversifikation aufweisen müssen. „Eine einzelne Beteiligung darf grundsätzlich nicht mehr als zehn Prozent am Fondsvolumen ausmachen“, erläutert Timo Werner von der Commerz Real, die jüngst mit dem KlimaVest in den ELTIF-Markt eingestiegen ist. „Sollten – was in Ausnahmefällen vorkommen kann – einzelne Beteiligungen leicht über dieser Schwelle liegen, darf eine einzelne Beteiligung nicht mehr als 20 Prozent des Fondsvolumens und die Beteiligungen, die die Grenze überschreiten, in Summe nicht mehr als 40 Prozent des Fondsvolumens betragen. Das ist dann eine harte Grenze. Zudem muss jeder Sachwert ein Mindestvolumen von zehn Millionen Euro haben.“

Da eine einzelne Beteiligung aber nicht zehn Prozent des Portfolios übersteigen darf, kommt ein ELTIF zwingend auf ein Gesamtvolumen von mindestens 100 Millionen Euro. „Damit fallen kleinere und weniger professionelle Anbieter aus dem Markt. Das können fast nur große Initiatoren stemmen, bei denen Anleger sehr sicher sein können, dass sie im Asset Management tatsächlich kompetent sind“, ergänzt Oyen.

Gerade angesichts der schlechten Erfahrungen mit dem Markt für geschlossene Beteiligungen ist das wichtig. „Die Qualität der ELTIF und des entsprechenden Managements sollten deshalb ebenfalls vergleichsweise hoch sein“, meint er und folgert: „Insgesamt bieten ELTIF damit eine charmante, transparente und gut regulierte Variante, um illiquide Vermögenswerte einem Portfolio beizumischen.“

Trotzdem sollten Anleger natürlich prüfen, wo der jeweilige ELTIF investiert ist. „Spannend an diesem Konzept ist ja, dass sich letztlich alles, was nicht liquide ist, in einen solchen Fonds verpacken lässt“, erklärt Markus Pimpl. Einige Fonds sind zum Beispiel monothematisch auf Private Equity oder Energieerzeugung ausgerichtet. Andere mischen verschiedene Bereiche und weisen so einen höheren Diversifikationsgrad auf. „Das ist für Anleger, die zum ersten Mal in Sachwertbeteiligungen investieren, wahrscheinlich die bessere Variante“, überlegt Daniel Oyen.

Zur Zurückhaltung rät der Experte aktuell bei Fonds, die in hohem Maß private Kredite an Unternehmen vergeben – Private Debt. „Derzeit ist völlig unklar, wie viele Unternehmen infolge der Corona-Krise noch in Schwierigkeiten geraten könnten.“ Ein breit diversifiziertes Beteiligungsdepot, so Oyen weiter, sollte perspektivisch Renditen bringen, die drei bis vier Prozent oberhalb der Inflationsrate liegen. Vor allem wenn ein hoher Anteil Private Equity dabei ist, können die anvisierten Renditen jedoch auch im unteren zweistelligen Bereich liegen. „Allerdings muss jedem Anleger dabei klar sein, dass es eine solche Rendite auch nicht ohne Risiko geben kann“, ergänzt Pimpl. So laufen Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen zum Beispiel nicht immer so wie prognostiziert. Im schlimmsten Fall können sie auch ganz ausfallen.

Dennoch sollte sich die Beimischung angesichts der hohen Transparenz und der zusätzlichen Sicherheitsfeatures lohnen. Eine aktuelle Untersuchung der Privatbank Hauck & Aufhäuser zusammen mit der Handelshochschule Leipzig hat den Effekt einer Beimischung von Sachwerten im Vergleich zu einem Standardportfolio aus Anleihen, Aktien, Edelmetallen und Liquidität jüngst untersucht. Das Ergebnis: In der Vergangenheit wäre die Rendite in der Regel gestiegen, die Depotschwankungen geringer ausgefallen. Und da Beteiligungen an Sachwerten in Zukunft noch wichtiger werden dürften, sollte sich der ELTIF nun einen wichtigen Platz in den Anlagestrategien erobern. ®

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How to invest in ELTIF.

Zunächst gilt: Anleger müssen für ein Investment in einen ELTIF qualifiziert sein. Nur Investoren mit einem Finanzvermögen von mehr als 100000 Euro dürfen ELTIF-Anteile erwerben. Bis zu einem liquiden Kapital von 500000 Euro ist die Zeichnung zudem auf zehn Prozent des Finanzvermögens beschränkt. Dies wurde so aus Anlegerschutzgründen festgelegt, damit die langfristige Investition die Dispositionsfreiheit und Liquidität des Investors nicht zu stark einschränkt.

Inzwischen sind laut der europäischen Finanzaufsicht ESMA EU-weit rund 50 ELTIFs zum Vertrieb zugelassen.

Ein reiner Infrastruktur-ELTIF ist beispielsweise der KlimaVest (ISIN: LU2183939003) von Commerz Real. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich erneuerbare Energie wie Wind- und Solarparks. „Dabei kommt uns zugute, dass wir bereits langjährige Erfahrung mit dem Management solcher Anlagen haben, den Markt, die Projektentwickler und Dienstleister kennen und im Rahmen einer fundierten Ankaufs-Due-Diligence und Standortanalyse verlässlich einschätzen können, ob ein einzelner Wind- oder Solarpark ein attraktives Investment darstellt“, so Timo Werner, Commerz Real. Insgesamt strebt der Fonds eine Rendite von drei bis vier Prozent pro Jahr an.

Mit dem PG Private Markets (LU2232093604) hat die Partners Group einen gemischten ELTIF aufgelegt. Dieser soll zu rund 50 Prozent aus Private-Equity-Beteiligungen bestehen, zu jeweils 20 Prozent aus Infrastrukturprojekten und Immobilien und zu zehn Prozent aus direkten Firmenkrediten, also Private Debt. Trotz dieser breiten Diversifikation soll das Produkt ein Rendite im niedrigen zweistelligen Bereich bringen.

Ebenfalls in den Markt einsteigen will die US-Firma BlackRock – zum einen mit einem auf Private Equity ausgerichteten Produkt (LU1916394486) und zusammen mit der Deutschen Bank mit einem Infrastruktur-ELTIF. Weitere Anbieter sind Muzinich, der sich mit dem Firstlight Middle Market ELTIF (LU1946044911) auf den Private-Lending-Markt spezialisiert hat, und Amundi.

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Autor: Gerd Hübner

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